Die Rolle Genuas und Venedigs im Schwarzmeerhandel des 14. Jahrhunderts


Hausarbeit, 2015
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Anfänge der Handelsexpansion
2.1 Der Aufstieg Venedigs und Genuas
2.2 Stolpersteine auf dem Weg zur Seemacht: Das konfliktreiche 13. Jahrhundert

3. Die Entdeckung des Schwarzen Meeres als Handelsraum

4. Handelsalltag am Schwarzen Meer
4.1 Die Vielfalt der Waren und der Transfer zwischen Ost und West
4.2 Zwei Städte im Fokus: Das Warenangebot in Kaffa und Trapezunt
4.3 Multikulturelle Gemeinschaft: Die soziale Struktur in den Kolonien

5. Asien in Europa: Kultur- und Warentransfer in den Westen

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsteil

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Drängelnde Menschen, die mit Schweißtropfen auf der Stirn durch die mittägliche Hitze laufen. Von allen Seiten nehmen sie Händler wahr, die mit hektischen Blicken und heiser Kehle ihre perfekt aufgetürmte Ware anpreisen. Sie sehen Marktstände soweit das Auge reicht. Bei einer Reise durch das mittelalterliche Europa hätte man es sich sicherlich nicht entgehen lassen, an einem Markttag durch Menschenmassen zu drängen, um einen Eindruck von der angebotenen Vielfalt zu erhaschen. Damals einem Einwohner einer europäischen Stadt die Frage zu stellen, wie er sich die Welt jenseits Europas vorstelle, hätte seine Augen sicherlich zum Leuchten gebracht. Vielleicht wäre die Antwort gewesen, dass er sich den Fernen Osten als einen Ort voller Reichtümer, exotischer Früchte und Gewürze ausmale, wobei er mit träumerischem Blick zu den verschiedenen Pfeffersorten und golddurchwirkten Stoffen geschielt hätte. Jeder sah in seiner Fantasie diese ferne Welt vermutlich ein wenig anders, aber niemand konnte wohl leugnen, dass die Fremdheit des Ostens eine wundersame Anziehungskraft ausübte. Spätestens seit der Venezianer Marco Polo gegen Ende des 13. Jahrhunderts von seiner abenteuerlichen Reise durch die chinesischen Weiten zurückgekehrt war, wuchs das Interesse an der fortschrittlichen und zugleich so ungewohnten Kultur der östlichen Hemisphäre.

Die folgende Arbeit wird sich mit der Frage beschäftigen, inwiefern jene Faszination Europa einnahm und welche namhafte Rolle Venedig und Genua im Austausch zwischen den Kulturen zukommt. Hierbei ist besonders wissenswert, welche Bandbreite an Gütern den europäischen Markt eroberte und wie verschiedene Aspekte der östlichen Kultur und Lebensweise absorbiert wurden. Die Literatur bietet eine breite Auswahl an Werken, die sich mit dem Transfer zwischen Ost und West beschäftigen. Das Schwarze Meer findet dort als Übergang zur östlichen Welt oftmals Erwähnung, besonders die wichtigsten Stützpunkte an den Küsten. Allerdings finden sich wenige Ausarbeitungen, welche ein genaueres Bild des kolonialen Lebens skizzieren. Das Verhältnis zwischen Fachliteratur über Venedig und Genua ist unausgeglichen, da die Forscher deutlich öfter die Lagunenstadt Venedig in den Fokus nehmen und Genua vergleichsweise weniger Aufmerksamkeit genießt. Nichtsdestotrotz wird im Folgenden versucht zu schildern, wie die beiden italienischen Städte zu Handelsmächten aufsteigen konnten, mit welchen Problemen sie auf dem Weg dorthin konfrontiert wurden und wie das Schwarze Meer unter ihrer Herrschaft zu einer „Drehscheibe des Welthandels“1 wurde. Darauf aufbauend werden die Folgen dieser Erweiterung der Handelsräume für den Westen dargelegt, um eine Vorstellung davon zu geben, inwiefern der Orient wichtige Impulse an die Europäer weitergab, die bis heute aus unserem Leben nicht mehr fortzudenken sind.

