Diese Arbeit behandelt eine Studie zu Erfahrungen von Angehörigen, die während der kardiopulmonalen Reanimation oder während invasiver Prozeduren in lebensbedrohlichen Situationen an der Seite ihres Nächsten anwesend waren oder in einem Nebenraum warteten. Diese Hausarbeit fasst die Studie umfassend zusammen.
In der internationalen Literatur wird die Anwesenheit von Angehörigen bei der Reanimation oder invasiven Prozeduren mehrheitlich befürwortet. Professionelle Personen im Gesundheitswesen sind eher dagegen. Wie Angehörige im deutschsprachigen Raum diese Situation erleben ist nicht bekannt. Das Ziel ist es, die Erfahrungen der Angehörigen in Schweizer Spitälern zu beschreiben und zu verstehen.
Die Forschungsfrage erhebt das Erleben der Angehörigen in einer für sie und ihren Nächsten schwierigen Lebenssituation. Nur durch die Erfahrung der Angehörigen in einer schwierigen Situation können verbesserte Handlungsmaßnahmen zu deren Begleitung erkannt, eingeführt und in einem weiteren Schritt umgesetzt werden. Die Forschungsfrage leistet im deutschsprachigen Raum Pionierarbeit, ohne die ein Begleitungsmanagement für Angehörige bei Reanimation und invasiven Prozeduren nur bedingt möglich wäre. Aus den Forschungsergebnissen lässt sich der Bedarf an Begleitungsmanagement ableiten. Die Fragestellung kann somit als sehr relevant für das Ziel der Studie eingestuft werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Ziel und Fragestellung der Studie
2. Design
3. Literatur und Theoriebezug
4. Methoden der Datenerhebung und Auswertung
5. Ethische Aspekte
6. Ergebnisse und Diskussion
7. Einschränkungen und Fazit
8. Literatur
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht das bisher kaum erforschte Erleben von Angehörigen im deutschsprachigen Raum, die während einer kardiopulmonalen Reanimation oder invasiven Prozedur anwesend waren oder in einem Nebenraum warteten. Ziel ist es, diese Erfahrungen tiefgreifend zu verstehen, um bedarfsgerechte Maßnahmen für ein Begleitungsmanagement in Akutsituationen ableiten zu können.
- Erfahrungen von Angehörigen bei lebensbedrohlichen Notfällen
- Vergleich zwischen Anwesenheit und Warten im Nebenraum
- Bedürfnisse nach Information und professioneller Unterstützung
- Qualitativer Forschungsansatz mittels interpretierender Phänomenologie
- Ableitung von Empfehlungen für die klinische Praxis
Auszug aus dem Buch
3. Literatur und Theoriebezug
Aus internationaler Literatur ist erkennbar, dass Angehörige vor 30 Jahren bei Reanimationsmaßnahmen ihres Nächsten nicht anwesend sein durften. Erstmals wurde 1987 veröffentlicht, dass Angehörige die Anwesenheit bei Reanimationsmaßnahmen (AACPR) positiv erleben können (Doyle, Post, Burney, Maino, Keefe et. Rhee 1987; Hanson et. Strawser 1992). Einige Fachgesellschaften unter anderem die American Heart Association gaben 2000 bekannt, dass AACPR unterstützt werden soll (American Heart Association 2000).
Von 150 befragten Angehörigen wünschten sich 72 % bei der Reanimation anwesend zu sein. Als Vorteile gaben sie an: Sie konnten miterleben, dass alles was möglich war getan wurde und sie konnten den Trauerprozess besser bearbeiten, wenn ihr Angehöriger verstarb (Ong, Chung et. Mei 2007). Die meisten Angehörigen würden dies wieder tun (Duran, Oman, Abel, Koziel et. Szymanski 2007; Hung et. Pang 2010). Wenn Angehörige nicht anwesend waren, wollten sie Informationen über den Zustand ihres Nächsten (Wagner 2004).
