Inklusion an Offenen Ganztagsschulen. Ist eine stärkere Integrationsassistenz im Nachtmittagsbereich sinnvoll?


Hausarbeit, 2019

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

2. Integration und Integrationsassistenz
2.1 Definition von Integration/Inklusion
2.2 Definition der Integrationsassistenz (IASS)

3. Gesetzeslage im Bereich der Integration
3.1 UN-Behindertenrechtskonvention
3.2 Umsetzung der inklusive Bildung im Land NRW

4. Inklusion und Integrationsassistenz in NRW
4.1 Inklusionssituation an Offenen Ganztagsschulen
4.2 Ziele von Offenen Ganztagsschulen in NRW

5. Integrative Beschulung aus Sicht der betroffenen
5.1 Befragung von Lehrpersonal
5.2 Befragung von Eltern

6. Fazit
6.1 Zielerreichung
6.2 Perspektiven

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Mit der Unterzeichnung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen hat sich die Bundesrepublik Deutschland und somit auch das Land Nordrhein-Westfalen zu der Einhaltung der darin enthaltenen Rechte und Ziele verpflichtet1. Der Begriff der Inklusion wird in diesem Kontext zunehmend in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft diskutiert. Besonders im Bereich der Bildung gewinnt die Inklusion aktuell an Bedeutung2.

1.1 Problemstellung

Aktuell werden in Nordrhein-Westfahlen Kinder und Jugendliche mit einem diagnostiziertem sonderpädagogischem Förderbedarf während der Schulzeit von einer Integrationsassistenz begleitet, um so eine Teilhabe am Unterricht im Sinne der Inklusion zu ermöglichen. In seltenen Fällen wird denselben Kinder und Jugendlichen in der Zeit der Nachmittagsbetreuung eine Integrationsassistenz bewilligt. Dies zeigt, dass Inklusion für betroffene Schüler aktuell mit dem Schulende zu enden scheint.

1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

Aus der zuvor beschriebenen Situation ergibt sich die Forschungsfrage auf die sich diese Seminararbeit bezieht. Wäre eine verstärkt stattfindende Integrationsassistenz im Nachmittagsbereich von Offenen Ganztagschulen als fördernd bzw. sinnvoll für Betroffene anzusehen? Um diese Frage ausreichend beantworten zu können müssen verschiedene Punkte tiefergehend betrachtet werden.

Hierfür findet zuerst eine Begriffsbestimmung der Begriffe Integration bzw. Inklusion statt. Darüber hinaus werden die Aufgaben einer Integrationsassistenz erarbeitet, um diese mit der Vereinbarkeit eines verstärkten Einsatzes, im Nachmittagsbereich von Offenen Ganztagschulen, abzugleichen. Im nächsten Schritt wird erarbeitet weshalb eine Integrationsassistenz derzeit nur im schulischen Vormittagsbereich eingesetzt wird. Dazu muss die Gesetzeslage im Hinblick auf die Behindertenrechtskonvention, sowie deren Umsetzung in der Bildungspolitik des Landes NRW näher betrachtet werden.

Nachdem dieser Schritt erfolgt ist, wird die tatsächliche Situation der integrativen Bildung in NRW tiefergehend, mit Hilfe von Statistiken betrachtet. Darauf aufbauend wird das Meinungsbild zur derzeit stattfindenden Form von Inklusion aus Sicht der betroffenen Eltern und Lehrer anhand von Befragungen analysiert. Dieser Schritt ist wichtig um auch aus dieser Perspektive, Rückschlüsse auf einen verstärkten Einsatz von Integrationsassistenz im Nachmittagsbereich von Offenen Ganztagschulen schließen zu können.

Diese Hausarbeit wurde bewusst nur auf die Beantwortung der Frage nach der Sinnhaftigkeit von verstärkter Integrationsassistenz in der Nachmittagsbetreuung eingegrenzt. Die Eingrenzung wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit vorgenommen. Außerdem soll es dem Leser möglich gemacht werden, kritisches als auch konstruktives Interesse für die beschriebene Thematik zu entwickeln. Ein weiteres Ziel ist es den Meinungsbildungsprozess des Lesers zu unterstützen.

2. Integration und Integrationsassistenz

Um die Frage der Sinnhaftigkeit von häufiger stattfindender Integrationsassistenz im Nachmittagsbereich beantworten zu können, müssen zuerst fachterminologische Begrifflichkeiten definiert und erläutert werden, um dem Leser ein Grundverständnis zu eröffnen. Dazu werden die Begriffe Inklusion und Integrationsassistenz (kurz: IASS) genauer beleuchtet. Tiefergehend werden die Ziele von Inklusion, aber auch die Aufgaben und Ziele einer IASS erörtert. Hierzu werden verschiedene Definitionen aus der Wissenschaft sowie von freien Trägern gegenüber gestellt und verglichen.

