Die Altkanarier. Bemerkungen zur Frühgeschichte der indigenen Bevölkerung auf den Kanarischen Inseln


Essay, 2019
106 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der geographische Rahmen
- Zur Entstehung des Kanarischen Archipels
- Die Inselgruppe der Kanaren
- Zum Klima der Inseln
- Flora und Fauna

2. Die Kanarischen Inseln als mythischer Ort der Antike
- Die spanische Eroberung des Inselreiches

3. Die Herkunft der Altkanarier und die Besiedlung des Archipels
- Einwanderung vom afrikanischen Festland
- Einwanderung aus Nordwest – und Südwesteuropa

4. Siedlungsformen
- Höhlen
- Bauten zur Viehhaltung
- Steinhäuser und Wohnsiedlungen

5. Materielle Kultur, Wirtschaft und Technologie
-Wirtschaftsformen
- Landwirtschaft, Viehzucht, Jagen und Sammeln
- Keramik
- Kleidung
- Werkzeuge aus Stein, Knochen und Holz, Waffen

6. Stammesorganisation und soziale Struktur der Gemeinwesen

7. Die magisch – religiöse Welt der Altkanarier
- Götter und Idole
- Kultstätten
- Begräbnisplätze
- Mumifizierung

8. Zur Problematik der Sprache der Altkanarier
- Verwandtschaftsbeziehungen
- Zu Ableitungen aus der Berbersprache
- Sonstige Theorien

9. Liste altkanarischer Wörter

Literaturnachweis und Quellenangaben

Anhang

Prolog

Vor Ihnen liegt ein kurz gefasster Überblick über die Frühgeschichte der Ureinwohner der Kanarischen Inseln, die gemeinhin mit dem Begriff „Guanchen“ bezeichnet werden.

Die vorgestellten Ergebnisse zur Beschreibung der Lebenswelt und Kultur der kanarischen indogenen Bevölkerung erwuchsen aus der Beschäftigung mit den historischen Quellen des Zeitraumes der spanischen Conquista und späteren geographischen und ethnographischen Arbeiten über die Inselgruppe und ihre Menschen.

Hinzu kommen eigene Beobachtungen anlässlich zahlreicher Aufenthalte auf den Inseln Lanzarote, Fuerteventura, Teneriffa und La Palma.

Das Büchlein soll demjenigen erste Informationen und Anregungen geben, der sich – aus welchen Gründen auch immer – auf eine Reise in den Kanarischen Archipel, der zu den Makaronesischen Inseln gehört, begeben will und an frühhistorischen Fragestellungen interessiert ist.

Vieles von dem, was das alltägliche Leben, insbesondere im ländlichen Bereich, auf den Inseln im Atlantik ausmacht, hat seine tieferen Wurzeln in den Bedingungen und Geschehnissen der Frühzeit.

So ist die Gegenwart nur zu verstehen, wenn man die Gegebenheiten der Vergangenheit betrachtet.

Konrad Göttig März 2019

1. Der geographische Rahmen

Die Kanarischen Inseln liegen im Atlantik in einer geographischen Region, die als Makaronesien bezeichnet wird. Dazu zählen, neben den Kanaren, die Kapverden, die Azoren, der Archipel Madeira und die unbewohnten Inseln von Selvagens.

Zwischen rund 27 Grad 38 Minuten und 29 Grad 30 Minuten nördlicher Breite sowie 13 Grad 22 Minuten und 18 Grad 11 Minuten westlicher Länge befinden sich die Kanaren zwischen 1028 und 1483 Kilometer vom Mutterland Spanien (mit dem Kap Trafalgar als äußersten Punkt) entfernt, auf gleicher Breite mit der Wüste Sahara, Kuwait und Florida.

Die Kanaren bestehen aus sieben Inseln mit einer eigenen Inselverwaltung, einer weiteren bewohnten Insel (La Graciosa) und fünf kleinen unbewohnten Inseln (Alegranza, Lobos, Montana Clara, Roque del Oeste und Roque del Este). Teneriffa ist die größte (2035 Quadratkilometer) und einwohnerstärkste Kanareninsel, wogegen El Hierro die kleinste Insel des Archipels ist (269 Quadratkilometer).

Der höchste Berg der Kanarischen Inseln und gleichzeitig der höchste Berg Spaniens ist der Pico del Teide mit 3718 Metern.

Geologisch gehören die Kanaren zu Afrika. Die Inselgruppe befindet sich am Ostrand des Kanarischen Beckens, das bis in 6500 Meter Tiefe abfällt. Dieses Tiefseebecken besteht aus dem kleineren Nordbecken und dem größeren Südbecken, die durch die Kanarenschwelle getrennt sind, an deren östlichem Ende sich die Inseln aus dem Meer erheben. Die Grenzen des gesamten Beckens bilden im Norden die Azorenschwelle, im Süden die Kapverdenschwelle und im Westen der Nordatlantische Rücken.

Zur Entstehung des Kanarischen Archipels

Die sieben größten Inseln der Kanaren – von Osten nach Westen: Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria, Teneriffa, La Gomera, La Palma und El Hierro – bilden eine zunächst von Nordost nach Südwest parallel zur afrikanischen Küste (Lanzarote und Fuerteventura) und danach einen von Ost nach West verlaufenden Inselbogen (Gran Canaria bis El Hierro). Nach Nordosten setzt sich der Inselbogen untermeerisch in den so genannten „Seamounts“ fort.

Das geologische Alter der Inseln nimmt von Nordosten nach Südwesten ab. So sind Lanzarote und Fuerteventura vor 24 Millionen Jahren, Gran Canaria vor 15 Millionen Jahren , Teneriffa und La Gomera vor 12 Millionen Jahren und die jüngsten Inseln La Palma und El Hierro schließlich vor 2 Millionen bzw. 1 Million Jahre entstanden. Dieser Abfolge im Alter der Inseln folgt auch der Grad der Erosion ihrer Oberflächen. Lanzarote und Fuerteventura sind infolge der Abtragung nur noch relativ flache Erhebungen über dem Meeresspiegel. Die jungen westlichen Inseln weisen noch relativ hohe Reliefenergien auf (Reliefenergie meint den Höhenunterschied zwischen höchstem und niedrigstem Punkt eines Gebietes, zugleich ist sie Maß des Erosionspotenzials).

Sowohl diese Abfolge im Alter als auch im Grad der Erosion deuten auf eine Entstehung des Kanarischen Inselbogens durch einen so genannten „Hotspot“ hin. Der Kanarische Hotspot ist eine vulkanische Erscheinungsform von heißem plastischem Gesteinsmaterial, das in einer eng begrenzten Zone aus den Tiefen des Erdmantels als ortsfester Mantelplume aufsteigt. Mantelplumes sind Strömungen im Erdinneren, die heißes Gestein aus dem Erdmantel bis in die oberen Bereiche der Erdkruste transportieren. Dort kann es als Lava an Vulkanen austreten.

Wenn das aufsteigende basaltische Gestein des Mantels die oberflächennahe Zone der Erdkruste mit den dort herrschenden geringen Drücken erreicht, beginnt es zu schmelzen und es entsteht ein basaltisches Magma, das die Lithosphäre durchdringt und an der Oberfläche ausfließt.

