Welche Faktoren bedingen und prägen das Aufwachsen in Armut in Deutschland? Hierzu werden Definitionen vorgestellt und verglichen. Anschließend wird auf die drei Säulen der Erziehungswissenschaft - Erziehung, Bildung und Sozialisation - eingegangen und daraus ein pädagogischer Handlungsrahmen, ebenso wie verschiedene Maßnahmen, entwickelt.
Nach wie vor ist Kinderarmut in Deutschland ein präsent diskutiertes und bedeutendes Thema, denn noch immer wachsen in der westlichen Welt zu viele Kinder und Jugendliche in Armut auf. Laut einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 5. November 2015 lebten im Jahr 2014 durchschnittlich 15,1% der unter 18-jährigen im armutsgefährdeten Bereich.
Als armutsgefährdet gilt hier, wer „über weniger als 60% des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Armutsdefinition
3. Auswirkungen der Armut auf die pädagogischen Bereiche der Kinder
3.1 Bildung
3.2 Sozialisation
3.3 Erziehung
4. Pädagogischer Handlungsrahmen
4.1 Bildungsmaßnahmen
4.2 Sozialisationsmaßnahmen
4.3 Erziehungsmaßnahmen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, welche pädagogischen Herausforderungen das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in einem armutsgefährdeten Umfeld in Deutschland mit sich bringt und welche Handlungsmöglichkeiten die Pädagogik zur Unterstützung dieser Kinder bietet.
- Definition von Armut und Armutsgefährdung im deutschen Kontext
- Auswirkungen materieller Benachteiligung auf die Entwicklung von Kindern
- Zusammenhang zwischen Armut, Bildungschancen und sozialer Teilhabe
- Die Rolle von Erziehung und Sozialisation bei Kindern aus armutsgefährdeten Familien
- Pädagogische Interventionsmöglichkeiten in den Bereichen Bildung, Sozialisation und Erziehung
Auszug aus dem Buch
3.1 Bildung
Betrachtet man zunächst die Bildung der Kinder, welche in Armutsgefährdung leben, so ist hier ein deutlicher sozioökonomischer Einfluss zu verzeichnen. So heißt es aktuell „PISA 2015 zeigt, dass der sozioökonomische Status der Schüler oder ein etwaiger Migrationshintergrund in den meisten Teilnehmerländern und Volkswirtschaften mit erheblichen Unterschieden bei den Schülerleistungen assoziiert sind. Beispielsweise schneiden sozioökonomisch benachteiligte Schülerinnen und Schüler im OECD-Durchschnitt in Naturwissenschaften um 88 Punkte schlechter ab als sozioökonomisch begünstigte Schülerinnen und Schüler.“ (PISA 2016, S. 6/8).
Doch dieses Ergebnis wird nicht nur durch PISA im naturwissenschaftlichen Bereich und den allgemeinen OECD-Ländern gestützt. Auch in der IGLU-Studie von 2006 lässt sich ein Zurückbleiben der Kinder aus niedrigen sozialen Lagen gegenüber den Kindern aus höheren sozialen Lagen nachweisen. Nach Auswertung der Statistiken heißt es: „Auch bei deutschen Viertklässlerinnen und Viertklässlern findet sich ein im internationalen Vergleich relativ enger Zusammenhang zwischen Sozialschicht und Lesekompetenz. Zwar schafft es die Grundschule in Deutschland, bei den Schülerinnen und Schülern am Ende der vierten Jahrgangsstufe ein hohes Leseniveau zu erreichen und insbesondere den Anteil der ‚Risikokinder‘ (unter Kompetenzstufe III) gering zu halten, doch gelingt es ihr nicht zufriedenstellend, bestehenden sozialen Ungleichheiten kompensierend zu begegnen.“ (IGLU 2007, S.31).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Kinderarmut in Deutschland und definiert die Forschungsfrage, die sich auf die pädagogischen Herausforderungen für betroffene Kinder konzentriert.
2. Armutsdefinition: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Armutsgefährdung im deutschen Kontext und definiert verschiedene Dimensionen von Armut, die sich auf die Lebenssituation von Kindern auswirken.