2.1 Definition von Integration/Inklusion

Um den Begriff der Integration existieren selbst in Fachkreisen verschiedene und sich teilweise wiedersprechende Auffassungen, dies behauptet zum Beispiel die Professorin für Linguistik und Literaturwissenschaft Petra Wagner3. Da die Bundesrepublik Deutschland sich jedoch an die UN-Behindertenrechtkonvention (kurz: BRK) vertraglich gebunden hat, wird sich diese Seminararbeit an der in der Konvention getroffenen Definition orientieren. Die in der BRK festgehaltene Definition beschreibt Integration bzw. Inklusion als einen Prozess des Eingehens auf individuelle Bedürfnisse aller Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen. Dies würde erreicht durch verstärkte Partizipation bzw. Teilnahme dieser Personen an Lernprozessen, Kultur und Gemeinwesen. Außerdem durch die Abschaffung von Exklusion also dem Ausschluss aus der Bildung und den anderen zuvor genannten Bereichen4. Der deutsche Kulturwissenschaftler Max Fuchs teilt diese Definition. Er fügt jedoch hinzu, dass Integration bzw. Inklusion nicht etwa als statisch zu erreichendes Ziel angesehen werden kann, sondern mehr als ein stetiger Prozess mit stetig wechselnden Herausforderungen angesehen werden muss5. Inklusion kann somit als das Recht auf Teilhabe bzw. unterstützte Teilnahme, von Menschen mit Behinderung, in allen gesellschaftlichen Bereichen angesehen werden. Somit auch in der Bildung.

2.2 Definition der Integrationsassistenz (IASS)

Da im vorherigen Abschnitt die Begriffe Integration und Inklusion definiert wurden, befasst sich dieser Abschnitt aufbauend mit den Aufgaben und Zielen einer IASS. In einer Veröffentlichung der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege Nordrhein Westfalen, wird die IASS vereinfacht mit dem Synonym „Schulbegleitung“ übersetzt. Weiter beschreibt diese, die Integrationsassistenz als Mittel zur Umsetzung, des gemeinsamen Lernens, von Menschen mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf. Die IASS hat dabei konkret die Aufgabe die Teilhabe, von Menschen mit Behinderung, am Unterricht bzw. am gesamten Schulalltag ermöglichen. Die Aufgaben und Ziele einer Integrationsassistenz seien außerdem, Menschen mit Behinderung den Besuch der gewünschten Schulform zu ermöglichen, Selbstorganisation und Eigenständigkeit zu fördern sowie den gewünschten Schulabschluss zu erreichen6. Der Professor für Sonderpädagogik Wolfgang Dworschak ergänzt diese Ziele um ein weiteres. Er behauptet, dass eine Integrationsassistenz auch die Aufgabe hat, positiven Einfluss, auf das Sozialverhalten von Menschen mit Behinderung zu nehmen. Dies würde besonders bei Menschen mit einer diagnostizierten emotionalen und/oder sozialen Störung der Fall sein, welche häufig ein Problem mit Anpassung hätten7.

3. Gesetzeslage im Bereich der Inklusion

Um im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit die Frage der Sinnhaftigkeit von vermehrt eingesetzter Integrationsassistenz in der Nachmittagsbetreuung einer OGS zu beantworten, muss die aktuelle Gesetzeslage genauer beleuchtet werden. Hierbei werden die entsprechenden Teile der UN-Behindertenrechtskonvention genauer betrachtet. Im darauf folgenden Schritt wird die Gesetzeslage zur Inklusion bzw. Integration im Bundesland NRW beleuchtet. Dieser Schritt ist wichtig um feststellen zu können, wie das Land den in der Konvention festgehaltenen Pflichten nachkommen muss. Darüber hinaus kann so geklärt werden, weshalb aktuell nur in seltenen Fällen eine Integrationsassistenz im Nachmittagsbereich einer OGS vom Land NRW genehmigt bzw. finanziell getragen wird.

3.1 UN-Behindertenrechtskonvention

Am 30. März 2007 hat die Bundesrepublik Deutschland das Übereinkommen unterzeichnet und sich zur Einhaltung der enthaltenen Rechte verpflichtet. Am 26. März 2009 trat die Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft. Unter vielen damit gesetzlich festgelegten Rechten für behinderte Menschen befindet sich auch das Recht auf inklusive Bildung8. Die Professorin für Ethik Sigrid Graumann erläutert diesbezüglich, dass die Beschulung vom Menschen mit Behinderung häufiger an Regelschulen als an Sonderschulen/Förderschulen stattfinden muss um Integration und Inklusion im Bereich der Bildung angemessen umsetzten zu können. Sie beschreibt weiter, dass dieses Ziel jedoch schwierig zu erreichen ist, da die Gesetzgebung im Bereich Bildung auf Landesebene stattfindet. Weiter gibt sie zu bedenken, dass Landesregierungen teilweise unterschiedliche Ansichten und einen gewissen Spielraum bei der Auslegung des Rechts auf Inklusion im Bereich der Bildung haben9. Daraus erschließt sich, dass im Folgenden geklärt werden muss wie das Land NRW das Recht auf inklusive Bildung gestaltet und umsetzt.

