Diese Arbeit ist ein Abstract zu Stefan Hulfelds Text „Schauen und Zeigen zwischen Alltag und Theater" aus dem Jahr 2000 im Rahmen seiner Dissertation.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kontextualisierung des Theaterbegriffs
3. Beispiel I: Engerlings-Bekämpfung
3.1 Vergleich der Handlungsstrategien
3.2 Theatralitätskriterien im Magnusritus
4. Beispiel II: Trinken auf dem Marktplatz
5. Zusammenfassung der Theatralitätsbedingungen
6. Kategorisierung der Theatralitätskonzepte
6.1 Lebenstheater
6.2 Theaterspiel
6.3 Nicht-Theater
6.4 Kunsttheater
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Untersuchung analysiert das Spannungsverhältnis zwischen alltäglichen Handlungen und theatralen Ereignissen im 18. Jahrhundert anhand von Solothurner Ratsprotokollen. Ziel ist es, Differenzkriterien zu identifizieren und eine differenzierte Systematik theatraler Ausdrucksformen zu entwickeln.
- Analyse historischer Ratsprotokolle als Quelle theatraler Phänomene
- Untersuchung des Übergangs von alltäglicher Praxis zu rituellen Handlungen
- Identifikation von Kriterien wie Hervorhebung, funktionsteilige Gemeinschaft und Interpretationshorizont
- Kategorisierung in Lebenstheater, Theaterspiel, Nicht-Theater und Kunsttheater
- Reflexion über die Theatralität einer Epoche
Auszug aus dem Buch
Schauen und Zeigen zwischen Alltag und Theater
Anhand der im Staatsarchiv aufbewahrten Solothurner Ratsprotokolle des 18. Jahrhunderts, gelingt es Stefan Hulfeld in diesem Teil seiner Dissertation, die nicht immer offenkundige Grenze zwischen Theatralem und Alltäglichen aufzuspüren, da in selbigen gleichsam tagespolitische wie gesellschaftliche Alltäglichkeiten registriert, als auch die Bewilligungen implizit theatral zu interpretierender Aktionen verhandelt wurden. Hierbei versucht Hulfeld, jenen zwischen Alltag und Theater oszillierenden Phänomenen anhand diverser detailliert analysierender Beispiele mit begrifflichen Definitionen habhaft zu werden, was ihn dazu verleitet, ein einzelnes (Diderotsches) Allgemeinverständnis von 'Theater' in verschiedene, teils übergreifende Formen zu erweitern und zu separieren versuchen.
Hierzu dienen ihm die von einer „vielfältigen Kultur öffentlichen Schauens und Zeigens zwischen Marktplatz, Kirche und Bühnenraum“ zeugenden Ereignisse der Ratsprotokolleinträge und eröffnen bisweilen derart unreflektierte, neue Möglichkeiten und Aspekte der Theaterhistorisierung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung zur Abgrenzung zwischen theatralen Ereignissen und alltäglichen Handlungen in historischen Dokumenten.
2. Kontextualisierung des Theaterbegriffs: Definition und historischer Gebrauch der Begriffe Theater und Comoedie im 18. Jahrhundert.
3. Beispiel I: Engerlings-Bekämpfung: Analyse von landwirtschaftlichen Praktiken und rituellen Riten als unterschiedliche Handlungsstrategien eines Zwecks.
4. Beispiel II: Trinken auf dem Marktplatz: Untersuchung von Übergangsphänomenen durch den Vergleich einer alltäglichen Szene mit ihrer polizeilich verordneten Reinszenierung.
5. Zusammenfassung der Theatralitätsbedingungen: Abstraktion der Bedingungen für eine theatrale Interaktion, insbesondere unter Berücksichtigung von Zeit, Raum und Rhythmisierung.
6. Kategorisierung der Theatralitätskonzepte: Einführung der vier Neologismen Lebenstheater, Theaterspiel, Nicht-Theater und Kunsttheater zur systematischen Einordnung.
Schlüsselwörter
Theater, Theatralität, Alltag, Solothurn, Ratsprotokolle, Schauereignisse, Kunsttheater, Lebenstheater, Ritual, Historisierung, Schauwert, Realwert, öffentliche Inszenierung, theatrale Interaktion, Kulturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich im 18. Jahrhundert die Grenzen zwischen alltäglichen Handlungen und theatralen Darstellungen in öffentlichen Protokollen verwischen und definieren lassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theaterhistorisierung, dem Spannungsfeld zwischen Alltag und Bühne sowie der Analyse ritueller und sozialer Schauereignisse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein präzises Theatralitätsgefüge zu entwickeln, das über den engen, rein institutionellen Theaterbegriff hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Analyse historischer Quellen, insbesondere Solothurner Ratsprotokolle, und vergleicht diese mit theaterwissenschaftlichen Kategorien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkrete Fallbeispiele wie die Engerlings-Bekämpfung und das öffentliche Trinken von Studenten auf dem Marktplatz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernelemente sind Begriffe wie Theatralität, Schauwert, Alltag, Ritual und die vier von Hulfeld eingeführten Typologien des Theaters.
Was unterscheidet das Lebenstheater vom Kunsttheater?
Das Lebenstheater bezieht sich auf gesellschaftliche Konventionen und anthropologische Schauereignisse, während das Kunsttheater eine eigenständige, von der unmittelbaren Alltagspraxis gelöste Form darstellt.
Warum ist das Beispiel der Engerlings-Bekämpfung für die Forschung wichtig?
Es verdeutlicht, wie durch einen rituellen Akt eine Transformation vom unmittelbaren Ziel zum Schauwert stattfindet, was für das Verständnis theatralen Handelns essenziell ist.
Was versteht der Autor unter Nicht-Theater?
Dies ist ein Gedankenkonstrukt, das ein „natürliches“ oder „gottgefälliges“ Handeln postuliert, das explizit frei von Verstellung und theatraler Inszenierung sein soll.
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- Anonym (Autor), 2012, Abstract zu Stefan Hulfelds Text "Schauen und Zeigen zwischen Alltag und Theater", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456567