Diese Arbeit wird sich mit den totalitären Ansätzen in dem staatsphilosophischen Werk von Jean-Jacque Rousseau beschäftigen. Das Hauptaugenmerk wird hierbei auf du Contract Social liegen, wobei seine anderen Werke wie der Zweite Diskurs, nicht unerwähnt bleiben sollen. Kernpunkte der Untersuchung werden der bereits angesprochen volonté général, der Gesellschaftsvertrag an sich sowie des Bildung, die sogenannte Entäußerung, sein. Als theoretische Grundlage für die Untersuchung wird der Totalitarismusbegriff zunächst anhand der Theorien der Politologen Carl J. Friedrich und Zbigniew Brzeziński sowie der politischen Theoretikerin Hannah Arendt näher betrachtet und definiert, bevor er unter Zuhilfenahme der Totalitarismustheorie des deutschen Historikers Hans Buchheim auf die ausgewählte Teile des Werkes angewendet werden. Hierbei wird da gelegt, warum sich Buchheims Ansatz für diese Untersuchung am besten eignet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff Totalitarismus und die Totalitarismustheorie
2.1. Die Totalitarismustheorie nach Friedrich/ Brzeziński und Arendt
2.2. Die Totalitarismustheorie nach Buchheim
3. Rousseaus Staatsphilosophisches Denken
3.1. Rousseus Gesamtwerk
3.2. Rousseaus Vorstellung eines Gemeinwesens - Du Contract Social
3.3. Der Totalitarismus in Rousseaus Denken
3.4. Kritik an der totalitären Auslegung
4. Fazit: War Rousseau ein totalitärer Vordenker ?
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die staatsphilosophischen Ansätze von Jean-Jacques Rousseau, insbesondere in seinem Werk „Du Contract Social“, auf ihre totalitären Tendenzen hin, wobei sie die Diskrepanz zwischen liberalen und totalitären Interpretationen analysiert.
- Totalitarismustheorien nach Friedrich/Brzeziński, Arendt und Buchheim
- Analyse des Gesellschaftsvertrags und des volonté général
- Untersuchung der Rolle der Volkssouveränität und deren Einfluss auf das Individuum
- Diskussion über die Stellung des Gesetzgebers (legislateur)
- Kritische Würdigung des Vorwurfs der totalitären Auslegung
Auszug aus dem Buch
3.3. Der Totalitarismus in Rousseaus Denken
Die Ausbreitung des Staates in allen gesellschaftlichen Bereichen ist für Hans Buchheim, wie eingangs erwähnt, eines der Merkmale einer totalitären Herrschaft: die Verschmelzung von Staat und Gesellschaft und die Herausbildung von etwas, was im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten als Volksgemeinschaft und im Kommunismus als neue Gesellschaft bezeichnet wurde. Im Nationalsozialismus sollte beides ineinander übergehen; Hitler stand so nicht nur als Staatschef an der Spitze des Staates, sondern auch als Führer der Volksgemeinschaft vor.
Ein erschreckend ähnliches Bild zeichnet Rousseaus in seinem Werk. Es wird über weite Teile nicht deutlich, ob er ein staatliches Gemeinwesen oder ob er eine Zivilgesellschaft beschreibt. Für ihn sind diese Begriffe scheinbar austauschbar, wenn er schreibt, dass die durch den Gesellschaftsvertrag entstanden Gemeinschaft von “ihren Gliedern Staat genannt wird, wenn sie passiv ist, Souverän, wenn sie aktiv ist, und Macht im Vergleich mit ihresgleichen.“ Der Souverän allerdings ist in Rousseaus Vorstellung das Volk. Das Volk oder die Gesellschaft – dies ist für Rousseau der Souverän welcher allerding nur ein anderer Begriff für den Staat ist. Dies hat nichts mit der liberalen, modernen Vorstellung der Trennung von Gesellschaft und Staat zu tun, in der der Staat durch seine Rechtsordnung vielleicht eine Art Schutzmantel für die innerhalb dieser Ordnung lebende Gesellschaft bildet. Für Rousseau sind Gesellschaft und der Staat deckungsgleich. Ein weiteres Beispiel hierfür ist die von Rousseau erdachte Staatsreligion, welche eng mit dem Staat verbunden ist. Religion besitzt für Rousseau eine quasi erzieherische Wirkung und ist, wie er mit Beispielen aus der Antike zu belegen versucht, engstens mit dem Konzept des Staates verknüpft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk Rousseaus ein und umreißt die kontroverse Debatte, ob sein Konzept als liberal oder totalitär zu bewerten ist.
2. Der Begriff Totalitarismus und die Totalitarismustheorie: Dieses Kapitel definiert den Totalitarismusbegriff anhand verschiedener theoretischer Ansätze, wobei der Ansatz von Hans Buchheim für die weitere Analyse ausgewählt wird.
3. Rousseaus Staatsphilosophisches Denken: Dieser Hauptteil analysiert zentrale Konzepte wie den Gesellschaftsvertrag, den volonté général und das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft im Lichte der Totalitarismuskritik.
4. Fazit: War Rousseau ein totalitärer Vordenker ?: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass trotz liberaler Aspekte erhebliche Indizien für eine tyrannische und totalitäre Auslegung in Rousseaus Denken sprechen.
Schlüsselwörter
Rousseau, Totalitarismus, Gesellschaftsvertrag, volonté général, Volkssouveränität, Staat, Gesellschaft, Gemeinschaft, Freiheit, Gesetzgeber, Tyrannis, politische Philosophie, Radikalismus, Individuum, Gemeinwille
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit die staatsphilosophischen Theorien von Jean-Jacques Rousseau, insbesondere in seinem Hauptwerk „Du Contract Social“, als Vordenker für totalitäre Herrschaftsformen interpretiert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Totalitarismustheorie, das Konzept des Gesellschaftsvertrages, das Verhältnis zwischen Individuum und Staat sowie die Natur des Volkswillens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die kritische Analyse, ob Rousseaus Modell der Volkssouveränität und des Gemeinwillens (volonté général) eine totalitäre Struktur impliziert, die den Einzelnen unterordnet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine staatsphilosophische Analyse, die verschiedene Totalitarismusdefinitionen (u.a. von Friedrich/Brzeziński, Arendt, Buchheim) auf Rousseaus Texte anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Rousseaus Gesamtwerk, das Konzept des Gemeinwesens, die Rolle des voluntad général, die Bedeutung des "legislateurs" und die Debatte um die Legitimität staatlicher Eingriffe in die Intimsphäre.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Totalitarismus, Gesellschaftsvertrag, Gemeinwille, Volkssouveränität und radikale Demokratie geprägt.
Wie unterscheidet Rousseau zwischen natürlicher und bürgerlicher Freiheit?
Rousseau sieht in der bürgerlichen Freiheit eine neue, höherstehende Form, die erst durch den Gesellschaftsvertrag und die Entäußerung der ursprünglichen Rechte entsteht, wobei sie den Sieg des Geistes über die Instinkte darstellt.
Warum wird die Rolle des Gesetzgebers (legislateur) so kritisch diskutiert?
In der Literatur wird oft die Gefahr gesehen, dass der Gesetzgeber aufgrund seiner Stellung außerhalb der Gemeinschaft diktatorische Züge annehmen könnte, was der Autor der Arbeit jedoch als Verkennung der tatsächlich schwachen Position des Gesetzgebers zurückweist.
- Citation du texte
- Johan Stolte (Auteur), 2018, Rousseau als Vordenker des Totalitarismus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457230