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Die Rolle des Sklaven in Aristoteles' Politik

Title: Die Rolle des Sklaven in Aristoteles' Politik

Term Paper , 2005 , 18 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Sonja Filip (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
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Die „Politik“ des Aristoteles wird, nebst der Nikomachischen Ethik, als sein Hauptwerk gesehen – und das mit gutem Grund–, legt der Philosoph doch in diesem Werk seine Staatsphilosophie da. Diese politische Philosophie beinhaltet Gedanken, die dem heutigen Leser befremdlich, wenn nicht sogar skandalös erscheinen. Aristoteles’ Weltbild kann zwar nach wie vor beeindrucken, scheint allerdings, betrachtet vor dem Hintergrund der modernen Kultur und Wissenschaft, hoffnungslos veraltert und gestrig zu sein.
Bei ihm sind ethisch hochgesteckte Ansprüche an den Menschen und die Gesellschaft eng verwoben mit der Legitimierung von Zusammenhängen, deren Anliegen sich aus heutiger Sicht nicht verteidigen lässt, wie er etwa seine Auffassungen zur Glückseligkeit mit der Verteidigung der Sklavenhaltergesellschaft zusammen sieht. Daher ist besonders Aristoteles’ Menschenbild im Hinblick auf die Sklaverei und darauf, welche Rolle die Frau in der Polis zu spielen hat, oftmals diskutiert worden.

Zwar ist es durchaus möglich, die anstößig klingenden Teile des Werkes beiseite zu lassen, eine in der Forschung durchaus nicht unübliche Praxis (bspw. zu sehen in Charpa: Aristoteles), doch ignoriert man damit die Tatsache, dass Aristoteles’ politische Philosophie auf tiefen Unterschieden, Eingrenzungen der griechischen Bürgerschaften und Ausgrenzungen bestimmter Gruppen fußt. Es ist richtig, dass Aristoteles nicht dem System der Sklaverei seiner Zeit die philosophischen Weihen erteilt, da es sich um eine ganz andere Form der Abhängigkeit handelt, die er „natürlich“ findet, dennoch handelt es sich um eine tatsächliche Form der Sklaverei, bei der die Wortwahl „Sklave“ (doulos) und „Sklaverei“ (douleia) völlig zutreffend ist.

Diese Arbeit möchte einen Überblick über die Funktionen, Rechte und Stellung des Sklaven in der von Aristoteles konstruierten idealen Polis geben. Sie will sich mit der Frage befassen, ob der Sklave, der nicht als rein wirtschaftliches Objekt, sondern als Teil eines Systems von Abhängigkeiten im präpolitischen Raum gesehen wird, bei Aristoteles überhaupt als vollwertiger Mensch angesehen werden kann, die Rolle des Sklaven im Oikos und damit das Herrschaftsverhältnis zwischen Herr und Sklaven genauer analysieren und den Unterschied zwischen Sklaverei, die auf der Natur und solcher, die auf Gesetzen basiert, betrachten. Auch Aristoteles’ Kritiker sollen exemplarisch zu Wort kommen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Rolle des Sklaven

2.1. Die Stellung der Sklaven in der Hausgemeinschaft

2.2. Sklaverei von Natur aus vs. Sklaverei aufgrund von Gesetz und Gewalt

2.3. Rechtfertigung der Sklaverei

2.4. Barbaren

2.5. Oikos und Polis

3. Kritische Anmerkungen

4. Abschließende Bemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Funktion, Rechte und soziale Stellung des Sklaven in der von Aristoteles entworfenen idealen Polis, um zu klären, ob der Sklave lediglich als wirtschaftliches Objekt oder als Teil eines präpolitischen Abhängigkeitssystems fungiert und wie diese Rolle philosophisch legitimiert wird.

  • Strukturanalyse der Herr-Sklave-Beziehung im Oikos
  • Unterscheidung zwischen natürlicher Sklaverei und Sklaverei durch Gesetz/Gewalt
  • Die Rolle der Barbaren in der aristotelischen Staatslehre
  • Verhältnisbestimmung von Oikos (privat) und Polis (öffentlich)
  • Kritische Würdigung des aristotelischen Menschenbildes

Auszug aus dem Buch

2.2. Sklaverei von Natur aus vs. Sklaverei aufgrund von Gesetz und Gewalt

Aristoteles sieht die Meinung, Sklaverei fuße allein auf Konvention und sei per se gegen die Natur, derzufolge es keinen Unterschied zwischen Freien und Sklaven gebe, als grundlegend falsch an. Für ihn ist es jedoch zusätzlich von großer Wichtigkeit, zu unterscheiden, ob ein Mensch Sklave von Natur aus (physei) oder aber Sklave durch Gesetz und Gewaltanwendung (d. h. im Allgemeinen Krieg) (bia) ist, denn „Aristotle is able to distinguish between rights based on nature and rights based on law“.

