Sind Tiere als Geschöpfe Gottes auch eigenständige Rechtssubjekte?

Eine theologische Untersuchung


Hausarbeit, 2015

17 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Tiere als Geschöpfe Gottes mit Eigenwert
2.1 Biblische Grundlagen
2.2 Tradition
2.3 Aktuelle lehramtliche Aussagen

3 Ein theologisch verantworteter Umgang mit den Tieren bisher und die Frage der Rechtssubjektivität

4 Impulse für einen anderen Umgang mit Tieren als Rechtssubjekte

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Tierversuche, Massentierhaltung, massiver Fleischkonsum. Diese Aspekte sind nur einige, aber grundlegende Hinweise darauf, dass sich das Verhältnis der Menschen zu den Tieren stark gewandelt hat. Es findet eine Vielzahl von Tierversuchen statt, bei denen Tiere teilweise gequält werden oder einige Versuche keine ethisch vertretbaren Gründe haben. Auch die Tierhaltung findet nicht selten unter unwürdigen Bedingungen statt. Die Tiere werden dann auf zu kleinem Raum gezüchtet und gemästet, um den stark gestiegenen Fleischkonsum der Menschen zu decken. Im Jahr 2005 lag die Fleischproduktion in Deutschland bei 7.053.000 Tonnen (1,6% mehr im Vergleich zu 1995) und der Fleischkonsum pro Person in diesem Jahr bei 83,3 kg (keine Veränderung zu 1995), welcher doppelt so hoch ist wie der weltweite Durchschnitt1. Von einer allgemeinen Steigerung der Fleischproduktion und des Fleischverzehrs in den letzten Jahren ist auszugehen.

Obwohl Tiere bereits durch die Schöpfung über eigene Rechte verfügen, über die Rechte auf ein Leben und auf eine artgerechte Behandlung, die den Menschen zu achten gelten, kommt es vielfältig zum Missbrauch von Tieren durch die Menschen, wodurch der göttliche Schöpfungswille gebrochen wird. Es entsteht eine Spannung durch das Eingreifen des Menschen in die Natur, welches innerhalb eines bestimmten Rahmens für ihn existenziell notwendig ist und seiner Pflicht, die festgelegte Ordnung der Natur zu erhalten.2 Diese Spannung überträgt sich auf den Umgang mit Tieren, die folglich als Geschöpf Gottes Ei­genrechte haben, aber doch dem Menschen untergeordnet sind. Doch folgt nun aus dem Sein eines Geschöpf Gottes, dass Tiere auch eigenständige Rechtssubjekte sind? Haben Tiere Rechte, die vom Menschen nicht berührt werden dürfen? Um eine begründete Antwort auf diese Frage zu finden, geht es vor allem darum, die Stellung der Tiere innerhalb der Gesellschaft herauszuarbeiten, das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren einerseits und die Sicht der katholischen Kirche bezüglich dieser Thematik anderseits darzustellen sowie den Umgang mit Tieren in diesem Kontext zu analysieren und andere Möglichkeiten des Umgangs mit Tieren aufzugreifen.

Im zweiten Kapitel wird dazu zunächst aus verschiedenen Perspektiven auf die Tiere als Geschöpf Gottes mit einem Eigenwert eingegangen, um diesen zu begründen. Anschließend wird im dritten Kapitel auf den bisherigen Umgang der Menschen mit den Tieren, für den unter anderem das vorherige Kapitel Grundlage ist, sowie auf die Frage der Rechtssub­jektivität von Tieren eingegangen. Bis zu diesem Punkt soll herausgefunden werden, ob Tiere als Geschöpfe Gottes zugleich Rechtssubjekte sind. Anschließend daran werden im vierten Kapitel Impulse für den Umgang mit Tieren als Rechtssubjekte genannt. Dass zumindest der menschliche Umgang mit Tieren in der Realität vielfach nicht dem Umgang mit Rechtssubjekten entspricht, ist offensichtlich. Im Fazit dieser Hausarbeit werden die Ergebnisse zusammengefasst sowie die Beantwortung der Frage, ob Tiere Rechtssubjekte sind, ausführlicher beantwortet und begründet.

