Herstellung und Reproduktion von Männlichkeit im gymnasialen Alltag

Schule und "Doing Masculinity"


Hausarbeit, 2018

21 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen zur zweiteiligen Geschlechterordnung
2.1 Geschlecht als soziale Konstruktion
2.2 Herstellungsprozesse von Geschlecht
2.2.1 Definition Geschlechtsidentität
2.2.2. Definition Doing Gender
2.2.3.Definition Doing Masculinity

3. Theoretische Überlegungen zur Konstruktion männlicher Vorherrschaft
3.1. Pieurre Bourdieus Theorie der Männlichen Herrschaft
3.1.1. Bourdieus Forschungen in der kabylischen Gesellschaft
3.1.2. Einteilung der Geschlechter in der kabylischen Gesellschaft
3.1.3 Die männliche Herrschaft
3.1.4.Habitus und Herstellung von Männlichkeit
3.2 Robin Connells Theorie der hegemonialen Männlichkeit
3.2.1. Männlichkeit bei Connell
3.2.2 Hegemonie und hegemoniale Männlichkeit
3.2.3. Untergeordnete Männlichkeiten
3.2.4. Komplizenhafte und marginalisierte Männlichkeiten

4.Praxisbeispiele zur Herstellung von Männlichkeit unter Jungen im gymnasialen Alltag
4.1. Studie am Edith Benderoth- Gymnasium
4.2. Doing Masculinity in Schülerinteraktionen - Statusaushandlungen als Konstruktion von Männlichkeit in der Schule
4.2.1. Symbolische Verweiblichung und Entwertungen
4.2.2. Homosexualitätszuschreibungen
4.2.3. Zusammenfassung Praxisbeispiele

5. Abschließende Betrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wenn also in der Schule so etwas wie „Jungenverhalten“ gemeinhin assoziiert mit eher lautem, unangepasstem Verhalten , beobachtet werden kann, so ist dies immer als Ergebnis von Konstruktionsprozessen zu sehen, die im Feld Schule ebenso wie in anderen gesellschaftlichen Feldern stattfinden“ (Fürstenau, 2012, S.31)

Wenn von Jungenverhalten gesprochen wird hört man häufig Aussagen wie J ungen sind rebellisch und laut. Jungen werden immer gewalttätiger in der Schule. Jungen sind eben so. Oft wird das Verhalten der Jungen im Schulalltag von Lehrkräften und Pädagogen stereotypisch betrachtet. Daraus ergibt sich die Frage ,wie das scheinbar natürliche laute und unangepasste Verhalten der Jungen entsteht und wieso man sich mit dem Thema Jungen und Männlichkeit im Schulalltag überhaupt auseinandersetzen sollte.

Die Geschlechterordnung in der Gesellschaft ist keineswegs neutral, sondern basiert auf männlicher Dominanz und Machtverhältnissen, die Männern trotz formeller Gleichberechtigung von Frauen Vorteile in jeglichen gesellschaftlichen Bereichen wie Arbeitsmarkt, Einkommen, Führungspositionen , Politik usw. bietet.

Die Schule als pädagogische Institution reproduziert die symbolische Ordnung der Zweigeschlechtlichkeit und die damit zusammenhängenden Machtverhältnisse entsprechend ihrer Sozialisations- und Enkulturationsfunktion (vgl. Fürstenau, 2012, S.31).Der schulische Alltag ist somit kein geschlechtsneutraler Raum, indem Jungen und Mädchen untereinander frei von Erwartungen und Vorannahmen bezüglich ihres Geschlechts agieren können.

Das Thema Männlichkeit ist in der Schule relevant, um zu beleuchten, wie Jungen untereinander Männlichkeit herstellen, da es sich in diesem Prozess um gesellschaftliche Konstruktionen handelt. Jungen, die das Abitur absolvieren, befinden sich in der Regel im Alter von 6 bis 19 Jahren in der Institution Schule. Die Schule ist die einzige pädagogische Institution „in der sich alle Kinder und Jugendliche über einen langen Zeitraum hinweg aufhalten“ (Budde, 2005, S.8) und hat folglich einen großen Einfluss auf die Sozialisation und Entwicklung von Jungen.