2. Die Anfänge der Handelsexpansion

2.1 Der Aufstieg Venedigs und Genuas

Wir schreiben das 6. Jahrhundert. Die Zeit in der Venedigs Grundstein gelegt wurde. Es waren Flüchtlinge, die aus Angst vor den einfallenden Lombarden, um das Jahr 568 in den Lagunen nahe der Küste Unterschlupf suchten und diesen dort, an der Stelle eines kleinen Fischerdorfes, fanden.2 Im Laufe der Jahrhunderte sollte aus der Lagunenstadt eine der bedeutendsten Handelsmächte des Abendlandes werden und in ihrer Rolle als „Mittlerin zwischen Orient und Okzident“ die sagenumwobene Welt der östlichen Hemisphäre mit dem Lateinischen Westen zusammenführen.3 Etwa ab dem 9. Jahrhundert begann Venedig Kaufleute in das syrische Antiocheia und nach Alexandrien in Ägypten zu schicken und somit den Warentransfer mit dem Orient zu steuern.4 Schon damals war das Überleben Venedigs von Handelskontakten mit dem Osten abhängig und im Laufe der Zeit entwickelte sich die Lagunenstadt in einen Ort mit einer westlichen Identität, durchflochten von orientalischen Charakteristika.5

Ein großer Schritt in Richtung Weltmacht gelang der Republik, als der Doge Enrico Dandolo zu ihrem Anführer gewählt wurde. Beinahe blind und bei seinem Amtsantritt schon über siebzig Jahre alt, hätte man vermutlich nicht damit gerechnet, dass er derjenige wäre, der den Einflussbereich der Venezianer erheblich erweitern würde.6 Bereits drei Kreuzzüge hatte Europa in den letzten Jahrhunderten erlebt und nun würde der vierte, der im Jahre 1204 schon zwei Jahre andauerte, mit einem einschneidenden Ereignis zu Ende geführt werden. Dandolo leitete die venezianischen Kreuzfahrer ins Byzantinische Reich nach Konstantinopel (Abb. 1).7 Sie wüteten drei Tage in der byzantinischen Hauptstadt und ließen nicht nur ein Schlachtfeld zurück, sondern auch enorme Mengen an Wertgegenständen auf ihre Schiffe laden, darunter zahlreiche Kunstgüter und Reliquien, welche heute noch in ihrer Heimatstadt und den dort ansässigen Kirchen, etwa San Marco, bestaunt werden können.8 Die Stadt am Goldenen Horn war von diesem Zeitpunkt an Lateinisches Kaiserreich und mit der Eroberung Konstantinopels hatte Venedig seine Kolonialpolitik auf ein neues Level angehoben. Es war nun in Besitz einer Weltmachtstellung, die durch die Kontrolle über den östlichen Mittelmeerraum konsolidiert wurde.9

Über das Tempo des Aufstieges Genuas ist sich die Literatur uneinig. Gerhard Rösch spricht davon, dass dieser sich, im Gegensatz zu Venedigs Emporkommen, in einem „schnelleren Tempo“10 vollzog, Egmont Zechlin charakterisiert Genuas Weg jedoch als „schwerer und langsamer“11. Sicher ist, dass die Stadt als eine wenig bedeutsame Gemeinde auf dem Land begann. Verhältnismäßig ungünstig gelegen, fernab von fruchtbaren Böden und größeren Handelswegen.12 Der Konflikt mit ihrem späteren Gegner Venedig lag noch in weiter Ferne, als sich die beiden italienischen Seemächte im 11. Jahrhundert auf Sphären fokussierten, die weit von denjenigen des jeweils anderen entfernt lagen. Der Fahrtwind zog Venedig vermehrt in den östlichen Mittelmeerraum und darüber hinaus nach Konstantinopel und an das Schwarze Meer. Genua hatte ein Auge auf die westlichen Gebiete des mediterranen Raumes und die Küstengegend Nordafrikas geworfen, aber auch bei der ligurischen Stadt wuchs der Ehrgeiz, die Märkte des Ostens für sich zu gewinnen.13

