In der vorliegenden Arbeit soll eruiert werden, inwiefern eine kritische Analyse der Sachsengeschichte des Widukind von Corvey im Hinblick auf die von ihm dargestellte Königserhebung Ottos I möglich ist. Deshalb sollen die res gestae Saxonicae des Corveyer Mönchs zunächst näher beleuchtet werden. In Bezug auf das Thema dieser Arbeit eignet sich gerade das zweite Buch der Sachsengeschichte, in dem die Königserhebung Ottos I von Widukind ausführlich in ihren Abläufen dargestellt wird. Diese Abläufe wurden von dem Historiker Hagen Keller aufgegriffen und analysiert.
In seinem Aufsatz "Widukinds Bericht über die Aachener Wahl und Krönung Ottos I." führt er über die Darstellung Widukinds zur Königserhebung eine ausgiebige Debatte. Er nennt Argumente, die einerseits dafür sprechen, dass Widukinds Darstellungen einen hohen Wahrheitsgehalt aufweisen und somit diesen nicht mit Unsicherheit entgegnet werden muss, andererseits legt er aber auch Theorien dar, die an den Schilderungen Widukinds Zweifel äußern. Aufgrund dessen dient der dritte Teil dieser Arbeit, in dem herausgearbeitet werden soll, inwiefern die Argumentation Kellers plausibel erscheint und welche Auswirkungen diese auf den Blick der Königserhebung Ottos I hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Königserhebung Ottos I. in der Sachsengeschichte
3. Kellers Blick auf die Aachener Königserhebung Ottos I.
4. Kellers Argumentation – eine plausible Überlegung?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Zuverlässigkeit des Berichts von Widukind von Corvey über die Königserhebung Ottos I. im Jahr 936, indem sie die kritische Analyse des Historikers Hagen Keller auf ihre Plausibilität prüft und dabei insbesondere die Diskrepanzen zwischen dem Text Widukinds und den historischen Realitäten beleuchtet.
- Die Sachsengeschichte als zentrale Quelle des Mittelalters
- Ablauf und Zeremoniell der Königserhebung Ottos I.
- Die kritische Auseinandersetzung von Hagen Keller mit dem Quellentext
- Die Hypothese einer möglichen Überlagerung durch die Erhebung Ottos II. (961)
- Das Problem der fehlenden Erwähnung der Königin Edgith
Auszug aus dem Buch
Die Königserhebung Ottos I. in der Sachsengeschichte
Die res gestae saxonicae des Corveyer Mönchs Widukind, im Deutschen auch als die Sachsengeschichte bekannt, gilt als die wohl bedeutsamste Quelle des Mittelalters bzw. im engeren Sinne der Ottonenzeit. Sie besteht aus insgesamt drei Büchern, wobei gerade das zweite Buch für die Frage der vorliegenden Arbeit am interessantesten ist. In diesem geht es nämlich hauptsächlich um die Königserhebung Ottos I.
Otto I. war Sohn Heinrichs I., der bis 936 als König des Ostfrankenreichs herrschte. Am 2. August diesen Jahres verstarb Heinrich I. und hinterließ sein Königreich seinem Sohn Otto, trotz der Tatsache, dass es ebenso dessen Bruder Heinrich hätte zugeschrieben werden können. Wenige Wochen später, am 7. August 936, soll die Wahl und Thronsetzung Ottos in der Basilika Karls des Großen in Aachen stattgefunden haben, wie auch Widukind in seiner Sachsengeschichte festhält. Die Zeremonie wurde in drei Akte unterteilt: Im ersten Akt soll die Thronsetzung und die Huldigung der weltlichen Großen vollzogen werden, woraufhin im zweiten Part die geistlichen Akte der Königserhebung folgten. Dabei wurden dem Thronfolger die Insignien übergeben, aber auch die Königssalbung und –krönung durchgeführt. Allgemein gefasst wird der zweite Akt daher auch Krönungsmesse genannt. Schließlich folgt das Krönungsmahl, welches den dritten Akt symbolisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Fragestellung ein und erläutert die Bedeutung der Sachsengeschichte Widukinds als Quelle für die Königserhebung Ottos I. im Jahr 936.
