Wahrnehmung der gerechten Güterverteilung der Bevölkerung in den Industrieländern


Studienarbeit, 2018
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Forschungsproblem

Forschungsstand

Forschungsfrage

Theoretischer Rahmen

Methodik

Exemplarische Umsetzung und Ergebnis

Literaturverzeichnis

Forschungsproblem

Die Lebensbedingungen sind für die Bevölkerung in den Ländern der Dritten Welt katastrophal: Armut, Hunger, Überschuldung des Staates, unhygienische Wohnbedingungen, Krankheit, Ausbeutung, Menschenrechtsverletzungen, keinen oder nur einen unzureichenden Zugang zu Bildung, fehlende persönliche Sicherheit, fehlende Rechtssicherheit, Bürgerkriege und das Flüchtlingselend begleiten die Menschen Tag für Tag (Montada 2001: 65). So bleibt es nicht aus zu fragen, in welcher Verantwortung die Bevölkerung der Industrieländer steht - die Frage nach sozialer Gerechtigkeit.

Aus diesen Grund trafen sich Anfang September 2000 in New York City 189 Staats- und Regierungschefs zu dem bis dato größten Gipfeltreffen und verabschiedeten gemeinsam die Millenniumserklärung. Diese definiert vier sich wechselseitig beeinflussende Handlungsfelder der internationalen Politik (BMZ):

1. Frieden, Sicherheit und Abrüstung
2. Entwicklung und Armutsbekämpfung
3. Schutz der gemeinsamen Umwelt
4. Menschenrechte, Demokratie und gute Regierungsführung

Eine gemischte Arbeitsgruppe aus Vertretern der UNO, der Weltbank, der OECD und mehreren Nichtregierungsorganisationen leiteten gemeinsam aus der Millenniumserklärung acht Millenniumsentwicklungsziele ab. Diese acht Millenniumsentwicklungsziele bilden seitdem einen international anerkannten Rahmen für eine auf den Menschen zentrierte Entwicklung, eine humanere Globalisierung sowie eine weltweite Entwicklungspolitik (Vereinte Nationen 2000: 1-2.).

Die Millenniumsentwicklungsziele erzielten einen bedeutenden Fortschritt in die Richtung eines „globalen Gemeinwillens“ und dem „Globalwohl“, das schon im Jahr 1980 durch Willy Brandt und die Nord-Süd-Kommission in dem Bericht „Das Überleben sichern“ Beachtung fand (Holtz 2010). Die Millenniumsentwicklungsziele sollten nicht nur bis zum Jahre 2015 erreicht, sondern auch mit Hilfe von Indikatoren konkret messbar gemacht worden sein (Heinrich Böll Stiftung 2010: 6). Nach offizieller Aussage wurde das Millenniumsentwicklungsziel zur Halbierung des Welthungers nicht nur umgesetzt, sondern die Zielerfüllung sogar noch übertroffen. So hatten 1990 in Entwicklungsländern 50 % der Bevölkerung noch weniger als 1,25 US-Dollar am Tag zur Verfügung, 2015 waren dies nur noch rund 14 % (König: 2015).

Jedoch wird die tatsächliche Umsetzung der einzelnen Ziele lautstark kritisiert. Der Professor für Philosophie, politische Philosophie und Ethik, Thomas Winfried Manko Pogge, argumentiert, dass armutsbedingte Todesfälle und Depravationen heute mehrheitlich auf ungerechte institutionelle Strukturen zurückzuführen sind (Pogge 2009: 17). So besteht explizit ausgedrückt das Forschungsproblem im Erfolg der Millenniumsentwicklungsziele und der an ihr geübten Kritik.

Die Ambivalenz zwischen den vorgesetzten Zielen und ihrer tatsächlichen Umsetzen, führt womöglich zu einer verzerrten gesellschaftlichen Wahrnehmung von Wohltätigkeit und Armutszustand in der Welt, worin die tatsächliche gesellschaftliche Relevanz des Forschungsproblems liegt.

Wissenschaftlich betrachtet findet die Problematik ihre Berechtigung in der Verifizierbarkeit und der Transparenz von politischer Wohltätigkeit und im politischen Prägen der kommenden Generation, die sich in Zukunft positionieren muss, wo und wann ein Handlungsbedarf für Entwicklungshilfe besteht und wie eine gerechte Welt aussehen soll.

Forschungsstand

Die Milliniumsentwicklungsziele werden in der politikwissenschaftlichen und philosophiewissenschaftlichen Forschung heiß diskutiert.

