Let’s share. Ein neues Zeitalter der Offenheit. Die Sharing Economy


Studienarbeit, 2018

103 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Kurzbericht

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Methodik

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Sharing Economy: relevante Begriffe
2.2 Entstehung der Sharing Economy
2.3 Technologische Entwicklungen im Hinblick auf Sharing
2.4 Status quo der Sharing Economy

3 Sharing Modelle
3.1 Sharing Modelle nach Beteiligten
3.1.1 P2P Sektor
3.1.2 B2C Sektor
3.1.3 B2B Sektor
3.1.4 G2C Sektor
3.2 Formen des Sharings
3.3 Branchen und Anbieter der Sharing Economy
3.3.1 Shared Mobility
3.3.2 Room Sharing
3.3.3 Equipment Sharing
3.3.4 Food Sharing

4 Nutzungsmotive für Sharing Konzepte

5 Chancen & Risiken der Sharing Economy
5.1 Chancen des Teilens
5.2 Risiken des Teilens

6 Vertrauen in die Sharing Economy

7 Ergebnisse der empirischen Untersuchung
7.1 Grundlagen der Untersuchung
7.2 Ergebnisse der Untersuchung
7.2.1 Attraktivität der Sharing Economy
7.2.2 Interesse an der Sharing Economy
7.2.3 Faktoren für das Teilen
7.2.4 Bekanntheit und Attraktivität der Sharing Modelle
7.2.5 Teilen von Gütern und Dienstleistungen
7.2.6 Erfahrungen in der Sharing Economy
7.2.7 Nutzung von Sharing Modellen
7.2.8 Empfundenes Risiko beim Teilen
7.2.9 Zukunft der Sharing Economy
7.2.10 Soziodemographie der Teilnehmer

8 Erfolgsfaktoren von Sharing Konzepten für Unternehmen

9 Schlussbetrachtung
9.1 Resümee
9.2 Ausblick

10 Quellenverzeichnis

11 ANHANG

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Hohe Teilungsbereitschaft

Abbildung 2: Geringe Teilungsbereitschaft

Abbildung 3: Attraktivität der Sharing Economy

Abbildung 4: Persönliches Interesse an der Sharing Economy

Abbildung 5: Faktoren für das Teilen

Abbildung 6: Bekanntheit der Sharing Economy Modelle

Abbildung 7: Attraktivität der Sharing Modelle

Abbildung 8: Warum das P2P Modell attraktiver ist

Abbildung 9: Warum der B2C Sektor attraktiver ist

Abbildung 10: Bereits geteilte Güter und Dienstleistungen

Abbildung 11: Bereitschaft noch nie Geteiltes zu teilen

Abbildung 12: Erfahrungen der Studierenden an der WU Wien beim Teilen

Abbildung 13: Positive Erfahrungen der Studierenden beim Teilen

Abbildung 14: Negative Erfahrungen der Studierenden beim Teilen

Abbildung 15: Nutzung ausgewählter Sharing Konzepte

Abbildung 16: Empfundenes Risiko beim Teilen

Abbildung 17: Die Zukunft der Sharing Economy

Abbildung 18: Altersgruppen

Kurzbericht

Diese Marketingstudie setzt sich mit den verschiedenen Konzepten des gemeinschaftlichen Teilens auseinander und gibt einen Einblick in das Gebiet der Sharing Economy. Dabei wird besonders auf die Prinzipien des Mobility Sharing und des Room Sharing eingegangen. Es wird ein kurzer Überblick über die Entwicklung skizziert, bevor die aktuelle Situation anhand einer Literaturrecherche dargestellt wird. Im Vordergrund stehen dabei die gewerblichen Anbieter, die nicht nur im theoretischen Teil der Arbeit erwähnt werden, aber auch in der Befragung eine wesentliche Rolle spielen. Des Weiteren werden die Chancen und Risiken der Sharing Economy aufgezeigt, ehe die Befragung unter den 75 Studierenden der Wirtschaftsuniversität Wien vorgestellt wird. Auf zukünftige Entwicklungen wird ebenso eingegangen. Abschließend werden die Erfolgsfaktoren der Sharing Economy für Unternehmen vorgestellt, um ein vollständiges Bild der Bewegung „Wirtschaft des Teilens“ zu erhalten.

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Eine nachhaltige Ausrichtung von Produktion und Konsum insbesondere in den Industrieländern nimmt immer mehr eine Schlüsselrolle ein. Konsumstrategien können nach dem Leitbild „Nutzen statt Besitzen“ Wege zu einem nachhaltigeren Konsumstil aufzeigen. Die Idee dahinter ist simpel: Durch das Leihen oder Mieten eines Konsumguts mittels der Inanspruchnahme einer kommerziellen Dienstleistung, stellt Eigentum nicht länger eine notwendige Voraussetzung für den Gebrauch des Produkts dar. Der eigentumslose Konsum wird dadurch möglich. (vgl. Gossen 2012, S.11)

Wenn sich mehrere Personen ein Auto oder einen Rasenmäher teilen und dieses bzw. diesen nicht mehr selbst besitzen, sind weniger Autos oder Rasenmäher notwendig und damit weniger natürliche Ressourcen, um dieselbe Menge an Personenkilometern bzw. dieselbe Fläche an gemähtem Rasen ‚herzustellen’. (vgl. Scholl 2010, S.3)

Trendforscher haben dabei einen neuen Verbrauchertypus identifiziert, den so genannten „Transumer“. (vgl. Trendwatching 2018) Sie bezeichnen damit einen hochmobilen Konsumenten, der nach Erlebnissen und nicht nach Besitztümern strebt, der sich von den Lasten des Eigentums befreit und der nach unmittelbarer Befriedigung seiner Bedürfnisse im Hier und Jetzt Ausschau hält. (vgl. Scholl 2010, S.3)

Das Teilen von Gegenständen und Ressourcen ist prinzipiell nichts Neues: Mitfahrzentralen, Wohngemeinschaften und Mitwohnzentralen, Bibliotheken etc. basieren schon lange auf dieser Idee. (vgl. Haucap 2015, S.2) Dennoch war die Konkurrenz durch Mitfahr- und Mitwohnzentralen vor dem Aufkommen professioneller Online Vermittlungen für die Bahn bzw. Hotels und Pensionen bislang überschaubar. Erst durch die Digitalisierung und die damit einhergehenden technischen Möglichkeiten ist das rasante Wachstum der Sharing Economy ausgelöst worden. (vgl. Haucap 2018, S.7)

