Aus welchen Gründen nutzen Lehrkräfte individualisierende und differenzierende Maßnahmen im Unterricht (nicht)?
Im ersten theoretischen Teil werden die Begriffe der Differenzierung und Individualisierung zu definieren. Dabei sollen sowohl aktuelle Forschungserkenntnisse und Studien über die Notwendigkeit und Wirksamkeit solcher Maßnahmen herangezogen als auch Gelingensbedingungen vor einem theoretischen Hintergrund beleuchtet werden. Ziel des Projekts ist es jedoch nicht, eine noch nicht realisierte Form von Schule und Unterricht zu entwerfen, in der Differenzierung und Individualisierung die besten Voraussetzungen haben, sondern vielmehr Gelingensbedingungen, Möglichkeiten und vor allem Grenzen der Konzepte innerhalb unseres bestehenden Systems zu identifizieren, um daraus Konsequenzen für mein eigenes Handeln und meine eigene Professionalisierung zu ziehen. Dafür scheint es jedoch notwendig, anfangs theoretisch zu klären, was unter individueller Förderung verstanden werden kann.
Im anschließenden dritten Kapitel, also dem zweiten theoretischen Teil, geht es um die Theorie der Schreibkompetenz. Zunächst soll geklärt werden, was unter Schreibkompetenz zu verstehen ist und wie sich diese entwickelt. Davon ausgehend sollen Maßnahmen der Förderung und ein Bezug zur Individualisierung und Differenzierung hergestellt werden.
Nach dem theoretischen Teil werden die Beschreibung und Auswertung des Fragebogens und der insgesamt drei semi-strukturierten Interviews betrachtet. Die Interviews bestanden aus neun Leitfragen, welche dem Gespräch eine gewisse Richtung vorgeben sollten, jedoch auch Raum für darüberhinausgehende oder vertiefende Fragen boten. Ebenso konnte so eine gewisse Vergleichbarkeit der Interviews gewährleistet werden, welche durch unstrukturierte Interviews in dem Maße nicht gegeben gewesen wäre. Die Auswertung wird hierbei direkt mit dem theoretischen Hintergrund und empirischen Studien zu diesem Thema verknüpft. Abschließend wird ein Fazit gezogen, welches die wichtigsten Ergebnisse des Projekts zusammenfasst und sich mit Konsequenzen und Rückschlüssen für die persönliche Professionalisierung auseinandersetzt. Darüber hinaus wird das Vorgehen bewertet und es werden offene Fragen zum Thema angesprochen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Individualisierung und Differenzierung – der theoretische Hintergrund
2.1 Was bedeutet Individualisierung und Differenzierung?
2.2 Ziele und Wirkung individualisierender und differenzierender Maßnahmen
2.3 Gelingensbedingungen individualisierender und differenzierender Maßnahmen
2.4 Lehrermeinungen und -haltungen zu individueller Förderung
3. Schreibkompetenz fördern
3.1 Was ist Schreibkompetenz und wie entwickelt sie sich?
3.2 Wie lässt sich Schreibkompetenz fördern?
3.3 Welchen Zusammenhang zwischen Individualisierung / Differenzierung und der Förderung der Schreibkompetenz gibt es?
4. Durchführung und Auswertung der Studie
4.1 Der Fragebogen
4.1.1 Die Ergebnisse der Fragebögen
4.2 Die semi-strukturellen Interviews
4.2.1 Die Ergebnisse der Interviews
5. Fazit und Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die subjektiven Meinungen, Haltungen und Wahrnehmungen von Deutschlehrkräften bezüglich der Umsetzung individueller Förderung im Unterricht, mit einem besonderen Fokus auf den Bereich der Schreibkompetenz.
- Theoretische Grundlagen von Individualisierung und Differenzierung im Schulkontext.
- Analyse von Lehrermeinungen und -haltungen zur praktischen Realisierbarkeit individualisierender Maßnahmen.
- Zusammenhang zwischen Schreibdidaktik und individueller Förderpraxis.
- Empirische Untersuchung mittels Fragebögen und semi-strukturellen Interviews zur Identifikation von Einsatzgründen und Barrieren.
Auszug aus dem Buch
3.1 Was ist Schreibkompetenz und wie entwickelt sie sich?
Wie im gesamten Schulsystem, so hat PISA auch im Deutschunterricht für einen großen Schock und ein Umdenken gesorgt. Es gab viele anschließende Studien, etwa die DESI-Studie, VERA 3 oder VERA 8. Durch PISA wurde ein größerer Fokus auf die Outputorientierung gelegt (vgl. Heymann 2010, S. 6), d.h. es wurde verstärkt darauf geachtet, was die Schüler und Schülerinnen nach ihrem Abschluss tatsächlich können und nicht nur, was ihnen theoretisch im Unterricht an Wissen angeboten wurde (Inputorientierung). Durch diese Bewegung und die Kompetenzorientierung hat sich auch das Verständnis von Schreiben bzw. der Schreibkompetenz verändert.