Der neo-liberale Herbert Ross, Manegner des NEPAD und des Governance-Projekt beschäftigt sich insbesondere mit den Auswirkungen der Millenniumsentwicklungsziele in Afrika. Ross bezeichnet in seiner Forschung die Milleniumsentwicklungsziele als

„politische Tarnung […],die die Aufmerksamkeit von der wichtigeren Frage ablenkt, warum Entwicklungsorganisationen keine langfristigen Ergebnisse erzielen“ (Ross 2006: 208).

Als Beispiel nennt er die Erneuerung und Herstellung des Bildungssystem in Afrika von dem löblich gesprochen wird. Trotzdem könne nicht sichergestellt dass die Menschen die dieses durchlaufen haben, letztendlich auch zum wirtschaftlichen Wachstum beitragen können. Dieser Trugschluss liegt in der nicht verifizierten Qualität der erhalten Bildung durch dieses System und am Arbeitsmarkt, der diese Ressourcen oftmals nicht nutzen kann (Ross 2006: 212-214.). Ross identifiziert als Knackpunkt die Hilfe zur Entwicklung. So müsse man:

„Kapazität und Wettbewerbsfähigkeit verbessern […] um zu einem besseren Wirtschaftsstandort mit mehr Arbeitsplätzen zu werden“ (ebd.: 222).

Durch solche Reformen würden Afrika, so Ross, zu einem starken Konkurrenten wachsen lassen, der die Struktur des Weltmarktes verändert. Jedoch können Reformen in solch einen Ausmaß nur durch Druck der Bürger*Innen erreicht werden. Politiker*Innen müssen entwicklungspolitisches Handeln als unabdinglich ansehen und dies gelingt nur durch eine aktive Teilnahme der Bevölkerung an Demokratie. Politiker*Innen müssen gezwungen werden nach dem Willen ihrer Bevölkerung zu handeln, selbst wenn dies nur aus der Motivation, erneut wider gewählt zu werden, geschehen sollte (Ross 2006: 240).

Ross Ansatz verfolgt auch die Unterentwicklungstheorie des Good Governance, die sich mit der Integration von Entwicklungsländern in globaler Regierens beschäftigt (Faust 2012: 329f).

Der Ökonom Dr. Thomas Fues stößt ebenfalls in seiner Forschung auf die Problematik dass die Milieniumsentwicklungsziele die Symptome von ungleicher Verteilung bekämpfen, aber nicht die Ursache der ungleichen Verteilung thematisieren. Er schliesst in seiner Forschung auf eine fehlende Kompromissbereitschaft in den Industrie Ländern und fordert eine „universalethik“ sowie Einsicht in das Eigeninteresse der ersten Welt an globaler Stabilität und Frieden (Fues 2006: 58).

Diesem Urteil schließt sich Thomas Winfried Menko Pogge, Professor für Philosophie, insbesondere für politische Philosophie und Ethik an und zeigt in seiner Rede „ Ge r echtigkei t in der Einen Welt “ auf dass Armutsbedingte Todesfälle und Depravationen, mehrheitlich auf ungerechte institutionelle Strukturen zurückzuführen sind (Pogge 2009: 17). Pogge schlussfolgert in seinen Beitrag, dass die Industrieländer bewusst keine Verantwortung für die Beseitigung der Armut tragen obwohl es deutlich ist das ihr Reichtum nicht im Verhältnis zu der Armut auf der Welt steht (ebd.:12).

Jedoch ist jedes politische System auf ein bestimmtes Maß an Unterstützung, nicht nur, aber insbesondere in Bezug auf die Sozialpolitik und Entwicklungspolitik, angewiesen (Almond/Verba 1963: 15-16). So ist die Einstellungen der Bevölkerung in einem demokratischen System im Hinblick auf dessen Akzeptanz und Legitimität äußert relevant. Die Umfrageforschung beschäftigt sich seit dem 1970er-Jahren mit der Erfassung zur wohlfahrtsstaatlicher Einstellungen (Ullrich 2000: 2) aber die wissenschaftliche Erfassung des globalen Gerechtigkeitsempfinden, im Bezug auf Grundgüter, bliebt bisweilen aus, so ergibt sich die Forschungslücke mit der sich die Arbeit im folgenden beschäftigt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Wahrnehmung der gerechten Güterverteilung der Bevölkerung in den Industrieländern
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Geisteswissenschaften)
Veranstaltung
propädeutikum
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V464766
ISBN (eBook)
9783668932869
ISBN (Buch)
9783668932876
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rawls, Popper
Arbeit zitieren
Eva Berges (Autor), 2018, Wahrnehmung der gerechten Güterverteilung der Bevölkerung in den Industrieländern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464766

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