Ein vielzitierter Begriff in diesem Zusammenhang ist die "Sharing Economy" auch als Peer-to-Peer-Ökonomie oder kollaborativer Konsum bekannt. Viele sprechen von einer Flut neuer Unternehmen, die mithilfe des Internets Kunden und Anbieter zu Dienstleistungen zusammenbringen. (vgl. Haucap 2015, S. 1)

Der Begriff gewann in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung und scheint mit relevanten Wachstumsraten traditionelle Qualitätsmodelle (beispielsweise in den Tourismusbranchen oder bei Fahrdiensten) zu revolutionieren. Sowohl Privatpersonen, als auch Unternehmen machen von diesem Geschäftsmodell Gebrauch. Die vielfältigen Angebote werden von Konsumenten entweder selbst organisiert oder von Vermittlungsplattformen zur Verfügung gestellt. (vgl. Heinrichs/Grunenberg 2012, S. 4) Die Vorteile des Teilens liegen auf beiden Seiten: Der Besitzer verdient Geld, der Benutzer spart es dabei ein, da Güter und Dienste billiger zu haben sind als von den kommerziellen Anbietern. (vgl. Herwig 2017, S. 5)

Eine Schlüsselrolle spielt in diesem Zusammenhang die Digitalisierung. Viele Märkte aber auch das Konsumentenverhalten haben sich dadurch geändert: Neben Musik oder Filmdateien und Mitfahrgelegenheiten werden Privatunterkünfte bis hin zu unterschiedlichen Ausprägungen der Mobilität geteilt. DriveNow ist ein Erfolgsbeispiel aus dem Bereich des Car-Sharing. Das Unternehmen bietet eine Vielzahl von Fahrzeugen, mittlerweile in unterschiedlichen Klassen, die von den Kunden innerhalb von festgelegten Gebieten genutzt werden können. (vgl. Herwig 2017, S. 5)

Schlagwörter wie „teilen anstatt haben“ oder „nutzen anstatt besitzen“ sind mittlerweile ein relevantes Thema des Konsumverhaltens. (vgl. Theurl 2010, S. 71) Gerade für Studenten und Studentinnen, die über die Ressourcen und notwendigen finanziellen Mittel nicht immer ausreichend verfügen um Eigentum anzuschaffen, scheint der Trend "Teilen, Tauschen und Leihen" attraktiv und rentabel geworden zu sein. Es stellt sich die Frage, was österreichische Studenten und Studentinnen bereit sind zu teilen.

Vor diesem Hintergrund versucht die vorliegende Arbeit einen Einblick in den eigentumslosen Konsum der Studenten und Studentinnen an der WU zu geben. Sie beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit sich der Trend der Sharing Economy bei den Studenten und Studentinnen der WU Wien etabliert hat, und welche Güter und Dienstleistungen diese aktuell bereit sind zu teilen.

1.2 Zielsetzung

Aufgrund der Aktualität dieser Thematik soll die vorliegende Arbeit das Potenzial der Sharing Economy bei Studierenden erläutern. Im Zentrum stehen folgende Forschungsfragen:

- Auf welche Akzeptanz stößt die Sharing Economy in der Zielgruppe der WU Studenten und Studentinnen?
- Was müssen Unternehmen, die Sharing Konzepte für Studierende anbieten, beachten?

Ziel der vorliegenden Marketingstudie ist es, herauszufinden, was die Beweggründe der Studenten und Studentinnen der Wirtschaftsuniversität Wien für das Teilen von Gütern und Dienstleistungen sind. Eine persönliche Befragung der Studenten und Studentinnen der Wirtschaftsuniversität Wien mittels Fragebogen zum Thema Sharing Economy soll dabei die Erfahrungswerte aufzeichnen. Des Weiteren wird untersucht, ob sich bereits positive oder negative Erfahrungen erkennen lassen.

Da das veränderte Konsumentenverhalten unter anderem auf die Digitalisierung zurückzuführen ist, sind Studierende die ideale Zielgruppe für Sharing Dienste und bringen die notwendigen Erfahrungen mit.

Aufgabenstellung des Vorhabens ist es, neben den theoretischen Grundlagen, den aktuellen Stand des Wissens im Bereich Sharing Economy systematisch zu erfassen, Potenziale und Beweggründe für die Inanspruchnahme der Sharing Angebote zu identifizieren und einen weiteren Untersuchungsbedarf zu benennen. Zu Beginn der Arbeit wird ein Einblick in die Grundlagen der Sharing Economy gewährt, sodass der Leser ein Grundverständnis für den Verlauf der Arbeit entwickelt.

In weiterer Folge versucht die Arbeit einzelne Formen und Modelle des Sharing Prinzips vorzustellen sowie Kriterien abzuleiten, die für Sharing-Konzepte Erfolg versprechend sind, auf die ein potentieller neuer Unternehmer oder Anbieter zukünftig aufbauen kann.

1.3 Methodik

Um die Forschungsfrage beantworten zu können, erfolgte zunächst eine profunde Literaturrecherche zum Thema Sharing Economy. Danach wurde eine Befragung unter den Studierenden an der WU durchgeführt. Aufgrund der Tatsache, dass Studenten zur Zielgruppe der Millennials gehören und gesellschaftliche Zusammenhänge kritisch hinterfragen sowie eine hohe Medienaffinität aufweisen, sind sie als Probanden für Sharing Konzepte besonders attraktiv. Darüber hinaus sprechen auch untersuchungsökonomische Gründe für dieses Vorgehen.

Im Rahmen des vorliegenden Projekts wurde eine Befragung mit insgesamt zwölf geschlossenen und drei offenen Fragen durchgeführt, die Aussagen über die Erfahrungen der WU Studenten und Studentinnen zum Thema Sharing Economy betreffen.

Für alle Befragten sind bei den geschlossenen Fragen die gleichen Kategorien vorgegeben. Daraus resultiert, dass die Antworten bei der Auswertung leichter vergleichbar sind und gültige und authentische Informationen erhoben werden können (vgl. Scholl 2003, S.23). Der Fragebogen hat durch Fragen und Skalen diejenigen Variablen gemessen, die im theoretischen Teil angeführt wurden.