Die Kanaren liegen auf der afrikanischen Kontinentalplatte, die aus dem Kontinent Afrika und dem westlich vorgelagerten Ozeanboden besteht. Der Schelfbereich an Afrikas Westküste ist ein passiver Kontinentalrand. Am Mittelatlantischen Rücken driftet die amerikanische Platte nach Westen und die afrikanische Platte nach Osten. Die momentane Ostdrift hat eine Geschwindigkeit von etwa 2 bis 3 cm/Jahr. Die Krustenstreifen vor der Westküste Afrikas, auf dem die Kanaren liegen, ist mit fast 180 Millionen Jahren der älteste Teil im Atlantischen Ozean und hat sein Äquivalent im Meeresgebiet vor der Ostküste Nordamerikas.

Durch die plattentektonische Bewegung der ozeanischen Kruste über den Hotspot hinweg entstand die Inselkette, wobei die derzeitige Position des Hotspots durch den aktiven Vulkanismus auf den Inseln La Palma und El Hierro gekennzeichnet ist. Der Vulkanismus erlischt jedoch, wenn sich die Platte vom Hotspot weg bewegt. Da einige geologische Beobachtungen nicht ganz mit der Hotspot-Hypothese übereinstimmen, zum Beispiel das räumliche Abseits einiger vulkanischer Aktivitäten von der Hotspot – Spur und teils wiederkehrende vulkanische Aktivitäten auf einzelnen Inseln, hat es immer wieder Versuche gegeben, die Entstehung der Kanaren durch andere Hypothesen zu erklären. Von allen diesen Erklärungsversuchen sind zwei Gedankenmodelle erwähnenswert, nämlich die „Atlas – Hypothese“ und die „Instabilitäts – Hypothese“.

Die „Atlas – Hypothese“ verbindet die eruptiven Zyklen der Kanarischen Inseln mit den dynamischen Phasen des nahen Atlas – Gebirges. Der Atlas bildet die tektonische Grenze zwischen der eurasischen Platte im Norden und der afrikanischen Platte im Süden. Die hauptsächlichen Störungen der Gebirgsketten des Atlas verlaufen in NO – SW – Richtung und entsprechen damit der räumlichen Lage des kanarischen Inselbogens. Die „Atlas – Hypothese“ geht nun davon aus, dass eine dieser Hauptstörungen in NO – SW – Richtung bis zum kanarischen Archipel reicht. Diese Störung werde periodisch aktiv und könnte so das Austreten von Magma aus dem Erdmantel ermöglichen. Diese Magmaaustritte würden in mehreren aufeinander folgenden Schüben von Druck und Dehnung auftreten.

Die „Instabilitäts – Hypothese“ hält die Hebung von Blöcken für die Auslöser der Bildung der einzelnen Inselkörper. Die afrikanische Platte besteht aus kontinentalen und ozeanischen Plattenanteilen. Die relativ dünne ozeanische Platte bewegt sich gemeinsam mit der dickeren kontinentalen Platte in NO - Richtung. Da die dickere und tiefer in den Erdmantel eintauchende Kontinentalplatte dieser Bewegung einen höheren Widerstand entgegensetzt, kommt es zu Stauchungen und damit Faltungen und Brüchen in der dünneren, weniger stabilen ozeanischen Platte. Dadurch werden Teile der ozeanischen Kruste als Blöcke gehoben, als eine Reaktion der Schwächezone am Übergang von der ozeanischen zur kontinentalen Kruste. Die Störungen und Brüche an diesen Blöcken könnten dann dem Magma aus dem Erdmantel als bevorzugte Förderwege dienen.

In der Regel weisen passive Plattengrenzen weder größere Störungszonen oder seismische Aktivitäten noch Vulkanismus auf. Der passive Kontinentalrand an der Nordwestküste Afrikas passt in dieses Schema – bis auf seinen lebhaften Vulkanismus. Hier reihen sich mehrere Inselgruppen vor und auf dem nordwestafrikanischen Schelf auf. Außer den Kanaren sind dies die Inselgruppen der Kapverden und Madeira. Insgesamt ergibt sich ein ca. 3000 km langer magmatischer Gürtel, der dem afrikanischen Kontinent westlich vorgelagert ist. Die N – S streichende Zone vulkanischer Inseln parallel zur Küste ist wohl nicht zufällig. Wie so oft bei naturwissenschaftlichen Phänomenen scheint auch die Entstehung der Kanarischen Inseln nicht monokausal erklärbar zu sein.

So ist es nicht auszuschließen, dass die Kanaren ihre Entstehung auch tektonischen Instabilitäten entlang einer lithosphärischen Grenze verdanken, hier der passiven Plattengrenze Westafrikas. Möglicherweise hat sich die ozeanische Kruste entlang einer kritischen Naht zwischen der dicken alten Kontinentalplatte und der jüngeren ozeanischen Lithosphäre gehoben und damit entlang von Störungen und Bruchlinien den Magmaaufstieg begünstigt, wahrscheinlich in Kombination mit mehreren Hotspots von etwa gleicher räumlicher Ausdehnung.

Die letzten vulkanischen Eruptionen fanden auf Lanzarote im 18. Und 19. Jahrhundert statt, auf Teneriffa 1909 (Ausbruch des Chiayero) und auf La Palma sogar noch 1971 (Vulkan Teneguia im Süden der Insel). Deshalb gehen die Geologen von einer Interaktion des kanarischen Mantelplume mit einer Kontinentalrand – Konvektion aus. Der Konvektionsfluss entsteht durch das Absinken von kühlerem Gesteinsmaterial höherer Dichte am Rande der mächtigen Kontinentalplatte bis in die Mantelübergangszone in einer Tiefe zwischen 400 km und 600 km und durch das Aufsteigen von heißem Gesteinsmaterial geringerer Dichte im Hotspot. Die sich bildende geschlossenen Konvektionswalze (Geschwindigkeit: 2 bis 3 cm/Jahr) bedeutet für die Kanarischen Inseln, dass die an der Oberfläche sichtbare Erscheinungsform des Vulkanismus sowohl durch einen ortsfesten Mantelplume als auch durch die Bewegungen der Konvektionszelle entstanden sind.

Der Vulkanismus im Pliozän und Quartär formte die Inseln. In der Folge kam es auf allen Inseln wiederholt zum Flankenkollaps und zu Trümmerlawinen, deren Schuttfächer bis weit ins Meer hinaus noch heute nachweisbar sind. Diese Flankenrutschungen dürften auch extreme Tsunamis ausgelöst haben. Große explosive vulkanische Ausbrüche bildeten im Zusammenspiel mit der Erosion die großen Calderen auf Gran Canaria, Teneriffa und La Palma.

Die Inselgruppe der Kanaren

Dank ihrer geographischen Lage ist die Inselgruppe ein äußerst wichtiges Bindeglied zwischen Europa einerseits und Afrika und Amerika andererseits . Schon immer hat diese bevorzugte Lage die Geschichte der Inseln bestimmt ; mal waren sie eine begehrenswerte Beute in den Augen vieler Seeräuber, mal erweckten sie die Aufmerksamkeit europäischer Staaten, die besonders an ihrer strategischen Lage interessiert waren.

