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Selbstbestimmung statt Bevormundung in der rechtlichen Betreuung

Sicherstellung notwendiger Transparenz

Titel: Selbstbestimmung statt Bevormundung in der rechtlichen Betreuung

Bachelorarbeit , 2018 , 69 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Alice Boltze (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Rahmen der deutschen Rechtsordnung ist erst einmal davon auszugehen, dass jeder Bürger in der Regel für sich selbstständig und eigenverantwortlich handelt, denn grundsätzlich ist das soziale sowie das gesellschaftliche Leben eines Menschen frei von gesetzlichen Reglementierungen und staatlichen Kontrollen.
Doch im Leben von älteren oder kranken Menschen können Situationen eintreten, in denen dann Hilfe durch andere benötigt wird, weil die Bewerkstelligung der eigenen Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr möglich ist. Die Angelegenheiten können jedoch von Person zu Person variieren. Einerseits können es Angelegenheiten sein, bei denen Personen nicht mehr dazu in der Lage sind, sich selbst aufgrund einer gesundheitlichen Einschränkung mit Essen zu versorgen. Andererseits kann es Personen aufgrund von kognitiven Einschränkungen nicht mehr möglich sein, sich z.B. bei der Abwicklung eines oder mehrerer Rechtsgeschäfte darüber im Klaren zu sein, welche Auswirkungen und Konsequenzen diese Rechtsgeschäfte letztendlich für sie haben. Um diese Menschen dahingehend zu unterstützen, ihre Angelegenheiten wieder besser zu regeln, erfolgt eine Hilfe meist durch Familienangehörige oder bekannte Personen wie Verwandte, Freunde, Nachbarn oder auch Kollegen. Doch wenn Familienangehörige oder andere bekannte Personen diesen Unterstützungsbedarf aufgrund von unzureichenden Möglichkeiten oder Kompetenzen nicht leisten können, besteht die Option einer rechtlichen Betreuung. Die rechtliche Betreuung bezieht sich bei der Besorgung und Unterstützung des Hilfebedürftigen allerdings ausschließlich auf die rechtlichen Angelegenheiten der zu betreuenden Person. Der rechtliche Betreuer handelt sozusagen als gesetzlicher Stellvertreter für den Betreuten. Dieser soll in der Funktion als Stellvertreter des Betreuten stets zu dessen Wohl und unter der Wahrung seiner Selbstbestimmung im Rahmen der ihm zugetragenen Aufgaben durch das Betreuungsgericht handeln. Doch kann den Wünschen des Betreuten in vollem Umfang immer entsprochen werden, wenn dieser aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen frei zu bestimmen?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. EINLEITUNG

1. Einführung in die Thematik

II. DAS RECHT AUF SELBSTBESTIMMUNG

2. Die Selbstbestimmung

2.1 Die Ursprünge des Gedankens nach selbstbestimmtem Leben

2.2 Die Selbstbestimmung als rechtlicher Begriff

2.3 Die Selbstbestimmung als soziologischer Begriff

3. Die Bevormundung

4. Zusammenfassung

III. VERSTÄNDNISWEISEN DER RECHTLICHEN BETREUUNG

5. Die rechtsgeschichtliche Entwicklung des Betreuungsrechts und deren Änderungen kraft Gesetzes

6. Die rechtliche Betreuung

6.1 Begriffsklärung

6.2 Die rechtliche Betreuung als interdisziplinäres Berufsfeld

6.3 Voraussetzung einer Betreuung im Allgemeinen

6.4 Der Grundsatz der Erforderlichkeit einer Betreuung

6.5 Die Anordnung einer Betreuung

6.5.1 Die Auswahl des Betreuers

6.6 Unterbringung und freiheitsentziehende Maßnahmen i.S.d. § 1906 BGB

6.7 Die Vorsorgevollmacht

6.8 Die Betreuungsverfügung

IV. DEMOGRAFISCHER WANDEL UND RECHTLICHE BETREUUNG

7. Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die rechtliche Betreuung

V. RECHTLICHE BETREUUNG VS. SELBSTBESTIMMUNG

8. Die rechtliche Betreuung im Spannungsfeld der Selbstbestimmung

VI. FAZIT UND AUSBLICK

9. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der gesetzlich verankerten rechtlichen Betreuung und dem individuellen Grundrecht auf Selbstbestimmung. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie die Selbstbestimmung von Menschen mit Unterstützungsbedarf innerhalb des Betreuungssystems effektiv vor bevormundenden Strukturen geschützt werden kann und welche Anforderungen dies an eine personenzentrierte Arbeit stellt.

