Gesunde Ernährung. Eine Bestandsaufnahme der aktuellen Forschungslage


Projektarbeit, 2016
43 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung.

1. Was bedeutet „gesund essen“?

2. Chronische Krankheiten infolge von ungesunder Ernährung
2.1 Typ-2 Diabetes mellitus
2.2 CVD – cardiovascular disease
2.3 Koronare Herzkrankheiten

3. Risikofaktoren für chronische Krankheiten
3.1 Übergewicht, Adipositas und das Metabolisches Syndrom
3.2 Triglycerid-Werte im Blut
3.3 Cholesterin-Werte im Blut

4. Empfehlungen zur gesunden Ernährung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

5. Der Makronährstoff der Kohlenhydrate
5.1. Eine Definition
Exkurs: Die Maße des Glykämischen Index und der Glykämischen Last
5.2 Die aktuelle Forschungslage
5.2.1 Der Zusammenhang von glykämischer Last und glykämischen Index mit chronischen Erkrankungen
5.2.2 Vollkornlebensmittel als positive Kohlenhydrate
Exkurs: Was bedeutet Vollkorn?
5.2.3 Vollkorn-Konsum und Entzündungskrankheiten
5.2.4 Der Konsum von Vollkornprodukten und das Risiko chronischer Krankheiten
5.3 Konsequenzen aus den Untersuchungen

6. Die Makronährstoffe Fett und Eiweiß
6.1 Eiweiß
6.2 Fette

7. Die aktuelle Forschungslage zu Fleisch als Nahrungsmittel
7.1 Rotes Fleisch als Risikofaktor
7.2 Gründe für das Gesundheitsrisiko im Fleisch
7.2.1 Karzinogene im verarbeitetem Fleisch
7.2.2 Transfette als Nebenprodukte von verarbeitetem Fleisch
7.3 Die positiven Inhaltsstoffe im Fleisch
7.3.1 Fleisch als Eiweißquelle
7.3.2 Fette im Fleisch
7.3.3 Gesättigte Fettsäuren – eine Bestandsaufnahme
7.3.4 Weitere Nährstoffe im roten Fleisch
7.3.5 Andere tierische Eiweiß- und Fettquellen
7.4 Artgerechte Tierhaltung und ihre Vorteile

8. Das Ei als Eiweißquelle

9. Pflanzliche Nahrungsmittel

10. Zusammenfassung und Verflechtung der Makronährstoffe untereinander
10.1 Die mediterrane Ernährung als „gesunde“ Alternative
10.2 Eine eiweißreiche Ernährung
10.3 Harvard empfiehlt

11. Vergleich und Ausblick

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Deutschland verfettet“ heißt es in einem Artikel des Spiegel von 2014 (Spiegel 2014). Das Statistische Bundesamt berichtet von 52% übergewichtigen Menschen in Deutschland im Jahre 2013. Wissenschaftler des Rostocker Zentrums zur Erforschung des demographischen Wandels prognostizieren einen Anstieg bei Übergewichtigen von derzeit 52% auf 80% im Jahr 2030. Ist das die Zukunft von Deutschland? Eine solche Entwicklung hätte und hat bereits Folgen für das ganze Land, einerseits selbstverständlich für die Übergewichtigen, denn Übergewicht erhöht das Risiko von chronischen Krankheiten (s. Kapitel 1). Auf der anderen Seite entwickelt sich ein immenser Kostenfaktor für die Krankenkassen. Chronisch kranke Menschen möchten behandelt werden.

Woher kommen Übergewicht und die daraus resultierenden Krankheiten? In vielen Studien wurde gezeigt, dass eine ungesunde Ernährung verantwortlich sein kann.

Was kann zu einer ungesunden Ernährung führen? Menschen nehmen häufig das Nahrungsangebot an, das ihnen präsentiert wird. Um nur ein Beispiel zu nennen: Es ist bekannt, dass sich viele Fast-Food-Ketten aus den Vereinigten Staaten in Deutschland angesiedelt haben. In diesen Fast-Food-Restaurants wird in hohen Mengen ungesundes Essen verkauft. Das ist vielen Menschen bewusst, es ist jedoch bequem, dort zu essen. Das kann zu ungesunder Ernährung führen.