Das erhobene Datenmaterial der offenen Fragen wurde anhand von festgelegten Kategorien untersucht, um die wissenschaftliche Objektivität und Reliabilität zu wahren. Früh (vgl. 2015, S.27) zufolge, werden Kategorien immer abgeleitet. Da keine Ergebnisse von früheren inhaltlich ähnlichen Forschungen vorhanden sind, erfolgte die Kategorienbildung theoriegeleitet.

Nachdem die Umfrage beendet wurde, sind die Daten aufbereitet worden. Der erste Schritt nach der Befragung und vor der Auswertung war die Erstellung von „Urlisten“ bzw. einer sogenannten „Datenmatrix“.

Dabei wurden die mit einem Fragebogen erhobenen Daten in numerischer – kodierter – Form in Tabellen übertragen und nach Fällen und Variablen geordnet. In der Forschungspraxis wurde der Datensatz direkt in ein geeignetes Statistikprogramm eingegeben (Excel), das später auch zur Auswertung der Daten diente. (vgl. Schirmer 2009, S.199)

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Sharing Economy: relevante Begriffe

Unter dem Begriff „Sharing Economy“ wird im Großen und Ganzen seit vielen Jahren die Aussage „teilen statt besitzen“ wahrgenommen. Der Begriff ist seit dem Jahr 2008 im Umlauf und bedeutet übersetzt „teilende Wirtschaft“, wobei gesellschaftlich die Begriffe „gemeinschaftlicher Konsum“ und „Collaborate Economy“ öfter verwendet werden. (vgl. Stokar et al. 2018, S.1)

Obwohl bereits seit Längerem das Mieten, Pachten und Leasen bekannt sind, wurde durch die Digitalisierung und den Internetkonsum eine neue Form des Gebrauchs einzelner Konsumgüter eingeführt. Der Nutzen wird dem Eigentum vorgezogen. Durch den Internetgebrauch und etwaige Vermittlungsdienste über digitale Plattformen wurde es Nutzern vereinfacht Gebrauch von Autofahrten, Übernachtungen und private Ausleihen von Büchern sowie auch das nachhaltige Teilen von Lebensmitteln, umzusetzen. (vgl. Haucap 2015, S.1) Diese Geschäftsmodelle werden folgend im Kapitel Sharing Modelle näher erläutert.

Wenn man in Betracht zieht, dass das Teilen einzelner Ressourcen bereits seit eh und je aktuell und im Privatgebrauch üblich ist, wird einem klar, dass der Begriff „Sharing Economy“ auf Grund der Erweiterung des Marktes eingeführt wurde. Menschen teilten sich bereits ihren Wohnraum im Sinne einer Wohngemeinschaft Jahre bevor es den Begriff gab. Ebenso gilt dies für Biblio- und Videotheken. All dies wurde durch die Digitalisierung und die Einführung von online Vermittlungsplattformen mit dem Ziel Sicherheit durch die Personalisierung des Anbieters und des Kunden, Senkung der Suchkosten und schnellere Entscheidung mit Hilfe etwaiger „Matchings“ von Anbietern und Nachfragern vereinfacht. Personen gelangen durch die Funktion dieser Softwarelösungen auf den Vermittlungsplattformen der Sharing Economy schneller an ihr Ziel und konsumieren ohne zu besitzen. (vgl. Haucap 2015, S. 2)

Weltweit gibt es viele Experten, die das Thema Sharing Economy vertreten und den kollaborativen Konsum des 21. Jahrhunderts unterschiedlich definieren. Eine ebenso gute und ausführliche Definition formulierte Alex Stephany. Er definiert den Begriff wie folgt: „The sharing economy is the value in taking underutilized assets and making them accessible online to a community, leading to a reduced need for ownership of those assets.” (vgl. Stephany 2015, S.9)

Im Ergebnis stellt Stephany seine Definition in fü̈nf wichtigen Merkmalen dar (vgl. Stephany 2015, S.9):

- Value
- Underutilized assets
- Online accessibility
- Community
- Reduced need of ownership

Eine letzte Definition von Böckmann (2013, S. 2 in Sikorska/Grizelj 2015, S. 504), der das Thema „Shared Economy“ im Hinblick auf die wirtschaftlichen und sozialen Aspekte analysiert, wird abschließend angeführt:

„Shared Economy bezeichnet das Geschäftsmodell, das auf dem Teilen der Ressourcen zwischen den Individuen über die Peer-2-Peer Services basiert. Dabei wird der Zugang der Konsumenten zu den nachgefragten Gütern gewährleistet.“

Da in der Sharing Economy Güter und Dienstleistungen entliehen werden, gilt es ebenso diese zu erläutern.

Als Güter werden bewegliche Sachgüter oder Gegenstände, die von Person zu Person übergeben werden, angesehen. Dienstleistungen sind im Gegensatz dazu etwas komplexer zu definieren. Viele Diskussionen zeigen, dass Dienstleistungen in vielfältigen Arten und Formen auftreten. Die Auswertung vieler wirtschaftswissenschaftlicher Beiträge ergibt, dass die Schwierigkeit eine Dienstleistung als solche zu deklarieren, darin liegt, dass jede menschliche Leistung im ursprünglichen Sinne eine Dienstleistung ist. In Folge dessen werden die produzierten Güter in eigene oder fremde immaterielle Wirtschaftsgüter untergliedert. (vgl. Maleri/Heidelberg 1994, S. 2)

Dennoch bildet eine konstitutive Definition von Dienstleistungen die Basis für die theoretische Ausarbeitung der Arbeit, die zurückgeht auf Donabedian (1980). Dieser Ansatz klärt insbesondere die Frage, welche Aufgaben im Rahmen der Entwicklung von Dienstleistungen zu verfolgen sind. Eine Analyse gängiger Definitionen des Begriffs Dienstleistung diente als Ausgangspunkt für folgende Erklärung. (vgl. Bullinger 1999, S.55)

„Demnach werden Dienstleistungen vorherrschend als Leistungen definiert,

- bei denen ein Potenzial existiert, welches die Fähigkeit und Bereitschaft zur Erbringung von Dienstleistungen umfasst (Potenzial-Dimension),
- in deren Prozesse externe Faktoren integriert werden, an denen oder mit denen die Leistung erbracht wird (Prozess-Dimension),
- deren Ergebnisse bestimmte materielle und immaterielle Wirkungen an den externen Faktoren darstellen (Ergebnis-Dimension).“ (Bullinger 1999, S. 55.)

