Online-Dating. Die Digitalisierung der Partnerschaft


Forschungsarbeit, 2016

30 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ZUSAMMENFASSUNG

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 ONLINE-DATING
2.1 Kennzahlen des Online-Dating-Marktes
2.2 Instrumente und Funktionsweise des Online-Datings

3 SCHLÜSSELKOMPONENTEN DER ONLINE-DATING-DIENSTE
3.1 Zugang
3.2 Kommunikation
3.3 Matching

4 ERFOLGSFAKTOREN IM ONLINE-DATING
4.1 Selbstoffenbarung
4.2 Erfahrungen
4.3 Kommunikation

5 HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN

6 FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

EIDESSTATTLICHE VERSICHERUNG

ZUSAMMENFASSUNG

Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des Online-Datings auf den Kennenlernprozess von Singles sowie auf die Entstehung von Partnerschaften in der heutigen Zeit. Gesellschaftliche Veränderungen, wie zunehmende Individualisierung, größeres Unabhängigkeitsstreben sowie effizientere Lebensgestaltungen, bewirken dass Singles in den letzten 10 Jahren verstärkt Internetkontaktbörsen zur Partnersuche nutzen.

Die Online-Dienste bieten Partnersuchenden die Möglichkeit, standortunabhängig und ohne großen zeitlichen oder finanziellen Aufwand eine Vielzahl an potentiellen Partnern kennenzulernen und die Aussicht auf eine Beziehung in kürzester Zeit herzustellen. Diese Beschleunigung von romantischen Kontaktanbahnungen birgt Risiken, die abhängig von den individuellen Vorgehensweisen der Partnersuchenden variieren. Je nach Intensität und Dauer des Online-Datings können sich Routinen einstellen und der zwischenmenschliche Annäherungsprozess verliert an Einzigartigkeit. Durch das Beachten einiger Regeln, wie etwa der eigenen Beschränkung auf eine überschaubare Anzahl an Kontaktaufnahmen, kann Online-Dating zu einer erfolgreichen Offline-Paarbeziehung führen.

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Umsatzentwicklung Online-Dating-Branche 8

Abbildung 2: Entwicklung Mitgliedschaften & aktiver Nutzer

1 EINLEITUNG

„Liebe wird nötig wie nie zuvor und unmöglich gleichermaßen.“ (Beck und Beck-Gernsheim, 1990, S. 9)

Partnerschaftliche Beziehungen haben einen erheblichen Einfluss auf das psychische sowie körperliche Wohlbefinden und nehmen seit jeher eine zentrale Rolle im Leben eines jeden Menschen ein. Im Gegensatz zu früheren Zeiten in denen die Partnerwahl stark durch eine Verankerung in stabilen familiären und kommunalen Gemeinschaften mitbestimmt wurde, findet heutzutage eine Herauslösung des Paares aus diesen traditionellen Konstrukten statt und die Zweierbeziehung erfährt eine neue Bedeutung (Domenig, Fiala, Revelant & Winter, 2009, S. 95).

Der Bedeutungsverlust der Konstitution Familie, einhergehend mit einem Anstieg der Scheidungsrate, veränderte Rollenverteilungen und Intimbeziehungen außerhalb von Ehen, sind Ausdruck eines Strukturwandels der Gesellschaft und stellen Partnerschaften vor neue Herausforderungen (Lösel & Bender, 2012, S. 50).

Die zunehmende Schnelllebigkeit verbunden mit einer immer währenden Rastlosigkeit, dem Streben nach Selbstoptimierung und Individualisierung sowie ein gesteigertes Bedürfnis nach Abwechslung und Freiheit stellen Entwicklungsströme dar, welche das Eingehen von romantischen Beziehungen verändert und die Suche nach geeigneten Partnern erschwert (Haring, Reiter, & Zitturi, 2009, S. 17).

Als Ausdruck des Wandels in der Beziehungskultur und „als prägnantes Beispiel eines generellen Trends zur ökonomischen Rationalisierung aller menschlichen Lebensbereiche“ (Dröge, 2013, S. 4), gewinnt das Online-Dating zunehmend an Bedeutung. Nach der Psychologin Nicola Döring (2003, S. 424) stellen Internetkontaktbörsen ein wichtiges Instrument zur Herstellung und Aufrechterhaltung neuer sozialer Beziehungen dar und bedienen mit „nüchterner, sachorientierter Logik„ (Dröge, 2013, S. 4) das Streben nach Effizienz der Gesellschaft.

Der Bedeutungszuwachs des Internets als Heiratsmarkt belegen auch die Ergebnisse der Oxford Internet Institut Langzeitstudie aus dem Jahre 2011, wonach inzwischen über 30 % aller Beziehungen online entstehen und 16.4 % aller Eheschließungen aus einem Kennenlernen im Internet resultieren (Wiechers, Pflitsch & Moucha, 2014, S. 1).

