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Die weltanschaulichen Grundlagen des "medialen Schreibens" in R.M. Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge". Spiritismusrezeption des Autors

Title: Die weltanschaulichen Grundlagen des "medialen Schreibens" in R.M. Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge". Spiritismusrezeption des Autors

Term Paper , 2018 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Axel Bannert (Author)

German Studies - Comparative Literature
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In seinem erstmals 1910 erschienenen Roman die "Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" fingiert Rainer Maria Rilke das Tagebuch des fiktiven dänischen Dichters Malte L. Brigge. Dabei löst er sich von der Idee eines konventionellen Handlungsverlaufs. Die Tagebuchfragmente des autodiegetischen Erzählers Malte sind weder kausal noch chronologisch miteinander verknüpft, so dass keine stringente, paraphrasierbare Erzählung entsteht. Die assoziativ miteinander verbundenen Aufzeichnungen schwanken zwischen Maltes Gegenwart in der unheilschwangeren Kulisse der Pariser Großstadt, Szenen aus der Kindheit des Protagonisten und ins allgemein Historische reichende Reflexionen.

Im Rahmen dieser Abhandlung soll der Themenkomplex des "Spiritismus" innerhalb der "Aufzeichnungen" in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden, denn die Poetik, die Rilke im Rahmen der "Aufzeichnungen" entwirft scheint in nicht geringem Maße durch das Ineinandergreifen ästhetischer und spiritistischer Diskurse geprägt zu sein.

Insbesondere neuere Forschungsergebnisse weisen auf den Einfluss okkulter Praxis und Axiomatik auf die programmatische Ausrichtung zahlreicher Maler und Autoren um die Jahrhundertwende hin. Um das Jahr 1900 ist die Verbindung zwischen Kunst und Medialität ein weitverbreiteter Topos. Seine spezifische Ausprägung erfährt das zeitgenössische Verständnis "künstlerischer Medialität" jedoch durch seine gedankliche Nähe zum okkultistischen Diskurs. Dabei zeitigt die ästhetische Adaption spiritistischer Theorie u.a. ein verändertes Bild des Künstlersubjekts. Der Künstler tritt an die Stelle des spiritistischen Mediums. Daraus folgt, dass die Leistung des künstlerischen Schaffensprozesses in die Sphäre des Unbewussten verlegt wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II. Grundlagen der spiritistischen Philosophie Carl du Prels

2.1. Subjektbegriff - Das transzendentale Subjekt

2.2. Okkulte Erkenntnistheorie

2.3. Die sinnlich/übersinnliche Wirklichkeitskonzeption Carl du Prels

III. Die Weltanschaulichen Grundlagen der "künstlerischen Medialität" in den "Aufzeichnungen " - Wirklichkeitsbegriff

3.1. Rilkes Wirklichkeitsbegriff

3.2. "Der wichtigste Wink meines Lebens" - Die Integration des Übersinnlichen in den Wirklichkeitsbegriff Malte Laurids Brigges

3.3. "Die Zeitfolgen spielten durchaus keine Rolle für ihn"- Die Figur des Grafen Brahe als Personifikation eines ganzheitlichen Weltverständnis

IV. Die Weltanschaulichen Grundlagen des "künstlerischen Mediumismus" in den "Aufzeichnungen " - Subjektbegriff und Erkenntnistheorie

4.1. Zum Einfluss okkulter Erkenntnistheorie und Subjektkonzeption auf das Denken Rilkes

4.2. "Ich habe ein Inneres, von dem ich nicht wusste" - Das transzendentale Subjekt in den Aufzeichnungen

4.3. Zum Verhältnis zwischen Rilkes Subjektbegriff und Erkenntnistheorie und dem poetologischen Imperativ der "künstlerischen Medialität"

V. Konklusion

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Einfluss spiritistischer Diskurse, insbesondere der Philosophie von Carl du Prel, auf Rainer Maria Rilkes Roman "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge". Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass Rilkes poetologische Konzepte und das darin zentrale Motiv des "Sehen-lernens" untrennbar mit einem spiritistisch geprägten Wirklichkeits- und Subjektverständnis verknüpft sind.

  • Spiritistische Einflüsse auf die Moderne und Rilkes Werk
  • Die Theorie des "transzendentalen Subjekts" und deren Bedeutung für den Dichter
  • Die Auflösung der Dichotomie von Diesseits und Jenseits
  • Die Rolle des "künstlerischen Mediumismus" und der Écriture automatique
  • Die Transformation des Künstlersubjekts im Kontext der "Aufzeichnungen"

Auszug aus dem Buch

"Der wichtigste Wink meines Lebens" - Die Integration des Übersinnlichen in den Wirklichkeitsbegriff Malte Laurids Brigges

Zu diesem Zweck soll der Blick an dieser Stelle auf die Christine-Brahe-Episode gerichtet werden. "Zwölf Jahre oder höchstens dreizehn muß ich damals gewesen sein" erinnert sich Malte als er seinen Vater das erste Mal nach dem Tod der Mutter nach Urnekloster begleitet. Auf Urnekloster, dem dänischen Sitz des Brahegeschlechts, dem mütterlichen Zweig seiner Familie, erscheint der anwesenden Gesellschaft Christine Brahe die "vor langer, langer Zeit in ihrem zweiten Kindbett gestorben war". Man könnte davon ausgehen, dass der Auftritt des Revenants Christine Brahe den thematischen Schwerpunkt innerhalb des Abschnitts darstellen müsste, doch es scheint als würde die eigentliche Emphase Rilkes viel eher auf der psychologischen Reaktion der Anwesenden liegen. Schon quantitativ steht die Beschreibung Christines in keinem Verhältnis zu der Schilderung der Reaktionen der einzelnen Figuren auf ihre Erscheinung.

