Literaturverfilmungen im Deutschunterricht am Beispiel "Emil und die Detektive"


Hausarbeit, 2017
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Literaturverfilmungen
2.1. Die Geschichte von Buch zu Film
2.2. Literaturverfilmungen im Deutschunterricht

3. Emil und die Detektive: Buch vs. Film (2001)
3.1. Der Vergleich der beiden Medien
3.2. Planung des Beginns einer Unterrichtseinheit

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Die Frage, ob man ein bestimmtes Buch gelesen habe, wird häufig verneint. Um das Gespräch allerdings aufrechtzuerhalten, so wird vom jeweiligen Gesprächspartner oftmals angemerkt, man habe sich den zum literarischen Werk produzierten Film angeschaut. Im weiteren Verlauf des Gesprächs merkt man allerdings, dass es einige Unterschiede zwischen Buch und Film geben kann: Von bestimmten Merkmalen der einzelnen Charaktere bis hin zu den Orten, an dem das Geschehen stattfindet. Teilweise fehlen ganze Teile der Handlung oder sie werden so verzerrt dargestellt, dass man manchmal das zugehörige Werk nicht mehr wiedererkennt.

Trotz all dieser eventuellen Unterschiede können allerlei Literaturverfilmungen im Deutschunterricht in unterschiedlichster Weise verwendet werden. Gerade mit dem Hintergrund der immer weiter ansteigenden Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen wird sich im Folgenden mit der Fragestellung beschäftigt: Welche Möglichkeiten bieten Literaturverfilmungen im Deutschunterricht und wie können diese am besten Anwendung finden?

Als spezifisches Beispiel wird nach einer Erläuterung zu der Geschichte von Buch zu Film und zu Literaturverfilmungen im Deutschunterricht im Allgemeinen, der Kriminalroman von Erich Kästner „Emil und die Detektive“ aus dem Jahr 1929 angeführt, welches mit seinem gleichnamigen Film aus dem Jahr 2001 unter der Regie von Franziska Buch verglichen wird. Hierzu wird eine Möglichkeit des Anfangs einer selbsterstellten Unterrichtseinheit aufgezeigt, welche erst lediglich die Arbeit mit dem literarischen Werk beinhaltet und dann durch Zufügen des weiteren Mediums Film, beide Medien miteinander verbindet.

2. Literaturverfilmungen

2.1. Die Geschichte von Buch zu Film

Eine Literaturverfilmung, die in einer spezifischen Art zwischen einem literarischen Werk und einem Film steht, gilt als das älteste Genre der gesamten Filmgeschichte.1 Schon ein Jahr nach der ersten Filmvorstellung 1895, führte Louis Lumière einen Film auf, der an Goethes Faustdichtung anknüpfte. Die ersten Filme, die nicht nur einzelne Szenen zeigen, sondern ganze Geschichten erzählen wollten, besaßen noch keinen Ton. Naheliegend ist dementsprechend, dass als Inspirationsquelle auf bekannte literarische Werke zugegriffen wurde, um dem Publikum das Gezeigte näherzubringen.2

Der sich immer weiter verbreiteten Literaturverfilmungen standen schon in den anfänglichen Jahren, Kritiker skeptisch gegenüber. Die Verfilmung wurde teilweise „als „Verrat“ am Erbe der Literatur“3 oder auch als „Verstümmelung des Originals“4 angesehen, sofern diese nicht eine gelungene Werktreue aufzeigten. So sprach Gero von Wilpert 1989 von einer Literaturverfilmung als eine „tiefgreifende Umformung und Verzerrung der Vorlage (...), die fast überall zu etwaigen Zerstörungen wesentlicher Züge und Strukturen des Werkes führen“.5 Auch heute müssen Filme zahlreichen Kritiken erliegen. So wird beispielsweise in dem Artikel „Viele Helden ohne Held“ von Martin Schwickert eine Kritik an der Verfilmung von Daniel Kehlmanns Roman „Ruhm“ ausgeübt: Auf insgesamt sechs Erzählstränge wird Kehlmanns „Roman in neun Geschichten“ in der filmischen Adaption herunter gekürzt, bleibt daher aber dennoch um Werktreue bemüht. Trotzdem verliert das Unternehmen nach einem vielversprechenden Start schon bald an Fahrt, weil den Figuren im Korsett der 103 Filmminuten zu wenig Raum zum Atmen bleibt.6

