Diese Arbeit stellt sich die Frage, inwiefern Adam Smith den Einfluss des Staates auf die Wirtschaft toleriert hat. In der folgenden Arbeit soll diese Frage beantwortet werden. Zunächst wird die Kritik Smiths an bestehenden Wirtschaftssystemen und -konzepten der damaligen Zeit dargestellt, was für eine klare Abgrenzung notwendig ist. Hierauf folgt die Darlegung, wie nach Smith der Staatsapparat funktionieren sollte. In einem weiteren Schritt wird Smiths Verständnis von wirtschaftlichem Handeln am Markt und die Rolle des Individuums innerhalb einer Volkswirtschaft aufgezeigt. Das hier veranschaulichte Menschenbild ist nötig, um den Eingriff des Staates in die Wirtschaft darstellen zu können. Die kritische Würdigung beantwortet im Anschluss daran die Forschungsfrage und zeigt deutlich auf, an welchen Stellen Smith staatlichen Einfluss toleriert. Die Arbeit endet mit einem abschließenden Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Staat
2.1 Kritik von Smith an bestehenden Staatsformen
2.2 Aufgaben des Staates nach Smith
3 Das Verständnis von Markt und Wirtschaft bei Adam Smith
4 Kritische Würdigung des staatlichen Einflusses auf die Wirtschaft
5 Fazit
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Adam Smith zum staatlichen Eingreifen in die Wirtschaft, um die verbreitete Fehlannahme zu korrigieren, Smith habe einen absolut liberalen Freihandel propagiert. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, inwiefern Smith staatliche Maßnahmen in einem marktwirtschaftlichen System toleriert und welche spezifischen Aufgaben er dem Staat in diesem Kontext zuweist.
- Kritik an merkantilistischen Wirtschaftssystemen und Monopolbildung
- Das Menschenbild und der Eigennutz als Triebkraft des Marktes
- Staatliche Kernaufgaben (Landesverteidigung, Justiz, Infrastruktur und Bildung)
- Die Differenzierung zwischen öffentlicher und privater Finanzierung
- Die Rolle der "unsichtbaren Hand" im Gesamtwerk von Adam Smith
Auszug aus dem Buch
2.1 Kritik von Smith an bestehenden Staatsformen
In „Wealth of Nations“ übt Smith vor allem an drei ökonomischen Systemen Kritik: Am Merkantilismus, am Zunftwesen in den Städten und an der Theorie der Physiokraten. Schefold und Carstensen (2002) konstatieren, dass bereits der Titel des ersten Buches in Smiths „Wealth of Nations“ bei genauerer Ansicht eine starke Kritik an der seinerzeit vorherrschenden Lehrmeinung darstelle: „Of the Causes of Improvement in the productive Powers of Labour, and of the Order according to which its Produce is naturally distributed among the different Ranks of the People“. Schefold und Carstensen (2002) sehen den Hauptvorwurf Smiths vor allem an die Merkantilisten gerichtet, da deren Bestrebung vornehmlich der Mehrung des begrenzten Edelmetallschatzes für die eigene Nation gegolten hat. Hinzufügend folgert Fellmeth (1981), dass neben der Akkumulation von Edelmetall die Notwendigkeit bestanden habe, die Produkte aus inländischen Manufakturen zu exportieren und dadurch Handelsbilanzüberschüsse zu generieren. Dies sei in den merkantilistischen Wirtschaftssystemen vor allem durch staatliche Subvention und durch die gezielte Schaffung von Monopolen erreicht worden. Hier ist zu erwähnen, dass im 17. Jahrhundert der Merkantilismus die gängige Wirtschaftsordnung in den meisten europäischen Ländern gewesen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Debatte um die Rolle des Staates bei Adam Smith ein und hinterfragt die gängige Interpretation von Smith als striktem Verfechter eines absolut freien Liberalismus.
2 Staat: Dieses Kapitel analysiert Smiths Kritik an zeitgenössischen Wirtschaftssystemen wie dem Merkantilismus und definiert die drei von Smith legitimierten staatlichen Hauptaufgaben.