2 Tiere als Geschöpfe Gottes mit Eigenwert

In diesem Kapitel werden Tiere als Geschöpf Gottes mit einem Eigenwert aus den Perspek­tiven der biblischen Grundlagen, der Tradition und den aktuellen lehramtlichen Aussagen betrachtet.

2.1 Biblische Grundlagen

Das Fundament dieses Abschnitts bildet die Schöpfungstheologie mit der Schöpfungser­zählung in Genesis 1. In diesem Zusammenhang stelle ich folgende Ausgangsthese auf: Die Tiere als Geschöpfe Gottes stehen in einem Spannungsverhältnis zwischen einem ihnen zugeschriebenen Eigenrecht, welches sich vor allem durch die Gleichsetzung mit dem Menschen äußert, und der Unterordnung beziehungsweise Unterwerfung gegenüber dem Menschen.

Diese Spannung in der Wahrnehmung der Tiere thematisiert auch unter anderem der Theo­loge Michael Welker in seinem Werk „Schöpfung und Wirklichkeit“ (1995). In diesem spricht er von einer „vegetarischen Solidargemeinschaft von Menschen und Tieren“.3 Den Menschen sowie den Tieren wird in Gen 1,29-1,30 eine vegetarische Ernährung zugeschrieben.4

Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. Allen Tieren des Feldes, allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, was Lebensatem in sich hat, gebe ich alle grünen Pflanzen zur Nahrung. So geschah es (Gen 1,29-30).

Es ergibt sich somit ein gemeinsamer Nahrungs- und Lebensbereich für Menschen und Tiere. Innerhalb diesem Nebeneinandertreten sieht Welker allerdings ein Aufkommen von Problemen, Spannungen und Konflikten zwischen ihren Interessen im selben Raum:

„Wie sollen sich Menschen verhalten, wenn Tiere sie in ihren Ernährungsinteressen vom sa­menspendenden Kraut verdrängen? Wie sollen sich die Tiere den Menschen gegenüber verhal­ten, wenn die Menschen sich des samenspendenden Krautes zu ihrer eigenen Nahrung bedienen?“5

Um diese Interessenskonflikte in eine Ordnung zu bringen, kommt dem Herrschaftsauftrag in Gen 1,28 eine tragende Rolle zu. In diesem heißt es: „[...]herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.“ (Gen 1,28). Er führt ein Machtgefälle in die gemeinsame Ernährungswelt ein. Durch diesen Herrschaftsauftrag kommt die Spannung zwischen der Gleichheit von Menschen und Tieren – dem Leben im gleichem Raum, und der Unterordnung der Tiere zum Vorschein. Ne­ben das Zusammenleben und die Ernährungs- und Interessengemeinschaft der Menschen und Tiere tritt also die Unterordnung der Tiere gegenüber den Menschen, indem den Menschen der Vorrang in diesem gemeinsamen Lebensraum gilt. Dies bedeutet, dass kein Menschen verhungern darf, damit ein Tier gesättigt wird. Eine andere hierarchische Ordnung lässt der Herrschaftsauftrag nicht zu. Dieses hierarchische Verhältnis ist in dem Rahmen begrenzt, dass es sich nicht als Brutalität oder Auslöschung versteht, sondern immer noch als ein Zusammenleben, geprägt von Toleranz und dem Streben nach der Erhaltung.6 In diesem Zusammenhang formuliert Welker:

„Die Menschen stehen erstens nach Gottes Willen in einer Solidargemeinschaft mit den Tieren. […] Die Menschen stehen aber auch zweitens den Tieren als >>Bild Gottes<< gegenüber.“7

Konkret meint der Herrschaftsauftrag an die Menschen damit Solidarität, Fürsorge und Verantwortungswahrnehmung gegenüber den Tieren.8 Welker benennt den Herrschaftsauftrag in Gen 1 auch als „Schöpfungserhaltung unter Wahrnehmung und Privilegierung der Interessen des Menschen.“9 Dennoch geht es in Gen 1 um eine Herrschaft des Menschen und die Unterwerfung der anderen Geschöpfe und der Natur.