Anzumerken ist, dass die Städte Italiens generell als jeweils eigenständige Staaten charakterisiert werden konnten. Italien war in dieser Hinsicht folglich keine politische Einheit, sondern eine Art „Flickenteppich“ aus vielen Stadtstaaten. Genua und Venedig sahen aufgrund ihrer Eigenständigkeit nicht die Möglichkeit ein Bündnis zu schließen, sondern verfolgten das Ziel, sich auf ihrem Weg zur Weltmacht gegenseitig zu eliminieren, wie das folgende Zitat von Egmont Zechlin anschaulich illustriert:14

„Je erfolgreicher sie aber auf der See und in Übersee waren und je mehr ihr Reichtum und ihr soziales und kulturelles Leben, ihr Glanz und ihre Blüte vom orientalischen Handel getragen wurden, desto mehr wirkte sich das Geschehen an der Peripherie auf ihr Verhältnis zueinander und die gesamtpolitische Entwicklung aus“.15

Es existierte also ein Konfliktpotenzial, welches auf dem Streben nach wirtschaftlicher Macht im östlichen Teil der Welt basierte. Aber inwiefern kam dieses zum Ausdruck? Bevor der Blick explizit auf den Schwarzmeerhandel gerichtet und die Rolle der beiden Konkurrenten dargelegt werden kann, ist es sinnvoll, zunächst zu betrachten, wie sich die Zeit vor dem 14. Jahrhundert gestaltete.

2.2 Stolpersteine auf dem Weg zur Seemacht: Das konfliktreiche 13. Jahrhundert

Im mittelalterlichen Italien bedienten Venedig und Genua dieselben Absatzmärkte und hofften auf Abnehmer in den oberitalienischen Städten. Da sie also folglich dieselbe Kundschaft belieferten, zeigte sich die rivalisierende Stimmung unmittelbar und entlud sich in einem ersten Krieg im Jahre 1256. Es war der Mord an einem genuesischen Bewohner des Stützpunktes in Akkon im Heiligen Land, durch die Hand eines Venezianers, für den die Genuesen Vergeltung üben wollten. Nach anhaltenden beiderseitigen Angriffen, entschied sich Genua für eine Maßnahme, die weitreichende Folgen nach sich zog. Es wurde ein Vertrag mit Michael Palaiologos, dem Kaiser von Nikaia, besiegelt.16 Jener maß Genua das Recht bei, zollfreien Handel im gesamten byzantinischen Gebiet, einschließlich des Schwarzen Meeres, zu betreiben.17 Michael Palaiologos nutzte das dadurch entstandene Bündnis mit den Genuesen und griff noch im selben Jahr Konstantinopel an. Der Versuch, die Stadt einzunehmen, glückte und jener Tag sollte den letzten der Lateinerherrschaft und den ersten der erneuten Etablierung des Byzantinischen Reiches darstellen. Der 1270 besiegelte Frieden dauerte etwa 25 Jahre. Ein Vierteljahrhundert das Genua nutzte, um sein Handelsimperium auszubauen.18 Das ausgehende 13. und das anbrechende 14. Jahrhundert waren Schauplatz für drei weitere Kriege die, aufgrund des Platzmangels, hier nicht im Detail ausgeführt werden können. Trotz des jahrhundertelang andauernden Konfliktes, stellten die beiden Seemächte zwei unersetzbare Motoren im Anbinden Europas an die Weltwirtschaft des Ostens dar.

3. Die Entdeckung des Schwarzen Meeres als Handelsraum

Inwiefern spielte das Gebiet des Schwarzen Meeres nun eine Rolle für die Handelspolitik Venedigs und Genuas? Im Jahre 1238 wurde das Gewässer in einem Waffenstillstandsabkommen zwischen den beiden italienischen Rivalen erstmalig erwähnt.19 Eine größere Bedeutung als Handelsraum erlangte es, als die Mongolen die Handelsgrenzen erweitern und sichern ließen.