2.1 Kritik von Smith an bestehenden Staatsformen: Smith setzt sich kritisch mit Merkantilismus, Zunftwesen und Physiokratie auseinander, wobei er insbesondere die staatlich geförderte Monopolbildung und die Fixierung auf Edelmetalle ablehnt.
2.2 Aufgaben des Staates nach Smith: Smith benennt drei legitime staatliche Handlungsfelder: die Landesverteidigung, den Schutz des Eigentums durch Rechtsprechung sowie die Bereitstellung öffentlicher Institutionen.
3 Das Verständnis von Markt und Wirtschaft bei Adam Smith: Dieses Kapitel erörtert das theoretische Fundament von Arbeitsteilung, Eigennutz und Marktpreisen im ökonomischen Denken von Adam Smith.
4 Kritische Würdigung des staatlichen Einflusses auf die Wirtschaft: Es wird untersucht, unter welchen Bedingungen Smith staatliche Eingriffe als wohlfahrtssteigernd akzeptiert und dass diese nicht im Widerspruch zu seinem Marktverständnis stehen.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Smiths Werk nicht auf reinen Freihandel reduziert werden darf, da er den Staat dort in der Pflicht sieht, wo der Markt gesellschaftlich notwendige Leistungen nicht erbringen kann.
Schlüsselwörter
Adam Smith, Klassischer Liberalismus, Wirtschaftsliberalismus, Staatsaufgaben, Marktwirtschaft, Merkantilismus, Arbeitsteilung, Wohlstand, Öffentliche Güter, Infrastruktur, Bildung, Rechtswesen, Unsichtbare Hand, Laissez-faire, Politische Ökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Verhältnis von Adam Smith zum staatlichen Eingreifen in die Wirtschaft und untersucht die spezifischen Aufgaben, die er dem Staat innerhalb einer marktwirtschaftlichen Ordnung zuweist.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Kritik am Merkantilismus, der Definition staatlicher Kernaufgaben wie Bildung und Infrastruktur sowie dem Verständnis von Arbeitsteilung und Eigennutz.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Fehlinterpretation von Adam Smith als reinem "Freihändler" zu korrigieren und aufzuzeigen, dass er staatliche Eingriffe zur Steigerung des gesellschaftlichen Wohlstands durchaus befürwortete.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quellenkundliche Übung, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert und das Hauptwerk "Wealth of Nations" mit aktueller Forschungsliteratur verknüpft.
Was wird im Hauptteil ausführlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Kritik an Staatsformen, die Definition der Staatsaufgaben sowie eine kritische Würdigung des Verhältnisses von Markt und staatlicher Gestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Liberalismus, Staatsaufgaben, Wohlstand, Merkantilismus, Arbeitsteilung und öffentliche Güter.
Wie unterscheidet sich Smiths Ansicht zum Merkantilismus von seiner allgemeinen Wirtschaftstheorie?
Smith lehnt den Merkantilismus wegen der staatlich erzwungenen Monopolbildung und der Handelsbeschränkungen ab, während er staatliche Eingriffe zur Sicherung von Wettbewerb und zur Bereitstellung öffentlicher Güter als notwendig erachtet.
Warum hält Smith Bildung und Infrastruktur für staatliche Aufgaben?
Da private Investoren bei diesen Bereichen oft keinen direkten Gewinn erzielen können, die Leistungen aber für den volkswirtschaftlichen Nutzen und sozialen Frieden essenziell sind, sieht Smith den Staat in der Pflicht.
Was bedeutet das "Wohlstand der Nation" in Smiths Kontext?
Es geht nicht allein um Geldanhäufung, sondern um die Steigerung des Wohlstandes der gesamten Bevölkerung durch Arbeitsteilung, freie Märkte und sinnvolle staatliche Rahmenbedingungen.
Inwiefern beeinflusste Smiths persönliches Leben seine ethischen Ansichten?
Die Arbeit erwähnt, dass Smith sein Geld für wohltätige Zwecke spendete, was unterstreicht, dass soziale Verantwortung und Ethik wesentliche Bestandteile seines Weltbildes waren.
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- Lars Rößner (Author), 2018, Inwiefern tolerierte Adam Smith den Einfluss des Staates auf die Wirtschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457983