In Gen 9 ist es dem Menschen das erste Mal erlaubt, das Fleisch von Tieren als Nahrung zu gebrauchen. Es heißt „Alles Lebendige, das sich regt, soll euch zur Nahrung dienen. Alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen. Nur Fleisch, in dem noch Blut ist, dürft ihr nicht essen.“ (Gen 9,3.4). Man kann an diesem Punkt von der Verfügung des Tieres an den Menschen sprechen. Die einzige Einschränkung ist das Verbot des Verzehrens von Fleisch, in welchem noch Blut ist und für Leben steht. Dieses Verbot ist auch ein Zeichen des re­spektieren des Eigenwerts der Tiere, welchen sie durch ihr gottgewolltes Leben besitzen.10

2.2 Tradition

Die Nutzungsart und die Haltung von Tieren zeigen einen enormen Wandel im Laufe der Zeit. So wurden in der Vergangenheit Tiere gejagt, um aus ihren Fellen Kleidung herzustellen und sie als Nahrungsobjekt zu nutzen. Ab dem Mittelalter kam vor allem die Funktion der Tiere als Arbeits- und Nutztiere hinzu. Die Tierhaltung umfasst viele verschiedene Tierarten, die vor allem zum eigenen Lebensunterhalt dienten. Neben der Funktion des Arbeitstieres dienten besonders die kleinen Tiere zur Nahrung und zum Gebrauch von Wolle, Fell und Federn. Die in Gen 1,29-30 zugeschriebene vegetarische Lebensweise und von Welker genannte „vegetarischen Solidargemeinschaft von Menschen und Tieren“11 ist so­mit nicht gegeben und verdeutlicht die Verfügung des Tieres an den Menschen. Durch den immer größeren Fortschritt der Technik nahm die Funktion der Tiere als Arbeits- und Nutztiere zunehmend ab.

Im Zuge der Städtewanderung gab es immer weniger Bauernhöfe. Heute haben sich diese spezialisiert – sie halten deutlich weniger Tierarten. Die betrieblichen Bauernhöfe sind von Züchtung, Massentierhaltung und Mästung einzelner Tierarten geprägt. Darüber hinaus werden Tiere heute in Zoos gehalten, gejagt, für tierquälerische Brauchtümer genutzt, dres­siert, ausgerottet, bei Rettungsaktionen eingesetzt, geklont und für Tierversuche benutzt12. Über die gesamte Zeit hinweg nahm und nimmt die Haltung von Haustieren ebenfalls zu. Dadurch können Verantwortung und Freude bezüglich der Schöpfung, vor allem auch von Kindern, erfahren werden.13

Die genannten Aspekte zeigen deutlich, dass die Tiere dem Menschen untergeordnet und unterworfen sind. Die aufgeführte Entwicklung bringt zum Ausdruck, dass diese Unterwer­fung ein immer stärkeres Ausmaß nimmt. Dem hingegen kommt den Haustieren der Men­schen eine steigende Gleichsetzung mit dem Menschen hinzu. Tiere, insbesondere Hunde, sind häufig ein fester Teil von Familien oder einzelnen Personen, denen eine enorme Liebe gewidmet wird.

Um jedoch die überwiegende Unterwerfung deutlich zu machen, wird im Folgenden auf die meiner Meinung nach extremste Form eingegangen – nämlich Tierversuche. Diese finden vor allem aus kosmetischen und medizinischen Gründen statt. In seinem Buch „Streicheln, mästen, töten.“ bringt Anton Rotzetter den Umgang mit Tieren bezüglich der Tierversuche für Kosmetikartikel zum Ausdruck, indem er zitiert:

„Tiere werden vergiftet, aufgeschnitten, verätzt, gelähmt, zersägt, zertrümmert, verstümmelt, mit Krankheiten infiziert. Sie müssen hungern und dursten. Sie werden bestrahlt, verbrannt, vergast, geköpft, ertränkt, erstickt. Sie dürfen nicht schlafen, man macht ihnen Angst, versetzt ihnen Stromschläge und hält sie in völliger Einsamkeit oder Dunkelheit. Man zerstört ihre Gehirne, entnimmt ihnen Organe, pflanzt ihnen fremde ein und vieles mehr...“14

