Medialer Wandel. (Wie) wirkt er sich auf die Generationenbeziehungen aus? Eine Untersuchung am Beispiel von Schule und Lernen


Hausarbeit, 2016

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung.

2 Medien und Generationen
2.1 Begriffsdefinitionen
2.2 Mediennutzung der älteren Generation
2.3 Mediennutzung der jüngeren Generation

3 Folgen im Kontext von Schule und Lernen
3.1 Veränderte Lernformen der jüngeren Generation
3.2 Die Rolle der älteren Generation
3.2.1 Problematik

4 Auswirkungen auf die Generationenbeziehungen
4.1 Umkehrungsthese
4.2 Generationenkonflikte

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die heute heranwachsenden Kinder und die Jugendlichen unserer Gesellschaft werden in der Literatur von vielen verschiedenen Autorinnen und Autoren mit Bezeichnungen wie Generation Facebook, Generation Smartphone, Generation Internet, Digital Natives und Ähnlichem gleichgesetzt. Allein diese Tatsache zeigt, dass es bei ihnen einen Wandel im Umgang mit Medien geben muss. Ein 18-jähriger formulierte im Jahr 2010:

„Wir chatten statt zu reden, lesen Nachrichten auf dem Bildschirm statt in der Zeitung und verbringen täglich unzählige Stunden auf Facebook. Wir posten unser Privatleben und googeln alles, auch uns selbst. Das alles machen wir beinahe gleichzeitig, denn wir sind Meister des Multitaskings. (…) Wir sind die großen Profiteure, weil wir das Internet nutzen wie keine Generation vor uns.“ (Schäffer 2012, S. 29. zit. nach Karschnik 2010, S. 23).

Aber was bedeutet dieser Wandel? Welche Folgen hat er für die Gesellschaft, vor allem im Zusammenhang mit Schule und Lernen? Welche Folgen hat er für Eltern und Lehrkräfte sowie auf die Beziehung zwischen ihnen und den Kindern und Jugendlichen?

Um dies herauszufinden, geht es im zweiten Kapitel darum, den medialen Wandel, von analogen zu digitalen Medien, zunächst zu belegen. Dazu wird sowohl auf die Entwicklung selbst und vor allem auf den Umgang und die Nutzung der verschiedenen Generationen mit und von digitalen Medien eingegangen. In diesem Zusammenhang werden zunächst der Generationenbegriff und das Verständnis von Generationen für die vorliegende Arbeit definiert.

Auf Grundlage eines Vergleiches der Mediennutzung zwischen den definierten Generationen sollen im dritten Kapitel die Folgen des medialen Wandels im Kontext von Schule und Lernen herausgearbeitet werden. Dabei liegt der Fokus auf neuen Lernformen der Kinder und Jugendlichen durch die neuen Medien und der damit verbundenen Rolle von Eltern und Lehrkräften sowie dabei aufkommenden Grenzen oder Problemen.

Im vierten Kapitel geht es anschließend darum, die sich in diesem Feld ergebenden Auswirkungen auf die Generationenbeziehungen herauszuarbeiten. Die im dritten Kapitel erarbeiten Grenzen/Probleme sollen mit Blick auf die Wissensweitergabe und durch mögliche Generationenkonflikte vertieft werden.

Den Abschluss dieser Arbeit bildet ein Fazit, in welchem die Ergebnisse nochmals kurz zusammengefasst werden. Darüber hinaus werden offen gebliebene Aspekte und Probleme angesprochen sowie weitere Forschungsmöglichkeiten in diesem Bereich aufgezeigt.

2 Medien und Generationen

Dem Generationenthema kommt in der Medienpädagogik eine besondere Bedeutung zu, da sich bereits seit den 1950er Jahren gesellschaftliche Veränderungen durch die Medien beobachten lassen. Diese Veränderungen zeigten sich überwiegend bei den jungen Menschen und es entstanden Subkulturen – heute „Jugendkulturen“. Gestärkt wurde die Bedeutung jedoch nochmal durch den enormen Fortschritt der Technik und insbesondere digitalen Medien innerhalb der letzten Jahre. Es gilt die Frage zu beachten, ob das Aufwachsen der derzeitigen Kinder und Jugendlichen einen anderen Zugang zur Welt repräsentiert (vgl. Ganguin / Meister 2012, S. 11). Aus diesem Grund wird nach den Begriffsdefinitionen in einem ersten Schritt die Mediennutzung von den Generationen in einem zweiten Schritt untersucht und beschrieben, um anschließend im nächsten Kapitel die Folgen des medialen Wandels mit der Praxis, im Bereich der Wissensaneignung und des Lernverhaltens, zu verbinden.

