Männer bringen das Geld nach Hause, Frauen kümmern sich um Haushalt und Kinder - diese traditionellen Geschlechterrollen haben bis heute in Deutschland einen Einfluss auf die Verteilung der Erwerbs- und Hausarbeit in einer Partnerschaft. Mit der Einführung des Elterngelds im Jahr 2007, das mittlerweile in Basiselterngeld umbenannt wurde, ist jedoch der Anteil an Männern, die die gesetzlich verankerte Elternzeit in Anspruch nehmen, deutlich angestiegen, da sich hier erstmals Mütter und Väter den Erziehungsurlaub untereinander aufteilen können. Die vorliegende Arbeit fokussiert auf den potentiellen Wandel der Einstellungen deutscher Eltern, der mit der Einführung dieser familienpolitischen Maßnahme einhergeht.
Konkret wird dabei die Frage aufgeworfen, inwieweit sich die Geschlechterrolleneinstellungen deutscher Eltern hinsichtlich der Aufteilung der Hausarbeit, der Erwerbstätigkeit von Müttern und der Vorherrschaft des klassischen Versorgermodells vor und nach der Einführung des Elterngeld Plus unterscheiden.
Dazu wird zunächst die deutsche Familienpolitik vorgestellt und in diesem Rahmen der Paradigmenwechsel durch die Einführung des Elterngeld Plus erläutert. Schließlich werden Theorien vorgestellt, die Einstellungsveränderungen im Lebensverlauf erklären können, und die entsprechenden Hypothesen abgeleitet. Im Anschluss werden der Forschungsstand sowie das in dieser Studie verwendete Analyseverfahren detailliert vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Geschlechterrollen in Deutschland
2 Institutioneller Kontext
2.1 Traditionelle Verteilung der Erwerbs- und Hausarbeit in Deutschland
2.2 Familienpolitische Maßnahmen in Deutschland
2.2.1 Basiselterngeld
2.2.2 Elterngeld Plus
3 Theoretischer Bezugsrahmen: Einstellungsänderungen im Lebensverlauf
3.1 Theorie der kognitiven Dissonanz
3.2 Identitätstheorien
3.3 Elaboration-Likelihood-Modell
3.4 Forschungsleitende Hypothesen
4 Forschungsstand: Geschlechterrolleneinstellungen, Elternschaft und Familienpolitik
4.1 Der Übergang in die Elternschaft
4.2 Familienpolitik und Geschlechterrolleneinstellungen
4.3 Familienpolitische Regulierung der Elternzeit
5 Qualitative Erforschung der Geschlechterrolleneinstellungen vor und nach Einführung des Elterngeld Plus
5.1 Theoretical Sampling und Leitfadeninterview
5.2 Methodenkritik am qualitativen Forschungsdesign
6 Fazit: Weitere Anknüpfungspunkte für qualitative Forschung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den potenziellen Wandel der Geschlechterrolleneinstellungen (GE) deutscher Eltern, der mit der Einführung des Elterngeld Plus (EP) in Deutschland einhergeht. Ziel ist es, mithilfe einer qualitativen Längsschnittstudie zu ermitteln, inwieweit familienpolitische Maßnahmen die Einstellungen zur Aufteilung von Erwerbs- und Hausarbeit sowie das traditionelle Ernährermodell beeinflussen.
- Wandel von Geschlechterrolleneinstellungen im Lebensverlauf
- Einfluss familienpolitischer Maßnahmen (Basiselterngeld vs. Elterngeld Plus)
- Theoretische Fundierung durch Kognitive Dissonanz, Identitätstheorien und das Elaboration-Likelihood-Modell
- Qualitative Methodik mittels Leitfadeninterviews
- Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Auszug aus dem Buch
3.1 Theorie der kognitiven Dissonanz
Der Theorie der kognitiven Dissonanz von Leon Festinger aus dem Jahr 1957 zufolge können individuelle EV durch kognitive Dissonanz erklärt werden. Bei der kognitiven Dissonanz handelt es sich um nicht miteinander harmonierende Kognitionen – also etwa Meinungen und Einstellungen –, die folglich einen in psychologischer Hinsicht unangenehmen Spannungszustand generieren (vgl. Festinger 1957: S. 1 ff.). Die wahrgenommene Stärke der kognitiven Dissonanz variiert je nach Relevanz der Elemente für das betroffene Individuum (vgl. Ebd.: S. 16). Grundsätzlich strebt der Mensch allerdings nach Konsistenz, weshalb der Betroffene der Theorie zufolge versuchen wird, die Dissonanz aufzulösen (vgl. Ebd.: S. 1 ff.).