Die EU erließ 2004 das Verbot von Tierversuchen für Fertigerzeugnisse der Kosmetik und 2009 von einzelnen Bestandteilen sowie ein Vermarktungsverbot dieser Produkte, welches 2013 in Kraft trat. Obwohl Tierversuche mit dieser Absicht in vielen Ländern verboten sind, werden sie immer wieder durch Gesetzeslücken ausgeführt. Tierversuche im Sinne der Testung von Medikamenten werden von der Gesellschaft immer mehr als unnötig angesehen. Auch die Pharmaindustrie lenkt mit ihrer von William Russel und Rex Bruch von 1959 entwickelten „Drei R-Regel“, bei der es um die Reduktion von Versuchstieren, Schmerz und Stress sowie um den Gebrauch alternativer Versuchsmethoden geht, in diese Sichtweise. Dennoch werden jährlich in der EU über zwölf Millionen Tiere für diese Versuche benutzt, davon über zwei Millionen in Deutschland. Von den erprobten Medikamenten werden ca. 8% bewilligt, wovon letztendlich nochmals mindestens die Hälfte beim Menschen im Gegensatz zur Verwendung bei Tieren zu schweren oder tödlichen Nebenwirkungen führen.15

Festzuhalten ist, dass durch Tierversuche sowie durch weitere Maßnahmen wie Massenhal­tung, Züchtung und hohen Fleischkonsum eine radikale Unterwerfung deutlich wird. Eine Schere zwischen dieser Unterwerfung und der Gleichsetzung des Tieres durch die entge­gengebrachte Liebe öffnete sich in der aufgeführten Entwicklung immer mehr.

2.3 Aktuelle lehramtliche Aussagen

Die folgende Ausarbeitung zum Thema Tiere als Geschöpf Gottes mit einem Eingenwert anhand von aktuellen lehramtlichen Aussagen basiert auf einer Dokumentensammlung zu den Fragen des Tierschutzes, die eine Bestandsaufnahme der existierenden kirchlichen Aussagen über die Verantwortung der Menschen für die Tiere ist.16

Im Rahmen von Fragen zur Umwelt und zur Energieversorgung sprechen die deutschen Bischöfe 1980 von einer Situation, die sich unter dem Titel „Schöpfungskrise“ beschreiben lässt. Diese meint, dass der Mensch sich als oberstes Wesen der Schöpfung versteht und sich die Welt zu Nutzen macht, indem er über sie herrscht. Dabei beachtet er nicht ausreichend den solidarischen Umgang mit seinen Mitgeschöpfen, also auch nicht mit den Tieren. Aber nur wenn es eine Zukunft für die Schöpfung gibt, gibt es auch eine Zukunft für den Menschen. Hierbei handelt es sich vor allem um eine Aufgabe sittlicher Verantwortung. Die konkreten Aufgaben des Menschen, die Schöpfung zu beherrschen und zu behüten, widersprechen sich nicht, stattdessen ergänzen sie sich. Aus Ps 104 entnehmen die Bischöfe, dass alle Geschöpfe einen Eigenwert haben, voneinander abhängig und somit füreinander wichtig sind. Tiere sind demnach da für die Menschen, aber sie sind auch nur zusammen da. Die Menschen haben deshalb auch die Aufgabe, Verantwortung für die Tiere zu übernehmen. Damit ist die reine Nutzung als Nahrungsmittel, als Ware oder Ausbeutungsobjekt ausgeschlossen. Dem Menschen ist es zwar erlaubt, von unter anderem den Tieren der Erde zu leben, da sie nicht wie der Mensch ein individuelles und unantastbares Lebensrecht haben, dennoch ist es seine Pflicht, die Tiere zu schonen und die Artenvielfalt des Tierreichs zu schützen – nicht aufgrund der eigenen Nützlichkeit.17 Die von den Bi­schöfen beschriebene existierende „Schöpfungskrise“ steht in einem Widerspruch mit de­ren Erwartung, dass die Menschen die Schöpfung beherrschen und behüten und zugleich auch mit dem vom Welker beschriebenen Herrschaftsauftrag, welcher Solidarität, Fürsorge und Verantwortungsübernahme der Menschen gegenüber den Tieren fordert. Welkers Ansichten von Schöpfung und Herrschaft stehen also mit den lehramtlichen Aussagen in Beziehung.