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird sich mit den Fragen Wie wird Männlichkeit hergestellt und wie produzieren und reproduzieren Jungen im gymnasialen Alltag Formen von Männlichkeit? auseinandergesetzt.

Zu Beginn werden die Begriffe Geschlecht und Doing Gender/ Doing Masculinity definiert, um eine Basis für die darauffolgenden theoretischen Überlegungen zu legen. Pierre Bourdieus Theorie zur männlichen Herrschaft und Robin W. Connells Theorie der hegemonialen Männlichkeit werden zur Definition und Konstruktion von Männlichkeit herangezogen. Um zu untersuchen, wie Jungen im Rahmen des Schulalltags Männlichkeit untereinander herstellen, werden einzelne Praxisbeispiele aus einer Studie von Jürgen Budde und Hannelore Faustich- Wieland beschrieben und analysiert. Die Beispiele aus der Praxis werden auf die zuvor erläuterten theoretischen Überlegungen von Bourdieu und Connell bezogen und zeigen, auf welche Weise sich die Konstruktionsprozesse von Männlichkeit bei Jungen vollziehen. Den Abschluss der Hausarbeit bildet ein Fazit.

2. Theoretische Grundlagen zur zweiteiligen Geschlechterordnung

Zu Beginn werden die Begriffe Geschlecht und Doing Gender definiert, da diese Grundlagen der theoretischen Überlegungen zum Thema Männlichkeit sind.

Geschlecht und Männlichkeit werden im Rahmen dieser Hausarbeit als soziale Konstruktionen definiert.

2.1 Geschlecht als soziale Konstruktion

Die gesellschaftliche Einteilung in Geschlechter ist binär, d.h. es wird zwischen zwei Geschlechtern, männlich und weiblich unterschieden. Ursprünglich wurde die zweiteilige Geschlechterordnung als unveränderlich und naturgegeben angesehen. Das bedeutet, dass von biologischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern weiblich und männlich auf kognitive Unterschiede, geschlechtsbezogene Vorlieben und Talente zwischen Männern und Frauen geschlossen wurde.

Diese Überlegungen treten mittlerweile weitestgehend in negative Kritik und werden von der Ansicht, dass Geschlecht eine soziale und historisch veränderbare Konstruktion ist, ersetzt (vgl. Budde, 2005, S.9-10; Budde, 2014, S.18; Horlacher, 2016, S.136).

Das heißt, dass eben nicht davon ausgegangen wird, dass Frauen und Männer bestimmte Eigenschaften, Begabungen, Kleidungsstile etc. aufgrund ihrer biologischen Beschaffenheit aufweisen. Geschlecht wird stattdessen als “Ergebnis performativen Verhaltens der Beteiligten [verstanden] d.h. Menschen zeigen und verhalten sich in einer Weise, die von den anderen im Kontext der kulturellen Ausdrucksmöglichkeiten verstanden, interpretiert und zugeordnet wird.“ ( Rendtorff, 2011, S. 221).

Als Grundlage hierfür dient ein gemeinsam geteilter kultureller Kontext aus dem geschlechtstypische Zuordnungen erfolgen. Geschlecht ist nicht ausschließlich an Individuen gebunden sondern wird auch durch kulturelle Objekte hergestellt, wie „Kleidungsstücke, Körperteile, Tätigkeiten, Verhaltensweisen“ (Faulstich-Wieland; Weber & Willems, 2004, S.23) , Gesten und Haltungen.

Die Ordnung der Geschlechter heutzutage ist nicht neutral sondern mit Machtverhältnissen verbunden, welche Männlichkeit und Männern die Vorherrschaft in der Gesellschaft sichert (vgl. Budde, 2005, S.10).

2.2 Herstellungsprozesse von Geschlecht

2.2.1 Definition Geschlechtsidentität

Um in sozialen Interaktionen als männlich oder als weiblich erkennbar zu sein, bilden Individuen eine Geschlechtsidentität aus. Unter Geschlechtsidentität wird die fortlaufende Aktivität eines Individuums sich geschlechtlich zu positionieren und erkennbar zu machen verstanden. Diese Aktivität basiert auf der Anerkennung anderer. Geschlechtsidentität muss permanent neu hergestellt werden und kann laut Budde nicht als eine an einem bestimmten Zeitpunkt erreichte und abschließbare Instanz verstanden werden. „Vielmehr handelt es sich um eine aktive (wenn auch zumeist nicht intentionale) Selbst-Positionierung und die Anerkennung anderer durch die Zuschreibung einer Position im System der Zweigeschlechtlichkeit.“ (Budde,2014,S.21) .