Als mögliche Nachteile wurden genannt: Die Befürchtung Reanimationsbedingungen zu stören, eine Last zu sein und Pflegekräfte in Stress zu versetzen (Hung et. Pang 2010).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ziel und Fragestellung der Studie: Die Studie thematisiert das Erleben von Angehörigen bei Reanimationen oder invasiven Prozeduren im Spital und leitet daraus den Bedarf für ein professionelles Begleitungsmanagement ab.
2. Design: Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf der interpretierenden Phänomenologie nach Benner und Heidegger basiert, um das Erleben der Betroffenen zu erfassen.
3. Literatur und Theoriebezug: Das Kapitel bietet einen Überblick über den internationalen Forschungsstand zu AACPR, beleuchtet Pro- und Contra-Argumente von Fachkräften sowie die Wünsche von Angehörigen.
4. Methoden der Datenerhebung und Auswertung: Die Daten wurden durch geführte Interviews mit zehn Angehörigen erhoben und mittels interpretierender Phänomenologie in einem vierstufigen Prozess analysiert.
5. Ethische Aspekte: Die Teilnehmer wurden vorab umfassend aufgeklärt und die Anonymität ihrer Daten sichergestellt, zudem lag eine Genehmigung der Ethikkommission vor.
6. Ergebnisse und Diskussion: Die Analyse identifizierte vier zentrale Themenbereiche: „anwesend sein“, „informiert werden wollen“, „Vertrauen haben“ und „Unterstützung suchen“.
7. Einschränkungen und Fazit: Die Studie weist aufgrund der kleinen Stichprobe Grenzen auf, empfiehlt jedoch nachdrücklich, Angehörigen die Anwesenheit anzubieten und Richtlinien für deren Begleitung zu etablieren.
8. Literatur: Dieses Kapitel listet sämtliche verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Fachartikel zur Untermauerung der Forschungsergebnisse auf.
Schlüsselwörter
Kardiopulmonale Reanimation, invasive Prozeduren, Angehörige, AACPR, Patientenwohl, Begleitungsmanagement, qualitative Forschung, Phänomenologie, Notfallmedizin, Intensivstation, Angehörigenbetreuung, Trauerprozess, medizinische Ethik, Informationsbedürfnis, Krisenintervention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das subjektive Erleben von Angehörigen, die während lebensbedrohlicher Notfälle wie einer Reanimation oder invasiven Prozeduren bei ihren Nächsten anwesend waren oder warten mussten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Aspekte der Anwesenheit, das Bedürfnis nach klarer Information, das Vertrauen in das Behandlungsteam sowie der Wunsch nach aktiver Unterstützung während der Krise.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es, die Erfahrungen von Angehörigen im Schweizer Kontext zu verstehen, um eine fundierte Basis für zukünftige Begleitungskonzepte im klinischen Alltag zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzte die Methode der interpretierenden Phänomenologie, um in Leitfadeninterviews die gelebten Erfahrungen der Betroffenen tiefgehend zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Literaturanalyse, die methodische Vorgehensweise, die ethische Reflexion sowie die Darstellung und Diskussion der zentralen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie AACPR, Notfallpflege, Angehörigenbetreuung, Phänomenologie und Krisenintervention definieren.
Wie erleben Angehörige die Wartezeit im Nebenraum?
Die Wartezeit wird von den Betroffenen oft als eine unerträgliche Phase der Ungewissheit, Ohnmacht und extremen Anspannung beschrieben, die bereits nach wenigen Minuten stark belastend wirkt.
Warum wünschen sich viele Angehörige eine Begleitung?
Eine professionelle Begleitung wird als wertvoll erachtet, um in der belastenden Situation nicht allein gelassen zu werden, Informationen zu erhalten und den Trauerprozess besser bewältigen zu können.
- Arbeit zitieren
- Benjamin Schmidt (Autor:in), 2016, Reanimation und invasive Prozeduren in Anwesenheit von Angehörigen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/460002