Neros Beteiligung am Brand Roms im Spiegel der antiken Quellen


Hausarbeit, 2016
16 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Neros Beteiligung am Brand Roms im Spiegel der antiken Quellen
1.1 Cassius Dio
1.2 Sueton
1.3 Tacitus

2 Vergleich der Drei Quellen

Fazit

Quellenverzeichnis

Einleitung

„Aber selbst das Volk und die Gebäude seiner Vaterstadt verschonte Nero nicht. Als einmal jemand bei einer allgemeinen Unterhaltung den griechischen Vers zitierte:

Bin ich erst tot, so mische Erd’ und Feuer sich, sagte er: Nein! Noch solange ich lebe! Und er handelte auch ganz danach.“1

Zugegebenermaßen ist dieses Anfangszitat nicht unbefangen. Ganz im Gegenteil. Der Biograph Sueton, der dieses Zitat in seinem De vita Caesarum (Cäsarenleben) niederschrieb, sah Nero (Claudius Caesar Augustus Germanicus) als klaren Schuldigen an dem Brand, der vom „18./19.-27.6.64 [...] weite Teile Roms [...] vernichtet[e]“.2 Diese klare Aussage von Seiten Suetons wird allerdings in Zweifel gezogen, wenn man bedenkt, dass dieser erst um 70 n.Chr. geboren wurde und dass das Werk Cäsarenleben erst um 120 n.Chr. erschien und er von daher nur über Erzählungen über die Kaiserzeit Neros erfahren haben kann.

Also was ist dran an den überlieferten und berichteten Gerüchten an Neros Beteiligung am Brand Roms? In wie weit sind die Überlieferungen, die über dieses doch große und prägende Ereignis jener Zeit berichtet haben, konform miteinander und wo sind grundlegende Unterschiede.

Um die Schuldfrage aus literarischer Sicht zu rekonstruieren, werde ich die 3 großen Quellen, die sich mit dem Brand Roms beschäftigt haben, miteinander vergleichen. Diese Quellen sind Tacitus, der der einzige Zeitzeuge ist, Sueton und Cassius Dio.

Von dem Vergleich dieser drei historischen Quellen erhoffe ich mir, heraus arbeiten zu können, ob es genug Parallelen in ihnen gibt, um eine Beteiligung Neros am Brande Roms zu verifizieren. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass diese Quellen sich widersprechen, bzw. in ihrer Chronologie nicht übereinstimmen, was eine Beteiligung Neros wiederrum nicht ausschließt.

Meine Forschungsaufgabe besteht demnach darin herauszuarbeiten, welche Quelle glaubwürdig erscheint und welche vielleicht doch verzerrt bzw. unwahrscheinlich ist. Denn durch die vergangene Zeit hatte sich in Rom ein negatives Bild von Nero etabliert, nicht zuletzt weil der Senat anordnete, „daß jede memoriam an ihn getilgt wurde“.3

1 Neros Beteiligung am Brand Roms im Spiegel der antiken Quellen

Laut Sueton und Cassius Dio war Nero sehr interessiert an einer Neugestaltung Roms und von daher logischerweise begierig auf neues Bauland innerhalb der antiken Großstadt, „um seine ehrgeizigen stadtarchitektonischen Pläne verwirklichen zu können“.4 Um in der Fragestellung eine Antwort zu finden, wird sich die Hausarbeit, obwohl noch viele weitere vorhanden, besonders mit den drei bereits genannten Quellen auseinandersetzten. Zum einen mit Römische Geschichte von Cassius Dio5, eine Quelle die allerding erst knapp 100 Jahre nach dem Brand Roms erschien und sich aufgrund der zeitlichen Differenz als unglaubwürdig erweisen könnte. Dann das Cäsarenleben von Sueton6, ebenfalls keine Quelle eines Zeitzeugen, allerdings liegen zwischen dem Brand Roms und der Geburt Suetons nur sechs Jahre. Diese kurze Zeitspanne könnte die Quelle glaubwürdiger machen. Bei der letzten zu betrachtenden Quelle handelt es sich um die Annalen von Tacitus.7 Diese Quelle ist die Einzige, die von einem Zeitzeugen geschrieben wurde und deshalb möglicherweise eine zeitgetreue Darstellung liefert.

1.1 Cassius Dio

„Danach verlangte Nero, sich einen zweifellos stets gehegten Wunsch zu erfüllen, nämlich bei Lebzeiten die ganze Stadt sowie das Reich zu vernichten. Jedenfalls pries er auch Priamus als wunderbar glücklich, weil er seine Vaterstadt und zugleich sein Reich zerstört sah“8

Die Einleitung über die Geschehnisse des Brand Roms Dios lässt keinen Zweifel daran, wen der Geschichtsschreiber für den Schuldigen hält. Werden die vorigen Kapitel, die sich mit Nero beschäftigen außer Acht gelassen, wird hier ein gnadenloses Bild Neros als grausamer Tyrann gezeichnet, der willentlich nicht nur eine Stadt, sondern ein ganzes Reich eines Lebenswunsches wegen dem Verderben überlässt. Besonders stark ist hier die beschriebene Parallele zu Priamus hervorzuheben, denn „Neros Künstlernatur sehnte sich nach einer Augenweide eines gewaltigen Brandes, wie ihn Priamus einst gesehen!“9 Priamus war der „letzte König von Troia“10.