Sklave von Natur aus „ist also jener [...], der soweit an der Vernunft teilhat, daß er sie annimmt, aber nicht selbständig besitzt“. Bezeichnend für den von Natur aus zum beherrscht werden Bestimmten ist also ein Vernunftdefizit, ein Mangel an vorausschauendem Verstand. Ohne diese Vernunftbegabung kann ein Mensch seine politische Natur, zu deren Verwirklichung er als politisches Lebewesen (physei politicon zoon) strebt, nicht realisieren. Wichtig scheint hier jedoch anzumerken, dass der Sklave nicht als Tier, das überhaupt keine Vernunft hat, angesehen wird; vielmehr liegt die Differenz zwischen Herrn und Sklave im Grad der Vernünftigkeit, denn der Sklave partizipiert an der Vernunft insofern, dass er Gebote des Herrn verstehen und ausführen kann. Hätte er gar keinen Anteil an der Tugend, so könnte er nicht gut regiert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Werk im aristotelischen Gesamtschaffen und thematisiert die Problematik der antiken Sklavenhaltergesellschaft im Kontrast zu modernen ethischen Standards.

2. Die Rolle des Sklaven: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Aspekte des Sklavendaseins, von der Hausgemeinschaft über die ideologische Rechtfertigung bis hin zur Ausgrenzung der Barbaren und dem Verhältnis zwischen Oikos und Polis.

3. Kritische Anmerkungen: Hier wird das aristotelische Menschenbild hinterfragt und auf die Diskrepanz zwischen dem Anspruch auf Gerechtigkeit und der sozialen Realität der Sklaverei hingewiesen.

4. Abschließende Bemerkungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, deutet auf weiterführende Forschungsaspekte hin und betont die bleibende Bedeutung der Lektüre unter Berücksichtigung des historischen Kontextes.

Schlüsselwörter

Aristoteles, Politik, Sklaverei, Oikos, Polis, Herr-Sklave-Verhältnis, Naturrecht, Vernunft, Barbaren, Eudämonie, Bürgerrecht, Despotie, Gerechtigkeit, Staatsphilosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Begründung und der sozialen Funktion von Sklaverei in der Staatsphilosophie des Aristoteles.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Struktur der Hausgemeinschaft (Oikos), die Abgrenzung zur Polis, das aristotelische Verständnis von Naturrecht und die Rolle von Sklaven und Barbaren.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Ziel ist es zu untersuchen, ob der Sklave bei Aristoteles lediglich ein ökonomisches Werkzeug ist oder als Teil eines komplexen, präpolitischen Abhängigkeitssystems zur Erhaltung der Polis legitimiert wird.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine textanalytische Untersuchung durchgeführt, die sich auf die Primärquelle „Politik“ sowie ergänzende fachwissenschaftliche Sekundärliteratur stützt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Rolle des Sklaven innerhalb des Oikos, die Differenzierung zwischen natürlicher Sklaverei und rechtlich bedingter Knechtschaft sowie das Verhältnis von Oikos zu Polis.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Natürliche Sklaverei, Phronesis, Oikos, Polis und Despotie geprägt.

Wie unterscheidet Aristoteles zwischen Sklaven von Natur aus und Sklaven durch Gesetz?

Der natürliche Sklave besitzt ein Vernunftdefizit, während Sklaven durch Gesetz meist Kriegsgefangene sind, deren Status nicht zwingend auf einer natürlichen Veranlagung beruht.

Warum hält Aristoteles die Sklaverei für notwendig?

Laut Aristoteles ermöglicht die Sklavenarbeit den Bürgern erst die nötige Muße, um sich vollumfänglich der Politik und philosophischer Tätigkeit zu widmen.

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Details

Title
Die Rolle des Sklaven in Aristoteles' Politik
College
University of Heidelberg  (Philosophisches Seminar)
Course
Aristoteles - Politik
Grade
sehr gut
Author
Sonja Filip (Author)
Publication Year
2005
Pages
18
Catalog Number
V45739
ISBN (eBook)
9783638430913
ISBN (Book)
9783638843454
Language
German
Tags
Rolle Sklaven Aristoteles Politik Philosophie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sonja Filip (Author), 2005, Die Rolle des Sklaven in Aristoteles' Politik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45739
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