Die Genese der spanischen Städte unterlag im Laufe des 20. Jahrhunderts turbulenten Veränderungen, die vor allem planpolitischer und ökonomischer Natur waren. Während der Franco-Diktatur von 1939 bis 1975, in welche Zeit auch die Phase des Desarrollismo (der spanische Wirtschaftsboom) fällt, fanden Landflucht, Verstädterung und Stadterweiterungen in einem bis dahin unbekanntem Ausmaß statt. Die franquistische zentralstaatliche Stadtplanung stand dem Problem eines enormen Bevölkerungswachstums innerhalb der Städte gegenüber. So konzentrierte sie sich vor allem auf den Siedlungs- und Wohnungsbau in neuen Stadtvierteln (Polígonos), die einer funktional und homogen zonierten Stadtstruktur1 gerecht werden sollten. Aufgrund der Zentralstaatlichkeit und der mit ihr verbundenen Ferne vom Ort des Geschehens jedoch, der fehlenden Detailliertheit in den ohnehin kurzfristig angelegten Plänen und der inkonsequenten Haltung gegenüber den rein spekulativen Interessen der Haus- und Grundbesitzer, musste jegliche Stadtplanung scheitern und in fast in anarchische Strukturen ausufern.
Die angestrebte Verbesserung der Lebensqualität in den Städten musste ökonomisch gele iteten Massenbauten weichen; soziale Segregation und Verfall des Stadtbildes waren die Folge.
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1 Als Vorbild für die funktionale Stadtzonierung diente Le Corbusiers „la ville radieuse“, die in der Charta von Athen 1933 vorgestellt wurde (vgl. Fürst, F. / Himmelsbach, U. / Potz, P. 1999, S. 29 ff.).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Administrative Gliederungen Spaniens
3. Urbane Institutionen und Stadtplanung in der Metropolregion Madrid
3.1 …unter dem zentralistischen Franco-Regime
3.2 …während der Demokratisierung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die stadtplanerische Entwicklung in Spanien im 20. Jahrhundert, wobei der Fokus auf dem Vergleich zwischen der zentralistischen Diktatur unter Franco und der Phase der Demokratisierung liegt, unter besonderer Berücksichtigung der Metropolregion Madrid.
- Analyse der administrativen Gliederung Spaniens und deren Wandel zum Autonomiestaat.
- Untersuchung der franquistischen Stadtplanung und ihrer sozialen Folgen.
- Darstellung der stadtplanerischen Ansätze nach 1975 unter Einbeziehung demokratischer Partizipationsprozesse.
- Untersuchung der Rolle von "Convenios Urbanísticos" als Steuerungsinstrumente.
- Evaluation der baulichen und sozialen Auswirkungen der Transformation auf das Stadtbild.
Auszug aus dem Buch
…unter dem zentralistischen Franco-Regime
Madrid wurden bis etwa in die Mitte der 1950’er Jahre die Funktionen eines Verwaltungs- und Dienstleistungsstandortes zugeschrieben. Erst als die Zentralregierung sich entschieden hatte, den traditionellen Industriestandorten Katalonien und dem Baskenland ein drittes industrielles Standbein gegenüberzustellen, erfuhr der Industriesektor der Region Madrid ein beschleunigtes Wachstum. Mit dem wirtschaftlichen Stabilisierungsplan von 1959 (Plan de Estabilización Económica) öffnete sich das Land gleichzeitig auch für ausländische Investoren (vgl. HEITKAMP 1997, S. 57).
Madrid übte nicht nur eine enorme Anziehungskraft auf die umliegende ländliche Bevölkerung aus, sondern nahm pro Jahr 26 % des enormen jährlichen natürlichen Bevölkerungswachstums von 390.000 Menschen auf (vgl. MEHLHORN 1996, S. 260). Die Menschenmasse erforderte eine regulierende Stadtplanung, der der Plan General de Ordenación Urbana del Área Metropolitana de Madrid von 1963 (PGOUAMM, allgemeiner Stadtordnungsplan), gerecht werden sollte. Jede größere Stadt wurde mit einem solchen Flächennutzungsplan ausgestattet, so dass mittels Flächenausweisung zu bestimmten Zwecken in bestimmten Sektoren die Aktivitäten öffentlicher und privater Bauherren so gelenkt und koordiniert werden sollten, dass integrierte Stadtentwicklung möglich sein sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über den Wandel der spanischen Stadtentwicklung vom 20. Jahrhundert bis in die Demokratisierungsphase und definiert die Forschungsfokussierung auf den Metropolraum Madrid.