Offiziell besteht der Kanaren-Archipel aus sieben Hauptinseln. Die Bewohner der Kanaren glauben jedoch in ihrem tiefsten Innern, dass es ein achtes Eiland gibt. Die Legende ist Teil der lokalen Kultur und die Suche danach ist eine nie endende Geschichte, auch heute noch, mit aller zur Verfügung stehenden Technik. Seit ewigen Zeiten wurde die achte Insel in vielen Geschichten, Balladen, Gedichten und Liedern erwähnt als die „geheimnisvolle, die verlorene, die unerreichbare Insel“. Auf der Grundlage solch hartnäckiger Gerüchte wurden viele Expeditionen vom 15. bis ins 18. und 19. Jahrhundert unternommen, am bekanntesten ist die Entdeckungsfahrt aus dem Jahre 1721 unter Juan de Mury Aguirre, einem Admiral der spanischen Marine. Viele Seekarten wurden erstellt, die die Lage der „Isla Magica“ wiedergeben. Demnach findet sich die achte kanarische Insel exakt auf 29 Grad nördlicher Breite und 5 Grad westlicher Länge des Meridians von El Hierro. Das ist westlich von La Palma. Der Historiker Abbey Galindo hat das Eiland bei 10 Grad 10 Minuten West und bei 29 Grad 30 Minuten Nord geortet. Der Name der geheimnisvollen Insel ist „San Borondon“.

Pizzigano zeichnete eine Karte von San Borondon im 15. Jahrhundert, Toscanelli ebenfalls im 15. Jahrhundert und im 16. Jahrhundert erstellten die Ingenieure P. Cazola und L. Torriani eine detaillierte Karte der Insel, die angeblich 155 km x 480 km messen soll. Nach den Angaben dieser beiden Navigatoren soll San Borondon 550 km NNW von El Hierro und 220 km WSW von La Palma entfernt liegen.

Die San-Borondon-Legende geht auf die Erlebnisse des irischen Mönches Saint Brendan of Clonfort zurück. Dieser heilige Mann wagte sich im Jahre 512 mit vierzehn weiteren mutigen Gottesmännern in einem lederüberzogenen Curragh auf das große Weltmeer. Sein Ziel: die „terra repromissionis“, eine schon von den Römern verheißene Insel. Furcht- und ahnungslos gingen die irischen Mönche des 6. Jahrhunderts mit ihrer nur 5 Meter langen, lederummantelten Nussschale auf Westkurs und waren der „Navigatio Sancti Brendani Abbatis“ zufolge geschlagene sieben Jahre unterwegs. Dämonen, Schlangen und furchtbare Seeungeheuer mussten abgewehrt werden und zerstörerische Stürme mussten abgewettert werden. Einmal kampierten die frommen Gottesmänner zur Begehung des Osterfestes auf einer vermeintlichen Insel. Diese entpuppte sich jedoch als Fisch „Jasconius“ und er wehrte sich erst gegen die feiernden Gäste als diese auf seinem Rücken ein wärmendes Feuer entzündeten. Schlussendlich aber war die Abenteuerfahrt der Iren von Erfolg gekrönt, und sie entdeckten „ein Paradies im Atlantik“. Fünfzehn Tage, so der Mönch Barino, hätten sie dort zwischen hohen Bergen, dichten Wäldern, klaren Flüssen und unbekannten Pflanzen mit seltsamsten Früchten verbracht.

So fand „San Borondon“ ihren Weg in viele Seekarten jener Zeiten…

Immer neue Entdeckungsberichte machten San Borondon immer realer. Etwa der Bericht des portugiesischen Seemannes Pedro Velho. Dieser kam 1570 von Brasilien und wurde angeblich während eines schweren Sturmes auf San Borondon verschlagen. Wie die irischen Mönche schwärmte er von den paradiesischen Zuständen und hat angeblich sogar Hieroglyphen und Spuren von Menschen entdeckt. Dann kam Nebel auf, Velho lichtete den Anker und in der Morgendämmerung war die Insel wieder verschwunden.

Die wohl erstaunlichste Geschichte, die sich um San Borondon rankt, erzählt der Mönch Sigbert de Gembloux. Er segelte im Jahre 1719 mit einer Gruppe schottischer und irischer Mönche zwischen La Palma und El Hierro hin und her, in der Hoffnung, das unentdeckte Inselreich zu finden. Die Mönche erblickten einen Wal, folgten diesem und mit einem Mal sahen sie San Borondon direkt vor sich, mit dichten Wäldern, glatten Berghängen aus schwarzem Gestein und Wasserfällen. Doch als der Mittag nahte, zog ein dichter Nebel auf, der die Insel genau vor ihren Augen verschwinden ließ und kein Blick mehr auf das geheimnisvolle Eiland möglich war.

1759 schickte der berühmte kanarische Historiker Don Jose de Nieray Clarijo einen Sichtungsbericht an den amtierenden Bischof, in dem er den Pfarrer Don Antonio Manrique und weitere vierzig Personen als Zeugen für die Sichtung aufzählte.

Noch nicht einmal im aufgeklärten 19. Jahrhundert sank das Interesse an der magischen Insel.

Im Jahre 1850 erschien in Großbritannien der berühmte „Map Collection Circle, Series Eight, Volume No. 74 (Maps of the Canary Islands published before 1850)“ von C. Broekemas. Darin erscheint San Borondon unter vielerlei Namen wie Santanaxio, Sant Brendan oder auch Antilia, was auf Atlantis hindeutet. Mehr als fünf der Seekarten dieser Sammlung zeigen die geheimnisvolle achte Insel des Kanaren-Archipels.

Auch der britische Naturforscher Edward Harvey wollte seinen Teil zur allgemeinen Entdeckungsgeschichte der Zeit beitragen. Als er von der Insel San Borondon hörte, steuerte er am 14. Januar 1865 von Teneriffa aus die bekannten Koordinaten an.

Als Harvey zurückkehrte, hatte er ein Tagebuch voller Beschreibungen und Zeichnungen sowie Fotos der geheimnisvollen Insel im Gepäck. Darunter war zum Beispiel die Graphik des „schnellen Vogels“, des eidechsenähnlichen „Draco Telli“ oder des Flugsauriers „Regina Raptoris“. Doch sein Bericht wurde von der Royal Geographical Society abgelehnt und man erklärte, dass Harvey „verrückt“ sei.

Im Jahre 1956 berichtet die Tageszeitung „El Tarede“ in Santa Cruz de Tenerife: „Am 24. April erblickten zahlreiche namentlich bestätigte Bürger von El Hierro die Insel San Borondon . In schönster Klarheit und Nähe beschwören alle, die Insel gesehen zu haben“. Luis Diego Cuscoy, der ehemalige Direktor des Museo Acqueologico in Santa Cruz de Tenerife, konnte am 10. August 1958 Fotoaufnahmen machen, auf denen San Borondon zu erkennen ist.

Don Jose Machin von El Hierro beschreibt seine Inselsichtung aus dem Jahre 1962 folgendermaßen:

„Als […] die Insel auftauchte, kamen Leute, um mich darauf aufmerksam zu machen. Ich ging zu der genannten Stelle und erlebte ein wunderbares Schauspiel, welches ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Wie aus Silber gemeißelt hob sich die Insel, ein wenig dunkel, doch mit scharfen Konturen, aus dem Meer hervor. Eindeutig waren Landschaften zu erkennen, bis die Insel schließlich zur Mittagszeit vom Meer stark umspült wurde und unter einem Dunstschleier verschwand" (Schneider, 2009, 561 – 564).

Was hat es nun wirklich auf sich mit der Insel San Borondon?

