Friedrich von Hausegger (*1837 in Kärnten, †1899 in Graz) erlangt Bekanntheit als Musikkritiker und Philosoph. Sein Hauptwerk „Die Musik als Ausdruck“ erscheint erstmals 1885 und behandelt seine Auffassung von Musikästhetik.
In der vorliegenden Arbeit wird der Aspekt des Hörens bei Hausegger untersucht. Für ihn hängen Ausdruck und Hören sehr eng zusammen. Es ist also nicht möglich, den Aspekt des Hörens zu untersuchen, ohne den Aspekt des Ausdrucks zu berücksichtigen. Nur durch den menschlichen Ausdruck, der mit Hilfe von Tönen transportiert wird, verfeinert sich der Sinn des Hörens. Aus diesem Grund werden im zweiten Abschnitt seine Werke „Die Musik als Ausdruck“ und „Die Anfänge der Harmonie“ genauer durchleuchtet, was die Basis für das Verständnis der darauf folgenden Untersuchungen bildet. Im dritten Abschnitt werden die Anfänge der Musik, die ebenfalls die Anfänge des bewussten und aktiven Hörens bilden, behandelt. Der vierte Abschnitt „Die Entwicklung vom Ausdruckslaut zur Musik“ bildet den Kern der vorliegenden Arbeit und ist deshalb in weitere Sinnabschnitte unterteilt. Die Entwicklung einzelner Töne und Klänge schafft die Grundlage zur weiteren Musikentwicklung und ist für die Ausbildung des Gehörs von großer Wichtigkeit. Erst im zweiten Schritt entstehen Harmonien und Tonarten, die eine Musik hervorbringen, die wir als Kunst verstehen. Der nächste Punkt durchleuchtet die unterschiedliche Entwicklung der griechischen und der abendländischen Musik. Diese Herausstellung der Geschichte ist für Hausegger durchgängig von Interesse. Im letzten Absatz wird die Entwicklung des Hörempfindens untersucht. Die Kenntnis aller bisherigen Analysen ist die notwendige Grundlage um diese lang andauernde Entwicklung zu begreifen. Das historische Verständnis der Musikentwicklung ist die Voraussetzung für die Erkenntnis, dass der Aspekt des Hörens im Laufe der Geschichte mehrere Wandel erfahren hat und wohl nie zu einem Ende gelangen wird. Dieses Ergebnis wird im Fazit abschließend erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wichtige Werke Friedrich von Hauseggers
3. Der Ursprung der Musik und des bewussten Hörens
4. Die Entwicklung vom Ausdruckslaut zur Musik
4.1 Die Entwicklung einzelner Töne und Klänge
4.2 Die Entwicklung von Harmonie und Tonarten
4.3 Griechische und abendländische Musikentwicklung
4.4 Die Entwicklung des Hörens
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Aspekt des Hörens im musikästhetischen Denken von Friedrich von Hausegger. Im Fokus steht dabei die zentrale These, dass sich das Hörempfinden im Laufe der musikalischen Entwicklung stetig gewandelt hat und eng mit dem menschlichen Ausdrucksbedürfnis verknüpft ist.
- Musikästhetik und Ausdruckstheorie nach Friedrich von Hausegger
- Die historische Entwicklung des musikalischen Hörens
- Die Rolle von Harmonie und Tonarten für die Hörerfahrung
- Vergleichende Analyse griechischer und abendländischer Musikentwicklung
- Physikalische und soziale Grundlagen des Musikerlebens
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Entwicklung einzelner Töne und Klänge
Der Konzentration der Kommunikation auf die Lautäußerung folgt die Vervollkommnung des Klanges und die Verfeinerung des Gehörs. Kleinste Veränderungen im Klang werden vom geschärften Ohr wahrgenommen. Die Empfindsamkeit des Gehörs trägt entscheidend zur Entwicklung vom Laut zum Ton bei. Ein Ton besteht aus gleichzeitig erklingenden Teiltönen. Sie werden nicht bewusst gehört, sind aber entscheidend für den Klang, der im Gehirn wahrgenommen wird. Laut Hausegger wird ein bereits unbewusst gehörter Teilton eines Klanges wiedererkannt, wenn er als selbstständiger Grundton erneut gehört wird. Danz schreibt, der Teilton werde in seinem Verwandtschaftsverhältnis zum vorher ertönten Grundton erkannt. Bekannte Eindrücke werden von den Sinnen leichter und lieber aufgenommen als fremde. Sie genießen einen Vorzug bei einer erneuten Begegnung gegenüber unbekannten Eindrücken.