Dienstleistungen werden als Leistungen verstanden, die zur Erfüllung von Bedürfnissen und Erwartungen interner oder externer Kunden bestimmt sind und einen bestimmten Mehrwert für den Anbieter erzeugen (Markt-Dimension) (vgl. Bullinger 1999, S. 55 ff.)

Durch diese Ansicht ergeben sich in weiterer Folge vier Dimensionen, die in der Entwicklung von Dienstleistungen eine wesentliche Rolle spielen und betrachtet werden müssen. Am Ende des Entwicklungsprozesses entstehen Ressourcenkonzepte, Prozessmodelle, Produktmodelle und Marketingkonzepte. (vgl. Bullinger 1999, S.55ff)

Bullinger (vgl. 1999, S.54) spricht in diesem Zusammenhang auch von dem Begriff „Service Engineering“ und beschreibt eine Disziplin, die sich mit der Entwicklung und Gestaltung von Dienstleistungsprodukten unter Verwendung geeigneter Vorgehensmodelle befasst. Besonders interessant sind der Vergleich zur klassischen Produktentwicklung und die einzelnen Schwerpunkte, die bei der Dienstleistungsentwicklung im Fokus stehen. Bei der Entwicklung von Dienstleistungen rücken folgende Themenstellungen im Vordergrund:

- das Design der Kundeninteraktion,
- die Gestaltung der einzelnen Dienstleistungsprozesse,
- die Auswahl sowie die Qualifikation der Mitarbeiter
- und die Unterstützung dieser im „Front Office“. (Mitarbeiter mit Kundenkontakt)

Die Beschäftigung mit Dienstleistungen - so der Autor - hat sich in den letzten Jahren stark auf Themen wie Dienstleistungsmanagement und Dienstleistungsmarketing fokussiert, während Entwicklung und vor allem Design von Dienstleistungen weitgehend vernachlässigt wurden. Dennoch lässt sich ein interessantes Phänomen erkennen. Viele Unternehmen möchten Dienstleistungen nicht länger als etwas „Mystisches“ betrachten, sondern diese greifbar, entwickelbar und reproduzierbar gestalten. Dadurch werden sie immer mehr als „Produkte“ aufgefasst. (vgl. Bullinger 1999, S. 53)

2.2 Entstehung der Sharing Economy

Die Entstehung der Sharing Economy war im Grunde eine Reaktion auf die Konsequenzen des Überkonsums des 20. Jahrhunderts. Dabei handelt es sich nicht um einen kurzfristigen Trend, sondern um eine mächtige kulturelle und ökonomische Kraft, die nicht nur die Gegenstände des Konsums beeinflussen wird, sondern auch die Art, wie diese konsumiert werden. (vgl. Böckmann 2013, S.2 in Sikorska/Grizelj 2015, S.505)

Der Kerngedanke der Sharing Economy, nämlich Güter, Wissen und Ressourcen gemeinsam und damit effizienter zu nutzen, ist nicht neu. Neu sind so Haucap (vgl. 2018, S.12) der Internetgebrauch und die modernen Kommunikations- und Netzwerktechnologien für die Umsetzung von Sharing Konzepten.

Die Entstehung der Sharing Economy in der heutigen Erscheinungsform wurde nämlich größtenteils durch die Technologie forciert. Die moderne Gesellschaft ist durch den Zugang zum Internet, der intensiven Nutzung von Smartphones sowie anderen Endgeräten und Gadgets stark vernetzt (vgl. Sikorska/Grizelj 2015, S.507).

Sharing-Angebote erlangen durch die gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen einen neuen Stellenwert. Im Zuge der Digitalisierung hat auch ein Umdenken mit Blick auf die Bedeutung von Besitz begonnen. Eigentum als Statussymbol verliert in Teilen der Gesellschaft oftmals an Bedeutung und ein Wertewandel setzt sich vor allem bei jungen Menschen durch. Ebenso ist auch ein wachsendes Bewusstsein für die ökologischen und sozialen Folgen des eigenen Handelns und der Bedeutungszuwachs ressourcenschonender Konsummuster in der Gesellschaft zu erkennen (vgl. Haucap 2018, S. 12)

So gesehen ist ein Bedürfnis nach Nachhaltigkeit in der heutigen Gesellschaft zu erkennen. Das 20. Jahrhundert blieb in Erinnerung als die Zeit der starken industriellen Explosion, die Folgen nach sich zog: CO2-Ausstoß, Ressourcenknappheit und kontinuierliche Umweltverschmutzung. Der berühmte US-amerikanische Ökonom Dennis L. Meadows kam mit seinem Forschungsteam zum folgenden Schluss: Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht (vgl. Kaup 2013, S. 10 in Sikorska/Grizelj 2015, S.505). Aus diesem Grund entwickelt der Mensch des 21. Jahrhunderts immer mehr Bewusstsein für den negativen Einfluss des steigenden Konsums auf die Umwelt (Sikorska/Grizelj 2015, S.505).

Die Konsumfixierung wird dabei überwunden, denn es ist u.a. auch preiswerter sich ein Gerät für den tatsächlichen, seltenen Gebrauch auszuborgen, als sich ein kostspieliges zuzulegen. Vorrangig ist in der Sharing Economy der Aspekt, dass die Kunden in der virtuellen Welt ihr gewähltes Produkt für sich reservieren, von welchem in der realen Welt greifbar und offensichtlich günstig Gebrauch gemacht wird. Dies ist die einfache und durchaus schnelle Lösung mit Hilfe des Internets dem Kunden sein Produkt über einen selbst gewählten Dienstleister nahe zu bringen. Als grundlegendes Ziel wurde in der Sharing Economy das Teilen und Tauschen von knappen und vor allem teuren Ressourcen vorgesehen. (vgl. Slee 2016, S. 3)

Da der Mensch zum Teilen geboren ist, gilt es als menschlicher Instinkt, offen gegenüber Sharing Konzepten zu sein. Auf Dauer gesehen kann keiner ohne jeglichen Austausch überleben oder sich weiterentwickeln. Menschen teilen seit eh und je das Essen oder den Wohnraum, ohne dafür eine direkte Gegenleistung zu erwarten, denn beim Teilen steht die soziale, zwischenmenschliche Beziehung wesentlich mehr im Vordergrund als der ökonomische Nutzen, wie beim Tauschen. (vgl. Slee 2016, S. 3)

Dieses oder das Kaufen werden erst notwendig, wenn man niemanden hat, mit dem man bedingungslos teilen kann. Diese Personen sind im üblichen Teil des sogenannten „kleinen Bekanntenkreises“ wie Eltern, Kinder, Geschwister, Lebenspartner sowie einzelne wirklich gute Freunde. Diese Verhaltensweise wird geprägt durch die Erwartung von Gegenleistung beziehungsweise Anerkennung und Akzeptanz. (vgl. Slee 2016, S. 3)

Eine der essentiellen menschlichen Bedürfnisse ist der Wunsch nach Kommunikation mit anderen Mitmenschen. Darüber hinaus gehören die Bedürfnisse nach Sozialisation, Liebe, Zuneigung, Akzeptanz und Anerkennung durch andere zu den starken Triebkräften, sich mit anderen Individuen zu vernetzen. (vgl. Maslow 1978, S. 74 in Sikorska/Grizelj 2015, S.505).