2. Administrative Gliederungen Spaniens: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung Spaniens vom zentralistisch regierten Staat während der Diktatur hin zur verfassungsrechtlich verankerten Struktur der Autonomen Regionen nach 1978.
3. Urbane Institutionen und Stadtplanung in der Metropolregion Madrid: Dieser Hauptteil analysiert die stadtplanerischen Praktiken in Madrid, unterteilt in die Zeit der franquistischen Diktatur und den anschließenden Demokratisierungsprozess.
3.1 …unter dem zentralistischen Franco-Regime: Es wird die durch eine funktionale Zonierung und spekulative Interessen geprägte Stadtplanung untersucht, die zu uniformen Siedlungsstrukturen und sozialen Problemen führte.
3.2 …während der Demokratisierung: Dieses Unterkapitel beleuchtet den Wandel hin zur partizipativen Stadtplanung, die Einbeziehung von Bürgerbewegungen und den Einsatz neuer Steuerungsinstrumente wie städtebaulicher Abkommen.
4. Fazit: Das Fazit resümiert das Scheitern der franquistischen Planung und stellt dem die komplexen Herausforderungen der demokratischen Konsensfindung in der heutigen Stadtplanung gegenüber.
Schlüsselwörter
Stadtplanung, Spanien, Madrid, Franco-Diktatur, Demokratisierung, Dezentralisierung, Autonome Regionen, Polígonos, Stadtentwicklung, Convenios Urbanísticos, Partizipation, Urbaner Raum, Flächennutzungsplanung, Siedlungsstruktur, Metropolregion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Hausarbeit?
Die Arbeit analysiert die stadtplanerischen Entwicklungen und administrativen Strukturen in Spanien im 20. Jahrhundert, mit einem speziellen Fokus auf die Auswirkungen in der Metropolregion Madrid.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind der Übergang vom zentralistischen Franco-Regime zum Autonomiestaat, die funktionale Zonierung von Städten sowie moderne Strategien der urbanen Steuerung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Unterschiede zwischen der diktatorischen Stadtplanung (1939-1975) und der demokratisierten Stadtplanung nach 1975 hinsichtlich ihrer Institutionen und Methoden aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine geographische Analyse, die auf einer fundierten Auswertung von Fachliteratur, städtebaulichen Plänen und historischen Entwicklungsdaten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die administrative Gliederung Spaniens und eine detaillierte Untersuchung der Stadtplanung Madrids in zwei zeitlichen Abschnitten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind insbesondere Stadtplanung, Madrid, Demokratisierung, Autonomiestaat und städtebauliche Partizipation.
Was waren die Hauptprobleme der Stadtplanung unter dem Franco-Regime?
Hauptprobleme waren die zentralistische Planung fernab vom Ort des Geschehens, eine rein ökonomisch geleitete Massenproduktion von Wohnraum ohne soziale Infrastruktur und die Förderung spekulativer Interessen.
Welche Rolle spielten Nachbarschaftsvereinigungen nach 1975?
Die "Asociaciones de Vecinos" gewannen nach Francos Tod massiv an Einfluss, übten Druck auf Behörden aus und wirkten aktiv an Planungsprozessen mit, um menschenwürdige Wohnbedingungen zu erreichen.
Wie werden "Convenios Urbanísticos" im Kontext der Arbeit beschrieben?
Diese städtebaulichen Abkommen werden als zentrale Regulationsinstrumente bewertet, die als Public-Private-Partnerships eine flexiblere und konsensorientierte Stadtentwicklung ermöglichten.
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- Anonym (Author), 2005, Administrative Gliederungen, urbane Institutionen und Stadtplanung in Spanien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46290