2.2.2. Definition Doing Gender

Geschlecht wird permanent in Interaktionen hergestellt, was Zimmermann und West (1991) als D oing Gender bezeichnen.

„Doing Gender lebt davon, immer wieder ein duales Ordnungsschema der Zweigeschlechtlichkeit zu etablieren.“ (Smykylla,2006, S. 4), was bedeutet, dass Individuen in zwei Geschlechterkategorien, männlich oder weiblich, eingeteilt werden, woraus Geschlechtereigenschaften abgeleitet werden. Die Beteiligten inszenieren sich selbst anhand bestimmter, zum eigenen Geschlecht passenden und normativ anerkannten Verhaltens- und Deutungsmustern, die sich aus gesellschaftlichen Regeln bezüglich geschlechtsspezifischer Verhaltensweisen, Praktiken, Kleidungsstücken, etc. ergeben. (vgl. Rendtorff,2011,S. 211). Im Doing Gender- Prozess wird die individuelle Ebene der Selbstinszenierung mit der gesellschaftlichen Ebene verbunden, d.h. „ Geschlecht muss zwar individuell berechenbar inszeniert werden, die Anerkennung realisiert sich jedoch erst in Interaktionen auf der Grundlage kollektiver und dichotomer Deutungsmuster.“ ( Budde,2005, S. 25). Das Individuum ordnet sich selbst einem Geschlecht zu, und sorgt dafür, dass das Erkennen der Geschlechtszugehörigkeit vom Gegenüber ermöglicht ist (vgl. Budde,2010, S.14).

2.2.3.Definition Doing Masculinity

Doing Masculinity beschreibt „die aktive Her - und Darstellung männlicher Geschlechtszugehörigkeit.“ ( Budde,2014, S.20) . Folglich „erscheint [Männlichkeit] nicht als naturgegebene Konstante, sondern […] als eine sozial konstruierte, geschlechtliche Situierung.“ (Budde,2005,S.10) . Männlichkeit muss hierbei eindeutig erkenntlich gemacht werden , damit das Individuum als Junge/ Mann identifiziert werden kann. Konzeptionen von vorherrschender Männlichkeit werden im eigenen Handeln einbezogen und somit im Doing Masculinity reproduziert. (vgl. Budde, 2014, S. 20-21). Die Norm von Männlichkeit ist laut Budde weder freiwillig und autonom noch ist sie festgeschrieben, da sie von den Akteuren „wesentlich durch ihre Beteiligung konstituiert wird“ (Budde,2014, S.21). Das bedeutet, dass unterbewusste Vorstellungen von normativer Männlichkeit in das Handeln der Beteiligten im Doing Masculinity einbezogen werden.

Welche konkreten Praxen im Doing Masculinity ausgeführt werden hängt vom sozialen Kontext ab und kann somit variieren. Allerdings sind Doing Masculinity Praktiken nicht losgelöst von dominanten gesellschaftlichen Vorstellungen über Männlichkeit. Budde zufolge ist es mit hohen (sozialen) Sanktionen verbunden, eine Veränderung gesellschaftlicher Männlichkeitsvorstellungen und Normen durchsetzen zu wollen. (vgl. Budde, 2014, S. 21).

3. Theoretische Überlegungen zur Konstruktion männlicher Vorherrschaft

Nachdem herausgestellt worden ist, dass kulturelle Normen von Männlichkeit im Doing Masculinity Prozess reproduziert werden, werden m Folgenden relevante Aspekte von Pierre Bourdieus und Robin Connells theoretischen Überlegungen zur Herstellung von Männlichkeit und männlicher Vorherrschaft erläutert. Beide Theorien sind in ihren Denkansätzen kompatibel und gehen davon aus, dass Geschlecht keine biologische Kategorie , sondern eine soziale Konstruktion ist.

