Angesichts zunehmender Instabilitäten in den tradierten Kernfamilien durch den wachsenden Verlust der Kohäsionskräfte, die den Zusammenhalt und das Überleben der Familiensysteme gewährleisten sollen, u.a. durch Identifikationsangebote, Projektionsflächen und Kommunikationsregeln, verlieren handlungsorientierende Werte oft, besonders für jugendliche Familienmitglieder in ihrer Identitätsentwicklung, den Vorbildcharakter. Es ist plausibel anzunehmen, dass sich die zunehmende Dysfunktionalität familialer Strukturen in den Verhaltensauffälligkeiten und den Lernschwierigkeiten von Schülern widerspiegelt.
Projektorientierter Unterricht, Binnendifferenzierung, das System von Beratungslehrerinnen und –lehrern, die Entwicklung von Schule von der Halbtags- zur Ganztagsschule, der Wandel des Selbstverständnisses von Schule von der reinen Wissensvermittlungsanstalt hin zu einem mehr „bemutternden und bevaternden Ort des sozialen Lernens“ und die Vernetzung mit anderen gesellschaftlichen Institutionen bei der Umsetzung pädagogischer Aufgaben zeigt die zunehmende soziale Verantwortung, der sich Schule nicht mehr entziehen kann.
Vor diesem Hintergrund stellt sich u.a. die Frage nach geeigneten curricularen Konzepten, deren methodische Umsetzung ansatzweise Schule als Ort eines so postulierten sozialen Lernens fokussiert.
Inhaltsverzeichnis
0.0 Didaktische und methodische Überlegungen zu einem Projekt Flugzeug- und Segelflugzeugmodellbau im Rahmen der Nachmittagsbetreuung für die Sekundarstufe I und II an einer IGS
3.0 Produkt- und handlungsorientierte Ansätze in der schulischen und sozialen Arbeit mit Jugendlichen
4.0 Zur Verwendbarkeit von Sichtweisen aus dem Zen-Buddhismus in der schulischen und sozialpädagogischen Arbeit mit Jugendlichen am Beispiel des Films Karate-Kid
5.0 Zur methodischen Umsetzung des Zen-Paradoxums „es gibt nichts zu erreichen, weil es nichts zu erreichen gibt“ für den erlebnisorientierten Projektunterricht am Beispiel der pädagogischen Verwendung des Begriffes „Fehler“
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit besteht in der Entwicklung eines intergenerativen, erlebnisorientierten Curriculums, das Elemente des Zen-Buddhismus nutzt, um bei Jugendlichen (insbesondere bei Verhaltensauffälligkeiten) durch die Arbeit am Modell und Material eine tiefgreifende Ich-Stärkung und soziale Integration zu fördern.
- Integration zen-buddhistischer Prinzipien in den Projektunterricht
- Abkehr von kurzfristiger Leistungs- und Erfolgsorientierung hin zu prozesshaftem Lernen
- Förderung der Persönlichkeitsentwicklung durch die Metapher des "Fehlers"
- Etablierung sozialintegrativer Werte und der Schulung von Achtsamkeit
- Schule als Ort intergenerativer Individuation und Gemeinschaftsbildung
Auszug aus dem Buch
Zum pädagogischen Konzept des praxisorientierten Lernens der Zen Pädagogik
„Es gibt nichts zu erreichen, weil es nichts zu erreichen gibt!“ Dieser Satz eines Zenmeisters spornte die Teilnehmer eines Sesshins dazu an, sich tagelangen Strapazen eines Absoluten Stillsitzens zu unterwerfen, sich dabei einer selbstzermürbenden Disziplin rigoroser Gedanken, Gefühls und Empfindungskontrolle zu unterziehen, kurz alle Martern ähnlich eines sich im Training befindenden Hochleistungssportlers zu erdulden, um etwas zu erreichen, was es, wie ihr Zenmeister sagte, nicht zu erreichen gäbe. Eine Horde von Verrückten, Freaks, seltsamen Heiligen oder Fanatikern?
Weit gefehlt. Alle Teilnehmer üben zumeist bürgerliche Berufe aus, Anwälte, Richter, Facharbeiter, Angestellte, Hausfrauen, Schüler und Studenten. Was also ist es, dass Menschen, denen es nicht um Karriere oder Ehrungen geht, dazu treibt, sich diesen körperlichen und psychischen Strapazen zu unterwerfen?