Dass San Borondon eine Luftspiegelung von La Palma ist, ähnlich einer Fata Morgana in der Wüste, wurde mehrfach vermutet. Warum jedoch die Beschreibungen von San Borondon, die viele Zeugen übereinstimmend abgaben, nicht die geringste Ähnlichkeit mit der Insel La Palma aufweisen, erklärt sich damit nicht.

Zum Klima der Inseln

Das subtropische Klima der Kanaren ist aufgrund seiner Nähe zum nördlichen Wendekreis (23,5 Grad n. Br.) zwischen dem 27. Und 29. Breitengrad das ganze Jahr über angenehm, was dem Archipel den Beinamen „Inseln des ewigen Frühlings“ eingebracht hat. Der gleichbleibend kühle Kanarenstrom, ein Teil des Golfstrom – Systems, gleicht die Temperaturen aus, und die Passatwinde halten die heißen Luftmassen aus der nahen Sahara meist fern. Eine Ausnahme bildet die mit „Calima“ bezeichnete Wetterlage, die bei Ostwind trockene warme Luft mit feinem Saharasand auf die Inseln trägt.

Grundsätzlich kann zwischen einer Trockenzeit im Sommer und einer regenreicheren Zeit im Winter unterschieden werden. In den Küstenregionen liegen die Durchschnittstemperaturen im Sommer kaum höher als 25 Grad Celsius, im Winter um 17 Grad Celsius.

Hinzu kommt eine wesentliche Abhängigkeit des Klimas von der Topographie der Inseln. Der Nordostpassat hat dabei wesentlichen Einfluss auf die hohen westlichen Inseln, deren Nordosten durch starke Wolkenbildung an den Gebirgen deutlich feuchter und kühler ist als deren Süden. Da auf diesen Inseln die Höhenunterschiede im Vergleich zur Fläche sehr groß sind, gibt es deutlich zu differenzierende vertikale Klimazonen. Diese reichen von den trocken – heißen Küstenregionen über die feucht – kühle und deshalb oft bewaldete Zone bis hin zu kühl – trockenen Zonen mit teilweise Hochgebirgsklima.

Wenig Einfluss hat der Passat auf die flachen östlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura , auf denen durchweg ein trockenes (arides) Klima herrscht. Außerdem existieren auf allen Inseln in Bereichen tiefer Schluchten (Barrancos) und hoher Felswände Mikroklimata mit großer Pflanzenvielfalt.

Wasser ist einer der begehrten Schätze auf den Inseln. Der Wassermangel trifft nicht nur die Wirtschaft, wie z.B. die Landwirtschaft, sondern auch die menschliche Direktversorgung. Die größte verfügbare Wassermenge befindet sich im Boden, in den unterirdischen, wasserhaltigen Schichten, die sich im Laufe der Zeit gebildet haben. Der Wassermangel hat zu einer Reihe von früher oft handwerklich erstellten Bauwerken geführt, wie Zisternen, Entwässerungsgräben und Abstichen oder große Staubecken und Talsperren. In den letzten Jahrzehnten ist man mit dem Bau von Entsalzungs- und Aufbereitungsanlagen zur Nutzung von Meerwasser übergegangen.

Flora und Fauna der Inselgruppe

Die Flora der Kanarischen Inseln zeichnet sich sowohl durch eine hohe Artenvielfalt als auch durch einen hohen Anteil an ortsspezifischen Pflanzenarten aus. Nach aktuellen Schätzungen gibt es auf den Kanaren rund 2000 Pflanzenarten, von denen 514 kanarische Endemiten (d.h. sie kommen nur dort vor) sind, wovon wieder 57 Prozent ausschließlich auf einer der Inseln vorkommen.

Auf dem Archipel ist die Pflanzenwelt stark von der Höhenlage, der Regenmenge und der Bodenbeschaffenheit abhängig. Sie ist daher von Insel zu Insel äußerst unterschiedlich. In der Vegetationskunde werden die Kanaren zusammen mit der Insel Madeira der makaronesischen Florenregion zugerechnet.

Ganz allgemein betrachtet bestehen heute zur nordafrikanischen und mediterranen Flora enge verwandtschaftliche Beziehungen. Eine Besonderheit stellt die endemische Kanarische Kiefer dar, da bei Bränden ihre Rinde verkrustet und sie nachfolgend wieder Triebe ausbilden kann.

Man kann fünf verschiedene Ökosysteme ausgliedern:

- Das Ökosystem der Küstengebiete und Strandzonen

Die Vegetation hat sich dem Salzüberschuss und den gelegentlich starken Winden angepasst. Unter diesen Arten sind wichtig: Lechuga marina (Meersalat), Salado, Balancon und Uvas de mar (Meerträubel). In den höheren Lagen dieses Ökosystems hat sich eine niedrig wachsende Vegetation wie zum Beispiel Ginster entwickelt, die dem Boden anhaftet und, als Schutz vor übermäßiger Verdunstung, Dornen besitzt.

- Südseiten der Inseln

In diesen feuchteren Gebieten wachsen Disteln (Weber- und Kratzdistel), Tabaiben (Wolfsmilchgewächse) und der Sadewald (Wacholderwald). In den höheren Lagen dieser Zone wächst eine Waldgesellschaft, die hauptsächlich aus Wacholder, Drachenbaum (Drago) und Palmen besteht.

- Feuchte Zone der Mittellagen auf den Nordseiten der Inseln

Hier wachsen dichte und geschlossene Lorbeerwälder. Es handelt sich um Pflanzenansammlungen mit vielen endemischen Arten , vor allem auf den Inseln La Palma, El Hierro, Gran Canaria, La Gomera und Teneriffa.

Typisch für den Lorbeerwald sind Laurel (Lorbeerbaum), Tilo (Linde), Vinatigo und Barbuzano (endemische Lorbeergewächse). Wird dieser Wald durch Feuer oder Kahlschlag vernichtet, verarmt die Flora. An seine Stelle tritt dann die Heide (Erika).

- Höhenzone

In der Höhe folgt unmittelbar auf den Lorbeerwald der Pinienwald. Er besteht fast ausschließlich aus der Kanarischen Kiefer. Häufig stehen Sträucher zwischen den Kiefern, so zum Beispiel Tymian und Ziste. Der Pinienwald ist sehr gut an die Trockenzonen oberhalb der feuchten Mittellagen im Norden der Inseln angepasst und gedeiht auch auf den hoch gelegenen Berghängen der Südseiten der Inseln Gran Canaria, Teneriffa, La Palma und El Hierro.

- Strauchwald des Hochgebirges

Der Strauchwald ist eine Vegetation, die sich vollkommen an die Boden- und Klimaverhältnisse des Hochgebirges angepasst hat. Besonders häufig sind Geißklee und Weißer Ginster. Sein Hauptverbreitungsgebiet liegt oberhalb von 1900 Metern ü. NN, also im Bereich der höchsten Erhebungen von Teneriffa und La Palma.

Die Tierwelt wird auf den Kanaren hauptsächlich von Reptilien und Vögeln bestimmt. Die Eidechsengattung „Gallotia“ ist auf der Inselgruppe endemisch. Sie umfasst insgesamt acht Arten. Darunter sind einige sehr groß werdende Formen bis zu 80 cm Gesamtlänge, daher werden die Tiere auch Rieseneidechsen genannt. Daneben existieren noch fünf Arten von Geckos. Schlangen lebten ursprünglich nicht auf den Inseln, mittlerweile wurden jedoch auf Gran Canaria durch den Menschen ungiftige Kettennattern eingeführt, die sich stark vermehrt haben.