3.2 Umsetzung der inklusive Bildung im Land NRW

Das sich die Ansichten der Landesregierung von NRW teilweise mit den zuvor genannten Ansichten von Sigrid Graumann decken, erweist die derzeitige Schließung von rund 40 Sonder- bzw. Förderschulen im Land NRW, sowie die gleichzeitige Umverteilung der betroffenen Schüler auf Regelschulen. Damit wird deutlich, dass in NRW aktuell das Prinzip der inklusiven Bildung, das lange Zeit vorliegende Prinzip der separierten Beschulung von behinderten und nicht behinderten Menschen ablöst. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Ministeriums für Schule und Bildung der Landes NRW hervor.10 Die Ansichten Graumanns und die der Landesregierung NRW gehen jedoch bei den Einsatzbereichen von IASS stark auseinander. Graumann erachtet diese während des kompletten Schultages für sinnvoll und förderlich, wohingegen die Landesregierung IASS nur im schulischen Bereich der OGS, und nicht in der Nachmittagsbetreuung für nötig bzw. sinnvoll erachtet. Die Landesregierung NRW nennt hierfür eine einfache Erklärung. Da in Deutschland die Schulpflicht besteht, und Deutschland sich der inklusiven Bildung verpflichtet hat, muss im schulischen Bereich eine Integrationsassistenz vom Land bewilligt und die Kosten getragen werden, sofern eine AO-SF vorliegt. Da jedoch eine Teilnahme an der Nachmittagsbetreuung des Offenen Ganztages nicht verpflichtend ist, muss hierfür nur in seltenen Fällen eine Integrationsassistenz bewilligt werden. Dabei beruft sich die Landesregierung auf den § 54, Abs.1, Nr.1 des zwölften Sozialgesetzbuches. Dieser besagt, dass Hilfe bewilligt werden muss wenn heilpädagogische Maßnahmen erforderlich und geeignet sind, um dem behinderten Menschen den Schulbesuch im Rahmen der allgemeinen Schulpflicht zu ermöglichen oder zu erleichtern. (Vgl. SGB 12, § 54, Abs.1, Nr.1)

Das diese Auslegung des Gesetztes durch das Land NRW sehr umstritten ist, zeigen eine Vielzahl an gerichtlichen Streitfällen mit unterschiedlichen Ausgängen. So ist betroffenen Menschen, welche für eine Übernahme der Kosten einer IASS im Nachmittagsbereich einer OGS geklagt haben, teilweise Recht gegeben worden. In den häufigsten Fällen wurden Klagen jedoch abgelehnt. Die Vielzahl der von der Rechtsanwältin Carolina Schmidt in einer Publikation aufgeführten Verfahren mit verschiedenen Ausgängen, deuten auf uneinheitliche und schwierige Bedingungen im Bereich der IASS an Offenen Ganztagsschulen im Land NRW hin .

[...]


1 Vereinigte Nationen, Treaty Collection, 2007, o.S.

2 Deutsche UNESCO-Kommission, Inklusive Bildung in Deutschland, 2017, o.S.

3 P. Wagner, Grundlagen vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung, 2013, S. 13

4 Vgl. Vereinigte Nationen, Behindertenrechtskonvention Artikel 24 CRPD: Bildung, 2009, o.S.

5 Vgl. M. Fuchs, Kultur - Teilhabe - Bildung : Reflexionen und Impulse aus 20 Jahren, 2008, S.34

6 Vgl. Freie Wohlfahrtspflege NRW, Schulbegleitung, 2014, S.8

7 Vgl. W. Dworschak, Assistenz in der Schule, S.2-7

8 Vgl. United Nationes, Treaty Collection, 2009, o.S.

9 Vgl. Ministerium für Schule und Bildung, Förderschulen, 2017, S.2

10 Vgl. S.C.Schmidt, Integrationshelfer in der OGS, 2011, S. 5-7

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Inklusion an Offenen Ganztagsschulen. Ist eine stärkere Integrationsassistenz im Nachtmittagsbereich sinnvoll?
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Neuss früher Fachhochschule
Veranstaltung
Einführung in die Soziale Arbeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V461882
ISBN (eBook)
9783668915664
ISBN (Buch)
9783668915671
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Integrationsassistenz, Inklusion, Integration, Offene Ganztagsschulen, Behindertenrecht
Arbeit zitieren
Lukas Funck (Autor), 2019, Inklusion an Offenen Ganztagsschulen. Ist eine stärkere Integrationsassistenz im Nachtmittagsbereich sinnvoll?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461882

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