Dies kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen: Einerseits kann das Individuum sein Verhalten oder seine Ansichten ändern, um divergierende Kognitionen zu eliminieren. Ebenso ist es denkbar, die äußere Umwelt beziehungsweise die Situation anzupassen, sodass sich die kognitive Dissonanz auflöst. Hierfür ist es jedoch erforderlich, dass das Individuum über die entsprechende Umweltkontrolle verfügt. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, das bestehende Wissen zu ändern, indem neue Kognitionen hinzugefügt werden. Eine einseitige Informationsaufnahme, die im Einklang mit der dominanten Kognition steht, kann schließlich die nicht harmonierende Kognition deutlich abschwächen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Geschlechterrollen in Deutschland: Einleitung in die Thematik der traditionellen Rollenverteilung und die Bedeutung der familienpolitischen Einführung des Elterngeld Plus.
2 Institutioneller Kontext: Erläuterung des klassischen Ernährermodells und des Wandels der deutschen Familienpolitik hin zu einer Förderung partnerschaftlicher Aufgabenteilung.
3 Theoretischer Bezugsrahmen: Einstellungsänderungen im Lebensverlauf: Vorstellung theoretischer Ansätze wie der kognitiven Dissonanz und Identitätstheorien zur Erklärung von Einstellungsänderungen bei Eltern.
4 Forschungsstand: Geschlechterrolleneinstellungen, Elternschaft und Familienpolitik: Übersicht über empirische Studien zum Übergang in die Elternschaft und dem Einfluss staatlicher Familienpolitik auf Geschlechterrollen.
5 Qualitative Erforschung der Geschlechterrolleneinstellungen vor und nach Einführung des Elterngeld Plus: Beschreibung der gewählten qualitativen Methodik, des Forschungsdesigns und der methodischen Reflexion.
6 Fazit: Weitere Anknüpfungspunkte für qualitative Forschung: Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Geschlechterrolleneinstellungen, Elterngeld Plus, Basiselterngeld, Familienpolitik, Elternschaft, Kognitive Dissonanz, Identitätstheorie, Elaboration-Likelihood-Modell, Erwerbsarbeit, Hausarbeit, Rollenverteilung, Qualitative Sozialforschung, Einstellungswandel, Vereinbarkeit, Lebensverlauf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit befasst sich mit der Untersuchung, ob und wie die familienpolitische Einführung des Elterngeld Plus die Einstellungen von Eltern zu traditionellen Geschlechterrollen und deren Verteilung von Erwerbs- und Hausarbeit verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die deutsche Familienpolitik, die theoretischen Hintergründe von Einstellungsänderungen, der Übergang in die Elternschaft und die Auswirkungen dieser Faktoren auf das Rollenverständnis von Müttern und Vätern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, durch eine qualitative Längsschnittstudie zu verstehen, ob staatliche Maßnahmen wie das Elterngeld Plus dazu beitragen, dass Eltern egalitärere Ansichten entwickeln und umsetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Verfasserin nutzt eine qualitative Methode in Form von Leitfadeninterviews mit zehn deutschen Elternpaaren, um tiefergehende Einblicke in die individuellen Einstellungsstrukturen zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Konzepte (Kognitive Dissonanz, Identitätstheorien, Elaboration-Likelihood-Modell) erläutert, der aktuelle Forschungsstand aufgearbeitet und das spezifische Forschungsdesign der Studie begründet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Geschlechterrolleneinstellungen, Elterngeld Plus, Familienpolitik, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie qualitative Sozialforschung charakterisieren.
Warum spielt das "Elterngeld Plus" eine Sonderrolle in der Analyse?
Das Elterngeld Plus wird als Paradigmenwechsel innerhalb der deutschen Familienpolitik gewertet, da es erstmals explizit die partnerschaftliche Aufteilung von Sorgearbeit und Erwerbstätigkeit durch flexiblere Bedingungen und finanzielle Anreize für Teilzeitarbeit fördert.
Inwiefern beeinflussen Identitätstheorien die Erwartungshaltung der Studie?
Identitätstheorien legen nahe, dass der Eintritt in die Elternschaft und die damit verbundene neue soziale Rolle (als Mutter oder Vater) das Selbstkonzept verändert. Die Studie geht davon aus, dass das Elterngeld Plus diese Identitätsbildung in eine egalitärere Richtung beeinflussen kann.
- Arbeit zitieren
- Sandra Heimrich (Autor:in), 2017, Wie haben sich die Einstellungen zu Geschlechterrollen mit der Einführung des Elterngeldes verändert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459836