Der Tausch von Naturalien war für vergangene Generationen dabei gang und gäbe. Der eigentliche Grund für die Entstehung des Teilen-Trends war die Vorbeugung vor der Ausbeutung der Natur durch die nimmersatte Konsumgesellschaft. (Täubner 2013, S.55 in Sikorska/Grizelj 2015, S.503)

Doch durch das Wachstum des Wohlstands begannen Menschen ihre Objekte der Begierde zu kaufen. Dieser Kauf wurde weitgehend als Befreiung wahrgenommen und erlebt. Die Menschheit war nicht mehr gezwungen, die Waschmaschine in der Waschküche mit dem Nachbarn zu teilen und man musste nicht mehr mit dem überfüllten Bus fahren, wenn man sein eigenes Auto lenken konnte. (vgl. Slee 2016, S. 3) Diese wirtschaftliche Neuentwicklung wurde als Lösung verschiedenster Probleme wie massiver Energienutzung, Arbeitslosigkeit und vor allem Ressourcenknappheit wahrgenommen. (vgl. Sikorska/Grizelj 2015, S. 502)

Als Gegentrend zur Individualisierung besteht aktuell die Kultur des Teilens. Sharing wird aufgrund der sozialen Vernetzung als Besonderheit angesehen, wodurch der Mensch der Routine des Kaufs entkommen kann. Ebenso wird geistiges Eigentum seit den 90er Jahren durch den Aufstieg sozialer Mediennutzung mit Hilfe des Teilens von Musik, Fotos und Texten unterstützt. Es ist wesentlich einfacher persönlichen Interessen Bedeutung zu schenken und diesen wiederum mit anderen Nutzern zu teilen. Als Menschen früher ökonomisch nicht in der Lage waren, sich Waren und Güter zu kaufen, griffen sie automatisch auf das Teilen zurück. Die Konsequenz des gemeinsamen Nutzens ist nicht das nicht vorhandene Budget, sondern eher das Erlebnis Teil des Ganzen zu sein. (vgl. Slee 2016, S. 3)

Ein letzter möglicher Grund für die Entstehung der Sharing Economy, der in diesem Kapitel beschrieben wird, liegt im generationsbedingten Altruismus: Laut einem Bericht der Europäischen Kommission „The Sharing Economy“, wären mehr als die Hälfte der befragten Personen bereit, ihre Gegenstände zu teilen und 80% der interviewten Personen bekommen dabei auch noch Glücksgefühle beim Teilen mit anderen Menschen. (vgl. Sikorska/Grizelj 2015, S. 506)

2.3 Technologische Entwicklungen im Hinblick auf Sharing

Wie oben angeführt ist im Zuge der Digitalisierung ein Umdenken im Hinblick auf die Bedeutung von Besitz eingetreten. Dabei haben sich in den letzten Jahrzehnten drei große Entwicklungen als besonders vorteilhaft für die Teilnahme am kollaborativen Konsum herausgestellt.

Soziale Netzwerke und Plattformen erleichtern das Sharing erheblich. Zum einen können Angebot und Nachfrage sehr einfach und schnell abgestimmt werden, und zum anderen unterstützen sie die Vertrauensbildung zwischen den zwei Parteien. So ist es auch nicht verwunderlich, dass nach Owyang et al. (vgl. 2013, S.6) knapp 75 Prozent der 30 angesehensten Start-Ups in der Sharing Economy Verlinkungen zu Profilen in den sozialen Netzwerken haben. Selbst das Unternehmen Airbnb, eines der Schwergewichte in der Sharing Economy, nutzt Facebook für seine Open Graph Anwendung. Open Graph ermöglicht den Mitgliedern bei Airbnb sich über ihr Facebook Profil anzumelden und Bewertungen ihrer Freunde anzusehen.

Eine weitere Entwicklung, die die Sharing Economy vorangetrieben hat, sind die mobilen Endgeräte wie Smartphones oder Tablets. Die Nutzer dieser Geräte haben die Möglichkeit nahezu überall und zu jeder Zeit die diversen Angebote der Sharing Economy wahrzunehmen oder persönliche Güter und Dienstleistungen anzubieten. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Plattformen der Sharing Economy sehr stark auf mobile Dienste und Endgeräte konzentrieren. Nach Owyang et al. (vgl. 2013, S.6) bieten über 50 Prozent der 30 angesehensten Start-Ups in der Sharing Economy ihre Dienste über mobile Applikationen an. Beispielhaft ist die car2go GmbH zu nennen, die im weiteren Verlauf der Arbeit näher beschrieben wird, und die im Segment des Car-Sharings zu einem der größten Anbieter zählt. Bei car2go läuft die temporäre Nutzung der Fahrzeuge ausschließlich über eine eigene Applikation, wodurch ein mobiles Endgerät essenziell für die Nutzung dieses Angebotes ist.

Die Entwicklung der neuen Bezahlsysteme bildet den letzten wesentlichen Treiber unter den technologischen Entwicklungen. Einen wichtigen Anteil an der Veränderung der Bezahlsysteme hat das Unternehmen PayPal, welches monetäre Transaktionen im Internet sicher und vertrauenswürdig macht, und so den Grundstein für eine einfache Zahlung via Smartphone, Laptop und andere Endgeräte legt. So nutzen nach Owyang et al. (vgl. 2013, S.6) bereits 27 der 30 angesehensten Unternehmen der Sharing Economy online oder mobile Zahlungssysteme.

