Diese Arbeit untersucht Fragen der Tierethik aus theologischer Perspektive. Tierversuche, Massentierhaltung, massiver Fleischkonsum. Diese Aspekte sind nur einige, aber grundlegende Hinweise darauf, dass sich das Verhältnis der Menschen zu den Tieren stark gewandelt hat. Es findet eine Vielzahl von Tierversuchen statt, bei denen Tiere teilweise gequält werden oder einige Versuche keine ethisch vertretbaren Gründe haben. Auch die Tierhaltung findet nicht selten unter unwürdigen Bedingungen statt. Die Tiere werden dann auf zu kleinem Raum gezüchtet und gemästet, um den stark gestiegenen Fleischkonsum der Menschen zu decken.
Obwohl Tiere bereits durch die Schöpfung über eigene Rechte verfügen, über die Rechte auf ein Leben und auf eine artgerechte Behandlung, die den Menschen zu achten gelten, kommt es vielfältig zum Missbrauch von Tieren durch die Menschen, wodurch der göttliche Schöpfungswille gebrochen wird. Es entsteht eine Spannung durch das Eingreifen des Menschen in die Natur, welches innerhalb eines bestimmten Rahmens für ihn existenziell notwendig ist und seiner Pflicht, die festgelegte Ordnung der Natur zu erhalten. Diese Spannung überträgt sich auf den Umgang mit Tieren, die folglich als Geschöpf Gottes Eigenrechte haben, aber doch dem Menschen untergeordnet sind.
Doch folgt nun aus dem Sein eines Geschöpf Gottes, dass Tiere auch eigenständige Rechtssubjekte sind? Haben Tiere Rechte, die vom Menschen nicht berührt werden dürfen? Um eine begründete Antwort auf diese Frage zu finden, geht es vor allem darum, die Stellung der Tiere innerhalb der Gesellschaft herauszuarbeiten, das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren einerseits und die Sicht der katholischen Kirche bezüglich dieser Thematik anderseits darzustellen, sowie den Umgang mit Tieren in diesem Kontext zu analysieren und andere Möglichkeiten des Umgangs mit Tieren aufzugreifen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Tiere als Geschöpfe Gottes mit Eigenwert
2.1 Biblische Grundlagen
2.2 Tradition
2.3 Aktuelle lehramtliche Aussagen
3 Ein theologisch verantworteter Umgang mit den Tieren bisher und die Frage der Rechtssubjektivität
4 Impulse für einen anderen Umgang mit Tieren als Rechtssubjekte
5 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen dem theologischen Verständnis von Tieren als Geschöpfe Gottes mit Eigenwert und ihrer realen Behandlung durch den Menschen. Ziel ist es zu erörtern, ob daraus der Status als eigenständige Rechtssubjekte abgeleitet werden kann, wofür die Sichtweise der katholischen Kirche sowie Ansätze der Tierrechtstheorie analysiert werden.
- Schöpfungstheologische Begründung des Eigenwerts von Tieren
- Analyse des biblischen Herrschaftsauftrags und seiner ethischen Grenzen
- Kritische Beleuchtung der heutigen Tiernutzung (Massentierhaltung, Tierversuche)
- Vergleich kirchlicher Lehrmeinungen mit modernen Tierrechtskonzepten
- Entwicklung von Impulsen für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Tieren
Auszug aus dem Buch
2.1 Biblische Grundlagen
Das Fundament dieses Abschnitts bildet die Schöpfungstheologie mit der Schöpfungserzählung in Genesis 1. In diesem Zusammenhang stelle ich folgende Ausgangsthese auf: Die Tiere als Geschöpfe Gottes stehen in einem Spannungsverhältnis zwischen einem ihnen zugeschriebenen Eigenrecht, welches sich vor allem durch die Gleichsetzung mit dem Menschen äußert, und der Unterordnung beziehungsweise Unterwerfung gegenüber dem Menschen.
Diese Spannung in der Wahrnehmung der Tiere thematisiert auch unter anderem der Theologe Michael Welker in seinem Werk „Schöpfung und Wirklichkeit“ (1995). In diesem spricht er von einer „vegetarischen Solidargemeinschaft von Menschen und Tieren“. Den Menschen sowie den Tieren wird in Gen 1,29-1,30 eine vegetarische Ernährung zugeschrieben.
Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. Allen Tieren des Feldes, allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, was Lebensatem in sich hat, gebe ich alle grünen Pflanzen zur Nahrung. So geschah es (Gen 1,29-30).
Es ergibt sich somit ein gemeinsamer Nahrungs- und Lebensbereich für Menschen und Tiere. Innerhalb diesem Nebeneinandertreten sieht Welker allerdings ein Aufkommen von Problemen, Spannungen und Konflikten zwischen ihren Interessen im selben Raum:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel im Mensch-Tier-Verhältnis angesichts von Massentierhaltung und Tierversuchen und führt in die Fragestellung ein, ob Tiere als Geschöpfe Gottes auch eigenständige Rechtssubjekte sind.
2 Tiere als Geschöpfe Gottes mit Eigenwert: Dieses Kapitel begründet den Eigenwert von Tieren durch eine Analyse biblischer Schöpfungstexte, historischer Traditionen und aktueller lehramtlicher Aussagen der Kirche.
3 Ein theologisch verantworteter Umgang mit den Tieren bisher und die Frage der Rechtssubjektivität: Hier wird der bisherige Umgang mit Tieren kritisch reflektiert und die Frage der Rechtssubjektivität unter Einbeziehung einer Theorie der Tierrechte diskutiert.
4 Impulse für einen anderen Umgang mit Tieren als Rechtssubjekte: Dieses Kapitel zeigt praktische Möglichkeiten auf, wie durch Bildung, kirchliches Engagement und neue staatsbürgerliche Konzepte ein respektvollerer Umgang mit Tieren gefördert werden kann.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Tiere aus kirchlicher Sicht zwar einen Eigenwert besitzen, jedoch keine eigenständigen Rechtssubjekte im Sinne unverletzlicher Rechte sind.
Schlüsselwörter
Tiere, Schöpfung, Geschöpf Gottes, Eigenwert, Rechtssubjekte, Tierrechte, Verantwortungsethik, Schöpfungskrise, Herrschaftsauftrag, Tierversuche, Massentierhaltung, Tierschutz, Kirche, Menschen, Mitgeschöpfe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem ethischen und theologischen Verhältnis zwischen Mensch und Tier und untersucht, wie Tiere innerhalb der christlichen Schöpfungslehre bewertet werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Schöpfungstheologie, die kirchliche Verantwortungsethik gegenüber Tieren sowie die Diskussion über Tierrechte und den Status als Rechtssubjekt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage ist, ob aus der theologischen Erkenntnis, dass Tiere Geschöpfe Gottes mit Eigenwert sind, zwingend folgt, dass sie auch eigenständige Rechtssubjekte sein müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theologische Hausarbeit, die auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von kirchlichen Dokumenten und theologischen Fachwerken basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden biblische Grundlagen, historische Traditionen, die aktuelle Haltung der Kirche und Ansätze moderner Tierrechtstheorien gegenübergestellt, um das Spannungsfeld zwischen Tiernutzung und Tierschutz zu erörtern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Schöpfung, Eigenwert, Rechtssubjektivität, Verantwortungsethik und Herrschaftsauftrag.
Wie definiert die Arbeit den biblischen Herrschaftsauftrag?
Der Herrschaftsauftrag wird nicht als Recht zur willkürlichen Ausbeutung, sondern als Verpflichtung zu Fürsorge und verantwortungsvollem Handeln innerhalb eines solidarischen Miteinanders zwischen Mensch und Tier interpretiert.
Warum kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass Tiere keine Rechtssubjekte sind?
Nach der Schlussfolgerung der Autorin fehlen Tieren die Eigenschaften, die dem Menschen aufgrund seiner Sonderstellung als Ebenbild Gottes zugeschrieben werden, weshalb ihr Recht auf Leben gegenüber menschlichen Interessen in kritischen Situationen nachrangig behandelt werden kann.
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- Sandra Knierbein (Autor), 2015, Sind Tiere als Geschöpfe Gottes auch eigenständige Rechtssubjekte?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464978