Nach einem kurzen statistischen Überblick über die Online-Dating-Branche, analysiert die vorliegende Seminararbeit zunächst die grundlegenden Mechanismen des Mediums Online-Dating um darauf aufbauend kritisch die Schlüsselkomponenten der Internetpartnerbörsen bewerten zu können.

Ziel der Arbeit ist es, durch das Erörtern der Erfolgsfaktoren im Online-Dating und dem Ableiten von Handlungsempfehlungen aufzuzeigen, wie Online-Dater die Chance auf eine zufriedenstellende Offline-Beziehung erhöhen können.

2 ONLINE-DATING

Online-Dating-Plattformen sind definiert als „spezialisierte Webseiten [,] die Menschen gezielt nutzen, um Partner für intime Beziehungen zu suchen“ (Skopek, 2011, S.30).

2.1 Kennzahlen des Online-Dating-Marktes

Wie in der Einleitung bereits aufgeführt,resultieren aus den gesellschaftlichen Veränderungen zunehmend Single-Haushalte. Nach behördlichen Angaben ist die Zahl der Ein-Personen-Haushalte von 14.7 Mio. in 2005, um 13 % auf 16.4 Mio. in 2014 angestiegen und folglich wird 2014 von ungefähr 13 Mio. Singles in Deutschland ausgegangen (Statistisches Bundesamt, 2014).

Der Umsatz der aufstrebenden Online-Dating-Branche ist seit 2002 auf dem deutschen Markt rapide angestiegen und erreichte 2011 ein Umsatzhöhepunkt von über 202 Mio. Euro.

Im Jahr 2014 wurde ein Umsatz von 191.6 Mio. Euro generiert und der Wirtschaftszweig wächst stetig weiter (Wiechers et al.2014, S. 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Umsatzentwicklung Online-Dating-Branche (Eigene

Darstellung nach Wiechers et al. 2014, S. 5).

Der rapide Anstieg an Neuregistrierungen auf dem deutschen Markt von 9.7 Mio. in 2003 auf 107.8 Mio. in 2014 geht zurück auf eine große Anzahl inaktiver Nutzer auf den über 2500 verschiedenen „Singlebörsen, Partnervermittlungen, Singlechats, Seitensprung-Diensten, Sextreffs usw.“ (Wiechers et al. 2014, S. 4).

Viele Online-Dating-Portale sind kostenlos und eine Registrierung kann schnell sowie unkompliziert vorgenommen werden, weshalb viele Nutzer oft einer Abmeldung vom Dienst nicht nachkommen (Wiechers et al. 2014, S. 4). Die Zahl der aktiven Nutzer ist ebenfalls deutlich gestiegen und hat sich von 2003 auf 2014 fast verdreifacht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. Entwicklung Mitgliedschaften & aktiver Nutzer (Eigene Darstellung nach Wiechers et al. 2014, S. 4).

2.2 Instrumente und Funktionsweise des Online-Datings

Online-Dating-Seiten sind durch drei elementare Funktionen gekennzeichnet:

1) Eine Selbstpräsentation mit Fotos und Angaben zu sozioökonomische Daten, persönlichen Merkmalen und Partnerpräferenzen in Nutzerprofilen.

Anhand dieser Standardisierung der Profilerstellungsmasken ist eine detaillierte Suche nach anderen Nutzerprofilen sowie einem direkten Vergleich zwischen verschiedenen potentiellen Partnern möglich.

2) Kriterienbasierte Suchmasken liefern eine Auflistung der Suchergebnisse nach Geschlecht, Alter, Bildungsniveau und Freizeitaktivitäten, sodass sowohl eine gezielte Suche als auch Auswahl potentieller Partner vorgenommen werden kann.

Durch die steigende Zahl von Online-Dating-Anbietern versuchen sich die Plattformen von der Konkurrenz abzuheben, indem signifikante Unterschiede in den Such- und Selektionsmechanismen vorliegen. Je nach Anbieter kann der Nutzer eigenverantwortlich potentielle Kandidaten mit detaillierten Formularmasken finden (Skopek, 2011, S. 75) oder per Algorithmenverfahren einen passenden Vorschlag erhalten (Schulz & Zillmann, 2009, S. 11).

3) Eine Kontaktaufnahme mit den ausgewählten Kandidaten erfolgt zunächst anonym mittels plattforminterner Nachrichtensysteme (Schulz & Zillmann, 2009, S. 11).

Durch die asynchrone, computerbasierte Kommunikation in Form von E-Mails und Chats, verläuft der Kennenlernprozess schrittweise und resultiert je nach Sympathie und Interesse der Nutzer in einem realen, persönlichen Treffen.

Weitere Funktionen, wie die eines interaktiven Live-Chats mit direkter Kommunikation, Partnervorschlagssysteme, Evaluierung anderer Nutzerprofile, Merklisten- und Sperrfunktionen oder regelmäßige Newsletter, die den Nutzer auf Partner in der Nähe oder neu angemeldete Nutzer aufmerksam machen wollen, erweitern diese Grundinstrumente.