Diese neuen Zahlungssysteme bilden einen wichtigen Eckpfeiler in der Sharing Economy, da der Zahlungsverkehr zwischen den Nachfragern und den Anbietern als sicher angesehen wird. Diese Voraussetzung ist für die Teilnehmer der Sharing Economy sehr vertrauensbildend und unterstützt damit die Beziehungen zu den verschiedenen Anbieterplattformen.

2.4 Status quo der Sharing Economy

Teilen über das Internet ist lange nicht mehr nur ein Trend. Diese Feststellung gilt für die gemeinsame Nutzung von Gebrauchsgegenständen ebenso wie für persönliche Dienstleistungen, die Menschen auf digitalen Marktplätzen anbieten. Die mit der Sharing-Economy eingehenden Vorteile wurden in den vergangenen Kapiteln bereits erläutert.

Die Sharing Economy hat mittlerweile Bedeutung in vielen Wirtschaftsfeldern erlangt. In manchen Wirtschaftsbereichen ist sie sehr stark ausgeprägt und sehr präsent in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Anwendungsfelder der Sharing Economy, die in der aktuellen Wahrnehmung in Wirtschaft, Gesellschaft und Medien als sehr prägnant gelten, haben überwiegend eines gemeinsam: Die Transaktion von materiellen Gütern und Dienstleistungen. (vgl. Bauer 2015, S.30)

Die Vielfalt der Sharing Economy gemeinsam mit ihren Ausprägungen zu erfassen ist herausfordernd und in vieler Hinsicht kaum möglich, da die Entwicklung weiterer Anwendungsfelder rasant voranschreitet.

Die Sharing Economy ist in verschiedenen Sektoren des gesellschaftlichen Lebens vertreten: Mobilität, Bildung, Mode, Landwirtschaft, Wohnen, Politik und andere. Aufgrund des großen Umfangs des Themas werden in der vorliegenden Arbeit nicht alle Branchen der Sharing Economy vorgestellt. Dennoch werden für die vorliegende Forschungsarbeit einige Bereiche ausgewählt, die am meisten Einklang in die Sharing Economy gefunden und einen bedeutenden Stellenwert für die Gesellschaft haben. Folgende Bereiche werden im Verlauf der Arbeit näher betrachtet: Mobilität, Wohnen, Gebrauchsgegenstände und Ernährung.

3 Sharing Modelle

3.1 Sharing Modelle nach Beteiligten

Die Sharing Economy unterscheidet grundsätzlich drei verschiedene Modelle des Teilens im Hinblick auf die beteiligten Personen im Sharing Prozess. Einige Angebote kommen aus dem B2C-, andere aus dem P2P-Sektor und nicht zuletzt ist auch der B2B-Bereich vertreten. Die angebotenen Services unterscheiden sich in deren Art und ihren Preismodellen.

3.1.1 P2P Sektor

Das zwischen Privatpersonen praktizierte Sharing wird Peer-to-Peer („P2P) Sharing genannt. Im P2P Bereich wird privates Eigentum zur Verfügung gestellt. Privatpersonen treten dabei entweder als Anbieter („peer provider“) oder als Nachfrager („peer consumer“) auf. (vgl. Scholl 2018, S.10) Nutzer haben sich bei Problemen direkt an die Privatperson, die Ihr Eigentum zur Verfügung stellt, zu wenden. (vgl. Eichhorst/Spermann 2015, S. 6)

Peer-to-Peer Marktplätze werden häufig als Kern der neuen Sharing Ökonomie betrachtet, weil sie, anders als Sharing-Konzepte gewerblicher Anbieter, Märkte dort etablieren, wo bislang keine marktbezogenen Austauschbeziehungen existierten (vgl. Scholl 2018, S.10).

Dieses Modell, bei dem Privatpersonen profitorientiert oder kostenlos Güter bzw. Dienstleistungen temporär zur Nutzung anbieten, dient als das Grundmodell für die Sharing Economy. Das Wort Peer bedeutet so viel wie gleichberechtigter Teilnehmer oder Gleichstehender und soll verdeutlichen, dass eine Transaktion zwischen zwei gleichberechtigen Mitgliedern stattfindet. (vgl. Bardhi/Eckhardt 2012, S.884)

Anbieter und Nachfrager werden in einem P2P- Modell über eine Plattform (App) zusammengeführt. Dieses Modell zeichnet sich insbesondere durch niedrige Transaktionskosten aus. Die variablen Kosten der Organisation der Vermittlung per Smartphone-App liegen nahezu bei null. Diese Entwicklung basiert auf einem veränderten Werteverständnis. Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise haben sich die Präferenzen der Menschen verändert, sodass diese Modelle zunehmend beliebter wurden. (vgl. Theurl 2015, S. 2)

Ein Ansatz des US-amerikanischen Unternehmensverbands Crowd Companies versucht die Kernsegmente gemeinsam mit den Protagonisten in den jeweiligen Kategorien zu verdeutlichen. Die wesentlichen Anwendungsfelder im Sinne einer „P2P-Economy“ lassen sich wie folgt abbilden (vgl. Berger 2014, S.4):

- Transportdienstleistungen
- Private Dienstleistungen
- Immobilien und Räumlichkeiten
- Finanzierungen
- Private Güter
- Nahrungsmittel/Lebensmittel

Ein Beispiel für das P2P-Modell ist die Plattform couchsurfing.de, die ähnlich wie Airbnb Übernachtungsmöglichkeiten für und von Privatpersonen anbietet, diese jedoch kostenfrei zu Verfügung stellt. Hierbei stehen soziale Aspekte im Vordergrund und auch die Ressourcenschonung, wodurch das Konzept die ehemaligen Ziele der Sharing Economy sehr gut erfüllt. (Couchsurfing 2018)

3.1.2 B2C Sektor

Nachdem viele Unternehmen das Potenzial der Sharing Economy erkannt haben, griffen Sie die Basisidee auf und entwickelten eigene profitorientierte Geschäftsmodelle für Verbraucher. Diese Modelle sind unter der Bezeichnung Business-to-Consumer-Modelle (B2C) bekannt. (vgl. Bauer 2015, S.27)

Im B2C Bereich handelt es sich um Unternehmen mit Anbietern und Eigentümern der jeweiligen Güter, die sie zum Sharen anbieten. Modelle der Sharing Economy im B2C Bereich schaffen Möglichkeiten für Unternehmensgründungen in Branchen, die zuvor dem stationären Handel vorbehalten waren. (vgl. Schögel 2015, S. 3) Ein typisches Beispiel hierfür ist DriveNow. Sie verfügen über eine Vielzahl an Fahrzeugen, welche die Kunden innerhalb festgelegter Geschäftsgebiete uneingeschränkt nutzen können.