In derartigen Zeiten erscheint mir eine gesunde Ernährung von hoher Wichtigkeit.

Wer ist in Deutschland eigentlich zuständig für gesunde Ernährung, habe ich mich gefragt. Meine Suche brachte mich auf die Webseite der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Sie versucht, mithilfe von Ernährungstipps, den Menschen in Deutschland eine Orientierung zu geben, wie eine gesunde Ernährung aussehen kann. Immer mehr Medien berichten jedoch von einer Veraltung der Richtlinien der DGE. Das hat mich veranlasst, mich mit dem Thema genauer auseinander zu setzen.

Dazu soll die aktuelle Forschungslage aufgezeigt und mit den DGE-Richtlinien verglichen werden. Insgesamt wird diese Arbeit nur einen Teil der Lebensmittel, die den Menschen als Nahrung dienen, betrachten können.

1. Was bedeutet „gesund essen“?

Bevor man beurteilen kann, ob ein Ernährungsprogramm oder eine Diät „gesund“ ist, gilt es zu klären, was eine „gesunde“ Ernährung ausmacht. Im Folgenden soll ein Einblick gegeben werden, wie verschiedene Institutionen den Begriff einer gesunden Ernährung definieren.

Vorweg sei die Definition des Dudens genannt. Danach ist etwas gesund, wenn es die Gesundheit fördert und ihr gegenüber zuträglich ist, also sie nicht negativ beeinflusst (Duden 2016). Demnach ist eine gesunde Ernährung eine Ernährung, die sich positiv auf die die Gesundheit auswirkt.

Wie der Duden beschreibt auch die DGE eine gesunde Ernährung als eine Ernährung, die die Gesundheit fördert. Sie hat, wie eingangs erwähnt, zehn Tipps1 zu einer gesunden Ernährung veröffentlicht. Es soll nun anhand der Formulierungen in diesen Ratschlägen rückgeschlossen werden, wie der Begriff einer gesunden Ernährung genauer beschrieben werden kann.

„Eine hohe Zufuhr von Getreideprodukten und Kartoffeln senkt die Risiken für verschiedene ernährungsmitbedingte Krankheiten.“ und „Obst und Gemüse sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen sowie Ballaststoffen. Sie verringern das Risiko für ernährungsmitbedingte Krankheiten.“ (nach DGE 2013). In diesen beiden Ratschlägen bezieht sich die DGE auf das Risiko von Krankheiten. Das bedeutet für die Definition von gesunder Ernährung, dass eine gesunde Ernährung das Risiko für Krankheiten verringern kann.

„Gesättigte Fettsäuren erhöhen das Risiko von Fettstoffwechselstörungen, mit der möglichen Folge von Herz-Kreislauf-Krankheiten.“ (nach DGE 2013) . Fettstoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden als Beispiele für mögliche Folgekrankheiten genannt, die aus einer falschen, ungesunden Ernährung resultieren.

„Eine gesteigerte Zufuhr von Nahrungsfett und zuckerreichen Getränken fördert das Übergewicht.“ (nach DGE 2013). Eine ungesunde Ernährung kann bei Menschen Übergewicht hervorrufen.

Es bleibt festzuhalten, dass die DGE in ihren Ratschlägen zeigt, dass eine gesunde Ernährung die Gesundheit fördert und eine ungesunde Ernährung ausgewählte Krankheiten oder die Veränderung des Körpergewichts bedingen kann (DGE 2013).

Die dritte Definition kommt vom Zentrum für Gesundheit2. Sie lautet:

„Gesunde Ernährung ist die optimale Ernährungsweise. Eine Ernährungsweise, die dem Organismus das gibt, was er braucht. Eine Ernährungsweise, mit der man – wenn man krank ist – gesund wird und – wenn man gesund ist – dauerhaft gesund bleibt.“ (nach Zentrum der Gesundheit 2016a).

Der menschliche Körper benötigt bestimmte Nährstoffe, um nicht krank zu werden bzw. um bei Krankheiten wieder zu genesen. Damit bestätigt sich die Definition der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, dass eine ungesunde Ernährung Krankheiten bedingen kann und eine gesunde Ernährung das Risiko für gewisse Krankheiten verringern kann (Zentrum der Gesundheit 2016a).