Aus diesem kurzen Teil der Filmkritik ergibt sich das Hauptproblem der Literaturverfilmung: Das Buch und der Film werden zu häufig als ein Ganzes angesehen und stehen folglich in einer Art Medienkonkurrenz.7

Würde man diesem Gedanken Folge leisten, so wäre das wichtigste Charakteristika einer Literaturverfilmung die Werktreue.8 Jedoch sollte der bewusst neu gewählte Ausdruck der Filmadaptation mehr als eine mögliche Variante des Verbildlichten gesehen werden, um dem Publikum eine weitere Chance der Wirkung des Erzählten zu ermöglichen.9 Dementsprechend darf eine Literaturverfilmung nicht als eine Kopie seines Originals verstanden werden10, sondern sollte mehr als eine weitere Interpretationsmöglichkeit wahrgenommen werden11.

2.2. Literaturverfilmungen im Deutschunterricht

Im Deutschunterricht werden Literaturverfilmungen häufig am Ende einer Unterrichtseinheit im Anschluss an die vollendete Bearbeitung der Lektüre gezeigt. Einerseits werden den SuS dadurch eine Möglichkeit der geistigen Aufnahme und die Verarbeitung der jeweiligen Lektüre in Form des Films ermöglicht, andererseits werden sie aber auch zu einem vorschnellen Urteil verführt, welcher der beiden Formen denn die bessere ist.12

Durch eine Studie zur Mediennutzung von KIM (Kinder- und Medien) aus dem Jahr 2016, wurde belegt, dass Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis dreizehn Jahren mehrere Medienangebote täglich nutzen.13 Durch diverse Plattformen, wie beispielsweise „Netflix“ oder „Youtube“ wird ihnen ermöglicht, an sämtliche filmische Angebote zu gelangen. Dementsprechend „kommt dem Fernsehen mit 77% täglicher Nutzung ein besonderer Stellenwert zu“.14 Mit steigendem Alter steigt außerdem die Nutzung von sozialen Plattformen sowie das Schauen von Filmen im Internet.15 Eine zentrale Aufgabe einer Lehrperson sollte es sein, über die Vorlieben der SuS und neuen Trends vor allen Dingen im Bereich der Medien informiert zu sein, um diese effizient im Unterricht anwenden zu können. Somit werden SuS motiviert aktiv am Unterrichtsgeschehen teilzuhaben.16

Im Jahr 2008 wurde in der Länderkonferenz MedienBildung die Bedeutsamkeit der Mediennutzung und –bildung in der Schule durch das alltägliche Vorkommen der Medien herausgearbeitet. Durch ihre ständige Präsenz und dem damit verbundenen Lernen aus der Sozialisation müssen SuS lernen, bewusst mit Medien kritisch sowie analytisch umgehen zu können, damit nach einer sorgfältigen Analyse auf das stetig wachsende Angebot der Medien zurückgegriffen werden kann.17

Die Medienkompetenz, die SuS am Ende des Schuljahres 10 in ihrer Schullaufbahn erreicht haben sollen, wird durch sechs Kompetenzbereiche eines Modells der LKM definiert: „Information, Kommunikation, Präsentation, Produktion, Analyse und Mediengesellschaft“.18 Die ersten drei Begriffe dieses Modells beinhalten die Arbeit mit Medien und die folgenden Begriffe die Arbeit über Medien.19 Außerdem sind in den letzten Jahren einige filmanalytische und filmdidaktische Publikationen erschienen, die speziell an Lektüren des Deutschunterrichts angepasst wurden.20

Jedoch wird sich trotz allem viel zu wenig im Unterricht damit auseinandergesetzt, welche Unterschiede zwischen den jeweiligen Rezeptionen, beziehungsweise der unterschiedlichen Erzählweisen der schriftlichen und den filmischen Texten herrschen.21 Die Frage, wie sich in der Zwischenzeit vom Medienwechsel der künstlerische, kulturelle oder auch historische Wandel im Film zu erkennen gibt oder wie sich die Verfilmungen als eigenständige Texte gänzlich neu interpretieren lassen, wird zu dürftig im Unterricht behandelt.22 Falls dementsprechend eine geeignete Methode gefunden wird, den Film mit dem literarischen Werk, trotz seiner prinzipiellen Unterschiede in seiner medialen Form zu behandeln, so bietet dieser gänzlich neue Unterrichtszweige.23