3.1. Pieurre Bourdieus Theorie der Männlichen Herrschaft

Pierre Bourdieu war ein französischer Soziologe und Sozialphilosoph und entwarf seine Theorie der männlichen Herrschaft auf Basis seiner Forschungen, die er Ende der 1950er Jahre in der kabylischen Gesellschaft in Algerien über Jahre hinweg durchführte (vgl. Meuser, 2001, S.5).

Bourdieu geht davon aus, dass auch in modernen Gesellschaften männliche Herrschaft und ihre Strukturen permanent reproduziert und hergestellt werden . Ausgangspunkt seiner Forschung war die Frage, wie es sein kann, dass sich ungerechte Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern historisch permanent reproduzieren und als natürlich erscheinen. Dieses Phänomen nennt er paradox der doxa (vgl. Müller; Dörre; Ettrich & Lohr, 2006, S. 265-266).

3.1.1. Bourdieus Forschungen in der kabylischen Gesellschaft

Bourdieu beschreibt die kabylische Gesellschaft als „zugleich exotisch und vertraut“ (Bourdieu, 1997,S.91), da sie noch sehr bäuerlich gestaltet ist aber bezüglich der Kultur den europäischen und angloamerikanischen Traditionen gleicht ( vgl. Bourdieu,1997, S.91). Die gesellschaftliche Komplexität in der Kabylei ist geringer und die „Strukturen männlicher Herrschaft in Reinform“ (Budde, 2005, S.45).

Die kabylische Gesellschaft wählte er, da diese einen objektiveren Blick auf seine Forschungen ermöglichten. Hätte er in seiner eigenen Gesellschaft geforscht, wären die Ergebnisse der Analyse stark beeinflusst durch seine eigenen inkorporierten Überlegungen über Männlichkeit (vgl. Bourdieu,1997, S.90).

Durch die Beobachtung der Kabylen können laut Bourdieu Repräsentationen und Strukturen von Männlichkeit aufgedeckt werden, die unterbewusst sind, jedoch bis heute überlebt haben und in unseren Denkstrukturen verankert sind. Somit benutzt er den Fall der Kabylen als ein „vergrößertes Bild“ (Bourdieu,1997, S.91) um ein „allgemeines Modell der fundamentalen Strukturen männlicher Anschauung und Einteilung der Welt konstruieren [zu] können“ (Bourdieu,1997, S. 91).

3.1.2. Einteilung der Geschlechter in der kabylischen Gesellschaft

Als das vorherrschende Strukturprinzip der Kabylen sieht Bourdieu den Androzismus, d.h. eine patriarchale und heteronormative Einteilung der Geschlechter (vgl. Kahlert u. Weinbach, 2012, S.21), welche Männern Überlegenheit und Vorherrschaft gegenüber Frauen sichert. Männlichkeit und Weiblichkeit stehen in einem hierarchischen Verhältnis zueinander. Männer sind die Herrschenden und Frauen die Beherrschten in dieser Relation (vgl. Kahlert u. Weinbach, 2012, S.26) .

Bourdieu beobachtet, dass die Geschlechterordnung der Kabylen in Gegensätze eingeteilt ist, die sich aufeinander beziehen: „oben und unten, vor und hinter, links und rechts, aufrecht und krumm (sowohl im physischen wie im moralischen Sinne), trocken und feucht, hart und weich, gewürzt und fade, hell und dunkel, innen und außen etc.“ (Bourdieu,1997, S.92). Diese homologen Gegensätze werden durch biologische Dispositionen und körperliche Unterschiede der Geschlechter begründet (vgl. Bourdieu, 1997,S. 92).

Die Praktiken und Gegenstände in der kabylischen Gesellschaft richten sich nach den Gegensatzpaaren männlich/weiblich, wobei alles, was männlich eingeordnet wird als überlegen und alles, was weiblich eingeordnet wird als unterworfen gilt. Die vorgenommene Einteilung nach den Gegensatzpaaren männlich und weiblich erfolgt nach Bourdieu willkürlich (vgl. Müller u.a., 2006, S. 266).

Grundsätzlich wird dem Weiblichen der Bereich des Hauses (innen) zugeschrieben während der öffentliche Raum (Politik und Arbeitsmarkt) als „männliches Geschlechterrevier“ (Budde, 2005, S.45) gilt. Dieses spiegelt sich in den sozialen Praktiken und Arbeitsaufteilungen der Kabylen wider. Die Frauen kümmern sich um den Haushalt und die Erziehung von Kindern , während Männer arbeiten gehen.