Die größten Reptilien der Kanaren sind die in Küstennähe lebenden Meeresschildkröten (Cheloniidae). Überhaupt ist die Meeresfauna mit fast 550 Fischarten ausgesprochen artenreich. Erwähnenswert sind unter anderem einige Rochenarten, zahlreiche Haiarten , aber auch Schwertfische und Barrakudas sowie große Thunfische und Meerbrassen. Zudem konnten bisher 28 Wal- und Delfinarten im Archipel nachgewiesen werden, darunter auch das größte lebende Raubtier – der Pottwal.

In den dauerfeuchten Nebelwäldern haben sich auch zahlreiche Amphibienarten angesiedelt wie z.B. der Laubfrosch und der Iberische Wasserfrosch.

Das Gros der Vogelwelt der Kanaren setzt sich aus Endemiten der Kanaren und Madeiras, typischen Arten des Mittelmeerraumes und Nordafrikas zusammen. Zu den endemischen Arten, die auch auf Madeira heimisch sind, zählt die wilde Stammform des Kanarienvogels.

Mit mehreren tausend Arten ist die Insektenwelt vertreten. Dazu gehören zahlreiche Schmetterlingsarten, Libellen und Heuschrecken. Lästig werden konnten früher aus Afrika kommende gefräßige Heuschreckenschwärme, die innerhalb kürzester Zeit in der Landwirtschaft große Schäden anrichten konnten. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren diese Heuschrecken durchaus eine Bedrohung für die Bauern. Nun werden diese Heuschreckenschwärme bereits über dem offenen Meer mit Insektiziden traktiert, so dass es diese Bedrohung praktisch nicht mehr gibt.

Aus ökonomischen Gründen wurde aus Mittelamerika die Cochenille-Schildlaus nebst ihrer Wirtspflanze, der Opuntie, eingeführt. Aus den Läusen wurde ein karminroter Farbstoff gewonnen, der mittlerweile aber synthetisch hergestellt wird.

Die wenigen frei lebenden Säugetiere sind mit Ausnahme der meisten Fledermäuse erst nach der Eroberung der Inseln durch die Spanier ausgesetzt worden oder als „Mitreisende“ eingewandert. Erst in den 1980er Jahren wurde auf Fuerteventura und nachfolgend auch auf Lanzarote eine endemische Spitzmausart entdeckt und als eigenständige Art erfasst.

Insbesondere die Wildziege und das Wildkaninchen richten an der Pflanzenwelt der Kanaren schwere Schäden an.

Verwilderte Hauskatzen werden dafür verantwortlich gemacht, dass die großen Echsen der westlichen Inseln heute vom Aussterben bedroht sind.

2. Die Kanarischen Inseln als mythischer Ort der Antike

Die Meerenge von Gibraltar („Säulen des Herakles“), die wegen ihrer starken Strömung bei den antiken Seefahrern gefürchtet war, bildete in der frühgeschichtlichen Zeit die Grenze der wohlbekannten Ökumene. Trotzdem gab es bereits in der griechischen Mythologie Berichte und Geschichten, beispielsweise über den Helden Herakles, der im Zuge seiner berühmten zwölf Arbeiten über die Grenzen dieser Meerenge hinausfahren musste. Er beschaffte für die Göttin Athene die Unsterblichkeit verleihenden Äpfel aus dem Garten der Hesperiden durch den Titanen Atlas, dem Herakles für die Zeit des Raubes das Gewicht des Himmelsgewölbes abnahm. Ebenso wurde im Meer jenseits der „Säulen des Herakles“ die Heimat der Gorgone Medusa vermutet, der der Held Perseus das grässliche Haupt abschlug, wobei er sich mit einem Nymphenhelm gegen ihre versteinernden Blicke schützte. Medusa soll auf den Kapverdischen Inseln ihre Heimstatt gehabt haben.

Einst, bei der feierlichen Vermählung des Zeus mit der Hera, als alle Götter dem hohen Paar ihre Hochzeitsgeschenke darbrachten, wollte auch Gaia, die Erde, nicht nachstehen. Sie ließ in der Nähe des westlichen Ufers des Weltmeeres einen herrlichen Baum voll goldener Äpfel heranwachsen. Vier schöne Jungfrauen, die Hesperiden genannt, Töchter der Nacht, waren die Wächterinnen des heiligen Gartens. Außerdem bewachte noch ein hundertköpfiger Drachen den wertvollen Apfelbaum. Diesem Ungeheuer sollte Herakles die goldenen Äpfel der Hesperiden entreißen. Herakles gelangte nach langer Fahrt in das Land , wo der Riese Atlas die Last des Himmels trug und in dessen Nähe der Baum mit den goldenen Früchten von den Hesperiden gehütet wurde. Doch hatte man Herakles geraten, sich nicht selbst auf den Raubzug zu begeben, sondern Atlas dies erledigen zu lassen. Herakles selbst bot sich an, in der Zwischenzeit das Himmelsgewölbe auf seine Schultern zu nehmen. Atlas ging darauf ein und Herakles stemmte mit seinen mächtigen Schultern das Himmelsgewölbe. Atlas machte sich auf zum Garten der Hesperiden, tötete den Drachen und überlistete die Jungfrauen, stahl drei Äpfel und kam glücklich wieder zu Herakles zurück. Der Held opferte die Früchte der Athene, die die Äpfel schließlich wieder an die Hesperiden zurückgab.

Gustav Schwab schreibt dazu:

„Unter mancherlei Abenteuern zog der Held weiter […] und gelangte endlich nach der Anweisung [des Prometheus] in das Land, wo Atlas die Last des Himmels trug und in dessen Nähe der Baum mit den goldenen Äpfeln von den Hesperiden gehütet wurde. Prometheus hatte dem Halbgott geraten, sich nicht selbst dem Raube der goldenen Früchte zu unterziehen, sondern den Atlas auf diesen Fang auszusenden. Er selbst erbot sich dafür diesem, solange das Tragen des Himmels auf sich zu nehmen. […] Jener dagegen machte sich auf, schläferte den um den Baum sich ringelnden Drachen ein und tötete ihn, überlistete die Hüterinnen und kam mit drei Äpfeln, die er gepflückt, glücklich zu Herakles. […] Der legte sie auf dem Altar Athenes nieder.“

Erste glaubhafte Berichte über Fahrten durch die Straße von Gibraltar ins Weltmeer stammen aus dem 5. Jhd. v. Chr. von den karthagischen Seefahrern Hanno und Himilkon, von den Küstenbeschreibungen (Periplus = Segelanweisungen) des Pseudo – Skylax und aus Herodots Bericht über die Nordmeerfahrten des Griechen Pytheas. Herodot berichtet in seinen „Historien“ auch, dass die Phönizier schon um 600 v. Chr. im Auftrag des ägyptischen Pharaos Necho II. von Ost nach West um Afrika gesegelt seien (596 bis 594 v. Chr.).

Bei den Römern erwähnten erstmals Pomponius Mela und Plinius der Ältere die Kanarischen Inseln. Auch Strabon (150, 13) kennt „gewisse Inseln der Seligen […] nicht sehr weit von den Gades gegenüber liegenden Vorgebirgen Maurusiens“.