Um dieses zerstörerische Ziel zu erreichen, „schickte der Kaiser heimlich Männer aus, die sich als betrunken oder auch als sonst wie verbrecherisch ausgeben sollten“11. Diese zündeten dann an verschiedenen Orten in der Stadt Gebäude an. Laut Dio brach Rom daraufhin in Chaos aus, „eine heftige Erregung hielt die gesamte Bürgerschaft aller Stadtteile in Bann“12. Während einige versuchten, ihr eigenes Hab und Gut zu retten, waren wieder andere nur daran interessiert, die in Flammen stehenden Häuser zu plündern. Immer mehr Häuser fingen Feuer und brannten nieder und das über „mehrere Tage und Nächte“13. Hinzu kam erschwerender Maße, „da[ss] niemand half, sie zu retten“14.

„Während nun all die anderen Einwohner [...], vom Schmerze überwältigt, sich unmittelbar in die Flammen stürzten, stieg Nero zum Dach seines Palastes empor, von wo aus man den besten Überblick über den größeren Teil der Brandstellen hatte, legte das Kleid eines Kitharaspielers an und besang, wie er selbst erklärte, die Einnahme von Troja, wie es jedoch den Zuschauern erschien, die von Rom.“15

Spätestens an dieser Stelle wird unmissverständlich klar was Cassius Dio Nero geschichtlich gesehen für eine Rolle zukommen lässt. Nicht nur hat der Kaiser die Stadt anzünden lassen, um seinen Wunsch der totalen Zerstörung Roms wahr werden zu lassen, er weidete sich auch noch an dem Unglück und der Verzweiflung der Bürger, indem er den Untergang von seinem Palast aus besingt. Während „Soldaten einschließlich der Nachtwachen [...]an zündeten, anstatt zu löschen“16, stellt er sich öffentlich auf das Dach eines Palastes und besingt den Untergang einer Stadt. Der hier von Cassius Dio beschriebene Nero ist nicht nur zynisch, sondern auch noch unmenschlich.

Allerdings fällt beim reinen Lesen der Schriften von Cassius Dio auf, dass er nicht benennt, wie er an diese Informationen gekommen ist. Ob es sich dabei um von ihm vernommene Erzählungen, eventuelle Stadtarchiveinträge oder eine andere Quelle handelt ist unklar. Und dennoch stellt er das Ganze so dar, als würde es sich um absolute Fakten handeln. Dabei liegen ca. 100 Jahre zwischen der Kaiserzeit Neros und Cassius Dios Schaffen, was diese absolut formulierten Aussagen über Nero doch etwas unglaubwürdig erscheinen lassen. Dazu schreibt Peter Michael Swan, Professor der Geschichte an der Universität von Saskatchewan:

„his modern reader must often curb a temptation to dismiss him [Cassius Dio] as reactionary“ 17

Es wird also deutlich, dass Cassius Dios Rekonstruktion der Geschehnisse, die auch für ihn schon einige Jahrzehnte zurücklagen, mit einer gewissen Skepsis gesehen werden und auf keinen Fall als bare Münze genommen werden sollten.

1.2 Sueton

Suetons Eröffnungszitat zum Brande Roms war der Einstieg in diese Hausarbeit und auch weiterhin wird er Nero gegenüber nicht positiver in seiner Schilderung des Brand Roms. „Laut Sueton setzte Nero die Stadt also deshalb in Brand, weil ihre Enge und Unbequemheit quasi sein ästhetisches Empfinden beleidigt habe.“18 Suetons Beschreibung nach benutze Nero den „Vorwand, daß ihm die Häßlichkeit der alten Bauwerke und die engen und krummen Straßen zuwider seien“19, um das Feuer von „seinen Kammerdienern“20 legen zu lassen. Jene taten dies so offenkundig, dass Konsulare, deren Villen gerade in Brand gesteckt wurden, sie dabei ertappten, aber aus Angst vor dem Kaiser diese nicht zu stoppen wagten. Objekte aus Stein, die dem Feuer im Weg gestanden hätten, wurden mit schweren Maschinen niedergerissen und anschließend in Brand gesteckt. Eine Woche lang dauerte das Feuer laut Sueton. Während dieser Woche war „das Volk [...] gezwungen, in Denkmälern und Grabstätten Zuflucht und Obdach zu suchen“21. Dem Brand zum Opfer fielen Mietshäuser, Paläste, Tempel und viele andere Sehenswürdigkeiten.

Nero beobachtete die „Feuersbrunst [...] vom Mäcenasturm“22 und weil ihn der Brand so entzückte, „sang er in seinem bekannten Theaterkostüm ein Lied von Iliums Eroberung“23.