  • Historische Entwicklung des Vormundschafts- und Betreuungsrechts.
  • Theoretische Fundierung der Begriffe Selbstbestimmung und Bevormundung.
  • Analyse des demografischen Wandels und dessen Auswirkungen auf das Betreuungswesen.
  • Untersuchung von Qualitätssicherungsmaßnahmen in der praktischen Betreuungsarbeit.
  • Erörterung von Lösungsansätzen zur Förderung der Selbstbestimmung und Transparenz.

Auszug aus dem Buch

Die Selbstbestimmung als soziologischer Begriff

Die Selbstbestimmung ist nicht nur im rechtlichen sondern auch im soziologischen Kontext vertreten.

Die Selbstbestimmung galt eine Zeit lang für Menschen mit Behinderungen in Bezug auf ihr Leben bekanntermaßen illusionär, denn ihr Leben glich eher dem einer Fremdbestimmung. Je schwerwiegender die Behinderung eines Menschen war, desto mehr nahm die Fremdbestimmung an Intensität zu und mit ihr stieg auch die soziale Abhängigkeit (vgl. Gutenberger, J. 2010 : S. 43). Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen „wurden und werden oft immer noch für nicht fähig empfunden, selbst Entscheidungen zu treffen, erwachsen zu handeln und Verantwortung zu übernehmen“ (Gutenberger, J. 2010 : S. 43). Aufgrund dessen stellte die Fremdbestimmung eine erhebliche Relevanz dar, wenn es um die Autonomie und Partizipation der Selbstbestimmung in einem sozialen Prozess geht (vgl. Havemann, M. & Stöppler, R. 2014 : S. 18).

In der heutigen Zeit wäre die Freiheit auf Selbstbestimmung ohne die Zusammenkunft mit anderen in der Gesellschaft kaum denkbar. So käme bspw. eine Ehe oder ein Vertrag ohne ein Gegenüber erst gar nicht zustande (vgl. Suhr, EuGRZ 1984 : S. 529, 533; ganz anders: Rupp, AöR 101 (1976) : S. 160, 180 in Welti, F. 2005 : S. 500). Die Freiheit der Gesellschaft verwirklicht sich demnach erst durch deren Zusammenkunft. Durch eine rechtliche Handhabe wie z.B. der Schließung eines Vertrages, ist es dem Menschen möglich, die Selbstbestimmung als Freiheit zu verwirklichen (vgl. Welti, F. 2005 : S. 500).

Der Begriff der Selbstbestimmung ist aus Sicht der Soziologie dem Begriff der Autonomie gleichzusetzen. Nach dem Begriff der Autonomie übernimmt ein Mensch selbst die Leitung für das Führen seines Lebens und besitzt damit auch die Freiheit, selbstständige Entscheidungen hinsichtlich des eigenen Lebens selbst zu treffen (vgl. Wansing 2012 : S. 101 in Rambausek, T. 2017 : S. 81).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung in die Thematik: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit rechtlicher Betreuung bei älteren oder kranken Menschen und führt die zentrale Forschungsfrage zum Schutz der Selbstbestimmung ein.

2. Die Selbstbestimmung: Dieses Kapitel definiert Selbstbestimmung sowohl aus rechtlicher als auch aus soziologischer Sicht und grenzt sie vom Begriff der Bevormundung ab.

3. Die Bevormundung: Hier werden Formen der Fremdbestimmung erläutert, die im Gegensatz zum Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben stehen.

4. Zusammenfassung: Ein kurzer Rückblick auf die Bedeutung der Selbstbestimmung als unantastbares Grundrecht.

5. Die rechtsgeschichtliche Entwicklung des Betreuungsrechts und deren Änderungen kraft Gesetzes: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick, der von der Antike über das preußische Recht bis hin zum modernen Betreuungsgesetz reicht.

