Stößt man auf den Begriff der Gerechtigkeit, so wird man feststellen, dass es hierfür weder im Alltag noch in der Philosophie eine eindeutige Definition gibt. Allen Ansätzen gemeinsam ist jedoch die Anwendungsbedingung, unter der Gerechtigkeit gefordert wird: Die Knappheit natürlicher Ressourcen. Diese Begrenztheit lässt sich nicht aufheben und macht gerechte Prinzipien der Verteilung erforderlich. Doch auch wenn es einen Überfluss an Ressourcen geben würde, so wäre Gerechtigkeit nicht völlig irrelevant: Im gesamten Kontext menschlicher Beziehungen, allen vor
an in Konfliktsituationen, findet sich ihre Anwendung wieder, beispielsweise wenn es um Menschenrechte und Gleichheit vor Gericht geht. Bereits in der Antike beschäftigen sich Philosophen wie Platon und Aristoteles mit dem Wesen der Gerechtigkeit, später nahmen sich ihr auch Hobbes, Hume und Kant an. Im vergangenen Jahrhundert wurde die Debatte um die Gerechtigkeit von Rawls mit seinem mächtigen Werk A Theory of Justice (1971) revolutioniert. Seine zentralen Ansichten bringt er außerdem in seinem Aufsatz Gerechtigkeit als Fairness (1977) zum Ausdruck. Ziel dieser Hausarbeit ist es, auf Basis dieses Textes Rawls Kritik am Utilitarismus darzustellen. Dafür werden zunächst zentrale Kennzeichen dieser philosophischen Position dargestellt. Anschließend werden in Abgrenzung dazu die zentralen Aspekte von Rawls Vorstellung der Gerechtigkeit erläutert. Schließlich lässt sich beantworten, welche Kritikpunkte Rawls am Utilitarismus vorzubringen hat. Im Fazit werden wichtige Aspekte noch einmal zusammengefasst sowie ein Ausblick auf weitere Forschung gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rawls Kritik am Utilitarismus
2.1 Grundprinzipien des Utilitarismus
2.2 Rawls Prinzipien der Gerechtigkeit
2.3 Rawls Kritik am Utilitarismus
3. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit hat zum Ziel, die fundamentale Kritik des Philosophen John Rawls am klassischen Utilitarismus auf Basis seiner Werke „A Theory of Justice“ und „Gerechtigkeit als Fairness“ systematisch darzulegen und die gegensätzlichen normativen Standpunkte herauszuarbeiten.
- Grundlagen des klassischen Utilitarismus (Nützlichkeitsprinzip)
- Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit (Urzustand und Schleier des Nichtwissens)
- Die Prinzipien der Freiheit und das Differenzprinzip
- Deontologische vs. teleologische Ethik
- Kritik an der Vernachlässigung des Individuums und der sozialen Verteilung
Auszug aus dem Buch
2.3 Rawls Kritik am Utilitarismus
Rawls hat nicht nur eine Gerechtigkeitstheorie entwickelt, sondern er positioniert diese sogleich gegen die oben erläuterte Ansicht des Utilitarismus. Durch das Kritisieren des Utilitarismus gelingt es ihm sogleich, seine eigene Vorstellung von Gerechtigkeit stark zu machen. Beide Theorien unterscheiden sich bereits wesentlich in ihren Argumentationsmustern, da Rawls eine deontologische Position vertritt, während der Utilitarismus teleologisch funktioniert (Vgl. Kerstin 1993: S. 92). Das bedeutet, dass für Rawls ein Mensch niemals bloß ein Mittel zum Zweck sein darf, da in der deontologischen Ethik eine Handlung an sich bewertet wird. Anders verhält es sich dagegen beim Utilitarismus, in welcher man lediglich die Folgen betrachtet. Bereits aufgrund dieser unterschiedlichen Positionen kommt es zu Differenzen in der Bewertung von Gerechtigkeit.
Rawls betrachtet zunächst, auf welcher Grundlage im Utilitarismus Gerechtigkeitsprinzipien akzeptiert werden. Hier kritisiert Rawls, dass die Akzeptanz von Gerechtigkeitsprinzipien das zufällige Ergebnis einer administrativen Entscheidung höherer Ordnung ist (Rawls 1977: S. 69). Es findet somit keine Übereinkunft aller beteiligten Individuen darüber statt, was als gerecht gelten soll, sondern dies hängt von einem externen Beobachter ab, welcher die gesamten individuellen Kosten und Nutzen bewertet. Rawls hat mit seiner Gerechtigkeitstheorie an dieser Stelle somit einen Vorteil, da er die wechselseitige Anerkennung der Prinzipien über den fairen Kontext des Urzustandes herleitet (Vgl. Rawls 1971: S. 11).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird die Relevanz des Gerechtigkeitsbegriffs eingeführt, der Forschungsgegenstand definiert und die methodische Vorgehensweise skizziert.
2. Rawls Kritik am Utilitarismus: Dieses Kapitel analysiert zunächst die utilitaristischen Grundprinzipien, stellt Rawls' eigene Gerechtigkeitstheorie gegenüber und formuliert darauf basierend die konkreten Kritikpunkte am Utilitarismus.
3. Fazit und Ausblick: Die Ergebnisse der Untersuchung werden synthetisiert und potenzielle Ansätze für weiterführende wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit Rawls' Werk aufgezeigt.
Schlüsselwörter
John Rawls, Utilitarismus, Gerechtigkeit, Nützlichkeitsprinzip, Urzustand, Schleier des Nichtwissens, Differenzprinzip, Freiheitsprinzip, Deontologie, Teleologie, Ethik, Verteilungsgerechtigkeit, Soziale Gerechtigkeit, Sozialstaat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Auseinandersetzung zwischen dem klassischen Utilitarismus und der Gerechtigkeitstheorie von John Rawls.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Handlungsbeurteilung, die Rolle des Individuums in ethischen Systemen und die Frage nach gerechter Ressourcenverteilung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum Rawls den Utilitarismus als unzureichend betrachtet und wie er seine eigene deontologische Gerechtigkeitskonzeption dagegen abgrenzt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die primär auf der Literaturanalyse zentraler philosophischer Texte von Bentham, Sidgwick und Rawls basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung utilitaristischer Grundprinzipien, die Erläuterung des Rawls'schen Urzustandsmodells und eine detaillierte Kritik von Rawls an der utilitaristischen Logik.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Schleier des Nichtwissens“, „Differenzprinzip“, „Nützlichkeitsfunktion“ und „deontologische Ethik“ geprägt.
Warum ist das Beispiel der Sklaverei für Rawls so wichtig?
Rawls nutzt das Sklaverei-Beispiel, um zu demonstrieren, dass ein utilitaristisches Kosten-Nutzen-Kalkül unter Umständen ungerechte Praktiken rechtfertigen könnte, was er strikt ablehnt.
Wie unterscheidet sich der Utilitarismus aus Sicht von Rawls in der Bewertung von Individuen?
Rawls kritisiert, dass der Utilitarismus Individuen entmenschliche, da sie lediglich als Träger von Lust und Leid innerhalb einer Nützlichkeitsfunktion betrachtet und nicht als eigenständige Subjekte mit unveräußerlichen Rechten respektiert werden.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2016, Rawls Kritik am Utilitarismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456099