Der Prozess des Schreibens wird nun verstärkt in den Blick genommen, sodass die Entstehung und nicht (nur) das Produkt als solches im Vordergrund steht. Dies hat den Vorteil, dass eine Diagnose und daraus folgende Förderung der Schwachstellen möglich ist. Schreibkompetenz wird nach Becker-Mrotzek / Böttcher wie folgt definiert:
„Unter Schreibkompetenz verstehen wir im Folgenden die Fähigkeit zur Produktion von Texten. Dabei handelt es sich im Kern um eine spezifisch sprachliche Fähigkeit von mittlerer Komplexität, die sich aus unterschiedlichen Teilfähigkeiten und Kenntnissen (Dimensionen) zusammensetzt. Konstitutiv ist die Fähigkeit, sprachliche Äußerungen so zu konzipieren, dass sie aus sich heraus verständlich sind also über Raum und Zeit hinweg zerdehnt werden können. Um das zu leisten, müssen sie sich ihren eigenen Kontext, ihre eigene Situation schaffen. Dazu bedarf es des Einsatzes spezifischer lexikalischer, grammatikalischer sowie pragmatischer Mittel. Wir haben es also mit einem besonderen lexikalischen, grammatikalischen und pragmatischen Wissen zu tun.“ (Becker-Mrotzek/Böttcher 2014, S. 49)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen der Lehrkräfte durch Forderungen nach Individualisierung und begründet die Relevanz der Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen theoretischem Ideal und schulischer Praxis.
2. Individualisierung und Differenzierung – der theoretische Hintergrund: Dieses Kapitel definiert die Begriffe, beleuchtet Ziele sowie Gelingensbedingungen und untersucht den Forschungsstand zu Lehrermeinungen bezüglich individueller Förderung.
3. Schreibkompetenz fördern: Es wird die Definition von Schreibkompetenz und deren Entwicklung analysiert, sowie der spezifische Zusammenhang zur Individualisierung und Differenzierung im Deutschunterricht dargestellt.
4. Durchführung und Auswertung der Studie: Dieser Teil beschreibt die methodische Vorgehensweise der empirischen Studie mittels Fragebögen und Interviews sowie die detaillierte Auswertung der Ergebnisse.
5. Fazit und Schlussfolgerungen: Das Fazit fasst die Haupterkenntnisse zusammen, bestätigt die Hypothesen der Arbeit und leitet Rückschlüsse für die eigene professionelle Entwicklung sowie die schulische Praxis ab.
Schlüsselwörter
Individualisierung, Differenzierung, Binnendifferenzierung, Schreibkompetenz, Deutschunterricht, Lehrerhaltung, Lehrermeinungen, Heterogenität, Kompetenzorientierung, Unterrichtsgestaltung, Fördermaßnahmen, Schulentwicklung, empirische Studie, Diagnosekompetenz, Schreibdidaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Einstellung von Deutschlehrkräften zur individuellen Förderung und Differenzierung im Unterricht und wie diese Konzepte in der Schulpraxis konkret umgesetzt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Konzepte von Differenzierung, die spezifische Förderung der Schreibkompetenz und die Analyse der professionellen Haltung von Lehrkräften dazu.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Leitfrage lautet: Aus welchen Gründen nutzen Lehrkräfte individualisierende und differenzierende Maßnahmen im Unterricht (nicht)?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine empirische Untersuchung durchgeführt, die eine quantitative Datenerhebung mittels Fragebögen mit einer qualitativen Erhebung durch semi-strukturelle Interviews kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung zu Individualisierung und Schreibdidaktik sowie die Auswertung einer an einem Gymnasium durchgeführten Studie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Individualisierung, Differenzierung, Schreibkompetenz, Lehrerhaltung und Heterogenität sind die wesentlichen Begriffe der Arbeit.
Welche Diskrepanz wird zwischen Theorie und Praxis festgestellt?
Die befragten Lehrkräfte halten individuelle Förderung zwar für notwendig und positiv, sehen jedoch in der täglichen Praxis durch Rahmenbedingungen wie Zeitmangel und Klassengröße massive Umsetzungshindernisse.
Wie stehen die Lehrkräfte zur Förderung der Schreibkompetenz?
Die Lehrkräfte messen der Förderung der Schreibkompetenz einen hohen Stellenwert bei, nutzen jedoch meist bewährte Methoden und sehen sich auch hierbei mit den gleichen Umsetzungsschwierigkeiten konfrontiert wie in anderen Unterrichtsbereichen.
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- Alena Wegner (Author), 2018, Individualisierung und Differenzierung im Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461774