Die Antwort darauf ist weder erhellend noch erleuchtend eher dazu angetan die Verwirrung noch zu vergrößern als zu vermindern : es gilt nichts zu erreichen. Was darunter im Zen zu verstehen ist hat ein bekannter Zen-Meister, D.T.Suztuki, in seinem Vorwort zu Eugen Herrigels „Zen in der Kunst des Bogenschießens“ so benannt:
Im Vorwort von Daisez T. Suzuki, das dem Klassikers Herrigels vorangestellt ist, heißt es hierzu:“ Einer der wesentlichsten Faktoren in der Ausübung des Bogenschießens…, ist die Tatsache, dass sie keinen nützlichen Zwecken dienen, auch nicht zum rein ästhetischen Vergnügen gedacht sind, sondern eine Schulung des Bewusstseins bedeuten und dieses in Beziehung zur letzten Wirklichkeit bringen sollen. So wird Bogenschießen nicht allein geübt, um die Scheibe zu treffen, das Schwert nicht geschwungen,um den Gegner niederzuwerfen,… sondern vor allem soll das Bewusstsein dem Unbewußten harmonisch angeglichen werden.“ (a.a.O.S.7)
Zusammenfassung der Kapitel
0.0 Didaktische und methodische Überlegungen zu einem Projekt Flugzeug- und Segelflugzeugmodellbau im Rahmen der Nachmittagsbetreuung für die Sekundarstufe I und II an einer IGS: Diese Einleitung begründet das Projekt vor dem Hintergrund zunehmender Instabilität familialer Strukturen und plädiert für ein handlungsorientiertes Lernkonzept.
3.0 Produkt- und handlungsorientierte Ansätze in der schulischen und sozialen Arbeit mit Jugendlichen: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit existierenden Ansätzen zur Projektpädagogik auseinander und hinterfragt die enge Kopplung an gesellschaftspolitische Ideologiekritik.
4.0 Zur Verwendbarkeit von Sichtweisen aus dem Zen-Buddhismus in der schulischen und sozialpädagogischen Arbeit mit Jugendlichen am Beispiel des Films Karate-Kid: Der Autor erläutert hier, wie zen-buddhistische Prinzipien durch Filmbeispiele veranschaulicht und in pädagogische Praxis übersetzt werden können.
5.0 Zur methodischen Umsetzung des Zen-Paradoxums „es gibt nichts zu erreichen, weil es nichts zu erreichen gibt“ für den erlebnisorientierten Projektunterricht am Beispiel der pädagogischen Verwendung des Begriffes „Fehler“: Das Kapitel konkretisiert die methodische Umsetzung des Zen-Paradoxums und definiert „Fehler“ neu als pädagogisches Mittel zur Selbstentwicklung.
Schlüsselwörter
Zen-Buddhismus, Projektunterricht, Identitätsentwicklung, Praxisorientierung, Achtsamkeit, Sozialpädagogik, Sekundärtugenden, Fehlerrkultur, Handlungsfähigkeit, Adoleszenz, Persönlichkeitsbildung, Ganzheitlichkeit, Familienpsychologie, Resilienz, Schule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie zen-buddhistische Prinzipien in den schulischen und sozialpädagogischen Projektunterricht integriert werden können, um Jugendlichen in ihrer Identitätsentwicklung zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Verbindung von handlungsorientiertem Werkunterricht, der Überwindung rein kognitiver Leistungsnormen und der Vermittlung einer achtsamen Lebenshaltung.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist ein pädagogisches Konzept, das Schule als intergenerativen Ort begreift, an dem Jugendliche durch sinnhafte Tätigkeit Selbstvertrauen und soziale Kompetenz entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verbindet familienpsychologische Ansätze (Narrative Identität) mit philosophischen Grundlagen des Zen-Buddhismus und vergleicht diese mit bestehenden projektorientierten Curricula.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Möglichkeiten, Fehler als Lernchancen zu begreifen, und reflektiert die Rolle des Pädagogen als authentisches Vorbild im Prozess der Ich-Stärkung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wichtige Begriffe sind Zen-Buddhismus, Praxisorientierung, Achtsamkeit, Identitätsbildung und eine neue Fehlerkultur im Unterricht.
Wie wird der Begriff "Fehler" in diesem Konzept neu definiert?
Im Gegensatz zur klassischen Leistungsbeurteilung wird der Fehler hier nicht als Scheitern, sondern als notwendiger Teil eines ganzheitlichen Lernprozesses und als Indikator für notwendige innere Weiterentwicklung verstanden.
Warum zieht der Autor den Film "Karate Kid" als Beispiel heran?
Der Film dient als anschauliche Metapher für die Vermittlung von Geduld, Disziplin und emotionaler Intelligenz durch einen Mentor, was die Theorie des Zen-geprägten Lernens praxisnah unterstreicht.
Welche Rolle spielt die "Familie" in diesem pädagogischen Modell?
Das Projekt soll die Funktionen der Kernfamilie (Struktur, Geborgenheit, Vorbildwirkung) in einer pädagogischen Kleingruppe abbilden, um Jugendliche mit mangelnden familiären Orientierungshilfen zu stützen.
Ist dieses Konzept auch für delinquente Jugendliche anwendbar?
Der Autor diskutiert dies als offene Frage und verweist auf die Notwendigkeit intensiver psychosozialer Settings, um auch bei bereits auffälligen Jugendlichen eine nachhaltige Verhaltensänderung zu erreichen.
- Citation du texte
- Dr. phil. Otto Felix Hanebutt (Auteur), 2012, Zen und die Kunst ein Segelflugzeug zu bauen und davon zu fliegen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464200