Oktave, Quinte und Quarte bilden die unteren Teiltöne und werden naturgemäß leichter wahrgenommen. Dementsprechend sind es zunächst diese Intervalle, insbesondere die Quinte, die nach dem unbewussten Mithören als Teiltöne nun als selbstständige Töne ins Bewusstsein treten und zu eigenen Klängen werden. Hausegger schreibt: „Dadurch, daß sie im bereits vertraut gewordenen Klange enthalten waren und mit ihm, wenn auch unbewußt, gehört worden sind, bilden sie ein Medium zur Vergleichung und gestatten damit, die Beziehung mehrerer Töne aufeinander. Dies ist der Fall bei Tönen, die in früher gehörten schon vorhanden waren (Oberquint, Oberoctave), sowie auch bei Tönen, in welchen früher gehörte Töne enthalten sind (Unterquinten usw.)“
Durch den Bezug, in den diese Töne leicht miteinander gesetzt werden können, erhalten Sie einen Vorzug im Gehör und bei der Ausbildung ganzer Tonsysteme. Im weiteren Entwicklungsprozess genießt der einzelne Ton das Interesse. Dieser dient nicht mehr nur der Mitteilung von Empfindungen, sondern er erteilt ebenso Auskunft über „den bei seiner Hervorbringung in Schwingungen versetzten Körper“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas, des Autors Friedrich von Hausegger und Erläuterung der methodischen Herangehensweise zur Untersuchung des Aspekts des Hörens.
2. Wichtige Werke Friedrich von Hauseggers: Analyse der zentralen musikästhetischen Schriften „Die Musik als Ausdruck“ und „Die Anfänge der Harmonie“ als theoretisches Fundament.
3. Der Ursprung der Musik und des bewussten Hörens: Untersuchung der physikalischen und sozialen Voraussetzungen, insbesondere der Verbindung von menschlichem Ausdrucksbedürfnis und Hörerfahrung.
4. Die Entwicklung vom Ausdruckslaut zur Musik: Detaillierte Betrachtung der Ausdifferenzierung von Einzeltönen, Harmonien und historisch divergierenden Hörgewohnheiten.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Hauseggerschen Theorie und Einordnung der historischen Wandlungsfähigkeit des menschlichen Hörempfindens.
Schlüsselwörter
Friedrich von Hausegger, Musikästhetik, Hörempfinden, Ausdruckstheorie, Harmonieentwicklung, Tonsysteme, Musikgeschichte, Gehörbildung, Konsonanz, Dissonanz, Ausdruckslaut, Musikwahrnehmung, Richard Wagner, soziale Kommunikation, Naturtöne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Verständnis von Musik und Hören bei Friedrich von Hausegger, einem Musikästhetiker des 19. Jahrhunderts, und beleuchtet die historische Entwicklung unserer Wahrnehmung von Musik.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Ursprünge der Musik, die Entwicklung von Tönen und Klängen, die Entstehung harmonischer Systeme sowie den historischen Wandel des Hörens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Hören kein statischer Prozess ist, sondern sich im Kontext kultureller und musikalischer Entwicklung ständig verändert.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine textbasierte, musikwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Auswertung von Hauseggers Hauptwerken basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Ursprungs der Musik als soziale Tätigkeit und die schrittweise Entwicklung von Tönen, Harmonien und komplexen Tonsystemen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Musikästhetik, historischer Wandlungsprozess, Ausdrucksbedürfnis, Harmonieverständnis und die Entwicklung des menschlichen Ohrs.
Warum betont Hausegger die Bedeutung der Harmonie für das "moderne Ohr"?
Weil das moderne Gehör laut Hausegger Töne nicht mehr isoliert, sondern zwingend in ihrem harmonischen Kontext und ihren wechselseitigen Beziehungen wahrnimmt.
Welche Rolle spielen die "Quintparallelen" in der Argumentation des Autors?
Sie dienen als historisches Beispiel für den Wandel des Hörempfindens; was früher zulässig war, wird durch das heutige, auf harmonische Komplexität ausgerichtete Ohr als störend empfunden.
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- Franziska Deutschmann (Autor), 2016, Der Aspekt des Hörens bei Friedrich von Hausegger, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459422