Auf den Schutz der Tiere ging auch Papst Johannes Paul II. in seiner Ansprache „an die Teilnehmer einer Studienwoche der päpstlichen Akademie der Wissenschaften vom 23. Oktober 1982“18 ein. Er betonte, dass Tiere für Experimente durch den Menschen genutzt werden dürfen, weil sie in dessen Dienst stehen und seinem Wohl dienen sollen, aber dennoch als ein Geschöpf Gottes dabei nicht misshandelt werden dürfen. Eine Verringerung von Tierversuchen ist deshalb im Sinne der Schöpfung.19

Eine „gemeinsame Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der deutschen Bischofskonferenz“20 aus dem Jahr 1989 thematisierte unter anderem konkreter den bereits angesprochenen Eigenwert der menschlichen Mitgeschöpfe. Nach diesem dürfen Tiere nicht in erster Linie bezüglich ihres Nutzwerts von den Menschen betrachtet werden. Stattdessen gilt dieser Nutzwert zunächst für die Tiere untereinander sowie für den gesamten Lebensprozess. Das bedeutet für den Menschen, dass er nicht nur nach seinen individuellen Interessen handeln darf, sondern die Möglichkeiten anderer Lebewesen und die möglichen Auswirkungen darauf berücksichtigen muss. Vor allem zeigt sich der Eigenwert der Tiere aber auch darin, dass sie Geschöpfe Gottes sind – „an seinem Leben Anteil haben und zu seinem Lob bestimmt sind.“21 Dieser Eigenwert impliziert nicht, dass jedes einzelne Lebewesen erhalten bleiben muss, sondern eine menschliche Haltung, die das tierische Leben nicht als Verfügungsmasse oder Material betrachten soll.22

Die Verantwortung der Menschen für die Tiere als ihre Mitgeschöpfe wird besonders in einem Beitrag durch den Rat der Evangelischen Kirche für Umweltfragen aus dem Jahr 1992 deutlich. Tierschlachtung aufgrund der Ernährung der Menschen definiert demnach das Gewaltverhältnis zwischen Menschen und Tieren am grundlegendsten. Der Fleischkonsum ist in Deutschland in den letzten Jahrzehnten massiv gestiegen, weshalb Tiere zunächst produziert und anschließend geschlachtet werden. Die Schlachtung geschieht häufig unter Bedingungen, die den Blick auf das Kostensparen richten, anstatt auf das Befinden der Tiere. Schon der Transport zum Schlachter richtet sich nach dem Sparen von Kosten, indem möglichst viele lebendige Tiere auf kleinem Raum untergebracht werden. Das diese Verhältnisse existieren, liegt einerseits daran, dass Kontrollen zu gering ausfallen und andererseits am Wettbewerbsdruck, denn die Verbraucher bevorzugen zumeist billige Fleischerzeugnisse.23

Nach ethischen Gesichtspunkten haben Menschen das Recht auf Tierhaltung zu ihrem eigenen Nutzen. Die Pflicht dabei ist es, sie als Mitgeschöpfe wahrzunehmen und demnach für ihr Wohlbefinden zu sorgen sowie das Zufügen von Schmerzen zu unterlassen. Aus dem Recht der Tiernutzung ergibt sich auch das Recht, Tiere zu züchten. Ebenfalls gilt es, dem Wohlbefinden und der Gesundheit aber auch dem artgerechten Lebensraum der Tiere nachzugehen.24