Es existiert eine frühere Version dieses Fragments in dem der Fokus von der Figur des Vaters auf Malte übergeht. Dieser frühere Entwurf sollte den Roman ursprünglich eröffnen. Neben diesem eher impliziten, strukturellen Hinweis auf die überbordende Bedeutung der Episode, findet sich in diesem auch ein explizites Indiz auf seine Gewichtung im Gesamtkontext des Romans. Malte hebt das Maß hervor, mit der diese Episode seiner Kindheit immer noch auf sein jetziges Leben wirkt. Er leitet seine Erinnerung an die Erscheinung Christines folgendermaßen ein,

es war mir, als wäre in ihr der Schlüssel gewesen für alle ferneren Türen, meines Lebens [...] Als wäre mir damals der wichtigste Wink meines Lebens gegeben worden, ein Rat, eine Lehre - und nun ist alles verfehlt nur weil ich diesen Rat nicht befolgt, weil ich diesen Wink nicht verstanden habe; weil ich nicht gelernt habe, nicht aufzustehen, wenn sie eintreten und vorübergehen, die welche eigentlich nicht kommen dürften, die Unerklärlichen.

Zusammenfassung der Kapitel

I Einleitung: Die Einleitung etabliert den Roman als autodiegetische Tagebuchfragmente und führt die Forschungsfrage ein, inwiefern spiritistische Diskurse die Poetik des Werkes maßgeblich geprägt haben.

II. Grundlagen der spiritistischen Philosophie Carl du Prels: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Axiome von du Prel, insbesondere den Begriff des transzendentalen Subjekts als unbewusste, seelische Sphäre des Menschen.

III. Die Weltanschaulichen Grundlagen der "künstlerischen Medialität" in den "Aufzeichnungen " - Wirklichkeitsbegriff: Hier wird Rilkes Wirklichkeitsbegriff untersucht und aufgezeigt, dass das Jenseits bei ihm nicht als Ort, sondern als integraler Bestandteil der immanenten Welt begriffen wird.

IV. Die Weltanschaulichen Grundlagen des "künstlerischen Mediumismus" in den "Aufzeichnungen " - Subjektbegriff und Erkenntnistheorie: Das Kapitel analysiert, wie die Ent-Ichung und das "neue Sehen" des Protagonisten mit der spiritistischen Vorstellung der Aufgabe des Alltagsbewusstseins korrespondieren.

V. Konklusion: Die Arbeit fasst zusammen, dass Rilkes Dichterkonzept den Dichter als Medium eines Größeren begreift, was eine Transformation des Künstlersubjekts und die Preisgabe konventioneller Autorenschaft voraussetzt.

Schlüsselwörter

Rainer Maria Rilke, Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, Spiritismus, Carl du Prel, Transzendentales Subjekt, Künstlerische Medialität, Sehen-lernen, Écriture automatique, Okkultismus, Wirklichkeitsbegriff, Subjektkonzeption, Diesseits und Jenseits, Literaturwissenschaft, Jahrhundertwende, Ent-Ichung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die weltanschaulichen Grundlagen von Rainer Maria Rilkes Roman "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" unter besonderer Berücksichtigung der Rezeption spiritistischer Theorien des Philosophen Carl du Prel.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Verschränkung von ästhetischen und spiritistischen Diskursen, der Neudefinition des Künstlers als Medium sowie der Überwindung dualistischer Vorstellungen von Leben und Tod.

Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?

Es wird untersucht, inwiefern der poetologische Imperativ der Écriture automatique und die thematische Suche des Protagonisten nach einer neuen Form des Sehens auf okkultistischen Axiomen basieren.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Untersuchung folgt einer ideengeschichtlichen Analyse, indem sie primärliterarische Zeugnisse Rilkes mit dem philosophischen System Carl du Prels konfrontiert und diese im Kontext der zeitgenössischen spiritistischen Debatte um 1900 interpretiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Philosophie du Prels und deren Anwendung auf Rilkes Wirklichkeits- und Subjektbegriff, mit Fokus auf die Christine-Brahe-Episode und Maltes "Sehen-lernen-Projekt".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Rilke, Spiritismus, transzendentales Subjekt, künstlerische Medialität, Sehen-lernen, Wirklichkeitsbegriff und die Auflösung der Autorenschaft.

Warum spielt die Christine-Brahe-Episode eine zentrale Rolle?

Die Episode dient als Chiffre für die Unfähigkeit des Protagonisten, das Übersinnliche angstfrei in seine Wirklichkeit zu integrieren, und illustriert damit den Konflikt zwischen rationaler Weltsicht und spiritueller Erfahrung.

Wie verändert sich das Verständnis des Dichter-Subjekts laut dem Autor?

Der Autor argumentiert, dass der Dichter sich vom traditionellen, autonomen Subjekt zum "Medium" transformiert, das seine schöpferische Kraft aus unbewussten, seelischen Quellen bezieht.

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Details

Title
Die weltanschaulichen Grundlagen des "medialen Schreibens" in R.M. Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge". Spiritismusrezeption des Autors
College
Free University of Berlin  (Peter Szondi Institut)
Course
Gespenster - Figuren und Theorien des Spektralen
Grade
1,0
Author
Axel Bannert (Author)
Publication Year
2018
Pages
24
Catalog Number
V458150
ISBN (eBook)
9783668900783
ISBN (Book)
9783668900790
Language
German
Tags
Rainer Maria Rilke Spiritismus Okkultismus Carl du Prel Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Axel Bannert (Author), 2018, Die weltanschaulichen Grundlagen des "medialen Schreibens" in R.M. Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge". Spiritismusrezeption des Autors, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458150
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