Als letzte Quelle soll eine Veröffentlichung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen dienen. Darin wird darauf hingewiesen, dass die gegenwärtige Zunahme von gesundheitlichen Problemen, darunter chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs, unter anderem auf eine ungesunde Ernährung zurückgeführt werden kann (Schönberger & Hartmann 2008, 2).

Es lässt sich zusammenfassen, dass in allen Quellen der Zusammenhang von ungesunder Ernährung mit dem Risiko von Krankheiten aufgezeigt wird. Genauso soll eine gesunde Ernährung das Risiko für derartige Krankheiten senken. Internationale Quellen bestätigen diese Herangehensweise.

Im Folgenden soll ein Einblick darin gegeben werden, welche Krankheiten durch ungesunde Ernährung ausgelöst werden können. Anschließend werden mögliche Risikofaktoren, die derartige Krankheiten auslösen können, vorgestellt.

2. Chronische Krankheiten infolge von ungesunder Ernährung

2.1 Typ-2 Diabetes mellitus

Im Volksmund wird Diabetes mellitus häufig als Zuckerkrankheit bezeichnet. Man unterscheidet in zwei Typen von Diabetes mellitus. Typ-1 tritt meistens im Kindesalter aufgrund eines Insulinmangels auf. Das Immunsystem wendet sich zuvor gegen die insulinproduzierenden Zellen und zerstört sie. Dadurch, dass kein Insulin mehr vorhanden ist, kann die Glukose, die im Blut vorhanden ist, nicht mehr in die Körperzellen transportiert werden. Der Blutzuckerspiegel steigt an, während die Energiebereitstellung im Körper versagt. Aus diesen Gründen erhalten die Erkrankten Insulin gespritzt.

Beim Typ-2 Diabetes entwickelt sich im Körper eine Insulinresistenz. Das Insulin wird zwar produziert, aber nicht mehr von den körpereigenen Zellen erkannt. Die Folge ist auch dabei ein Blutzuckeranstieg. Dieser Prozess ist jedoch schleichend. Er führt nach und nach zu einer Ermüdung bzw. Erschöpfung der Bauchspeicheldrüse, weil diese aufgrund von Insulinmangelsignalen immer mehr Insulin produziert (Scherbaum 2005 und Zentrum der Gesundheit 2016b).

In Deutschland sind Schätzungen zufolge 7,6 Millionen Menschen an Diabetes mellitus erkrankt. Es ist dabei davon auszugehen, dass 95% davon am Typ-2 Diabetes mellitus erkrankt sind. Dieser Typ der Krankheit tritt im höheren Alter auf und wird durch Übergewicht und mangelnde Bewegung bedingt. „ Die Schätzungen beinhalten eine Dunkelziffer von etwa 2 Mio. Menschen, die aufgrund unspezifischer oder fehlender Symptome ebenfalls insbesondere auf den Typ-2-Diabetes entfällt.“ (nach Tamayo & Rathmann 2016, 9). Bluthochdruck wird ebenfalls neben Übergewicht als bekannter Risikofaktor für eine Typ-2 Diabetes mellitus Erkrankung aufgeführt (Tamayo & Rathmann 2016, 12).

Riskant sind vor allem Folgeerkrankungen, die aus Diabetes mellitus, insbesondere vom Typ 2 resultieren. Dazu gehören kardiovaskuläre Probleme, Amputationen sowie Nierenversagen (Deutsche Diabetes-Hilfe und Deutsche Diabetes Gesellschaft 2016, 5).

