Zu Lebzeiten des Humanisten Erasmus von Rotterdam herrschte eine rege Rezeption seiner Briefe unter vielen Verlegern und Humanisten, die auch nach seinem Tode nicht abriss. Die heutigen kritischen Briefeditionen übernahmen die chronologische Art der Zusammenstellung der Briefe in Büchern, doch Erasmus-Forscher Percy Stafford Allen ordnete diese neu an, nummerierte sie neu durch und war der erste, der sich kritisch mit Erasmus' Werk auseinandersetzte. Peter G. Bietenholz und seine Mitherausgeber fügten in den englischen Übersetzungen neue Fehlerkorrekturen hinzu, die nicht übersichtlich sind. Eine thematische Ordnung der Briefe begründete schon Erasmus als für ihn unmöglich, da der Reiz für ihn darin bestehe, verschiedene Themen in einem bestimmten Zeitraum dem Leser zugänglich zu machen. Seine Nacheditoren behielten dieses Ordnungssystem bei, das aber nach unkorrekt verteilten Daten neu arrangiert werden musste, da ein Wechsel seiner Freundeskreise bestand und eben so eine neue Datierung einiger Briefe daraus erschlossen werden kann.
Die Rekonstruktion von Erasmus’ Briefschreiben sowie seiner Arbeitsweise anhand der von dem Herausgeber des "Opus Omnia", Jean Leclerc, entdeckten Manuskripte in Deventer wurde bereits nachvollziehbar und übersichtlich dargestellt. Erasmus’ Leben konnte von nun an klarer dargestellt werden, auch wenn die schiere Unzahl von über 2000 Briefen noch einige Schwierigkeiten bereit hält, Erasmus Leben genauestens zu erforschen.
Ohne die zeitgenössische Erasmusrezeption würde das Briefwerk ungemein dürftiger erscheinen als es jetzt der Fall ist. Dies kann man Erasmus selbst verdanken, der aus Urheberrechten heraus immer wieder Gegenveröffentlichungen startete und anregte. Selbst über seinen Tod hinaus beschäftigten sich unzählige Gelehrte mit seinem Werk und Leben. Zumal er noch vor seinem Tod eine autorisierte Vita anregte, die erstmals in der Leidener Ausgabe von 1706 erschien, jedoch seit Erasmus’ Tod entwickelt wurde.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Leben und Werk von Erasmus
Das Opus Epistolarum - Die Forschung
Die Entstehungsgeschichte
Vom Urheberrecht - Erasmus und nicht autorisierte Veröffentlichungen
Das Deventer Briefbuch
Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Aufbau und die historische Entwicklung der Briefeditionen des Erasmus von Rotterdam. Ziel ist es, die Konstruktionsgeschichte seines umfangreichen Briefwerks nachzuvollziehen, den Umgang des Humanisten mit nicht autorisierten Veröffentlichungen zu beleuchten und die Bedeutung der überlieferten Manuskripte, insbesondere des sogenannten Deventer-Briefbuchs, für die moderne Forschung darzulegen.
- Historische Entwicklung der Briefeditionen des Erasmus
- Umgang mit unautorisierten Veröffentlichungen und Urheberrechtsfragen
- Analyse des Deventer-Briefbuchs als Quelle der Forschungsgeschichte
- Bedeutung der Korrespondenz für die Biografie des Erasmus
- Methodik der kritischen Briefeditionen (insb. P. S. Allen)
Auszug aus dem Buch
Die Entstehungsgeschichte
Erasmus publizierte seine Briefe erst, als er berühmt und im fortgeschrittenen Alter war. Wahrscheinlich auch den unautorisierten Veröffentlichungen Einhalt zu gebieten. Dennoch schrieb und überarbeitete er kontinuierlich Briefe seit seiner Studienzeit 1484. Er übte sich eines besseren Stils bei seinem Briefschreiben, der mit zunehmendem Alter immer ausgefeilter wurde. Seine Briefe wurden anhand von ihm verfassten Briefbücher überliefert, und dienten schon zu seinen Lebzeiten als Grundlage mehrerer Editionen.
Bereits 1505 fasste er Pläne, einige seiner Briefe zu veröffentlichen, wobei herausgestellt wurde, er habe einem alten Jugendfreund um seine frühen Briefe gebeten. Knapp sieben bis zehn Jahre später begann er in den Niederlanden ein neues Briefbuch, in diesem nun seine Schüler all seine Briefe kopierten, die er schrieb und erhielt. Die Ausgabe von 1516-18 überlebte den steten Wandel der Zeiten und auch die nachlässige Gewohnheiten der Menschen solche Dinge verrotten zu lassen in der Deventer Athaneum-Bibliothek. Die überlieferte Sorge Erasmus zu seinen Briefen ist im Briefwechsel erhalten und war keineswegs übertrieben.