Auch beschreibt Sueton als so raffgierig, dass er den Schutt und die Leichen umsonst abtransportieren würde um noch „möglichst viel Gewinn und Beute zu ziehen“24, weswegen auch keiner mehr die abgebrannten Ruinen betreten durfte. Um die Staatsfinanzen wieder auf zu stocken, „erschöpfte er völlig die Provinzen und das Vermögen der Privatleute.“25

In Suetons Schilderung der Ereignisse befinden sich, im Gegensatz zu Cassius Dios Schilderung, eine höhere Detaildichte und eine bessere Kenntnis der Begebenheiten während des Brandes. Allerdings zeigt auch Sueton eine feindlich gesinnte Einstellung gegenüber Kaiser Nero. Dieser soll den Brand ausgelöst haben, weil ihm Rom als klein, verwinkelt und hässlich vorkam. Hier wird schon Neros Sinn für Kunst und Ästhetik angedeutet, der „nicht den aristokratischen Konventionen der Zeit entsprach.“26 Und bei Sueton geht er sogar einen Schritt weiter: er verachtet das Unästhetische nicht nur, er vernichtet es auch noch vorsätzlich. In dieser Schilderung Suetons erscheint es allerdings unlogisch, dass Nero dann auch das Schöne, sprich „Sehenswertes und Denkwürdiges“27 den Flamen übergab. Nun könnte natürlich argumentiert werden, dass Nero das Feuer, wenn auch auf sein Geheiß gelegt, auf Grund von zum Beispiel Wetterbedingungen nicht mehr unter Kontrolle hatte. Allerdings scheint dies unvorsichtig und undurchdacht. Weiterhin schreibt Sueton, dass Nero den Untergang Roms in seinem „bekannten Theaterkostüm“28 besang. Während es von Suetons Seite aus deformierend für den Ruf des Kaisers wirken soll, dass er ein allgemein bekanntes Theaterkostüm besaß, spricht es zwar dafür, dass Nero in der Öffentlichkeit häufig als Künstler auftrat, führt somit aber auch zu der Frage, ob der bekannte Kunstliebhaber Nero einfach alle Sehens- und Denkwürdigkeiten dem Feuer übergeben hätte. Er wollte, laut Suetons eigener Schilderung nach, ja nur die hässlichen Ecken Roms zerstören.

[...]


1 Suet. Nero. 38, 1

2 Eck, W., DNP 8, (Stuttgart 2000) S. 851-854 s.v. Nero[1].

3 Eck, W., DNP 8, (Stuttgart 2000) S. 851-854 s.v. Nero[1].

4 Vgl. Baudy, G., Die Brände Roms (Hildesheim 1991). S.9.

5 Cassius Dio, Römische Geschichte. Hrsg. von Carl Andersen, übers. von Otto Veh (Zürich 1987).

6 Sueton, Cäsarenleben. Hrsg., übers. und erl. von Max Heinemann (Stuttgart 1986).

7 Tacitus, Annalen. Hrsg. von Thomas Baier, Kai Brodersen und Martin Hose, übers. und erl. von Alfons Städele (Darmstadt 2011).

8 Dio 62, 16, 1

9 Heinz, K., Das Bild Kaiser Neros bei Seneca, Tacitus, Sueton und Cassius Dio (Biel 1948) S. 43.

10 Stoevesandt, Magdalene (Basel), “Priamos”, in: Der Neue Pauly, Herausgegeben von: Hubert Cancik, Helmuth Schneider (Antike), Manfred Landfester (Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte). Consulted online on 04 August 2016 <http://dx.doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e1008220>

Erste Online-Erscheinung: 2006.

11 Dio 62, 16, 2.

12 Dio 62, 16, 3.

13 Dio 62, 17, 1.

14 Ebd.

15 Dio 62, 18, 1.

16 Dio, 62, 17, 1.

17 Swan, P., The Augustan Succession: An Historical Commentary on Cassius Dio's Roman History Books 55-56 (9 B.C. – A.D. 14) (New York 2004).

18 Jakob-Sonnabend, W., Untersuchungen zum Nero-Bild der Spätantike (Hildesheim 1990) S. 111.

19 Suet. Nero 38, 1.

20 Ebd.

21 Suet. Nero 38, 1.

22 Ebd.

23 Ebd.

24 Ebd.

25 Ebd.

26 Malitz, J., Nero: der Herrscher als Künstler. In: Hartmann, A., Neumann, M. (Hg.), Mythen Europas. Schlüsselfiguren der Imagination. Antike. (Regensburg 2004) S.150.

27 Ebd.

28 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Neros Beteiligung am Brand Roms im Spiegel der antiken Quellen
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Historisches Institut)
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V459235
ISBN (eBook)
9783668878518
ISBN (Buch)
9783668878525
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neros, beteiligung, brand, roms, spiegel, quellen
Arbeit zitieren
Johann Vohn (Autor), 2016, Neros Beteiligung am Brand Roms im Spiegel der antiken Quellen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459235

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