2.1 Begriffsdefinitionen

Zu dem Begriff „Generation“ werden häufig die Termini „Alter“, „Altersgruppe“ oder „Alterskohorte“ synonym verwendet. Diese sind jedoch davon abzugrenzen. Das chronologische Alter kann zwar ein Indikator für die Zugehörigkeit einer Generation sein, es definiert diese jedoch nicht – das Alter gibt keine Information über die Nutzung von Medien und die damit gemachten Erfahrungen. Auch eine Altersgruppe von z.B. Jugendlichen definiert noch keine Generation, sondern beschreibt lediglich, dass Menschen verschiedene Phasen (Kindheit, Jugend, Erwachsensein etc.) in ihrem Leben durchlaufen. Eine Alterskohorte ist eine Gruppe von Menschen und ist durch konkrete Zeitpunkte wie das Geburtsjahr oder Zeiträume, z.B. die Geburtenjahrgänge 1954 bis 1964, welche die Babyboomerkohorten darstellen, abgegrenzt. Auch hier wird allerdings die Ebene der gemachten Erfahrungen noch nicht erreicht. Es werden jedoch Hinweise durch Studien, z.B. über die Häufigkeit der Nutzung von Medien, deutlich, dass genrationale Erfahrungsräume vorhanden sind. Im Bereich der Generationenanalyse geht es folglich darum, welche Erfahrungen innerhalb der Generationen, hier durch den Fortschritt der digitalen Medien, gemacht werden und welche Auswirkungen dieser auf die Gesellschaft hat (vgl. Schäffer 2012, S. 33 f.). Diese Erfahrungen und Auswirkungen werden im Verlauf der Arbeit mit Blick auf das schulische Lernen deutlich gemacht.

In den Sozialwissenschaften ist das Generationenverhältnis, darunter in der Soziologie die Generationenbeziehungen und Generationendifferenzen, ein aktuelles Thema und in den letzten Jahren Anlass für die Entwicklung verschiedener Generationenkonzepte gewesen. Für die Jugendforschung der Soziologie und Pädagogik sowie für die Untersuchung von Orientierungen unterschiedlicher Alterskohorten als Antrieb für den gesellschaftlichen Wandel war das Konzept Mannheims bedeutsam, in welchem es um die Prägung verschiedener Altersgruppen geht. Dabei unterschied Mannheim zwischen „Generationenlagerung“ (eng aneinander liegende Geburtenjahrgänge machen ähnliche Erfahrungen und entwickeln gleiche Vorlieben und Verhaltensweisen), „Generationszusammenhang“ (gemeinschaftliche Schlüsselerlebnisse kommen hinzu) und „Generationeneinheit“ (ähnliche Orientierungs- und Deutungsmuster werden ausgebildet) (vgl. Klika 2009, S. 141). In Bezug auf das Thema Medien lässt sich demnach sagen, dass Menschen einer Generationslagerung in einem Generationszusammenhang leben, die mit einem neuen Medium aufgewachsen sind und einer Generationseinheit angehören, wenn sie die gleiche Haltung gegenüber diesem Medium einnehmen (vgl. Mikos 2012, S. 45). Weil dieses Konzept der Jugendforschung aufgrund von Individualisierung und Pluralisierung den Heranwachsenden nicht mehr gerecht wird (vgl. Klika 2009, S. 141), wird im Folgenden auf das pädagogische Generationenkonzept zurückgegriffen.