Diese Autoren nannten diese Eilande „Inseln der Glückseligen“ (fortunatae insulae). Plinius bezieht sich dabei auf Beschreibungen des mauretanischen Königs Juba II., der nach dem Jahr 25 v. Chr. eine Forschungsexpedition auf die fortunatae insulae schickte.

Im gleichen Text von Plinius tritt erstmals der Begriff „Canaria“ auf, wahrscheinlich als Eigenname der Insel Gran Canaria. Laut Plinius wurde der Insel der Name gegeben, da es dort viele große Hunde (lateinisch: canis) gegeben habe, von denen die Abgesandten Jubas zwei ins heutige Marokko mitnahmen. (3) Die beiden Hunde stützen heute auf beiden Seiten das Wappen der Kanarischen Inseln.

Der Ursprung des Wortes „Canaria“ aus dem Lateinischen „canis“ wird bezweifelt. Wahrscheinlicher erscheint den meisten Wissenschaftlern die Rückführung des Wortes auf den berberischen Begriff „Canarii“, den Eigennamen eines berberischen Volksstammes aus dem Nordosten Afrikas. Plinius selbst erwähnt in einem weiteren Text die „Canarii“, woraufhin das Wort möglicherweise ins Lateinische übernommen wurde.

Plinius der Ältere unterscheidet klar die vergleichsweise gut bekannten fortunatae insulae von den Gorgonen – Inseln, d.h. den Kapverdischen Inseln, gegenüber dem als „Hesperu Ceras“ bezeichneten Cap Vent in Senegal und von den Hesperiden.

Die Hesperiden liegen gegenüber dem Vulkan „Theon Ochema“ (Götterwagen“), den Hanno der Seefahrer besucht hatte. Der Vulkan wird meist mit dem Kamerunberg identifiziert. Nördlich der Kanaren liegen nach Plinius die Inseln „Atlantis“ (wohl Madeira) und die „Purpur – Inseln“, wahrscheinlich ist die gesamte Madeira – Gruppe gemeint.

Nach dem Geographen Statius Sebosus soll die Reise zu den Hesperiden vierzig Schiffstage gedauert haben und die Insel „Junonia“ (Lanzarote) 750 Meilen von Cadiz entfernt sein. Die Lage und die Namen der einzelnen Inseln des Kanaren-Archipels lassen sich aus dem vollständig erhaltenen Werk des Claudius Ptolemäus (1. Jhd. n. Chr.) eindeutig ableiten, trotz zum Teil starker Verzerrungen und nachweisbarer Fehler.

Pomponius Mela zeigte als erster die exakte Position der Kanarischen Inseln auf einer Landkarte (43 n. Chr.).

Der griechische Geschichtsschreiber Diodorus Siculus (1. Jhd. v. Chr.) schrieb über ein Land im Atlantischen Ozean, das Afrika gegenüberliege und größtenteils flach sei, mit Fruchtbäumen und Wäldern voll Wild und fischreichem Meer an den Küsten. Phönizier seien auf einer Reise entlang der afrikanischen Küste durch einen heftigen Sturm abgetrieben worden und hätten dann das Inselreich entdeckt. Möglicherweise handelt dieser Bericht von der Entdeckung der Kanaren. Sicher ist dies allerdings nicht. Auf den Kanaren wurden bisher keine Funde gemacht, die auf eine längere Anwesenheit der Phönizier hinweisen.

Plutarch (50 bis 125 n. Chr.) schreibt in seiner Biographie des Sertorius (um 72 v. Chr.), dass dieser, als er als Verbannter in Südspanien landete, er dort einige Seeleute fand, die kürzlich von den atlantischen Inseln zurückgekehrt seien. Es gebe zwei davon, nur durch einen schmalen Seeweg getrennt, und sie lägen 10 000 Stadien von der afrikanischen Küste entfernt ( 1 Stadion = 160 Meter). Sie hießen „Inseln der Seligen“. Regen falle dort selten, und wenn er falle, dann in Maßen. Es gebe meist laue Winde, die dann so reichlich Tau spendeten, dass der Boden nicht nur zum Säen und Bepflanzen geeignet sei, sondern auch von selbst die beste Frucht in solchem Übermaß hervorbringe, dass die Bewohner nichts anderes zu tun hätten, als sich dem Genuss des Ausruhens hinzugeben. Die Luft sei immer angenehm und gesund, sodass man glaube, dies seien die Elysischen Gefilde und der Aufenthaltsort der Seligen.

Erwähnt werden muss hier jedoch, dass es doch auch konkrete Spuren für antike Kontakte mit den Kanarischen Inseln gibt.

Unterwasserarchäologen lokalisierten bereits häufig Funde antiker und mittelalterlicher Schiffswracks. Besonders sind die großen Tonkrüge und Amphoren des Altertums, die man vor La Graciosa, Lanzarote und Teneriffa gefunden hat. Diese Funde machen mehr als deutlich, dass die Inseln in der römischen Zeit bereits bekannt waren und es wohl auch, vielleicht auch nur sporadische, Kontakte gegeben hat. Ein Hinweis darauf sind auch steinerne Handmühlen, die mit einem Holzgriff drehbar, auf offensichtlich römische Vorbilder zurückgehen.

Im frühen Mittelalter werden die Kenntnisse über die Inselgruppe nicht ausgeweitet. Die Zielrichtung des menschlichen Strebens während dieser Jahrhunderte richtete sich mehr auf die geistliche Welt als auf die real fassbare Welt.

Auch die arabische Überlieferung gibt in Bezug auf die Kanarischen Inseln nicht viel her. Was die bekannten arabischen Quellen über die Inseln im westlichen Weltmeer erzählen, lässt kaum auf selbst gewonnene Erkenntnisse schließen, sondern eher auf Übernahme und Entlehnung aus den antiken Quellen. Keinesfalls ist an einen dauernden Kontakt zwischen der arabischen Welt mit den Kanaren zu denken, dazu sind die entsprechenden Nachrichten viel zu unpräzise.

In Europa versanken die Kanaren im Verlaufe des Mittelalters wieder im Nebel der verklärenden Sagen von den Inseln der Seligen, ehe eine neue Zeit am Ausgang des Mittelalters wieder zu echten Expeditionen und Entdeckungsreisen führte. Typisch ist für diese Epoche, was der Mönch Vincentius Bellovacensis (Vinzenz von Bauvais, 1190 – 1264) in seinem Werk über die Inselgruppe zu berichten weiß:

„Die insulae fortunatae haben ihren Namen daher, dass sie alles hervorbringen, was gut ist. Also sind sie glücklich und wegen ihres Reichtums an Früchten gesegnet. Wegen ihrer offenen Lage nämlich tragen ihre Obstbäume prächtige Früchte, die Kämme der Hügel sind mit wildwachsenden Weinstöcken bewachsen, bei den Pflanzen gibt es mehrmalige Ernten und Gemüse gibt es in Massen. Daher nahmen die Heiden irrigerweise an und daher glaubten die Dichter aus dem Laienstande, dass dieses Land wegen seiner Fruchtbarkeit das Paradies wäre. Die erste dieser Inseln heißt Mebriona, die zweite Junonia, eine andere (die ein nebliges und wolkenreiches Klima hat) Vinaria. Dann folgt Canaria, die voll von Hunden von ungeheurer Größe ist. Auf allen gibt es viele Vögel, viel Wald, und es wachsen auf ihnen Palmen, Nussbäume und Pinien, und es gibt eine Menge Honig; auch weisen sie einen Überfluss an Wild und Fischen auf.