Im Sinne der Tierversuche lehnen sich die lehramtlichen Aussagen an das Tierschutzgesetz und betonen die Wichtigkeit der Prüfung, ob die voraussichtlichen Schmerzen und Leiden oder auch verbleibende Schäden bei den Versuchstieren aus ethischer Perspektive vertretbar sind. Generell müssen diese Aspekte weitestgehend eingeschränkt werden, da sie in einer Spannung zu dem humanen Umgang mit Tieren stehen. Der Rat der Evangelischen Kirche betont auch die Notwendigkeit, keine Ausnahmen bezüglich des Weglassens von Narkosen zu gestatten sowie allgemein die Zahlen der Tierversuche zu reduzieren.25

Das Jagen von Tieren für die menschliche Ernährung ist grundsätzlich ethisch vertretbar. Auch vertretbar ist das Töten von kranken oder verletzten Tieren im Sinne einer Erlösung. Ethisch nicht vertretbar ist allerdings das systematische Jagen von Tieren, die Jagdkonkur­renten der Jäger sind, die so ihren Regulierungsauftrag unterstützen wollen. Das Jagen und Töten von Tieren aus reiner Lust, sollte aus ethischer Betrachtung durch andere Aktivitäten ersetzt werden. Ähnlich ist bei dem Tragen von echtem Pelz. Da es in Deutschland nicht notwendig ist, sich mit diesem aus Kälteschutzgründen zu bekleiden, besteht auch hier keine ethische Rechtfertigung für das Töten von Tieren oder für die Ausrottung einzelner Tierarten aus diesem Grund.26

Des weiteren gilt auch für die Bereiche Tierhandel, Zoo- und Zirkustieren sowie Zubereitung von Delikatessen, dass Tiere nicht gequält und ausgerottet werden dürfen, artgerecht behandelt werden müssen und einen angemessenen Lebensraum benötigen. Das Halten von Haustieren bietet sogar die Möglichkeit eine Verantwortungsübernahme für die Schöpfung zu erleben, insofern sie artgerecht und fürsorglich behandelt werden.27

[...]


1 Rotzetter, Anton: Streicheln, mästen, töten. Warum wir mit Tieren anders umgehen müssen, 2012, S. 48 f.

2 Vgl. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz: Die Verantwortung des Menschen für das Tier. Positionen – Überlegungen – Anregungen, 1993, S. 7.

3 Welker, Michael: Schöpfung und Wirklichkeit, 1995, S. 101.

4 Vgl. ebd. S. 102.

5 Welker, Schöpfung, S. 102.

6 Vgl. ebd. S. 102 f.

7 Ebd. S. 103.

8 Vgl. ebd.

9 Ebd. S. 105.

10 Vgl. Sekretariat, Verantwortung, S. 19.

11 Welker, Schöpfung, S. 101.

12 Vgl. Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland / Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz: Neuorientierung für eine nachhaltige Landwirtschaft. Ein Diskussionsbeitrag zur Lage der Landwirtschaft, 2003, S. 8.

13 Vgl. Sekretariat, Verantwortung, S. 43.

14 Rotzetter, Streicheln, S. 15 f. (Zitiert von: www.harry-hilft-tieren.de/72.0.html)

15 Vgl. ebd. S. 16 ff.

16 Vgl. Sekretariat, Verantwortung, S. 5 f.

17 Vgl. Sekretariat, Verantwortung, S. 22 ff.

18 Ebd. S. 24.

19 Vgl. ebd.

20 Ebd. S. 34.

21 Sekretariat, Verantwortung, S. 37.

22 Vgl. ebd. S. 36 f.

23 Vgl. ebd. S. 37 f.

24 Vgl. ebd. S. 39 f.

25 Vgl. ebd. S. 40 f.

26 Vgl. Sekretariat, Verantwortung, S. 41 f.

27 Vgl. ebd. S. 42 ff.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Sind Tiere als Geschöpfe Gottes auch eigenständige Rechtssubjekte?
Untertitel
Eine theologische Untersuchung
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V464978
ISBN (eBook)
9783668934092
ISBN (Buch)
9783668934108
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tierethik, geschöpfe, tiere, rechtssubjekt
Arbeit zitieren
Sandra Knierbein (Autor), 2015, Sind Tiere als Geschöpfe Gottes auch eigenständige Rechtssubjekte?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464978

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