Frühe Briefe fand er beispielsweise nach einer zufälligen Überprüfung seiner Jugendschriften. Es ist möglich, dass er selbst die Briefe seiner Freunde kopierte, denn ein Brief ist überliefert, der an ihm adressiert und in seiner eigenen Handschrift verfasst war. Nachdem Erasmus 1515 nach Basel zurückgekehrt war, fand er eine gemischte Ausgabe seiner Briefe bei dem Verleger Froben vor und ergriff die Gelegenheit diese um drei wichtige Briefe zu erweitern, die noch korrekten Daten erhalten sollten, sowie aus unerklärlichen Gründen eine Entschuldigung für die Moria, die kurz vorher von einem jungen Professor in Louvain attackiert wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird der Fokus auf die Bedeutung Erasmus’ als Humanist gelegt und das Ziel formuliert, die Geschichte und Konstruktion seines über 2000 Werke umfassenden Briefwerks zu analysieren.
Leben und Werk von Erasmus: Dieses Kapitel bietet einen biografischen Abriss von der Herkunft über die Studienzeit bis hin zu den Auslandsaufenthalten und der Etablierung als gelehrter Autor.
Das Opus Epistolarum - Die Forschung: Die Arbeit von Percy Stafford Allen steht hier im Mittelpunkt, da dessen Edition die Basis für das moderne Verständnis des Briefkorpus bildet.
Die Entstehungsgeschichte: Es wird beschrieben, wie Erasmus seine Briefe über Jahrzehnte hinweg gesammelt, redigiert und in verschiedenen Briefbüchern für die Veröffentlichung vorbereitet hat.
Vom Urheberrecht - Erasmus und nicht autorisierte Veröffentlichungen: Das Kapitel thematisiert Erasmus’ Reaktion auf unautorisierte Drucke und sein wachsendes Bewusstsein für den eigenen Marktwert.
Das Deventer Briefbuch: Die Bedeutung dieses Manuskriptfundes für den Vergleich zwischen Erstfassungen und gedruckten Versionen der Briefe wird detailliert untersucht.
Zusammenfassung und Fazit: Die Arbeit resümiert die Wichtigkeit der kritischen Briefeditionen und betont, dass Erasmus durch seine bewussten Eingriffe in die Publikationen maßgeblich zu seiner eigenen Überlieferung beitrug.
Schlüsselwörter
Erasmus von Rotterdam, Opus Epistolarum, Humanismus, Briefeditionen, Percy Stafford Allen, Deventer Briefbuch, Entstehungsgeschichte, Manuskripte, Urheberrecht, Korrespondenz, Forschung, Verleger, Editionspraxis, Frühneuzeit, Briefwechsel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit behandelt den Aufbau und die historische Entwicklung der Briefsammlungen des berühmten Humanisten Erasmus von Rotterdam.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Entstehungsgeschichte der Briefbände, der Umgang mit Korrekturen sowie das Phänomen unautorisierter Veröffentlichungen zu Lebzeiten des Autors.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die "Konstruktionsgeschichte" des Briefwerks aufzuzeigen und zu klären, wie Erasmus seine Korrespondenz aktiv steuerte und edierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer philologisch-historischen Analyse, insbesondere durch den Abgleich von Manuskripten mit zeitgenössischen Druckausgaben und kritischen Forschungswerken.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Rolle von Percy Staffords Allen, die Funktion des Deventer Briefbuchs und Erasmus' Kampf gegen illegitime Editionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Humanismus, Opus Epistolarum, Manuskriptforschung, Briefedition und Editionskritik.
Welche Rolle spielte das Deventer Briefbuch für die Forschung?
Es dient als wichtige Quelle, da es handschriftliche Korrekturen enthält, die einen direkten Vergleich zwischen Erasmus’ ursprünglichem Textentwurf und dem später gedruckten Werk ermöglichen.
Warum war Erasmus so besorgt um seine Briefeditionen?
Erasmus legte Wert auf die korrekte Wiedergabe seiner Gedanken und wollte durch eine eigene, sorgfältige Edition den oft fehlerhaften unautorisierten Drucken entgegenwirken, von denen er sich distanzieren wollte.
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- Magister Daniel Thalheim (Autor), 2005, Erasmus von Rotterdam Opus Epistolarum. Aufbau und Geschichte einer Briefedition, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461394