3.1.3 B2B Sektor

Neben dem B2C-Modell existiert auch das Business-to-Business Modell (B2B), wo Ressourcen und Dienstleistungen zwischen Unternehmen bzw. Organisationen temporär zur Verfügung gestellt werden. (vgl. Bauer 2015, S.27)

Auch in diesem Sektor kann als Beispiel die DriveNow GmbH & Co. KG genannt werden, wenn die temporäre Nutzung von Autos durch Individuen im geschäftlichen Kontext erfolgt.

3.1.4 G2C Sektor

Neben den drei vorgestellten Sharing-Modellen entwickelt sich derzeit ein neues Modell in der Wirtschaft des „Teilens“. Immer öfter beteiligen sich öffentliche Institutionen an der Sharing Economy und bieten Ressourcen oder Dienstleistungen für Privatpersonen an. Dieses Modell wird bezeichnet als Government-to-Consumer-Modell (G2C). Sharing-Dienstleistungen werden damit Teil öffentlicher Daseinsvorsorge, wie etwa bei kommunalen Fahrradverleihsystemen. (vgl. Bauer et al. 2015, S. 28)

Spätestens bei der Fragestellung, was alles einer Sharing Economy hinzuzurechnen ist bzw. wie man dieses Phänomen am besten systematisiert und definiert, trifft man auf eines der Kernprobleme der Auseinandersetzung mit der Sharing Economy: Die Frage der adäquaten Definition des Begriffs und die Frage nach den fundamentalen Geschäftsmodellen (P2P, B2C, B2B). Denn man dringt in eine definitorische „Grauzone“ vor, wenn man sich die Frage stellt, ob ein Individuum, das seine Ressourcen regelmäßig über digitale Plattformen potenziellen Auftraggebern anbietet, noch der Sharing Economy zuzurechnen ist oder nicht. (vgl. Bauer et al. 2015, S. 28)

Wie in diesem Unterkapitel bereits kurz erläutert, sind die Anwendungsfelder bzw. Angebote in den verschiedenen Sharing-Modellen sehr vielseitig. Das nächste Kapitel hat die Aufgabe, die verschiedenen Branchen der Sharing Economy vorzustellen und aufzuzeigen, welche Unternehmen von welchen Geschäftsmodellen profitieren, nicht jedoch bevor die Formen des Teilens kurz erläutert werden.

3.2 Formen des Sharings

Grundsätzlich wird zwischen einer durch Sharing erreichte Verlängerung der Nutzungsdauer eines Gutes und einer durch Sharing hervorgerufenen intensiveren Nutzung eines Gutes unterschieden.

Im Bereich der verlängerten Nutzung können folgende Sharing-Formen identifiziert werden (vgl. Scholl 2018, S. 11):

- Verschenken: Dauerhafte, unentgeltliche Weitergabe eines Gutes. Beispiel: Foodsharing
- Tauschen: Tausch von Gut gegen Gut, Dienstleistung gegen Dienstleistung oder Dienstleistung gegen Gut auf der Basis eines mündlichen oder schriftlichen Vertrages ohne Finanztransaktionen. Beispiel: Freecycle
- Weiterverkaufen: Verkauf eines gebrauchten Gutes. Beispiel: Ebay

Eine intensivere Nutzung kann durch folgende Formen erreicht werden, wobei die Differenzierungsmerkmale der Nutzungsmodus und die Art der Gegenleistung sind (vgl. Scholl 2018, S.11):

- Co-Using: Gleichzeitige, gemeinsame Nutzung eines Gutes. Beispiel: Couchsurfing
- Verleihen: Temporäre, unentgeltliche Gewährung des Gebrauchs eines Gutes. Beispiel: Fairleihen
- Vermieten: Temporäre Gewährung des Gebrauchs eines Gutes gegen Entgelt. Beispiel: Airbnb

Das Teilen findet entweder zwischen verschiedenen Nutzern ohne Eigentumsübertragung im Sinne einer Nutzungsintensivierung (z.B. Vermieten oder Verleihen) oder mit Eigentumsübertragung im Sinne einer Nutzungsdauerverlängerung (Verschenken, Tauschen, Weiterverkaufen) statt. (vgl. Scholl 2018, S.11)

3.3 Branchen und Anbieter der Sharing Economy

Innerhalb der Sharing Economy haben sich, wie oben erläutert, sehr schnell neue Märkte und Geschäftsmodelle entwickelt, die dem Wertewandel innerhalb der Gesellschaft gerecht werden und den Konsumenten einen Mehrwert bieten. Da die Sharing Economy relativ jung ist, herrscht immer noch ein „Kommen und Gehen“ auf den Märkten. Beinahe täglich betreten neue Anbieter die Marktplätze der verschiedenen Branchen, oder nicht funktionierende Geschäftsmodelle verlassen diese wieder.

Im Folgenden werden nun einzelne Anbieter aus den vier erwähnten Branchen näher betrachtet: Mobilität, Wohnen, Gebrauchsgegenstände und Ernährung. Angesichts des Mehrwerts für den heutigen Konsumenten sowie der bestehenden Services, die innerhalb der Branchen angeboten werden, sind die vier ausgewählten Sektoren für die vorliegende Marketing Studie relevant.

3.3.1 Shared Mobility

Shared Mobility weist neben dem Couchsurfing die längste Entwicklungsgeschichte und die höchste Akzeptanz seitens der Konsumenten auf. Außerdem erzielt die Shared Mobility, laut den finanziellen Berichten, die höchsten Profite. (vgl. Sikorska/Grizelj 2015, S.508)

Trotz der oft betonten zerstörerischen Wirkung auf den Markt, konnte sich das Geschäftsmodell schnell durchsetzen. Unter der Shared Mobility werden alle Mobilitätsdienstleistungen verstanden, die unter den Konsumenten geteilt werden, wobei der B2C- und P2P Setor stark ausgeprägt sind. Darunter fallen unter anderem: Carsharing, Ridesharing, Bike Sharing, Rollersharing und Elektroscooter Sharing. (vgl. Sikorska/Grizelj 2015, S.508)