2. Die Königserhebung Ottos I. in der Sachsengeschichte: Dieses Kapitel beschreibt den Ablauf der Zeremonie in Aachen gemäß der Darstellung Widukinds und gliedert diese in drei Akte.
3. Kellers Blick auf die Aachener Königserhebung Ottos I.: Hier wird die Forschungsposition von Hagen Keller vorgestellt, der Widukinds Bericht einer kritischen Prüfung unterzieht und die Plausibilität der Quelle hinterfragt.
4. Kellers Argumentation – eine plausible Überlegung?: Dieses Kapitel analysiert die Argumente Kellers und diskutiert, ob Widukinds Schilderungen tatsächlich zutreffen oder ob er Elemente einer späteren Zeremonie integriert hat.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Debatte um die Glaubwürdigkeit Widukinds aufgrund der Quellenlage nicht eindeutig geklärt werden kann.
Schlüsselwörter
Widukind von Corvey, Sachsengeschichte, Königserhebung, Otto I., Hagen Keller, Mittelalter, Aachen, Königskrönung, Res gestae Saxonicae, Ottonenzeit, Geschichtsschreibung, Quellenkritik, Zeremoniell, Edgith, Frühdeutscher Ordo
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Authentizität des Berichts von Widukind von Corvey über die Königserhebung Ottos I. im Jahr 936 im Kontext der kritischen Analyse durch den Historiker Hagen Keller.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die ottonische Geschichtsschreibung, die Rekonstruktion des Aachener Erhebungszeremoniells sowie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Zuverlässigkeit mittelalterlicher Quellen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit hinterfragt, inwieweit die Argumentation Hagen Kellers, der Widukinds Darstellung der Königserhebung kritisch analysiert, plausibel erscheint und ob der Bericht als historisch akkurat eingestuft werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quellenkritische Analyse, bei der der Bericht Widukinds mit modernen Forschungsergebnissen von Hagen Keller und Karl Schmid konfrontiert und hinsichtlich seiner historischen Plausibilität bewertet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Beschreibung der Zeremonie durch Widukind, der Gegenüberstellung mit der Forschungskritik Kellers sowie der Prüfung der Hypothese, ob Widukind Erlebnisse der Krönung Ottos II. auf die Zeremonie von 936 projiziert haben könnte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Widukind von Corvey, Sachsengeschichte, Königserhebung Ottos I., Quellenkritik, Hagen Keller und das mittelalterliche Aachener Zeremoniell.
Warum spielt die Person Edgith eine Rolle in der Argumentation?
Da Widukind die Ehefrau Ottos I., Edgith, in seinem gesamten Bericht nicht erwähnt, obwohl sie eine zentrale Rolle im Bündnissystem der Ottonen spielte, dient dies als Indiz für die Unvollständigkeit oder Fiktionalität einzelner Passagen seines Berichts.
Welchen Einfluss hat das Alter Widukinds auf seine Schilderung?
Da Widukind zum Zeitpunkt der Erhebung (936) erst etwa zehn Jahre alt war, bezweifelt Keller, dass er die komplexen Vorgänge einer so bedeutenden Königskrönung in der von ihm beschriebenen Tiefe hätte erfassen und korrekt dokumentieren können.
Warum wird die Krönung von 961 als Vergleichsmaßstab herangezogen?
Keller vermutet, dass Widukind möglicherweise Elemente der Königskrönung Ottos II. von 961 genutzt hat, um seinen Bericht über die Erhebung von 936 zu gestalten, da bestimmte terminologische Details besser zur späteren Zeremonie passen.
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- Ilka Schillings (Author), 2019, Die Königserhebung Ottos I. Eine Analyse der Darstellung im Hinblick auf die Sachsengeschichte Widukinds, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464993