Die Arbeit thematisiert die Einwanderung der Westslawen in Deutschland. Wirft man einen Blick in die deutsche Geschichte, findet man nicht nur zahlreiche Beispiele für Ein- und Auswanderung nach und aus Deutschland, sondern auch Spuren schon längst vergessener, vertriebener oder verschwundener Einwanderergruppen.
Eines von diesen vielen Beispielen ist die Immigration westslawischer Stämme im Mittelalter. Auch über ein Jahrtausend, nachdem diese Stämme im heutigen Deutschland aktiv waren, lassen sich kulturelle Hinterlassenschaften dieser Kulturen finden. Gerade die Ortsnamen im Raum zwischen Oder und Elbe-Saale werfen die Frage auf, welche und wie viele Spuren die Einwanderung der westslawischen Stämme hinterlassen haben. Außerdem stellt sich die Frage, ob die Namen nicht sogar einen Rückschluss auf die Lebensweise dieser Immigranten zulassen.
Einwanderung prägt ein Land nachhaltig. Die Migranten hinterlassen Spuren in der Kultur, Sprache und vielen anderen Bereichen des Einwanderungslandes. Auch die Kultur der Migranten wird wiederum beeinflusst, modifiziert und kann durch eine starke Integration oder gar Assimilation sogar verschwinden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Hintergrund der westslawischen Stämme
3. Rekonstruktion der Lebenswelt durch Ortsnamen
3.1 Rodungswesen und Siedlungsgebiete
3.2 Landwirtschaft und Viehzucht
3.3 Jagdwesen und Handwerk
3.4 Eisenproduktion und Fischfang
3.5 Salzgewinnung und Handel
3.6 Kriegsbedrohung
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Fortleben des slawischen Kulturerbes im heutigen Deutschland, indem sie historische Ortsnamen analysiert, um Rückschlüsse auf die Lebensweise, das Handwerk und die Wirtschaftsstruktur der westslawischen Stämme im Frühmittelalter zu ziehen.
- Analyse der slawischen Einwanderung im Mittelalter
- Rekonstruktion der Siedlungsgeschichte durch Ortsnamenforschung
- Untersuchung landwirtschaftlicher und handwerklicher Produktionsmethoden
- Nachweis kultureller Kontinuitäten in der heutigen deutschen Toponymie
Auszug aus dem Buch
Die elbslawische Besiedlung lässt sich gut durch die damalige Waldrodung rekonstruieren.
Innerhalb weniger Generationen erschließen die westslawischen Stämme zahlreiche neue Siedlungsräume und roden dabei Waldgebiete. Diese reichen bald über das bewohnte Gebiet zwischen Elbe und Saale hinaus. Das Rodungswesen der mittelalterlichen slawischen Kultur schlägt sich in Ortsnamen, welche mit „roda“ und „rode“ enden, nieder. Dazu gehören Roda, Darlingerode, Lüttgenrode, Benzingerode, Wiederoda, Wernrode, Zauckerode, Hagenrode, Pfaffroda, Wöltingerode, Bettingerode, Golberode, Ulzigerode und Harkerode.
Beim Ort Zauckerode hingegen ist die Wortherkunft umstritten. Vermutlich setzt sich der Name aus „sucha“ (trocken) und „vydra“ (Fischotter) zusammen und ist insofern ein Hinweis auf die mittelalterliche Tierwelt und nicht auf das Rodungswesen. Manche Rodungsnamen, wie etwa Wernigerode oder Petersroda, beziehen sich auf Personen – wie den Grafen von Wernigerode oder den Vornamen Peter. Interessanterweise sind einige Rodungsnamen deutsch-slawische Zusammensetzungen wie Alterode, Altenroda, Braunrode, Ritterode, Harzgeroda, Gernrode, Stadtroda, Überrode, Vatterode, Sitzenroda, Wallroda, Zeulenroda.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Migration als dauerhaftes gesellschaftliches Thema und führt in die spezifische historische Problematik der westslawischen Immigration im Mittelalter ein.
2. Historischer Hintergrund der westslawischen Stämme: Dieses Kapitel beschreibt die Einwanderung der Stämme im sechsten Jahrhundert sowie die nachfolgenden kriegerischen Auseinandersetzungen und die Christianisierung als Mittel der Expansion.
3. Rekonstruktion der Lebenswelt durch Ortsnamen: Der Hauptteil analysiert detailliert, wie sich landwirtschaftliche Tätigkeiten, Handwerk, Handel und soziale Lebensbedingungen in slawischen Ortsnamen widerspiegeln.
4. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass viele Ortsnamen heute als Zeugen der mittelalterlichen slawischen Kultur fungieren und diese somit einen integralen Bestandteil der modernen deutschen Kultur darstellt.
Schlüsselwörter
Westslawen, Migration, Ortsnamen, Mittelalter, Siedlungsgeschichte, Waldrodung, Landwirtschaft, Viehzucht, Handwerk, Fischfang, Salzgewinnung, Handelswege, Elbslawen, Kulturerbe, Toponymie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das historische Erbe der westslawischen Stämme, die sich im Mittelalter im Gebiet zwischen Oder und Elbe-Saale ansiedelten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die historische Siedlungsbewegung, die Wirtschaftsgeschichte, das Handwerk sowie die sprachwissenschaftliche Untersuchung von Ortsnamen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, nachzuweisen, dass slawische kulturelle Hinterlassenschaften bis heute in deutschen Orts- und Landschaftsnamen präsent sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine historisch-toponymische Analyse, bei der etymologische Deutungen von Ortsnamen mit historischen Quellen und archäologischen Erkenntnissen kombiniert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich nach Wirtschaftsbereichen wie Rodung, Ackerbau, Viehzucht, Jagd, Handwerk und Handel, um die Lebenswelt der Elbslawen aufzuzeigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Westslawen, Ortsnamen, Siedlungsgeschichte, Elbslawen, Kulturerbe und Toponymie.
Welche Rolle spielten die deutschen Feudalherren für die slawische Kultur?
Die Feudalherren nutzten Tributzahlungen und die Christianisierung zur Unterwerfung der Stämme, was langfristig zur Assimilation und zum Schwund der ursprünglichen slawischen Kultur führte.
Wie lässt sich das Rodungswesen sprachlich belegen?
Durch Ortsnamen, die auf "-roda" oder "-rode" enden, kann die Erschließung neuer Siedlungsräume durch die slawischen Stämme historisch nachvollzogen werden.
Warum wird der Fischfang als Tätigkeitsbereich hervorgehoben?
Ortsnamen in der Nähe von Flüssen und Seen sowie Anlegeplätze wie "Pristanovica" belegen, dass Fischfang und der Handel mit konservierten Fischen für die Elbslawen von hoher Bedeutung waren.
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- Vita Zeyliger-Cherednychenko (Author), 2019, Das Fortleben des slawischen Kulturerbes im heutigen Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464256