Carsharing

Carsharing (P2P und Branded Carsharing) ist eine der Formen der Shared Mobility, die die Ausschöpfung der freien Kapazitäten von ungenutzten bis wenig genutzten Automobilen unterstützt. Die Branche des Carsharings weist eine signifikante jährliche Wachstumsrate auf, die ca. bei 30% liegt. (vgl. Sikorska/Grizelj 2015, S.508)

Im Folgenden werden die einzelnen Unternehmen des Carsharings vorgestellt (Kurier 2018):

- Car2Go Österreich GmbH mit dem Standort in 1030 Wien gilt als Tabellenführer mit 700 Fahrzeugen und 130.000 Kunden zu einem Preis von € 0,31 / Minute, wobei ebenso Stunden und Tages-Packages angeboten werden.
- DriveNow Austria GmbH wickelt ebenso in 1030 Wien sein Kerngeschäft mit 500 Fahrzeugen und 85.000 Kunden zum Preis von € 0,35 / Minute ab.
- Zipcar gilt als einziges amerikanisches Unternehmen, welches 2013 an die Avis Budget Group verkauft wurde und durch den Pool von über 12.000 Fahrzeugen in 9 Ländern als eines der größten Carsharing Unternehmen der Welt gilt. Dieses Sharing-Angebot ist seit August 2017 nicht mehr in Österreich vertreten.

Die Wahrnehmung der Sharing Economy im Mobilitätsbereich prägen unter anderem auch private Fahrdienste, die über Digitalplattformen wie Uber oder Lyft vermittelt werden. Diese Form der Sharing Economy soll dem P2P-Bereich zugeordnet werden, da sowohl die Anbieter der Fahrten als auch die Nachfrager Privatpersonen sind. Darüber hinaus wird auch die Möglichkeit des Ridesharings angeboten, das im folgenden Kapitel erläutert wird. (vgl. Bauer 2015, S.33)

Ridesharing

Bei dieser Art der Shared Mobility bestimmt nicht der Nachfrager Ort und Zeitpunkt der Fahrt, sondern der Anbieter. Zu den populärsten Anbietern gehören folgende Unternehmen (Kurier 2017):

- Uber ist ein US-Amerikanisches Dienstleistungsunternehmen aus San Francisco, welches wegen den günstigen Fahrtentarifen der Österreichischen Taxi 31300 VermittlungsgmbH äußerst ernst zu nehmende Konkurrenz macht.
- Zusätzlich dazu gibt es unter dem Mitbewerb einen Neuankömmling namens taxify, der mit einem wesentlich günstigeren Preis als Mitbewerber fungiert.
- MyTaxi arbeitet hingegen mit den Taxiunternehmen zusammen, aber lebt das Sharing Prinzip vollends aus, denn hierbei wird durch Lokalisation des Standorts verglichen, ob ein weiterer Nutzer eventuell in die gleiche Richtung fährt, sodass ein „MyTaxiMatch“ zu Stande kommt und zwei fremde Personen sich eine Fahrt teilen und somit Geld sparen.

Für Ridesharing und weitere ähnliche Fahrdienste wird eine jährliche Wachstumsrate von 35 Prozent prognostiziert. (vgl. Bauer 2015, S.34)

Rollersharing

Nach einer langsamen Entwicklung des Rollersharingmarktes im Jahr 2015, erfährt der Markt in den Jahren 2016 und 2017 ein starkes Wachstum. Derzeit bieten weltweit 30 Städte ein Rollersharingsystem an, fast 80% dieser Städte sind europäisch. Diese Zahlen über den weltweiten Rollersharingmarkt veröffentlichte das Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel im Jahr 2017. (CarSharing 2018)

Dabei handelt es sich um Motorroller, die unabhängig von einzelnen Stationen innerhalb eines bestimmten Geschäftsgebiets vermietet und abgestellt werden können. Diese Flexibilität des Anmiet-und Abstellortes hat zur Folge, dass die flächendeckende Verteilung der Fahrzeuge nicht mehr vom Betreiber, sondern von den Sharingnutzern abhängig ist. Folgende Unternehmen lassen sich in der Kategorie Rollersharing am österreichischen Markt finden (Kurier 2018):

- Sco2t ist ein österreichisches Start-Up, welches sich 2015 etablierte und aktuell mit 95 taiwanesischen Motorrollern in Wien vertreten ist.
- Mo2drive ist ebenso ein Wiener Unternehmen, welches seit 2017 mitmischt. Hierbei sind aktuell 100 italienische Vespa Roller verfügbar.
- goUrban ist der Dritte und letzte Konkurrent in dieser Kategorie. Bei diesen Rollern handelt es sich um elektrische Mopeds, wodurch sie sich von der Konkurrenz abheben.

Bike Sharing

Bike Sharing gewinnt als Geschäftsmodell sowohl durch den Gesundheitstrend als auch durch das wachsende Umweltbewusstsein in der Gesellschaft immer stärker an Bedeutung. Die Bike-Sharing Stationen sind fixe Stellplätze, wo Nutzer die Fahrräder des Anbieters ausborgen oder zurückgeben können. Diese Variante des Bike-Sharing ist die häufigste und wird zum Beispiel von citybike in Wien und von Vélib' in Paris angewendet. In unmittelbarer Nähe zu den Radständern mit Radhalterung und elektronischem Schloss steht ein Terminal, an dem das Rad mittels Identifikationsausweis ausgeliehen werden kann. Als Standort kommen besonders größere Kreuzungen, Attraktionen, öffentliche Gebäude und Knotenpunkte der verschiedenen Mobilitätspartner in Frage. (vgl. Maier 2016, S. 9)

Ein weiteres Beispiel in diesem Zusammenhang ist Ofo, ein stationsloser Fahrradverleiher aus Japan. Dieses wurde Mitte 2017 in Österreich eingeführt, jedoch im August 2018 wieder aufgelöst auf Grund von sinkenden Ertragschancen. (Kurier 2018)

[...]


Ende der Leseprobe aus 103 Seiten

Details

Titel
Let’s share. Ein neues Zeitalter der Offenheit. Die Sharing Economy
Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien
Autor
Jahr
2018
Seiten
103
Katalognummer
V457341
ISBN (eBook)
9783668901575
ISBN (Buch)
9783668901582
Sprache
Deutsch
Schlagworte
let’s, zeitalter, offenheit, sharing, economy
Arbeit zitieren
Andra Doran (Autor:in), 2018, Let’s share. Ein neues Zeitalter der Offenheit. Die Sharing Economy, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457341

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