Sie liegen im Weltmeer links von Mauretanien, im Südsüdwesten, und sind durch das dazwischen liegende Meer getrennt“.

Wir nähern uns damit bereits der historischen Periode der Kanaren, denn seit etwa 1270 wurden sie immer häufiger von Seefahrern aus dem Abendland besucht, die häufig eine lukrative Sklavenjagd betrieben.

Vor der Eroberung der Kanarischen Inseln hauptsächlich im Verlaufe des 15. Jahrhunderts durch Kastilier und Normannen hatten die Einwohner der einzelnen Inseln des Archipels unterschiedliche Namen.

Die Urbevölkerung von Teneriffa nannte sich Guanchen – ein Begriff, der heute oftmals als Sammelbezeichnung für die Urbevölkerung aller Inseln verwendet wird. Der Name leitet sich her von „Guan“ (= Sohn) und „Chiner“ (= Tenerife), bedeutet also „Sohn von Teneriffa“.

Die Bewohner von Lanzarote und Fuerteventura wurden Mahos oder Majos genannt, Canarios die von der Insel Gran Canaria, Gomeros die von der Insel Gomera, Bimbaches sind die Urbevölkerung von El Hierro und die Ureinwohner von La Palma nannten sich Benahoariten bzw. Benahoaristas.

Die spanische Eroberung des Inselreiches

Jean des Bethencourt, Seefahrer und Baron de Saint-Martin-le-Gaillard hatte sich 1402 vom Hof des Königs von Frankreich zurückgezogen. Unter Vermittlung seines Onkels Robert des Braquemont, der am spanischen Hof lebte, schlug er dem spanischen König Heinrich III. vor, die Kanarischen Inseln zu erobern.

Nachdem der König den Vorschlag angenommen hatte, verließ Jean de Bethencourt das Pays de Caux in Frankreich. An Bord seines Schiffes waren neben seiner normannischen Mannschaft der Franziskaner Pierre Bontier und sein Kaplan Jean Le Verrier, die in ihren Chroniken diesen Abschnitt der Eroberungsgeschichte der Kanaren dokumentierten.

Die Expedition scheint ein wohl überlegter Eroberungsfeldzug gewesen zu sein.

1402 lag die Rückeroberung Spaniens von den Mauren noch in weiter Ferne. Es dauerte noch achtzig Jahre, bis Granada fiel. Diese Tatsache kam de Bethencourt offensichtlich gelegen. Die spanischen Könige waren zu sehr mit der Reconquista beschäftigt und somit hatten die Mitglieder ferner Expeditionen eine viel größere Bewegungsfreiheit.

Die erste Zwischenlandung machte de Bethencourt in La Rochelle. Dieser Zwischenstopp ist erstaunlich, denn La Rochelle ist der Hafen, der von den Tempelherren gegründet wurde. Nach der von Jean de la Varende berichteten Legende in „Les Gentilshommes“ war es dieser Hafen, von dem die Templerexpeditionen ausgingen und wohin sie wieder zurückkehrten, nachdem sie in Mexico nach Silber gesucht hatten, das der Orden im Übermaß besaß. Und die Passatwinde liefen von den Kanarischen Inseln direkt auf den Golf von Mexico zu – die sogenannte Bombardroute.

Als Jean de Bethencourt von La Rochelle abfuhr, wo er mit seinem Partner, Gadifer de la Salle, zusammentraf, der eine weitere Mannschaft mitbrachte, landete er darauf in Biskaya, wo er weitere Seeleute anheuerte. Dann segelte er nach Sevilla, von wo aus er endgültig startete.

Nachdem er von Sevilla aufgebrochen war, segelte er direkt nach Lanzarote. Er gab der Insel den Namen „Lancelot“, Lanzarote ist nur die spanische Übersetzung.

Man weiß aus den Tagebüchern der Geistlichen, dass er dort

„von einer riesigen Menge Inselbewohner empfangen wurde, die ihn mit Zeichen der Ehrerbietung und größtem Respekt begrüßten. Sie baten um seinen Schutz gegen Piraten und boten ihm als Entschädigung ihre Freundschaft an. Sie unterwarfen sich ihm als Freund und nicht als Herrscher.“

Die Kirchenmänner waren über den Empfang durch die Inselbewohner außerordentlich erstaunt. Die Menschen waren nach ihrer Beschreibung für die damalige Zeit fast Riesen, da sie im Durchschnitt 1,75 Meter bis sogar 2,00 Meter groß waren. Sie fügten hinzu:

„Die Menschen von Fuerteventura sind die größten, die uns bekannt sind (durchschnittlich 1,84 Meter).“

Die Chronisten versicherten sogar, dass es in Fuerteventura einen Mann von riesiger Gestalt gab, der ein Dorf verteidigte, das die Männer der Expedition angriffen. Seine Größe wird mit neun Fuß angegeben, was ungefähr 2,70 Metern entspricht. De Bethencourt soll befohlen haben, ihn möglichst nicht zu töten, „da er ihn lebend fangen wollte.“

Dennoch scheint es so, als hätten die Altkanarier nicht viel Widerstand gegen die Spanier geleistet. Das gilt auch für die Christianisierung der Inselbewohner. Der katholische Kultus gefiel den Menschen – und rettete sie zweifelsohne vor der Sklaverei. Außerdem heirateten viele Eroberer die Töchter der Inseln. Kein Christ und keine Christin wurden zu Sklaven gemacht, und die Kirche widersetzte sich, soweit es in ihrer Macht stand, der Sklavenjagd und dem Verkauf, dessen Gewinnerwartung die spanische Eroberung eingeleitet hatte. Plünderungen fanden nicht statt, da es dort außer den Menschen keine anderen Wertobjekte oder edle Metalle gab.

3. Die Herkunft der Altkanarier und die Besiedlung des Archipels

Woher die Urbevölkerung der Kanarischen Inseln eigentlich kam, darüber lassen sich auch heute noch keine zweifelsfreien Angaben machen. Sicher ist, dass die Vorfahren der Guanchen die Inseln mit Booten erreicht haben müssen. Allerdings haben sich bisher noch keinerlei Reste von Wasserfahrzeugen archäologisch sicher nachweisen lassen. Die Beobachtung, dass die Altkanarier zwei unterschiedlichen Phänotypen des Homo sapiens sapiens angehören, legt die Ansicht nahe, dass die Inseln des Archipels von mindestens zwei Einwanderungswellen erreicht wurden. Zunächst sind da die Menschen, die dem nördlichen Cro Magnon-Typus zugerechnet werden. Spanische Chronisten beschreiben diese Menschen als groß und breitschultrig, helläugig und auch oftmals hellhäutig. Daneben gibt es Menschen, die dem mediterranen Typus des Cro Magnon-Vertreters zuzurechnen sind. Dieser Typus wird in der Wissenschaft als Capsien-Typus bezeichnet.

Woher kamen nun die Vorfahren der Altkanarier?

Schlüssig ist diese schwierige Frage bis heute nicht zu beantworten. In Bezug auf die Herkunftsfrage stehen sich in der Wissenschaft zwei ernst zu nehmende Schulen gegenüber.

