„Zypern – die Insel wo die Götter Urlaub machen“ lautet ein Slogan des zypriotischen Fremdenverkehrsamtes. Das klingt gut, aber wieso sollten die Götter ausgerechnet in einem europäischen Krisengebiet die Ferien verbringen? Die Insel Zypern besteht aus zwei Teilen: Einem nördlichen, seit 1974 von der Türkei besetzten Teil, und einem größeren, südlichen Teil, der von griechischen Zyprioten bewohnt wird. Die Bewohner dieser Insel unterscheiden sich in ihrer Religion, Kultur, Tradition, Geschichte, Herkunft und vor allem auch Sprache. Ist es unter diesen Umständen richtig, wenn man von den Zyprioten als „einem“ Volk spricht? Wenn der Begriff der Parallelgesellschaft überhaupt auf eine Art des Zusammenlebens angewendet werden kann, dann ganz sicher auf das Miteinander, die Koexistenz von Griechen und Türken auf Zypern bis in die Mitte der 50er Jahre. Man respektiert einander, hat aber keinen direkten Kontakt mit dem Anderen. Die politische Lage Zyperns spitzt sich mit dem Anschlussbestreben der griechischen Zyprioten an das griechische Mutterland zu, und es kommt zu mehreren bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen, die in der Besetzung des Nordteils Zyperns 1974 durch die Türkei einen Höhepunkt findet.
Im Rahmen dieser Arbeit soll zunächst eine geographische Einordnung Zyperns stattfinden, um die geostrategische Bedeutung der Insel zu verdeutlichen. Im Anschluss wird die Entstehung des Zypernkonfliktes dargestellt, unter besonderer Berücksichtung des Unabhängigkeitsvertrags von Paris und der Zypern-Politik Griechenlands und der Türkei bis zum Jahr 1974. Der Zypernkonflikt von 1974 wird auf die Frage hin untersucht werden, inwieweit die Besetzung des Nordens durch türkische Truppen völkerrechtswidrig war, und welche rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen sich aus der Teilung der Insel ergaben. Der zweite Teil der Arbeit analysiert den gegenwärtigen Status quo. Zentral ist dabei die Frage nach dem derzeitigen Status Zyperns und der Bedeutung der Insel für den Wunsch der Türkei Vollmitglied der Europäischen Union zu werden. Dabei soll zunächst die gegenwärtige Haltung der Türkei zur Zypernfrage beschrieben, und im Anschluss analysiert werden, inwieweit für die Türkei der Beitritt Zyperns zur Europäischen Union Chancen und Hindernisse auf dem Weg zu einem eigenen EU-Beitritt bietet.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Entstehung des Zypernkonfliktes
2.1 Die geographische Lage Zyperns
2.2 Historische Entwicklung bis zum Unabhängigkeitsvertrag
2.3 Der Unabhängigkeitsvertrag von Paris
2.4 Die türkische Zypernpolitik bis 1974
2.5 Die griechische Zypernpolitik bis 1974
2.6 Enosis
2.7 Taksim
3.) Der Zypernkonflikt 1974
4.) Zypern im Jahr 2005
5.) Die gegenwärtige Haltung der Türkei zur Zypernfrage
6.) (Nord-)Zypern und die Türkei auf dem Weg in die EU?
7.) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Genese und den aktuellen Status des Zypernkonflikts vor dem Hintergrund des türkischen EU-Beitrittswunsches. Dabei wird analysiert, ob die Teilung der Insel ein unüberwindbares Hindernis für die Integration der Türkei in die Europäische Union darstellt oder ob neue Lösungsansätze für eine europäische Einbindung existieren.