„Das in den ersten Jahrzehnten relativ einheitliche gesamtmongolische Herrschaftsgefüge erlaubte während des fast hundertjährigen Zustandes relativer Ruhe, der sogen. Pax Mongolica (Mitte 13. bis Mitte 14. Jh.), eine bislang noch nie dagewesene Kommunikation von Korea bis zur Krim“.20

Dieses einheitliche Gefüge zerfiel aber schon um die Mitte des 14. Jahrhunderts und die Blütezeit des Handels über die Häfen des Schwarzen Meeres war folglich relativ kurz. Trotzdem kam es in der Zeit der „Pax Mongolica“ zu einer enormen Ausbreitung und Erschließung neuer Handelswege und Gebiete im Schwarzmeerraum und darüber hinaus, wie es sie seit der Zeit der griechischen Kolonisation und der Expansion des Römischen Reiches nicht mehr gegeben hatte.21 Die Karawanenwege aus Indien wurden Ende des 13. Jahrhunderts von Bagdad in weiter nördliche Richtung verlegt und verliefen nun über das sichere Gebiet in der Nähe von Täbris. Darüber hinaus mussten sich die Venezianer nach dem Fall Akkons 1291 neue Stützpunkte suchen, um ihren Handel aufrecht zu erhalten, wobei sie ihr Weg zum Schwarzen Meer führte.

Hier widmeten sie ihre Aufmerksamkeit dem Handel mit Luxusgütern, wohingegen Genua den Fokus auf den Massengüterhandel legte.22

Die Italiener nutzten die Küstengegend rund um das Schwarze Meer, um dort Handelsniederlassungen und Kolonien zu gründen. Die Venezianer ließen sich in Soldaia, auf der Ostseite der Krim gelegen und in Tana, dem heutigen Asow, an der Mündung des Flusses Don nieder.23 Tana war neben Trapezunt für die Venezianer der einzige große Stützpunkt an der Ostküste des Schwarzen Meeres und hauptsächlich von selbigen besiedelt, neben einer geringen Anzahl Genuesen (Abb. 2).24 Die Stadt spielte eine große Rolle bezüglich des Schwarzmeerhandels, da sie den Endpunkt „einer gewaltigen transasiatischen Handelsstraße“ darstellte.25 An der südlichen Küste des Schwarzen Meeres gelegen, bildete Trapezunt eine Drehscheibe des Handels, da sich hier wichtige Routen kreuzten.26 Venedig ließ sich im Jahre 1319 in der Stadt an der südlichen Schwarzmeerküste nieder, von wo ein Handelsweg über Täbris bis nach Hormuz führte (Abb. 3). Die „Muda die Romania“, wie diese Route genannt wird, bildete einen weiteren Zweig, der vom Süden des Schwarzen Meeres in den Norden nach Soldaia auf der Krim und nach Tana führte.27 Im Täbris des ausgehenden 13. und frühen 14. Jahrhunderts lebten derart viele Venezianer und Genuesen, dass jede Stadt eine eigene, von einem Konsul geleitete, Gemeinde besaß.28 Nachdem mit Unterstützung Genuas das Lateinische Kaiserreich 1261 gestürzt worden war, wuchs Genuas Einfluss zunehmend an. Genua verfügte nun über Stützpunkte am Schwarzen Meer, wie etwa Trapezunt, Kaffa und Tana. Somit waren sie an vielen Orten präsent, an denen auch ihre Nachbarn aus der Lagunenstadt ihr Lager aufgeschlagen hatten.