3. Auswirkungen der Armut auf die pädagogischen Bereiche der Kinder: Das Kapitel analysiert, wie Armut die drei Säulen der Erziehungswissenschaft – Bildung, Sozialisation und Erziehung – negativ beeinflusst und die Lebensperspektiven der Kinder einschränkt.
3.1 Bildung: Es wird dargelegt, dass Kinder aus armen Familien aufgrund sozioökonomischer Benachteiligungen schlechtere Bildungschancen haben und dies zu einer Reproduktion sozialer Ungleichheit führt.
3.2 Sozialisation: Dieses Kapitel thematisiert die soziale Isolation armer Kinder und wie fehlende finanzielle Mittel für Hobbys oder Freizeitaktivitäten zur Ausgrenzung führen können.
3.3 Erziehung: Die Auswirkungen von Armut auf die Eltern-Kind-Beziehung und die erzieherische Qualität im Elternhaus werden hier kritisch hinterfragt.
4. Pädagogischer Handlungsrahmen: Es werden Lösungsansätze aufgezeigt, wie die Gesellschaft und pädagogische Fachkräfte der Benachteiligung entgegenwirken können.
4.1 Bildungsmaßnahmen: Diskussion von Möglichkeiten innerhalb der Schule, um Kindern aus ärmeren Verhältnissen einen ruhigen Lernort und zusätzliche Förderung zu bieten.
4.2 Sozialisationsmaßnahmen: Fokus auf kostenfreie Freizeitangebote, um die Teilhabe zu fördern und Stigmatisierung durch Integration in heterogene Gruppen zu verhindern.
4.3 Erziehungsmaßnahmen: Vorstellung von Unterstützungsleistungen wie Erziehungsberatung und Familienhilfe, die überlastete Eltern entlasten und die Eltern-Kind-Bindung stärken sollen.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Pädagogik zwar unterstützen kann, jedoch das Kindeswohl und die Veränderungsbereitschaft der betroffenen Familien zentrale Voraussetzungen für den Erfolg sind.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Armutsgefährdung, Pädagogik, Bildungschancen, Sozialisation, Erziehung, Soziale Ungleichheit, Stigmatisierung, Teilhabe, Kindeswohl, Bildungsnachteil, Familiäre Belastung, Prävention, Kinder- und Jugendhilfe, Armutsspirale.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Armutsgefährdung auf Kinder und Jugendliche in Deutschland und beleuchtet diese als pädagogische Herausforderung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Auswirkungen von Armut auf die Bereiche Bildung, Sozialisation und Erziehung sowie mögliche pädagogische Interventionsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die pädagogischen Herausforderungen, denen Kinder im armutsgefährdeten Bereich in Deutschland gegenüberstehen, zu identifizieren und aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Auswertung bestehender Studien, Berichte und Fachpublikationen zum Thema Kinder- und Jugendarmut.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Definitionen von Armut und deren Dimensionen geklärt, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Folgen in Bildung, Sozialisation und Erziehung sowie der Vorstellung konkreter pädagogischer Handlungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kinderarmut, soziale Ungleichheit, Bildungschancen, pädagogische Herausforderungen und soziale Teilhabe.
Warum spielt das Elternhaus eine so zentrale Rolle bei der Armutsreproduktion?
Da Kinder ihre Situation nicht selbst wählen können, ist ihre Entwicklung stark vom finanziellen und sozialen Umfeld der Eltern abhängig, was oft dazu führt, dass sich die prekäre Lebenslage über Generationen hinweg reproduziert.
Inwiefern können Bildungseinrichtungen die soziale Ungleichheit kompensieren?
Schulen können durch zusätzliche Förderprojekte, Bereitstellung von Lernorten und eine stärkere Unterstützung versuchen, die ungleichen Startbedingungen auszugleichen, stoßen jedoch oft an politische und strukturelle Grenzen.
- Citar trabajo
- Marleen Schulz (Autor), 2017, Aufwachsen in Armutsgefährdung in Deutschland als pädagogische Herausforderung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463132