- Geopolitische und historische Einordnung des Zypernkonflikts
- Analyse der Interessenpolitik Griechenlands und der Türkei vor 1974
- Völkerrechtliche und politische Implikationen der Inselteilung
- Einfluss der Zypernfrage auf die EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei
- Status quo und Zukunftsperspektiven nach dem EU-Beitritt der Republik Zypern
Auszug aus dem Buch
2.1 Die geographische Lage Zyperns
Zypern ist die drittgrößte Insel im Mittelmeer und liegt etwa 100 Kilometer westlich von Syrien und 70 Kilometer südlich von der Türkei. Zypern liegt damit genau zwischen Asien, Europa und Afrika. Die Landesfläche der Insel beträgt 9251 Quadratkilometer. Der Nordteil der Insel ist seit 1974 durch türkische Truppen besetzt. Dieses Gebiet hat einen flächenmäßigen Anteil von etwas über 30 Prozent an der gesamten Insel. Der Nordteil der Insel bildet einen eigenständigen, formal aber nicht anerkannten Staat Nordzypern (Türkische Republik Nordzypern).
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kulturelle und politische Zerrissenheit Zyperns und skizziert die Fragestellung zur Rolle der Insel für einen möglichen EU-Beitritt der Türkei.
2.) Entstehung des Zypernkonfliktes: Dieses Kapitel arbeitet die historische Entwicklung der Insel von der Antike bis zum Unabhängigkeitsvertrag 1960 sowie die gegensätzlichen politischen Strategien Griechenlands und der Türkei auf.
3.) Der Zypernkonflikt 1974: Der Fokus liegt auf der Eskalation des Konflikts 1974, der türkischen Intervention und den daraus resultierenden völkerrechtlichen Konsequenzen.
4.) Zypern im Jahr 2005: Hier wird der Status quo einer geteilten Insel im Jahr 2005 beschrieben, insbesondere unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Disparitäten und der politischen Isolation Nordzyperns.
5.) Die gegenwärtige Haltung der Türkei zur Zypernfrage: Es wird analysiert, wie die Türkei auf Basis des Anan-Plans ihre Bereitschaft zur Wiedervereinigung signalisiert, während sie gleichzeitig ihre Abhängigkeit von Nordzypern festigt.
6.) (Nord-)Zypern und die Türkei auf dem Weg in die EU?: Dieses Kapitel untersucht die wechselseitige Beeinflussung der EU-Beitrittsbemühungen der Türkei und der Mitgliedschaft Zyperns in der Union.
7.) Fazit: Die Schlussbetrachtung wägt ab, ob die Zypernfrage ein definitives Hemmnis oder ein lösbares politisches Problem für den Beitritt der Türkei zur EU darstellt.
Schlüsselwörter
Zypernkonflikt, Türkei, Europäische Union, Enosis, Taksim, Nordzypern, Geopolitik, Unabhängigkeitsvertrag, Griechenland, EU-Beitritt, Makarios, Völkerrecht, Besetzung, Wiedervereinigung, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Ursachen und den Verlauf des Zypernkonflikts und bewertet dessen Auswirkungen auf die Beitrittsverhandlungen der Türkei zur Europäischen Union.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Insel, die Rolle der Schutzmächte, den Konflikt von 1974 sowie die moderne politische Dynamik zwischen der Republik Zypern, Nordzypern, der Türkei und der EU.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es, den Status Zyperns als Damoklesschwert oder mögliches Tor für den EU-Beitritt der Türkei zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung politischer Verträge und aktueller Entwicklungen basiert.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Herleitung des Konflikts, die Analyse des Konfliktjahres 1974 und die Untersuchung des aktuellen Stands der türkisch-zypriotischen Beziehungen vor dem Hintergrund der EU-Erweiterung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den Kernbegriffen zählen Zypernkonflikt, EU-Beitritt, Enosis, Taksim und die geostrategische Bedeutung der Insel.
Wie bewertet der Autor den Einmarsch türkischer Truppen 1974?
Der Autor ordnet die Invasion völkerrechtlich als problematisch ein, betont jedoch, dass die damalige politische Lage, insbesondere der Putsch der griechischen Militärjunta, den Kontext der Entscheidung mitbestimmt hat.
Welche Rolle spielt die EU heute für die Lösung der Zypernfrage?
Seit der Vollmitgliedschaft der Republik Zypern im Jahr 2004 ist die EU vom Beobachter zum direkten politischen Akteur geworden, was die Lösung des Konflikts zu einer Zerreisprobe für die Union machen könnte.
- Quote paper
- Jan Möller (Author), 2005, Die Zypernfrage und die Türkei: Damoklesschwert oder Tor zur Europäischen Union?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46070