Im vorliegenden Beitrag soll näher darauf eingegangen werden, ob es möglich ist, das E-Portfolio als Selbstreflexionsinstrument in der bestehenden Struktur der universitären Lehrerinnen- und Lehrerbildung zu implementieren und welche inhaltlichen Anforderungen und strukturellen Rahmenbedingungen sich dabei als notwendig erwiesen haben.
Um dies zeigen zu können, wird das, seit dem Wintersemester 2013/14 am Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Didaktik entwickelte E-Portfolio-unterstützte Seminarkonzept für reflektiertes und biografisches Lernen vorgestellt, das nach einer Pilotphase im Wintersemester 2014/15 bereits fest im Curriculum der Lehrerinnen- und Lehrerbildung an der Universität Passau verankert ist und kontinuierlich weiter entwickelt wird.
Die Entwicklung des E-Portfolio-unterstützten Seminarkonzepts wurde entsprechend der entwicklungsorientierten Bildungsforschung nach Reinmann und Sesink (2011) in drei Entwicklungsphasen unterteilt. Die vorliegenden Befunde ermöglichen es, das Forschungsvorhaben theoretisch zu konzipieren, an der Wirklichkeit durch Erprobung, Veränderung und Evaluation zu überprüfen, die so erzielten Erkenntnisse in den Entwicklungsprozess zurückfließen zu lassen und diesen Zyklus bei Bedarf mehrfach in einem iterativen Prozess zu durchlaufen. Am Ende des entwicklungsorientierten Forschungsprojekts liegen dreierlei Ergebnisse vor: Erstens steht ein E-Portfolio-unterstütztes Seminar zur Verfügung, das theoriegeleitet entwickelt und in der Unterrichtspraxis getestet wurde. Zweitens werden aus den im Entwicklungs- und Evaluierungsprozess gewonnenen theoretischen Erkenntnissen und Forschungsergebnissen konkrete methodische Handlungsanleitungen zur E-Portfolio-Implementierung in der bestehenden Struktur der universitären Lehrerinnen- und Lehrerbildung abgeleitet. Es handelt sich bei diesen Handlungsanleitungen nicht um allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten, sondern um Empfehlungen, die Bildungsinstitutionen an ihre individuellen Bedürfnisse und spezifischen Situationen anpassen müssen. Drittens leistet das vorliegende entwicklungsorientierte Forschungsprojekt einen Beitrag zur Etablierung der entwicklungsorientierten Bildungsforschung in der bildungswissenschaftlichen Forschungslandschaft.
Inhaltsverzeichnis
Abstract
Einleitung
Hauptteil
Conclusion
Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob und wie E-Portfolios als Instrument zur Förderung der Selbstreflexionskompetenz in bestehende Strukturen der universitären Lehrerbildung implementiert werden können. Dabei liegt der Fokus auf der Entwicklung und praktischen Erprobung eines Seminarkonzepts an der Universität Passau, das auf theoretischen Grundlagen der entwicklungsorientierten Bildungsforschung basiert, um konkrete methodische Handlungsanleitungen für die Hochschulpraxis abzuleiten.
- Implementierung von E-Portfolios in universitäre Curricula
- Förderung der Selbstreflexionskompetenz bei Lehramtsstudierenden
- Methodik der entwicklungsorientierten Bildungsforschung nach Reinmann und Sesink
- Verzahnung von Theorie und Praxis durch das Profigrafiemodell
- Erarbeitung von Handlungsanleitungen und Gestaltungsempfehlungen für Seminare
Auszug aus dem Buch
Das Profigrafiemodell von Hansen (2012, 2018)
Dieses Modell liegt auch dem vorliegenden Forschungsprojekt zugrunde, weil das Verbindungselement sowohl zwischen professionsspezifischen und biografischen Entwicklungsprozessen als auch zwischen systemischen und strukturellen Rahmenbedingungen pädagogischen Handelns die Reflexionsarbeit der Akteurinnen und der Akteure darstellt und in berufslebenslanger Perspektive betrachtet wird.