Das pädagogische Generationenkonzept hat seinen Ausgangspunkt im genealogischen Generationenkonzept, welches sich auf die familiale Abstammungslinie sowie auf die Beziehungen der Generationen und den generationalen Wandel innerhalb von Familien bezieht, und verleiht diesem eine kulturelle Wendung. Es kennzeichnet zwei Generationen, nämlich die „jüngere Generation“ und die „ältere Generation“. Der Ursprung für diese beiden Generationen liegt in der im 19./20. Jahrhundert und wieder aktuellen Ausgangsfrage der Erziehungstheorie von Schleiermacher, nämlich was die ältere mit der jüngeren Generation will (vgl. ebd. S. 142 f.). Es handelt sich hier um die Ordnung von sozialen Bezügen zwischen den Generationen. Pädagogisch betrachtet charakterisiert sich die ältere Generation dadurch, dass sie die Weitergabe ihrer Kultur an die jüngere Generation zum Ziel hat, damit diese in die bestehenden Gegebenheiten eintreten und diese verbessern kann. Der älteren Generation wird somit eine bedeutende Rolle für das Lernen der jüngeren Generation zugeschrieben (vgl. Kraul / Merkens 2011, S. 54).

Sünkel führt den Ansatz des pädagogischen Generationenkonzeptes weiter und leitet diesen im Gegensatz zu Schleiermacher aus dem Begriff „Erziehung“ ab. Als eine gesellschaftliche Tätigkeit gliedert sich die Erziehung in zwei Teiltätigkeiten – nämlich in Vermittlung und Aneignung, die folglich die zwei Generationen als die vermittelnde und die aneignende Generation kennzeichnen. In der Erziehung nimmt der Zögling den Status des Subjekts der Aneignung ein, der Erzieher wird zum Subjekt der Vermittlung. Aus diesen beiden Teiltätigkeiten bildet sich ein gemeinsamer Gegenstand, welcher das Objekt, auch die zu transferierende Kultur, der Erziehung bildet. Gleichzeitig kritisiert Sünkel in diesem Zusammenhang die Bezeichnungen der jüngeren und älteren Generation, da sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene die vermittelnde sowie aneignende Rolle einnehmen können (vgl. Klika 2009, S. 143. zit. nach Sünkel 1997, S. 199 ; Sünkel 1996, S. 284).

Mit Blick auf diese Ausführungen von Schleiermacher und Sünkel im Rahmen des pädagogischen Generationenkonzepts wird die vorliegende Arbeit weitergeführt und es wird im späteren Verlauf darauf zurückgegriffen, ob oder in wie weit sich die vermittelnde und aneignende Rolle zwischen der jüngeren und älteren Generation verschiebt. Hinsichtlich des weiteren Verlaufs der Arbeit stehen bei der jüngeren Generation stehen die Kinder und Jugendlichen im Fokus, bei der älteren Generation Personen ab dem mittleren Erwachsenenalter, die Lehrkräfte oder Eltern der jüngeren Generation sein können. Literaturbedingt bilden hierbei Personen ab 60 Jahren das Zentrum.

2.2 Mediennutzung der älteren Generation

In der Mitte des 20. Jahrhunderts begann das elektronische Zeitalter, mit welchem große mediale Innovationen einhergingen – elektronische Medien verbreiteten sich. Ab den 1980er Jahren ist von einer Digitalisierung zu sprechen. In allen Lebensbereichen ist ein Umschwung von analogen zu digitalen Medien vorfindbar. Festzuhalten ist, dass diese Entwicklungen einer immer höheren Geschwindigkeit unterliegen, womit auch eine immer größere Anschaffung und Nutzung dieser Innovationen verbunden ist. So wuchs der ältere Anteil der älteren Generation mit der Einführung des Schwarz-Weiß-Fernsehen mit einem Sender und einer täglichen Laufzeit von zwei Stunden im Jahr 1952, einem Ausbau der Senderanzahl ab dem Jahr 1963, der Entstehung des Farbfernsehen 1967 sowie der Ausweitung des Fernsehens auf 24 Stunden Sendezeit auf. Das Internet war ab dem Jahr 1991 weltweit zugänglich und am Ende der 1990er Jahre in den ersten Privathäusern, hier auch die Personen des mittleren Erwachsenenalters betreffend, vorhanden. Es breitete sich in Angebot und Nutzung schnell aus und unterliegt einer enormen Dynamik (vgl. Claßen et al. 2014, S. 112 ff.).