Wissenschaftler der Universität von La Laguna auf Teneriffa meinen bewiesen zu haben, dass es sich bei den Altkanariern um Angehörige eines nordafrikanischen Berberstammes handelt, die die Inseln mit Schilfbooten erreicht haben sollen. Die Benutzung von Schilf- und Binsenbooten soll auch der Grund dafür sein, dass archäologisch noch keine Hinweise auf Wasserfahrzeuge zu erkennen sind, da die Boote nach der Überfahrt nicht mehr gebraucht und verrottet sein sollen. So konnten die afrikanischen Seefahrer nicht mehr zum Festland zurück. Sie mussten sich mit den neuen Verhältnissen auf den Inseln arrangieren.

Die Besiedlung von Afrika aus soll nach Meinung dieser Wissenschaftler nicht vor 500 v. Chr. erfolgt sein, vielleicht sogar noch einige Jahrhunderte später.

Als Beweis werden verschiedene Radiokarbondatierungen von Gegenständen angegeben, die die Zusammenhänge zwischen nordafrikanischen Berberkulturen und den Kanaren belegen sollen.

Braem (2008) schreibt zu dieser Migrationstheorie folgendes:

„Etwa um 7000 oder 6000 v. Chr. stößt eine […] Cromagnon-Gruppe mediterraner Prägung von Italien und Sizilien aus kommend nach Nordafrika vor und vermischt sich (in Tunesien) mit den älteren cromagnoiden Wanderern zur so genannten Capsien-Kultur. Auch diese Menschen zieht es zu den Kanarischen Inseln (vielleicht werden sie aber auch von nachfolgenden Völkern an Afrikas Rand gedrängt).

Man nimmt jedenfalls an, dass etwa um 2500 v. Chr. die erste planmäßige Besiedlung der Inseln erfolgte. Andere Wissenschaftler nennen den Beginn des ersten Jahrtausends v. Chr., während wieder andere auf den vorliegenden Radiocarbon-C-14-Messdaten beharren, die für die Kanaren bisher nur ein Alter von ca. 500 v. Chr. ergaben“.

Die Altkanarier jedoch einfach als „Inselberber“ anzusehen, dagegen sprechen im Wesentlichen zwei Gründe.

Sprachlich ist der immer wieder herangezogene Vergleich mit den Berberdialekten nicht überzeugend. Die Vorgehensweise, dass man alle Felsinschriften , die bei manchen ihrer einfachen Zeichen an die altlybischer Alphabete erinnern, einfach als Tifinagh (= Bezeichnung für die Berberschrift) bezeichnet, obwohl ein hoher Prozentsatz der Zeichen auch dieses Schrifttypus von den alten Schriften Nordafrikas her nicht zu deuten ist (wie es auch in der Sprache einen erheblichen nichtberberischen Anteil gibt). Biedermeier (1983) fasst zusammen:

„Die Gleichung Altkanarier – Inselberber, so einleuchtend sie zunächst erscheinen muß, kann nur als eine allzu grobe Simplifikation des Gesamtproblemes bezeichnet werden“.

Daneben ignorieren die Vertreter der sogenannten „Inselberber-Theorie“ völlig die Wind- und Strömungsverhältnisse entlang der westafrikanischen Küste. Der Kanarenstrom macht es für Seefahrzeuge, die nicht gegen den Wind kreuzen können, schlichtweg unmöglich von der marokkanischen Küste aus die Kanarischen Inseln zu erreichen. Dieses Kreuzen ist allerdings den frühen Booten nicht möglich.

So versuchte 1970 Thor Heyerdahl mit seinem Binsenboot „Ra“ von Marokko aus die Kanaren zu erreichen. Heyerdahl schrieb damals in sein Logbuch:

„Eine Woche lang hatten wir hart gearbeitet, um vom Land wegzusteuern, und hier passierten wird Kap Juby mit dem Strom, nur einen Büchsenschuß entfernt (…). Wir hatten die Kanarischen Inseln bei schlechtem Wetter passiert, ohne Land zu sehen“.

Thor Heyerdahl war es unmöglich, von der afrikanischen Küste aus die Kanaren zu erreichen. Er landete mit dem Kanarenstrom stattdessen auf der Antilleninsel Barbados in der Karibik.

Harald Braem (1994) wiederholte das Experiment und nahm von der afrikanischen Küste aus mit dem modernen Dreimaster „Thor Heyerdahl“ Kurs auf Gran Canaria. Er erreichte mit seiner Crew die Insel nur, weil das Schiff kreuzen konnte. Die Boote der Altkanarier konnten das nicht, was Braem zu dem Schluss kommen lässt, dass die Urbewohner der Kanaren von der Iberischen Halbinsel oder „von noch weiter nördlich“ gekommen sind.

So favorisiert die zweite wissenschaftliche Richtung denn auch die Besiedlung der Kanarischen Inseln von Südwesteuropa her.

Dafür spricht im Übrigen auch die Beobachtung, dass die ältesten Funde an den Nordwest-Küsten der Inseln gemacht wurden.

Keramikfunde und im besonderen Felszeichnungen von Spiralfiguren unterschiedlichster Ausformungen, die denen des Neolithikums in der Bretagne, Irlands, Nordspaniens, Portugals und Südwestfrankreichs aufs Haar gleichen, geben die Einwanderungsrichtung an (vgl. Spektrum der Wissenschaft 9/1980).

Die in den Stein gravierten Wellenkreise der kleinen bretonischen Insel Gavrinis (Morbihan bei Carnac) sind von der Art und Formensprache her identisch mit jenen der Fuente de la Zarza auf La Palma. Die Datierungen für die Megalithbauwerke in der Bretagne (z.B. Kercado) weisen auf das Jahr 4700 v. Chr. und früher.

Der bedeutende Kanarenforscher D.J. Wölfel (1940) formuliert:

„Die kulturellen Parallelen und die Keramik zeigen die Randkultur der Kanarischen Inseln in einem unverkennbaren Zusammenhang mit dem ältesten Mittelmeer, mit dem vordynastischen und frühdynastischen Ägypten, dem vorminoischen und frühminoischen Kreta, aber mit der eigentlichen ägyptischen , der eigentlichen kretischen Kultur , haben sie nichts zu tun. Folglich kann auch die Schrift nicht in minoischer Zeit aus Kreta gekommen sein, sondern dieser völlig neue Typus kanarischer Inschriften muss die Schrift der `Westkultur´sein, jener bisher unbekannten Hochkultur, die auf den Kanarischen Inseln einen bescheidenen Ableger hatte, die in ihren Randwirkungen überall in Nordafrika und Westafrika zu fassen ist, die als wichtigste Komponente in die älteste ägyptische und kretische Kultur mit einging und deren innige Verflechtung mit dem alten Westeuropa noch herausgearbeitet werden muss; ihren Charakter werden wir aber erst dann voll erkennen, wenn wir statt auf einen bescheidenen Ableger auf eines ihrer Zentren gestoßen sind.“

[...]

Ende der Leseprobe aus 106 Seiten

Details

Titel
Die Altkanarier. Bemerkungen zur Frühgeschichte der indigenen Bevölkerung auf den Kanarischen Inseln
Autor
Jahr
2019
Seiten
106
Katalognummer
V463371
ISBN (eBook)
9783668926486
ISBN (Buch)
9783668926493
Sprache
Deutsch
Schlagworte
altkanarier, bemerkungen, frühgeschichte, bevölkerung, kanarischen, inseln
Arbeit zitieren
Konrad Goettig (Autor), 2019, Die Altkanarier. Bemerkungen zur Frühgeschichte der indigenen Bevölkerung auf den Kanarischen Inseln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463371

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