Um einen gewissen Abwechslungsreichtum im Unterricht zu erlangen, sollten im Allgemeinen Medien nicht vereinzelt, sondern in einer Organisation ganz unterschiedlicher Medien behandelt werden.24

Diese können durch drei sich aufeinander beziehende Handlungsfelder behandelt werden, die in dem Folgenden didaktischen Modell nach zum Umgang mit Literaturverfilmungen erklärt wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Didaktisches Modell zum Umgang mit Literaturverfilmungen25

Die kritische Analyse der beiden Medien mit dem Stil der Handlung, dem Geschehenskontext und dem Geschehensablauf sowie der darin erhaltenen Personenkonstellationen kann mit Hilfe von gewissen Kategorien, die den SuS zu Hand gegeben werden, erschlossen werden. Beispielsweise kann der Geschehenskontext, also der erzählte Raum des Films und der des literarischen Werks durch gewisse Konfigurationen herausgefiltert werden.26 Infolgedessen kann das angeeignete Wissen der verschiedenen Gattungen und Genres auf den Analysezweig übertragen werden.27

Als nächstes möglich zu nutzende Handlungsfeld für den Unterricht wäre die Reflexion, die die Umwandlung des Medienwechsels der beiden Instrumente beinhaltet.28 Hierbei werden die genauen Unterschiede und Gemeinsamkeiten von der literarischen Vorlage und der filmischen Adaptation behandelt. Es können zum Beispiel Analogien vorherrschen, aber auch Kürzungen oder Ersetzungen bei dem Medienwechsel stattgefunden haben.29

Falls es zu Veränderungen zwischen den beiden Medien kommt, so kann dies zu Verschiebungen in mehreren Bereichen, aber vor allen Dingen der Erzählsituation kommen.30 Das Ergebnis der Gegenüberstellung des Films und der Literatur ist es zu ergründen, inwiefern sich welche Merkmale in dem jeweiligen Medium wiederfinden und aus welchen möglichen Gründen (z.B. kulturhistorische Distanzen zwischen den beiden Instanzen) eventuelle Veränderungen stattgefunden haben.31

[...]


1 Vgl. Staiger 2010: 11.

2 Vgl. Volk et al. 2007: 5.

3 Ebd.: 6.

4 Ebd.: 7.

5 Wilpert 1989: 993.

6 Martin Schwickert 2012.

7 Vgl. Staiger 2010: 98.

8 Vgl. Maiwald 2015: 15.

9 Vgl. Staiger 2010: 98.

10 Vgl. Maiwald 2015: 15.

11 Vgl. Goer et al. 2014: 284.

12 Vgl. ebd.: 15.

13 Vgl. Feierabend et al. 2017: 10.

14 Ebd.

15 Vgl. ebd.: 11.

16 Vgl. Goer et al. 2004: 278.

17 Vgl. ebd.: 279.

18 Länderkonferenz MedienBildung: Anmerkung 17, S. 2.

19 Vgl. ebd.

20 Vgl. Maiwald 2015: 23.

21 Vgl. Staiger 2010: 97.

22 Vgl. Maiwald 2015: 23 und 24.

23 Vgl. Volk et al. 2007: 44.

24 Vgl. Goer et al. 2014: 284.

25 Vgl. Volk et al. 2007: 47.

26 Vgl. ebd.

27 Vgl. Goer et al. 2014: 283.

28 Vgl. Staiger 2010: 99.

29 Vgl. Volk et al. 2007: 48.

30 Vgl. ebd.: 54.

31 Vgl. Volk et al. 2007: 44, 59.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Literaturverfilmungen im Deutschunterricht am Beispiel "Emil und die Detektive"
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V460908
ISBN (eBook)
9783668908468
ISBN (Buch)
9783668908475
Sprache
Deutsch
Schlagworte
literaturverfilmungen, deutschunterricht, beispiel, emil, detektive
Arbeit zitieren
Julia Kutsche (Autor), 2017, Literaturverfilmungen im Deutschunterricht am Beispiel "Emil und die Detektive", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/460908

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