2.2 CVD – cardiovascular disease

Übersetzt bedeutet CVD Herz-Kreislauf Krankheiten. Dazu zählen rheumatische Herzkrankheiten, chronischer Bluthochdruck, Krankheiten des Lungenkreislaufs und weitere unspezifizierte Herz- bzw. Kreislaufkrankheiten. Zudem werden zerebrovaskuläre Erkrankungen zu CVD gezählt. Das sind Erkrankungen, die im Gehirn lokalisiert sind, wie beispielsweise Schlaganfälle. Auch Krankheiten an Venen und Arterien werden zu der Kategorie CVD gezählt. Eine vorübergehende Durchblutungsstörung am Herzen wie die Angina pectoris zählt genauso zu der Kategorie CVD wie der Herzinfarkt (auch Myokardinfarkt). Eine falsche Ernährung wird als einer der Hauptgrüne genannt für CVD (World Health Organisation 2016). Eine Unterkategorie der CVD sind die koronaren Herzkrankheiten (CHD).

2.3 Koronare Herzkrankheiten

Die koronaren Herzkrankheiten sind Erkrankungen an den Herzkranzgefäßen. Die bekannteste Erkrankung ist die Arteriosklerose. Bei diesem Vorgang bilden sich Ablagerungen von verschiedenen Stoffen an den Wänden von Arterien. So baut sich sogenannter „Plaque“ auf bestehend aus Calcium und LDL-Cholesterin. Der Plaque kann sich über die Zeit verhärten. Dadurch verengt sich die Arterie und der Blutdruck steigt an. Die Sauerstoffversorgung wird schlechter und es kann zu Folgeerkrankungen wie einem Herzinfarkt kommen. Als Ursachen gelten erhöhte Triglyceridwerte sowie hohe Anteile von LDL Cholesterin im Blut und Insulinresistenz. In den Vereinigten Staaten sterben jährlich 370 000 Menschen aufgrund von CHD (National Heart, Lung and Blood Institute 2016).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Visualisierung der Vorgang von Arteriosklerose (nach National Heart, Lung and Blood Institute 2016)

3. Risikofaktoren für chronische Krankheiten

3.1 Übergewicht, Adipositas und das Metabolische Syndrom

Es ist allgemein bekannt, dass Übergewicht einer der größten Risikofaktoren für chronische Krankheiten ist. Viele Studien belegen diese Aussage. Dazu erläutert Martin Wabitsch von der Universität Ulm: „ Aus übergewichtigen Kindern werden übergewichtige Erwachsene mit hohem Risiko für das Auftreten für Typ-2-Diabetes-mellitus, kardiovaskulären, orthopädischen und anderen Erkrankungen“ (nach Wabitsch 2004, 251). Auch Manson et al. bestätigen, dass mit extremem Übergewicht (Adipositas) ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Krankheiten von Diabetes mellitus, cardiovascular disease (CVD) und gewissen Formen von Krebs einher gehen kann (Manson et al. 2004, 249). Die Abbildung 1 fast diese Erkenntnisse zusammen.3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Auswirkungen von Übergewicht (nach Wabitsch 2004, 254)

Tritt Übergewicht oder Adipositas zusammen mit weiteren Risikofaktoren wie Bluthochdruck, einem erhöhten Blutzuckerspiegel und einem gestörten Fettstoffwechsel auf, so lässt sich vom metabolischen Syndrom sprechen.

3.2 Triglycerid-Werte im Blut

Die Triglyceride werden auch als Neutralfette bezeichnet. Ihr Anteil im Blut ist stark abhängig von der Ernährung. Ein erhöhter Triglyceridwert gilt als Risikofaktor für CVD, aber auch für Fettstoffwechselerkrankungen. Dies gilt vor allem, wenn dazu ein erhöhter LDL-Cholesterinwert auftritt sowie ein reduzierter HDL-Cholesterinwert (Schaenzler & Bieger 2012, 165). In fleischlichen Nahrungsmitteln gibt es Quellen, die den Tryglycerid-Wert erhöhen, aber auch solche, die ihn reduzieren.

3.3 Cholesterin-Werte im Blut

Cholesterin wird in zwei Formen unterschieden. Auf der einen Seite gibt es das „LDL-Cholesterin“4. Bei erhöhter Konzentration von LDL-Cholesterin im Blut lagert sich dieses an Blutgefäßwänden ab und kann Arteriosklerose verursachen. Auf der anderen Seite existiert das HDL-Cholesterin im Blut. Es kann das LDL-Cholesterin aufnehmen und zur Leber transportieren. Beide Anteile können das Risiko von CVD beeinflussen (Schaenzler & Bieger 2012, 123ff). Den Cholesterinbedarf des Körpers deckt dieser zu circa 90% durch Eigenproduktion. Werden erhöhte Mengen durch die Nahrung aufgenommen, so regelt eine körpereigene Regulation, dass die Eigenproduktion verringert wird.