4. Handelsalltag am Schwarzen Meer

4.1 Die Vielfalt der Waren und der Transfer zwischen Ost und West

Die Frage, die sich nun stellt, ist, welche Waren Russland und die anderen Länder rund um das Schwarze Meer und darüber hinaus zu bieten hatten und welche Güter ihnen ihre italienischen Handelspartner im Gegenzug anpriesen. Italienische Kaufleute, die in den Kolonien lebten, hielten den Transfer der Waren, den sie tagtäglich beobachteten, für die Nachwelt fest. Der genuesische Notar Antonio die Ponzo, der in der genuesischen Gemeinde in Kilia am Schwarzen Meer ansässig war, zeichnete in den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts auf, welche Waren im- und exportiert wurden. Wein und Salz vermerkte er als Importwaren. Weizen, Honig, Wachs sowie Sklaven, häufig Mädchen im Alter von 12 bis 13 Jahren aus der Mongolei, fielen unter die Kategorie „Exportwaren“. Bezahlen mussten die italienischen Kaufleute, die ihrerseits neben Salz und Wein, auch Leinen und Wollgewebe ins Schwarzmeergebiet brachten, die Güter mit Silberbarren, sogenannten „Sommi“. Diese Barren wurden in den Werkstätten ihrer Heimatstädte Genua und Venedig gegossen, jedoch nach europäischen Standards. Die Richtlinien, welche im Schwarzmeerraum galten, erforderten einen höheren Reinheitsgrad für das Zahlungsmittel. Um der Norm gerecht zu werden, ließen die Händler die mitgebrachten Silberbarren in den Kolonien Pera oder Galata, welche am Eingang zum Schwarzen Meer lagen, einschmelzen, um daraus neue Barren mit dem entsprechenden Reinheitsstandard für den asiatischen Raum gießen zu lassen.29

Im Folgenden wird der Fokus genauer auf den Warenverkehr der beiden italienischen Handelsmächte gelegt. Häufig spricht die Literatur nur von „Italienern“, unterscheidet also nicht immer genau zwischen genuesischem und venezianischem Handel. Auf Grund dessen wird die folgende Darlegung des Handelsumfangs von den Waren ausgehen und, wo in der Literatur vermerkt, ergänzend erwähnt, ob die jeweilige Ware hauptsächlich auf genuesischen oder venezianischen Schiffen ihren Weg nach Westeuropa fand.

Im Zusammenhang mit dem Bevölkerungszuwachs, der in Europa bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts anhielt, benötigte man mehr und vor allem auch günstigere Nahrungsmittel, um den Hunger zu stillen. Somit war es essenziell, eine große Menge an Getreidelieferungen zu sichern. Das Schwarzmeergebiet stellte hierfür eine reichhaltige Quelle dar. Das Getreide wurde von großen ehemaligen Grassteppen flussabwärts bis zur Schwarzmeerküste transportiert und dort von venezianischen und noch häufiger von genuesischen Kaufleuten erworben.30

Besonders große Mengen exportierten die Händler auch an Gewürzen, wobei damals auch Lebensmittel wie Zucker unter der Kategorie „Gewürze“ verzeichnet wurden. Die venezianischen Kaufleute waren die ersten, die Zucker aus Syrien und Ägypten importierten, wobei dieser insbesondere von Adligen gerne für süßes Gebäck oder zum Kandieren von Früchten genutzt wurde. Darüber hinaus zählte man auch Heilmittel und medizinische Extrakte zu den Gewürzen. Peter Spufford bemerkt hierzu, dass die aus China exportierte getrocknete Wurzel des Mammutblattes, welche als Abführmittel genutzt worden ist und die Bestandteile des Thiriacum, ein Allheilmittelsirup, als „Gewürze“ zusammen mit Nelken und Pfeffer importiert worden seien. Pfeffer stellte das günstigste eingeführte Gewürz dar und wurde massenhaft verwendet.31 Es deckte etwa zwei Drittel der Küchengewürze ab, die nach Venedig importiert wurden und genau wie Ingwer, wurde Pfeffer insbesondere an den westlichen Küsten im Süden Indiens und auf Sri Lanka angebaut. Die gelbe Knolle war ebenfalls sehr beliebt und wurde zur geschmacklichen Verbesserung von Fleisch, Fisch und Wein genutzt. Zum Abschmecken von Getränken und Speisen wurden darüber hinaus auch Gewürznelken genutzt, wobei diese zudem einen medizinischen Zweck erfüllten und selbst heute noch, in Form von Nelkenöl, zum Beispiel von Zahnärzten zur Behandlung angewendet werden. Im medizinischen und kulinarischen Bereich fanden auch andere exotische Importe wie Rhabarber, Galgant und Aloe aus dem Osten Chinas Verwendung.32