6. Die rechtliche Betreuung: Die verschiedenen Facetten der rechtlichen Betreuung, von der Begriffsbestimmung bis hin zu speziellen Maßnahmen wie Patientenverfügung und Unterbringung, werden hier detailliert analysiert.

7. Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die rechtliche Betreuung: Dieser Abschnitt verbindet die Alterung der Gesellschaft und die Zunahme von Demenzerkrankungen mit dem steigenden Bedarf an qualifizierter Betreuung.

8. Die rechtliche Betreuung im Spannungsfeld der Selbstbestimmung: Anhand eines Fallbeispiels wird illustriert, wie schwierig die praktische Umsetzung gesetzlicher Vorgaben im Konflikt zwischen Wohl und Wunsch des Betreuten sein kann.

9. Fazit und Ausblick: Die Autorin zieht Bilanz über die Wirksamkeit der aktuellen Gesetzgebung und schlägt strukturelle Verbesserungen, wie etwa ein standardisiertes Ausbildungssystem, vor.

Schlüsselwörter

Rechtliche Betreuung, Selbstbestimmung, Bevormundung, Betreuungsgesetz, Demografischer Wandel, Alzheimer-Demenz, Freiheitsentziehende Maßnahmen, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Menschenwürde, Autonomie, Soziale Arbeit, UN-Behindertenrechtskonvention, Qualitätssicherung, Fremdbestimmung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie die Selbstbestimmung hilfebedürftiger Menschen im Rahmen der rechtlichen Betreuung gewahrt bleiben kann, ohne dass das notwendige Schutzkonzept in eine bevormundende Fremdbestimmung umschlägt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernbereichen zählen die historische Genese des Betreuungsrechts, die soziologischen und rechtlichen Definitionen von Selbstbestimmung, der Einfluss des demografischen Wandels sowie die praktische Herausforderung bei der Betreuung demenziell erkrankter Personen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Problemfelder aufzudecken, bei denen das Betreuungsrecht an seine Grenzen stößt, und Wege zu finden, wie durch eine personenzentrierte Arbeit die Transparenz und Wahrung der Selbstbestimmung sichergestellt werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Literaturanalyse sowie der Auswertung von Fallbeispielen aus der beruflichen Praxis eines freiberuflichen Betreuers, um die theoretischen Rahmenbedingungen an der Realität zu messen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die Erläuterung der aktuellen rechtlichen Instrumente (z.B. Vorsorgevollmacht), die statistische Betrachtung des demografischen Wandels und eine kritische Auseinandersetzung mit der Praxis durch ein konkretes Fallbeispiel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Selbstbestimmung, rechtliche Betreuung, Fremdbestimmung, demografischer Wandel, Betreuungsgesetz und Qualitätssicherung charakterisiert.

Welche Rolle spielt die Ausbildung der Betreuer in dieser Arbeit?

Die Autorin argumentiert, dass aufgrund der fehlenden expliziten Ausbildungsstandards für rechtliche Betreuer ein Defizit in der fachlichen Qualität besteht, das durch die Einführung einer verpflichtenden Ausbildung behoben werden sollte.

Wie bewertet die Arbeit die aktuelle Praxis im Umgang mit demenzkranken Betreuten?

Sie weist darauf hin, dass insbesondere in Heimeinrichtungen die Gefahr besteht, dass Maßnahmen aus Personalmangel eher als aus Schutzgründen getroffen werden, und betont die Notwendigkeit einer parteiischen Interessenvertretung für die Betreuten.

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Details

Titel
Selbstbestimmung statt Bevormundung in der rechtlichen Betreuung
Untertitel
Sicherstellung notwendiger Transparenz
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Note
1,7
Autor
Alice Boltze (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
69
Katalognummer
V464391
ISBN (eBook)
9783668937666
ISBN (Buch)
9783668937673
Sprache
Deutsch
Schlagworte
selbstbestimmung bevormundung betreuung sicherstellung transparenz
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Alice Boltze (Autor:in), 2018, Selbstbestimmung statt Bevormundung in der rechtlichen Betreuung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464391
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  69  Seiten
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