4. Empfehlungen zur gesunden Ernährung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

An dieser Stelle soll es noch einmal zu den eingangs erwähnten Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zurückgehen und gezeigt werden, was sie empfehlen.

Einleitend werden „reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln“ empfohlen. Der Kohlenhydratanteil soll mindestens 50-55% der Gesamtkalorien betragen. Zudem werden reichlich pflanzliche Lebensmittel empfohlen. In diesem Kontext wird vor allem ein fünfmaliges Aufnehmen von Gemüse oder Früchten pro Tag angeregt. Zwei dieser Rationen sollen aus Früchten, drei aus Gemüse bestehen.

Der Eiweißanteil der Nahrung soll 10-15% betragen. Als Eiweißquellen wird ein täglicher Konsum von Milchprodukten empfohlen. Weiterhin wird geraten, ein- bis zweimal die Woche Fisch und in Maßen Fleisch und Wurst als Eiweißquellen zu wählen. Dabei ist wiederum Geflügel rotem Fleisch gegenüber zu bevorzugen. Schließlich rät die DGE, maximal drei Eier in der Woche zu konsumieren.

Der Anteil von Fett in der Nahrung wird auf maximal 30% beschränkt. Dabei wird vom Konsum von gesättigten Fettsäuren abgeraten. Ungesättigte Fettsäuren sollten demgegenüber bevorzugt werden. Zudem wird vor Industriefetten gewarnt. Häufig wird von einer „fettarmen“ Ernährung gesprochen (DGE 2016 und Stehle et al. 2005, 130).

5. Der Makronährstoff der Kohlenhydrate

5.1. Eine Definition

Kohlenhydrate sind verschiedene Arten von Zucker. Sie sind wichtige Energielieferanten und bilden mit den Eiweißen und Fetten die Gruppe der Makronährstoffe.

Exkurs: Die Maße des Glykämischen Index und der Glykämischen Last

Aufgenommene Kohlenhydrate werden von Enzymen aufgespalten und als Monosacharide im Dünndarm resorbiert. Dadurch steigt der Glucoseanteil im Blut. Dieser Anteil wird auch als Blutzuckerspiegel bezeichnet. Die Glucose ist ein wichtiger Energielieferant im Körper. Das Hormon Insulin sorgt dafür, dass die Glucose aus dem Blut in die Körperzellen gelangt bzw. dass sie von diesen Zellen aufgenommen wird. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel reguliert.

Manche Kohlenhydrate sorgen für einen besonders hohen Anstieg, manche für einen etwas niedrigeren. Der Anstieg kann durch die Maße des glykämischen Index und durch das der glykämischen Last erfasst werden.

Der glykämische Index (GI) eines kohlenhydrathaltigen Lebensmittels beschreibt dessen blutzuckersteigernde Wirkung “ (nach Hauner 2006). Der Index wird heutzutage als Maß des Blutzuckeranstiegs bei einem Verzehr von 50 g verwertbaren Kohlenhydraten eines Lebensmittels definiert. Als Referenzgröße dient dabei der Blutzuckeranstieg beim Verzehr von 50 g Glukose oder 50 g Weißbrot. Diese Werte werden als 100 definiert. Der Wert des glykämischen Index wird maßgeblich von der Zusammensetzung, Herstellung und Zubereitung des Lebensmittels beeinflusst (Hauner 2006).

„Der GI stellt ein Maß der Qualität eines kohlenhydrathaltigen Lebensmittels hinsichtlich seiner glykämischen Antwort dar. Damit alleine ist der zu erwartende Blutzuckeranstieg unzureichend beschrieben, da selbstverständlich auch die Menge verzehrter Kohlenhydrate für den postprandialen Blutzuckerverlauf bedeutsam ist“ (nach Hauner 2006).