Für ein besseres Verständnis wird das Profigrafiemodell nachfolgend näher erläutert.
Das Fundament pädagogischer Professionalisierung bilden im Profigrafiemodell die klassischen Dimensionen professionellen Wissens, d. h. das Domänenspezifische, das Fachdidaktische und das pädagogische Wissen.
Die erste Dimension bzw. der erste Schwerpunkt des Profigrafiemodells bezieht sich auf den systemischen Rahmen professioneller Entwicklung. Hierbei geht es um die Fähigkeit der Studierenden, gesellschaftliche, politische, pädagogische, fachliche und ethische Interessen und Einflüsse im Hinblick auf ihre pädagogische Arbeit zu reflektieren und mit pädagogischen Interessen in Beziehung zu setzen. Diese Dimension ist mit ihren drei Kernmerkmalen der systemischen Dialektik, der Fähigkeit zur systematischen Perspektivierung sowie der Prozess- und phasenübergreifenden Professionalisierung im Profigrafiemodell rot gekennzeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
Abstract: Dieser Abschnitt beschreibt die Relevanz der Selbstreflexion in der Lehrerbildung und stellt das Ziel der Arbeit vor, E-Portfolios als Instrument in universitäre Seminarstrukturen zu integrieren.
Einleitung: Hier werden die bildungspolitischen Rahmenbedingungen, wie der Bologna-Prozess, sowie die Kritik an der mangelnden Integration von Theorie und Praxis in der Lehrerbildung dargelegt.
Hauptteil: Dieser Teil erläutert das theoretische Fundament des Profigrafiemodells sowie das methodische Vorgehen der entwicklungsorientierten Bildungsforschung zur Implementierung des E-Portfolio-Seminarkonzepts.
Conclusion: Die Zusammenfassung führt die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bekräftigt die Eignung des E-Portfolios als Selbstreflexionsinstrument bei gleichzeitiger Ableitung von Handlungsempfehlungen für die Praxis.
Literaturverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Studien.
Schlüsselwörter
E-Portfolio, Selbstreflexion, Lehrerbildung, professionelles pädagogisches Handeln, entwicklungsorientierte Bildungsforschung, Profigrafiemodell, Kompetenzentwicklung, universitäre Lehre, Reflexionskompetenz, Seminarkonzept, Theorie-Praxis-Verzahnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Integration von E-Portfolios in die universitäre Lehrerbildung, um die Selbstreflexionskompetenz von Studierenden nachhaltig zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Selbstreflexion, die Gestaltung hochschuldidaktischer Konzepte und die empirische Überprüfung mittels entwicklungsorientierter Bildungsforschung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob das E-Portfolio als Selbstreflexionsinstrument in bestehende universitäre Strukturen implementiert werden kann und welche Rahmenbedingungen dabei beachtet werden müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die entwicklungsorientierte Bildungsforschung nach Reinmann und Sesink, die einen iterativen Prozess von Entwurf, Erprobung, Evaluation und Weiterentwicklung vorsieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erläutert das Profigrafiemodell, das methodische Vorgehen bei der Datenerhebung sowie die konkrete Gestaltung und Evaluation des E-Portfolio-unterstützten Seminarkonzepts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind E-Portfolio, Selbstreflexion, Lehrerbildung, professionelles pädagogisches Handeln und entwicklungsorientierte Bildungsforschung.
Wie ist das E-Portfolio in das Seminar eingebunden?
Das E-Portfolio ist als festes Arbeitsinstrument über die gesamte Seminarzeit hinweg mittels eines fünfphasigen Prozesses und dem Zentripedalmodell in den Studienablauf integriert.
Welche Rolle spielt das Profigrafiemodell?
Es dient als theoretischer Rahmen, der professionsspezifische und biografische Entwicklungsprozesse mit systemischen Rahmenbedingungen für angehende Lehrkräfte verknüpft.
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- Tamara Rachbauer (Autor), 2019, E-Portfolios als Spiegel pädagogischer Selbstreflexionsprozesse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463264