Beobachtbar ist, dass bei der ältere Generation heute noch die für sie traditionellen Medien, dazu gehören insbesondere Fernsehen, Hörfunk sowie die Tageszeitung, dominieren (Kübler 2012, S. 85). In diesen Bereichen, die Kompetenz im Umgang mit diesen analogen Medien wird keineswegs angezweifelt, stellen sie zugleich in Deutschland das größte Publikum dar (vgl. Schorb 2009, S. 319). Das Fernsehen ist das meist genutzte Medium, weil es eine enorme Bandbreite an Bedürfnissen der älteren Generation abdeckt: Als Informationsquelle wird es den kognitiven Bedürfnissen gerecht, durch den Unterhaltungs-, Entspannung-, Ablenkungs- und Gewohnheitsfaktor den affektiven Bedürfnissen, durch gesellschaftliche Teilhabe und Entgegenwirkung von Einsamkeit den sozialen Bedürfnissen sowie durch Alltagsorientierung, Vergangenheitsnacherleben und sozialen Vergleich dem Bedürfnis nach Identität. Andere Medien erfüllen für sie nur einzelne Bedürfnisse, dafür weisen sie jedoch Sonderfunktionen auf. Obwohl das Internet eine ähnliche Bedürfnisbefriedigung wie das Fernsehen bietet, wird es von der älteren Generation überwiegend für kognitive und soziale Bedürfnisse, also Information und Kommunikation (durch E-Mails), welche die wichtigsten Bedürfnisse für sie darstellen, genutzt (vgl. Claßen et al. 2014, S. 127 f.).

Das Internet ist das Medium, das sich am schnellsten in der Gesamtbevölkerung, allerdings vergleichsweise langsam bei den über 60jährigen, verbreitet hat (vgl. Kübler 2012, S. 86 f.). Bei den 60-69jährigen ist die Internetnutzung von 14% im Jahr 2002 auf 60% im Jahr 2012, bei den 70-79jährigen von 7% im Jahr 2002 auf 33% im Jahr 2012 und bei den 80-99jährigen von 2% im Jahr 2002 auf 14% im Jahr 2012 gestiegen. Die nachzuweisende Verbreitung der Nutzung in dieser Gruppe hängt neben der kognitiven und sozialen Bedürfnisbefriedigung durch ein anderes Medium als dem Fernsehen allerdings auch damit zusammen, dass durch die geburtenstarken Jahrgänge immer mehr Menschen diesen Altersstufen angehören. Während das Internet der älteren Generation einerseits Möglichkeiten von der Informationssuche über Kommunikationsmöglichkeiten, Partizipation und sozialer Teilhabe, Bildung bis hin zu größerer Selbstständigkeit bietet, bestehen andererseits Barrieren des Internets bei ihnen – ein Mehr- oder Nutzwert ist nicht bekannt, Kompetenzen und somit notwendige Hilfe sind nicht ausreichend vorhanden, es besteht Angst vor Datenmissbrauch. (vgl. Claßen et al. 2014, S. 221 ff.). Bei Personen des mittleren Erwachsenenalters gewinnt das Internet zwar als Informations- und Kommunikationsmedium eine steigende Akzeptanz, übertrifft aber noch nicht die Rate der Fernsehnutzung und wird für Lernprozesse oder die Wissensorganisation nur vereinzelt wahrgenommen. Im beruflichen Alltag werden insofern auch in dieser Altersstufe traditionelle Medien bevorzugt (vgl. Ganguin et al. 2012, S. 101).

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Details

Titel
Medialer Wandel. (Wie) wirkt er sich auf die Generationenbeziehungen aus? Eine Untersuchung am Beispiel von Schule und Lernen
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V461158
ISBN (eBook)
9783668908734
ISBN (Buch)
9783668908741
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Medialer Wander, Generation, Generationen, Generationenbeziehungen, Schule, Lernen, Mediennutzung, Lernformen, Unterricht, Umkehrungsthese, Generationenkonflikte
Arbeit zitieren
Sandra Knierbein (Autor), 2016, Medialer Wandel. (Wie) wirkt er sich auf die Generationenbeziehungen aus? Eine Untersuchung am Beispiel von Schule und Lernen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461158

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