Aus diesem Grund wurde das Maß der glykämischen Last eingeführt. Dieser Wert ist definiert als das Produkt des Glykämischen Index und der Grammmenge der verwertbaren Kohlenhydrate pro Lebensmittelportion, dividiert durch 100. Damit wurde ein genaueres Maß gefunden, um den tatsächlichen Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit zu bestimmen (Hauner 2006). Der Zusammenhang dieser beiden Werte mit Risikokrankheiten wurde in der Gegenwart immer häufiger untersucht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Beispielhafte Errechnung der glykämischen Last für Cornflakes (nach Strohm 2013, 28)

5.2 Die aktuelle Forschungslage

5.2.1 Der Zusammenhang von glykämischer Last und glykämischen Index mit chronischen Erkrankungen

Verschiedene Studien haben die unterschiedlichen Effekte einer Aufnahme von hoch- und niedrigglykämischen Lebensmitteln untersucht.

Dong et al. zeigten in ihrer Metastudie, dass der hohe Konsum von Lebensmitteln mit hohem glykämischen Index und mit hoher glykämischer Last im Vergleich zum niedrigen Konsum dieser Lebensmittel das Risiko von CHD erhöht (Dong et al. 2012, 1608). Die Studie ergab, dass in der höchsten Kategorie im Vergleich zur niedrigsten Kategorie der glykämischen Last das Risiko für CHD um 36% gesteigert wurde. Für den glykämischen Index belegte die Studie ein gesteigertes Risiko von 13% (Dong et al. 2012, 1609).

Beulens et al. haben die Auswirkungen von hohen Werten des glykämischen Index und der glykämischen Last auf das Risiko von CVD bei niederländischen Frauen im Alter von 49-70 Jahren untersucht (Beulens et al. 2007, 14). Sie konnten die Ergebnisse von Dong et al. bestätigen. Das Risiko für CVD erhöhte sich bei erhöhter Aufnahme von Lebensmitteln mit hoher glykämischer Last und unter der Berücksichtigung individueller Gesichtspunkte wie Fettaufnahme um 47% (Beulens et al. 2007, 17). Genauso erhöhte sich das Risiko durch die Aufnahme von Lebensmitteln mit hohem glykämischen Index um 33% (Beulens et al. 2007, 18). Jeweils wurde der Vergleich eines hohen Konsums von hochglykämischen Lebensmitteln zu einem reduzierten Konsum dieser Lebensmittel betrachtet.

Maki et al. konnten auf der Gegenseite zeigen, dass ein Ernährungsprogramm mit einer reduzierten Aufnahme von hochglykämischen Lebensmitteln das Risiko für CVD reduzierte. Im Zuge der Studie wurde die Ernährung von übergewichtigen und adipösen Personen auf ein „reduced glycemic load“ Ernährungsprogramm umgestellt (Maki et al. 2007, 725). Anschließend wurden Gewicht, Körperzusammensetzung und das damit zusammenhängende Risiko für CVD erfasst. Es wurde eine Gewichtsreduktion und eine Reduktion des Körperfettanteils festgestellt. Damit wurde das Risiko für CVD reduziert (Maki et al. 2007, 724).

[...]


1 Die zehn Tipps der DGE sind im Anhang aufgeführt

2 Das Zentrum für Gesundheit ist eine sich selbst als Ernährungsinformationsgesellschafft bezeichnende Vereinigung, die sich vor allem im Internet mit richtiger und gesunder Ernährung beschäftigt.

3 Ab einem BMI von 25 kg/m² lässt sich von Übergewicht sprechen und ab einem BMI von über 30 kg/m² von Adipositas (Deutsche Adipositas Gesellschaft 2012).

4 LDL steht für low density lipoprotein, HDL für high density lipoprotein

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Gesunde Ernährung. Eine Bestandsaufnahme der aktuellen Forschungslage
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Sportwissenschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
43
Katalognummer
V459814
ISBN (eBook)
9783668883048
ISBN (Buch)
9783668883055
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gesunde, ernährung, eine, bestandsaufnahme, forschungslage
Arbeit zitieren
Börge Albers (Autor), 2016, Gesunde Ernährung. Eine Bestandsaufnahme der aktuellen Forschungslage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459814

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