Die Einteilung in zwei Geschlechter ist ,wie bereits herausgestellt wurde, eine soziale Konstruktion (vgl. Kapitel 2.1). Sie wird jedoch in der Kabylei durch die Körper von Männern und Frauen begründet . Diese Rechtfertigung ist nach Bourdieu allerdings eine „vollständige Verkehrung von Ursache und Wirkung“ (Müller u.a., 2006, S.266) ist. Dass Männern Attribute der Stärke wie „hart, oben, aufrecht“ oder „hart“ zugeteilt wurde, liegt nicht an der Ausstattung des männlichen Körpers. Vielmehr werden Männer so wahrgenommen, weil ihnen diese Attribute sozial zugeschrieben wurden und diese als Konsequenz logisch erscheinen.

3.1.3 Die männliche Herrschaft

Es wurde bereits erläutert, dass die gesellschaftliche Ordnung androzentrisch geprägt ist (vgl. Kapitel 3.1.2) und somit voraussetzt, dass Männer überlegen sind und Frauen unterworfen. Die männliche Ordnung und die Einteilung in soziale Praktiken erscheint natürlich und gegeben. Sie bleibt unhinterfragt und benötigt keine Rechtfertigung, da diese bereits tief im Bewusstsein verankert ist und legitim erscheint (vgl. Bourdieu, 1997,S.93) . „Diese spontane Übereinstimmung gesellschaftlicher und kognitiver Strukturen ist die Grundlage für die doxische Erfahrung der männlichen Herrschaft, die der Natur der Dinge eingeschrieben, unsichtbar, fraglos ist.“ (Bourdieu,1997,S. 93). Diese Naturalisierung ist zentrales Element der männlichen Herrschaft: Die männliche Herrschaft und damit die weibliche Unterwerfung ist bei den Kabylen in den biologischen Differenzen von Männern und Frauen begründet und legitimiert. Tatsächlich ist diese Ansicht „Resultat einer unablässigen und intensiven „ Reproduktionsarbeit […], an der einzelne Akteure (darunter die Männer mit den Waffen der physischen und symbolischen Gewalt) und Institutionen, die Familien, die Kirche, die Schule, der Staat beteiligt sind“ (Bourdieu, 2005, S.65)“ (Jäger, 2012,S.23).

Bourdieu spricht von symbolischer Herrschaft und Gewalt, die sich unsichtbar und unbemerkt vollzieht und die männliche Dominanz stützt. Die symbolische Gewalt der Geschlechterverhältnisse zeigt sich darin, dass die angeborenen und biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau als Teil einer symbolischen Ordnung errichtet werden. Den Genitalien werden Bedeutungen zugeschrieben und anerkannt , die die „scheinbar naturgegebene Wahrheit“ (Budde, 2005, S.46) symbolisieren.

Die Auswirkung der symbolischen Gewalt ist „der Glaube an eine binär- hierarchische, heterosexuelle Zweigeschlechtlichkeit als natürlicher und legitimer Grund der patriarchalen Gesellschafts- und Geschlechterordnung“ (Jäger, 2012, S.22) ,wodurch die permanente Reproduktion männlicher Herrschaft gesichert wird.

Nicht nur Frauen sind von der männlichen Herrschaft beherrscht, sondern gleichermaßen die Herrschenden (Männer), da sie sich den strukturellen Zwängen unterwerfen müssen (vgl. Jäger, 2012, S.27; Müller u.a., 2005, S.267) und die bestehenden Vorstellungen des richtigen Mannes in ihrem Handeln verwirklichen müssen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Herstellung und Reproduktion von Männlichkeit im gymnasialen Alltag
Untertitel
Schule und "Doing Masculinity"
Hochschule
Universität Paderborn  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Männlichkeit, Migration und Bildung
Note
1,3
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V457438
ISBN (eBook)
9783668893856
ISBN (Buch)
9783668893863
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Männlichkeit Bourdieu Connell Doing Gender Doing Masculinity Jungenpädagogik
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Herstellung und Reproduktion von Männlichkeit im gymnasialen Alltag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457438

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Herstellung und Reproduktion von Männlichkeit im gymnasialen Alltag



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden