Lopodunum. Entwicklung eines römischen Kastells zur Stadt


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1. Einleitung

2. Begriffsklärungen

3. Vom Kastell zur Stadt
3.1. Die Vorgeschichte Lopodunums
3.2. Vom Kastell zur Zivilsiedlung
3.3. Die Civitas
3.3.1 Die Gebäude der Civitas
3.3.2 Lopodunum eine Stadt?

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Vor 1920 Jahren wurde Lopodunum, das antike heutige Ladenburg, gegründet. Es soll als Beispiel dazu dienen, aufzuzeigen, wie Städte in den von den Römern eroberten Gebieten entstanden und aussahen. Noch heute tragen dort drei Straßen die Namen von römischen Kaisern. Die Domitian-, die Trajan- und die Valentinianstraße erinnern an den Beginn, die Blüte und das Ende der antiken Stadt Lopodunum.

371 n. Chr. berichtet Ausonius in seinem Text Mosella 1 über einen Ort Namens Lupodunum. Marquard Freher identifiziert 1605 erstmalig dieses Lupodunum als Ladenburg und berichtet darüber in seinem Werk De Lupoduno Antiquissimo Alemaniae Oppido Commentariolus. 2 1998 wird eine Erläuterung dazu veröffentlicht.3 1893 konnte der Philologe K. Zangemeister das Kürzel CVSN erstmals als Civitas Ulpia Sueborum Nicrensium auflösen. Der Archäologe H. Gropengießer entdeckt 1912 im heutigen Ladenburg die Überreste eines Steinkastells und nimmt Grabungen an der Basilika vor. Die Unterlagen seiner Grabungen gingen im Krieg verloren, sodass nicht mehr überprüfbar ist, ob die von ihm rekonstruierten Pläne der Basilika korrekt sind.4 Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Forschung zu Lopodunum über viele Jahrzehnte eng mit B. Heukemes verknüpft. Bis heute finden Grabungen in Ladenburg statt, um das antike Lopodunum besser entschlüsseln zu können, da noch immer Fragen offengeblieben sind.

In dieser Arbeit soll exemplarisch anhand der Bauten Lopodunums gezeigt werden, wie der Wandel von einem Kastellstandort zu einer Stadt ablief. A. Hensen, B. Rabold und vor allem S. C. Sommer haben sich in jüngerer Vergangenheit mit Lopodunum und dessen Aufstieg bis zur Stadt ausgiebig beschäftigt. Diese Arbeit soll die Erkenntnisse zusammenfassen und anhand der Gebäude aufzeigen, was Lopodunum zur Stadt machte.

Die Frage, was eine antike Stadt ausmachte, haben bereits mehrere Wissenschaftler versucht zu beantworten. In dieser Arbeit wurden F. Kolb, H.-.J. Schalles und B. Pferdehirt herangezogen, da diese Autoren unterschiedliche Kriterien aufstellen, was eine antike Stadt zu bieten haben sollte.

Um das gewählte Thema Entwicklung eines römischen Kastells zur Stadt am Beispiel von Lopodunum klarer fassen zu können, ist es unerlässlich in einem einführenden, theoretischen Kapitel zunächst einige Grundbegriffe kurz zu erklären. Der Aufbau eines Kastells wird im Rahmen dessen in seinen Grundzügen umrissen und auch der Begriff Stadt wird genauer erläutert und spezifiziert werden, denn eine antike römische Stadt ist nicht dasselbe wie eine moderne Stadt. Auch wird kurz auf allgemeine Fragen zur Urbanität des betreffenden Siedlungsgebietes eingegangen. Im darauffolgenden Kapitel wird chronologisch Lopodunums Vorgeschichte, die Zeit als Kastellstandort bis hin zur Civitas mit ihren urbanen Gebäuden nachvollzogen. Abschließend wird der entstandene Civitas-Hauptort Lopodunum noch kurz darauf untersucht ob er auch den Stadt-Kriterien von Schalles und Kolb standhält und somit mit gutem Gewissen im Rahmen dieser Arbeit als gelebte Stadt (ohne Stadtrecht) bezeichnet werden kann. Ziel dieser Arbeit soll schließlich sein, Lopodunums Werdegang bis zur Stadt nachzuvollziehen und anhand dieses Beispiels aufzuzeigen, was eine typische Stadt der Antike brauchte und wie schwierig es sein kann, eine Stadt von einem Vicus zu unterscheiden.

2. Begriffsklärungen

Siedlungen entstanden unter unterschiedlichen Voraussetzungen und von daher gab es auch unterschiedliche Möglichkeiten und Gründe, wie sich daraus Städte entwickelten. Dass aus ehemaligen Kastellen zivile Siedlungen und Städte erwuchsen, war keine Besonderheit, wie Städte wie Mainz, Augsburg, Bonn oder auch Ladenburg beweisen. Wo ein Kastell mit seinem dazugehörigen Lagerdorf (Vicus) die ökonomische Grundlage für ein gutes Leben geschaffen hatte, kam es oft nach dem Abzug der Truppen zum Verbleib des Vicus und zu einem weiteren Ausbau der Infrastruktur. Nicht selten wurden dann aus den Lagerdörfern Zentralorte für ein weites Umfeld5.

Doch zunächst einmal waren die Kastelle militärisch und ein wesentliches Element der römischen Legionen und ein Garant für ihren Erfolg. Die Kastelle fungierten als Truppenstandorte, Nachschublager oder zum Rückzug. Da jedoch kein Kastell allein bestehen konnte, zog immer ein Trupp an Marketendern mit den Soldaten. Bei der Wahl eines Truppenstandortes wurde oft von vornherein auch auf die Bedürfnisse dieser geachtet und rund um das Kastell genug Platz gelassen für deren Siedlungen (Vici). Die Vici versorgten die Truppen mit Produkten und Dienstleistungen. Handwerker wie Töpfer, Schmiede, Ziegler oder Sattler, Händler von Wein, Öl oder Garum und Dienstleister wie Schankwirte lebten in den Lagerdörfern6. Oft spielten auch persönliche Beziehungen eine Rolle, denn nicht selten lebten Ehefrauen und Kinder der Soldaten in den Vici, was auch erklärt, weshalb der Großteil der Vicusbewohner der Truppe, wenn sie abgezogen wurde, folgte.

Die Größe eines Kastells orientierte sich an den jeweiligen Bewohnern. Ein Kastell, welches eine Reitereinheit beherbergte, musste selbstverständlich größer sein als eines, welches lediglich für Fußtruppen gedacht war, da allein die Unterbringung der Pferde und ihres Zubehörs viel Platz in Anspruch nahm.

Die ersten Kastelle wurden noch vollständig aus Holz und Lehm errichtet, da sie meist temporär gedacht waren. Damit die Kastelle schnell auf- und wieder abgebaut werden konnten, wurde ihre Struktur streng vereinheitlicht. So wusste beim Bau jeder Soldat seinen Arbeitsschritt, die Bautätigkeit ging schnell und reibungslos vonstatten und auch die Orientierung innerhalb des Lagers war gewährleistet. Erst wenn sicher war, dass ein Kastellstandort über längere Zeit bestehen wird, wurden die Gebäude erneuert und aus Stein erbaut.

Der Aufbau der Kastelle war stets gleich und beinhaltete folgende Bauwerke7:

1. Umwehrung
2. Tore
3. Stabsgebäude (Principia)
4. Wohnhaus des Kommandanten (Praetorium)
5. Unterkünfte
6. Getreidespeicher
7. Latrinen
8. Bäder

Eine typische Umwehrung bestand aus Gräben und Wällen aus Holz und Erde. Später und vor allem im Grenzgebiet wurden die Holzpalisaden oft durch Steinbegrenzungen ersetzt.

Die Tore eines Kastells gehörten zu den wichtigsten Bauten. Vier Tore umgaben das Kastell. Das Haupttor, die Porta praetoria wies „Richtung Feind“ und führte auf die Hauptstraße des Kastells die Via praetoria, die Porta decumana war der rückseitige Eingang, welcher in die Via decumana führte. Rechts und links der durchlaufenden Via principalis befanden sich die Porta principalis dextra und die Porta principalis sinistra.

Am Schnittpunkt der Straßen, in der Mitte des Kastells, befand sich das Stabsgebäude (principia). Dieses war das religiöse und verwaltungstechnische Zentrum.

Ebenfalls in diesem Bereich stand sich ein weiteres zentrales Gebäude: das Wohnhaus des Kommandanten (praetorium).

Im hinteren Bereich befanden sich die Unterkünfte.

Häufig befand sich innerhalb des Kastells auch ein Getreidespeicher, immer mussten eine Latrine und bei größeren Kastellen stets ein römisches Bad vorhanden sein.

Die Hygiene war den Römern äußerst wichtig und so ist es nicht verwunderlich, dass sie die Annehmlichkeiten eines Bades und fließenden Wassers, welches oft nur aus römischen Städten bekannt war, in ihre Kastelle übernahmen. Auch die Torbauten und die Architektur des Stabsgebäudes konnten sich teilweise mit der städtischen Architektur messen.

Eindrucksvolle Architektur, ein Bad und fließendes Wasser allein, machen noch keine Stadt aus, auch wenn dies laut H.-J. Schalles und der von ihm angegebenen antiken Autoren wie Sueton, Martial oder Flavius Josephus zwei bedeutende Aspekte einer antiken städtischen Siedlung sind.

In der Zusammenfassung seines Berichtes hebt Schalles folgende Grundkriterien für eine Stadt hervor:

1. planmäßige Anlage, das heißt eine(r) regelmäßige(n) und rationale(n), durch großzügig dimensionierte Straßenzüge gegliederte(n) Stadtgestalt
2. „(...) Ingenieurbauten, die dem Gemeinnutzen verpflichtet sind – in erster Linie die Einrichtungen, die eine qualitativ hochwertige Wasserversorgung gewährleisten, aber auch eine leistungsfähige Kanalisation.8

Frank Kolb stellt in der Einleitung des Werkes Die Stadt im Altertum sechs Kriterien auf, die eine antike Siedlung als Stadt spezifizieren, wobei er hinzufügt, dass nicht alle Elemente davon gegeben sein müssen. Die ersten vier Kriterien jedoch sind für ihn unabdingbar.

1. „topographische und administrative Geschlossenheit der Siedlungen
2. Bevölkerungszahl von mehreren tausend Einwohnern (Orte um 1000 Einwohner werden als Grenzfälle betrachtet) als Voraussetzung für
3. ausgeprägte Arbeitsteilung und soziale Differenzierung
4. Mannigfaltigkeit der Bausubstanz
5. urbanen Lebensstil
6. Funktion der Siedlung als Zentralort für ein Umland“ 9

Barbara Pferdehirt widerspricht Kolb, indem sie sagt, dass unser heutiges Verständnis von einer Stadt, also zum Beispiel das Vorhandensein einer gewissen Infrastruktur, wie Einkaufsmöglichkeiten, Sportstätten und guter Verkehrsanbindung völlig unantik sei und in römischer Zeit nicht die Einwohnerzahl oder Infrastruktur, sondern der Rechtsstatus, der einer Siedlung verliehen wurde, entscheidend war10. Das heißt, für sie sind alle bisher genannten Faktoren lediglich Nebenprodukt einer Stadt. Stadt bedeutet ihr zu Folge den Rechtsstatus einer Stadt, also eines Municipiums oder einer Colonia zu besitzen. Wobei selbst große Zivilsiedlungen wie Bonn oder Regensburg keine derartigen Stadtrechte besaßen11. Andere kleinere Siedlungen, wie zum Beispiel das hier behandelte Ladenburg, besaßen das Recht einer Civitas, was zwar rein rechtlich betrachtet kein Stadtrecht ist, aber wie wir später sehen werden, dennoch einer Stadt, die wir aus rein ökonomischen und architektonischen Gesichtspunkten so nennen würden, ebenbürtig ist.

Oft lassen sich Municipien, Coloniae und Civitates nur anhand von erhaltenen Inschriften differenzieren und sind im Aufbau sehr ähnlich, wobei man Civitates oft daran erkennt, dass sie durch die kastellzeitliche Bebauung mit Streifenhäusern weiterhin geprägt bleiben12. Der große Unterschied eines Civitas-Hauptortes gegenüber der „Städte“ ist, dass die Bewohner kein römisches Bürgerrecht besaßen und letztlich „Stammesgemeinden mit Selbstverwaltung“13 waren. Die Bewohner einer Civitas waren Bürger dieser Gemeinde und galten als peregrini (Ausländer)14. Meist waren es Stämme, die ihre Einheit behielten, sich selbst verwalteten, aber trotzdem in Einheit mit der römischen Rechtsstruktur gebracht wurden15. Civitas bezeichnete dabei zumeist ein Stammesgebiet oder das Gebiet, was die Römer dem befreundeten Stamm als Siedlungsgebiet angeboten hatten, welchem ein Civitas-Hauptort als Verwaltungsort vorstand. Eine der ersten Civitas, die rechts des Rheins gegründet wurde, war die CIVITAS ULPIA SUEBORUM NICRENSIS (CVSN) mit dem Hauptort Lopodunum16.

Im südwestdeutschen Raum, rechts des Rheines wurden weniger Municipien und Coloniae gegründet als Civitates. Die Civitates, die geschaffen wurden, waren in den Ausmaßen kleiner, konnten sich aber durchaus mit Städten messen. Zudem waren sie allesamt größer als das einzige Muncipium im heutigen Baden-Württemberg, Arae Flaviae. Auch die Menge an einfachen Straßensiedlungen im heutigen Raum Baden-Württemberg war recht hoch. Diese reichten in ihren Ausmaßen beinahe an eine Stadt oder stadtähnliche Siedlung wie eine Civitas heran. Aufgrund dessen lässt sich dieses Gebiet als städtisch geprägt bezeichnen, obwohl es nur ein einziges Municipium gab17.

Es ist festzuhalten, dass es schwierig ist, den Begriff Stadt einzugrenzen. Nicht jede Siedlung, die ein Stadtrecht erhält, ist nach außen sehr urban erscheinend, andere urban anmutende Orte sind nichtsdestotrotz rechtlich keine Städte. Wir müssen also an diesem Punkt unterscheiden zwischen einer rechtlichen Stadt und einer gelebten sichtbaren Stadt.

Gehen wir ab nun, da wir wissen, dass sich eine Civitas baulich kaum von einem Municipium oder einer Colonia unterscheidet, und diese zudem in einschlägiger Literatur auch meist als „stadtähnliche Siedlung“18 betitelt wird, davon aus, dass Lopodunum, trotz des fehlenden Stadtrechtes, zumindest theoretisch einer antiken Stadt gleichzusetzen ist und als (gelebte) Stadt bezeichnet werden kann. Ob die Architektur und die Lebensumstände Lopodunums im Speziellen tatsächlich einen solchen Schluss zulassen, wird am Ende des folgenden Kapitels sichtbar sein.

3. Vom Kastell zur Stadt

Das nun folgende Kapitel wird sich hauptsächlich auf S. C. Sommer, A. Hensen und B. Rabold beziehen, die in ihren Textbeiträgen das für diese Arbeit wesentliche und relevante Material zur Entwicklung vom Kastell zur Stadt Lopodunum zusammengetragen haben. Die Ausführungen Sommers, Hensens und Rabolds entsprechen sich die wichtigen Erkenntnisse betreffend vollständig. Allein deshalb, weil seine Ausführungen am ausführlichsten sind, wird an dieser Stelle fast ausschließlich Sommers Text für Zitationen herangezogen werden. Im Abschnitt zu den Gebäuden Lopodunums wird auf direkte Zitationen verzichtet, da aufgrund der deckungsgleichen Aussagen Sommers, Hensens und Rabolds stets alle drei Quellen angegeben werden müssten. Lediglich in den Fällen, in denen aus Rabold oder Hensen zitiert wird oder Sommer zusätzliche wichtige Informationen gibt, wird dieses in den Fußnoten angegeben werden, ansonsten dient Sommer als Hauptquelle.

3.1. Die Vorgeschichte Lopodunums

Der Name Lopodunum soll auf den keltischen Ortsnamen Lokudunon zurückgehen, der übersetzt wird mit „Sumpfsiedlung“ oder „Seeburg“.

Zwischen etwa 3000 v. Chr. bis etwa zur Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. bestand nordwestlich des heutigen Stadtgebietes eine keltische Siedlung, die um 200 v. Chr. den Heiligenberg bei Heidelberg als Siedlungsmittelpunkt der Kelten abgelöst hatte.

Nach dem Augustus Germanienpolitik gescheitert war und die geplante Ausweitung des Römischen Reiches bis zur Elbe verworfen werden musste, akzeptierte sein Nachfolger Tiberius den Rhein und die Donau als natürliche Grenzen des Reiches und bestärkte diese dadurch, dass er in diesen nahezu entvölkerten Gebieten „befreundete“ Stämme ansiedelte, die als eine Art Bauernmiliz fungieren sollten. Im Bereich um das heutige Ladenburg wurden die später für die Civitas namensgebenden SVEBI NICRENSIS (Neckarsueben) angesiedelt, die zu den sogenannten Elbgermanen gehörten. Diese integrierten sich rasch und trieben regen Handel mit den Römern, sodass sich vor allem an den Grabbeigaben eine kontinuierliche Entwicklung der Neckarsueben hin zu Provinzialrömern ablesen lässt, bis sich etwa in der Mitte des 2. Jahrhunderts keine Aussagen mehr über die Ursprungsherkunft der Bestatteten machen lassen.19

Vespasian schließlich möchte neue Perspektiven schaffen und sein Reich ausbauen, sodass er die „militärische Besetzung des oberen Neckarlandes und des rechten Oberrheingrabens“20 beschließt, die Region an die linksrheinische Militärregion angliedert und Kastelle errichtet, sowie die nötige Infrastruktur schafft, um schnelle Truppenbewegungen und Kommunikation zu ermöglichen. Zu diesem Zeitpunkt entstand auch das erste Kastell in Ladenburg an einem sehr fruchtbaren Standort im Neckarschwemmkegel, am nördlichsten Punkt des damaligen Neckarlaufes und an der höchstgelegenen Stelle um vor Hochwasser geschützt zu sein. Vermutlich haben schon damals Wege bestanden, um die unterschiedlichen neckarsuebischen Siedlungen zu verbinden, daran könnte man sich orientiert haben. Wichtig war es auch, die Abstände zwischen den Kastellen, die den Neckarübergang bei Heidelberg sicherten, möglichst gleich zu halten, wobei hier der Abstand zum nächsten Kastell nur bei etwa 8,5 km lag (normal waren etwa 16 km).21

3.2. Vom Kastell zur Zivilsiedlung

Zu Beginn der 70er Jahre des ersten Jahrhunderts wurden in Heidelberg und Ladenburg Hilfsgruppenkastelle gegründet. Wahrscheinlich nach 75 n. Chr. entsteht das erste steinerne Kastell in Ladenburg. Das erste Kastell, welches aus Holz errichtet wurde, wurde erst 1982, 20 Jahre nach dem steinernen Kastell, entdeckt, sodass das ältere als Kastell II und das modernere Steinkastell als Kastell I bezeichnet werden. Bis heute ließ sich bisher nur ein kleiner Teil der östlichen Umwehrung des Kastells II nachweisen.

Die Datierung dieses ersten Kastells gestaltet sich schwierig, da sich bislang keine Funde einwandfrei zuschreiben lassen. Relativchronologisch ist es jedoch klar, dass dieses Kastell vor Kastell I bestanden haben muss, da der Kastellvicus des steinernen Kastells das Holzkastell überlagert. Allgemein sind sämtliche Ausgrabungen im heutigen Ladenburg bisher nur in kleinem Rahmen geschehen, sodass oft nur beschränkt Aussagen gemacht werden können oder vielmehr manche auch nur unter Vorbehalt stehen können.

Das ältere Kastell, welches zu frühvespasianischer Zeit errichtet worden sein muss, hat nicht lang Bestand gehabt, was daran zu erkennen ist, dass im verfüllten Graben keinerlei Funde gemacht werden konnten. Die Westseite wurde vermutlich schon zu römischer Zeit vom Neckar abgeschwemmt, was das Fehlen weiterer Funde erklären würde. Möglicherweise bedingte sich der schnelle Abriss und Neubau eines neuen und größeren Kastells, durch einen Wandel der Kastellbesatzung.

[...]


1 Ausonius, Decimus Magnus: Mosella. Offenburg/Baden: Lehrmittel-Verl. 1947.

2 Freher, Marquard: De Lupoduno Antiquissimo Alemaniae Oppido Commentariolus. Heidelberg: Voeglin 1605.

3 Freher, Marquard: De Lupoduno Antiquissimo Alemaniae Oppido Commentariolus. Lateinisch/deutsch = Die erste Beschreibung des alten Ladenburg von 1618. Übertr. und erl. von Hermann Wiegand. Ed. vom Kreisarchiv und dem Referat für Öffentlichkeitsarbeit in Verbindung mit dem Stadtarchiv Ladenburg. Rhein-Neckar-Kreis, Heidelberg: 1998.

4 Vgl. Sommer, Sebastian C.: Vom Kastell zur Stadt: Lopodunum und die Civitas Ulpia Sueborum Nicrensium. In: Probst Hansjörg [Hrsg.], Freund Hartmut, Schulz Reinhold. Ladenburg: aus 1900 Jahren Stadtgeschichte. Ubstadt-Weiher: Verl. Regionalkultur 1998. S.136.

5 Vgl. Pferdehirt, Barbara: Colonia, municipium, civitas – die rechtliche Struktur römische Städte. In: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg/Rheinisches Landesmuseum Trier (edd.): Ein Traum von Rom. Stadtleben im römischen Deutschland. Stuttgart/Trier/Darmstadt: Theiss 2014. S. 36.

6 Filtzinger, Philipp [Hrsg.], Alföldy-Thomas Sigrid [Mitverf.]: Die Römer in Baden-Württemberg. 3., völlig neu bearb. u. erw. Aufl. Stuttgart: Theiss 1986. S. 74f.

7 Kompletter Absatz zu den Kastellen: Vgl. http://www.militaer-wissen.de/roemisches-militaerlager-kastell/

8 Schalles, Hans-Joachim: Was brauchte die antike Stadt? Qualitätsanforderungen aus Sicht der Römer. In: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg/Rheinisches Landesmuseum Trier (edd.): Ein Traum von Rom. Stadtleben im römischen Deutschland. Stuttgart/Trier/Darmstadt: Theiss 2014.S.20ff.

9 Kolb, Frank: Die Stadt im Altertum. München: Albatros 2005, S. 15.

10 Vgl. Pferdehirt, S.28f.

11 Vgl. Thiel, Andreas: Urbanität zwischen Nordsee und Alpen. In: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg/Rheinisches Landesmuseum Trier (edd.): Ein Traum von Rom. Stadtleben im römischen Deutschland. Stuttgart/Trier/Darmstadt: Theiss 2014. S.315.

12 Vgl. Pferdehirt, S.36.

13 Filtzinger, S.118.

14 Vgl. Pferdehirt, S.35.

15 Vgl. ebd., S.28.

16 Vgl. Sommer, S.117.

17 Vgl. Körtum, Klaus: Zwischen Stadt und Einzelsiedlung – römische vici. In: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg/Rheinisches Landesmuseum Trier (edd.): Ein Traum von Rom. Stadtleben im römischen Deutschland. Stuttgart/Trier/Darmstadt: Theiss 2014. S.272.

18 Rabold, Britta: Civitashauptorte und Municipien im rechtsrheinischen Obergermanien. In: Wamser, Ludwig: Die Römer zwischen Alpen und Nordmeer. Zivilisatorisches Erbe einer europäischen Militärmacht. Mainz: von Zabern 2014. S. 98.

19 Komplettes Kapitel: Vgl. Hensen, Andreas: Lopodunum – ein vicus strebt nach oben. In: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg/Rheinisches Landesmuseum Trier (edd.): Ein Traum von Rom. Stadtleben im römischen Deutschland. Stuttgart/Trier/Darmstadt: Theiss 2014. S. 243.

20 Sommer, S. 81.

21 Gesamtes Kapitel: Vgl. ebd., S.81ff.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Lopodunum. Entwicklung eines römischen Kastells zur Stadt
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Stadt und Dorf in der Antike
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V461843
ISBN (eBook)
9783668916326
ISBN (Buch)
9783668916333
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antike, deutschland, römer, Kastell, antike stadt
Arbeit zitieren
Rebecca Myga (Autor), 2018, Lopodunum. Entwicklung eines römischen Kastells zur Stadt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461843

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