Wenn auch früher die Nutzung der Online-Dating-Seiten ausschließlich über den Web-Browser erfolgte, ist eine Zunahme an Dating-Apps auf internetfähigen Endgeräten, wie etwa Smartphones oder Tablets, zu verzeichnen und ermöglicht den Nutzern einen spontanen und standortunabhängigen Zugriff (Skopek, 2011, S. 74).

3 SCHLÜSSELKOMPONENTEN DER ONLINE-DATING-DIENSTE

Im nachfolgenden Abschnitt wird das Online-Dating in drei Mechanismen strukturiert und hinsichtlich der Unterschiede zum traditionellen Kennenlernprozess analysiert sowie kritisch bewertet.

3.1 Zugang

Wenn die Partnerwahl abseits internetbasierterDating-Plattformen zum überwiegenden Teil auf der Intuition und des unbeeinflussbaren Zufalls der Situation basiert, ermöglicht das Internet nun passende Partner zusammenzuführen, welche sich unter anderen Umständen nicht kennenlernen würden.

Zu früheren Zeiten war die Auswahl potentieller Partner meist auf ein soziales Netzwerk beschränkt und Personengruppen mit langen Arbeitszeiten, Behinderungen oder aus ländlichen Gegenden verfügten nur über sehr begrenzte Möglichkeiten andere Singles kennenzulernen. Partnerbörsen im Internet können bequem von jedem beliebigen Aufenthaltsort genutzt werden und die Distanz zwischen zwei Kandidaten wird durch neue Kommunikationswege (bspw. Skype, E-Mail) aufgehoben (Finkel, Eastwick, Karney, Reis & Sprecher, 2012, S. 4).

Anders als beim traditionellen Kennenlernprozess bieten die digitalen Partnermärkte den Zugriff auf eine Vielzahl von persönlichen Informationen, z.B. Fotos, Angaben zu Körpermaßen, Interessen und Einstellungen, Alter sowie Bildungslevel. Bereits vor einem persönlichen Treffen und auch ohne das Wissen des unbekannten Gegenübers, kann auf Grundlage dieser Daten eine Vorauswahl der Kandidaten getroffen und nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden analysiert werden.

Neben den vielen Vorteilen, die Internetpartnerbörsen den Nutzern bieten, schlussfolgert Dröge (2013, S. 10) kritisch, dass mit länger andauernder digitaler Partnersuche die Chance auf eine Liebesbeziehung abnimmt. Der intensive Austausch mit vielen verschiedenen Kontaktpersonen führt zum Herausbilden von Routinemustern und folglich einem Abstumpfen in der Kontaktanbahnung und –aufrechterhaltung, sodass mit zunehmenden Dating die anfängliche Neugier und Erregung über den unbekannten Gesprächspartner sinkt. Um der entstandenen Routine entgegenzuwirken, initiieren die Nutzer in immer kürzeren Abständen Kontaktaufnahmen mit potentiellen Partnern und festigen durch dieses Verhalten zusätzlich diese Muster (Dröge, 2013, S. 9). Die unbegrenzte Auswahl an verfügbaren Singles auf Online-Partnerbörsen wirkt sich daher nachteilig auf die Bindungsbereitschaft der Nutzer aus, da aufgebaute Kontakte als austauschbare Objekte wahrgenommen werden (Dröge, 2013, S. 10).

Das Durchsuchen der unzähligen Profile von Kandidaten beeinflusst und verändert die Ansprüche sowie Vorstellungen an den Idealpartner. Finkel et al. (2012, S. 34) sieht den Grund in der „Marktplatz-Atmosphäre“ von Online-Dating-Seiten, sodass die individuell subjektive Bewertung und Schlussfolgerung dem Angebot angepasst wird.

Das Entstehen veränderter, an das Überangebot angepasster Entscheidungskriterien, wird zusätzlich durch die Wirkung von Sättigungseffekten und dem Einfluss kognitiver Überforderung hervorgerufen. Ein überlegtes Treffen von Entscheidungen wird somit erschwert und kann rückblickend bewertet, in einer unbefriedigenden Wahl resultieren (Finkel et al. 2012, S. 49). Durch die große Auswahl an potentiellen Partnern, wird Qualität durch Quantität ersetzt und Nutzer konzentrieren sich nicht auf die emotionale Annäherung mit einem einzigen anderen Single. Stattdessen werden mehrere Kandidaten gleichzeitig mit geringerer Intensität und Tiefe kontaktiert (Dröge & Voirol, 2011, S. 352).

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Online-Dating. Die Digitalisierung der Partnerschaft
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
30
Katalognummer
V458142
ISBN (eBook)
9783668895201
ISBN (Buch)
9783668895218
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Partnerschaft, Beziehung, Digitalisierung, Psychologie, Sozialpsychologie, Online-Dating
Arbeit zitieren
Andrea Gigauri (Autor), 2016, Online-Dating. Die Digitalisierung der Partnerschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458142

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