Aus dem fernen Ceylon, dem heutigen Sri Lanka, stammten neben Pfeffer auch kostbare Perlen, die darüber hinaus aus den Gegenden des Persischen Golfes und Indiens ihren Weg nach Hormuz fanden. Hier befand sich der mittlerweile größte Umschlagplatz für die edle Ware, die auf ihrer weiteren Reise nach Täbris gelangte. Ein Großteil der kostspieligen Edelsteine stammte aus Indien, Halbedelsteine wie der tiefblaue Lapislazuli beherbergte der zentralasiatische Raum, leuchtende Türkise fand man in Persien. Die westlichen Kaufleute aus Italien erwarben die Kostbarkeiten in Alexandria oder Konstantinopel, nach etlichen Stationen über asiatische und arabische Zwischenhändler. Trotz der horrenden Preise für die Luxusware spielte der Edelsteinhandel für die Wirtschaft Europas eine wenig bedeutsame Rolle und wurde vom enormen Umfang des Im- und Exports der Massengüter deutlich übertrumpft.33

[...]


1 Paul Meinrad Strässle, Der internationale Schwarzmeerhandel und Konstantinopel 1261-1484 im Spiegel der sowjetischen Forschung, Bern 1990, S. 15.

2 Vgl. Janet L. Abu-Lughod, Before European Hegemony. The World System A.D. 1250-1350, New York 1989, S. 104.

3 Gerhard Rösch, Venedig. Geschichte einer Seerepublik, Stuttgart [u.a.] 2000, S. 65.

4 Vgl. Egmont Zechlin, Maritime Weltgeschichte. Altertum und Mittelalter, Hamburg 1947, S. 305.

5 Vgl. Venice and the Islamic World 828-1797, hg. von Stefano Carboni, Ausst.-Kat. New York, The Metropolitan Museum of Art 2007, S. 59.

6 Vgl. Rösch, 2000, S. 68.

7 Vgl. Zechlin, 1947, S. 308 f.

8 Vgl. Rösch, 2000, S. 70 f.

9 Vgl. Zechlin 1947, S. 309.

10 Rösch 2000, S. 75.

11 Zechlin 1947, S. 311.

12 Ebd., S. 311.

13 Vgl. Abu-Lughod 1989, S. 105.

14 Vgl. Zechlin 1947, S. 315.

15 Ebd., S. 316.

16 Vgl. Rösch 2000, S. 74 f.

17 Vgl. Strässle 1990, S. 15.

18 Vgl. Rösch 2000, S. 75 f.

19 Vgl. Strässle 1990, S. 14.

20 Ebd., S. 9 f.

21 Charles King, The Black Sea. A history, Oxford [u.a.] 2006, S. 90.

22 Vgl. Strässle 1990, S. 9 f.

23 Vgl. Zechlin 1947, S. 310.

24 Vgl. Strässle 1990, S. 64.

25 Max Silberschmidt, Das orientalische Problem zur Zeit der Entstehung des Türkischen Reiches, Hildesheim 1972 (Beiträge zur Kulturgeschichte des Mittelalters und der Renaissance, Bd. 27), S. 128.

26 Vgl. Zechlin 1947, S. 310.

27 Vgl. Rösch 2000, S. 108.

28 Vgl. Peter Spufford, Handel, Macht und Reichtum. Kaufleute im Mittelalter, Darmstadt 2004, S. 235.

29 Vgl. Spufford 2006, S. 258.

30 Ebd., S. 216-219.

31 Ebd., S. 85.

32 Ebd., S. 231-239.

33 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Rolle Genuas und Venedigs im Schwarzmeerhandel des 14. Jahrhunderts
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Asien im Mittelalter
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
24
Katalognummer
V465155
ISBN (eBook)
9783668925045
ISBN (Buch)
9783668925052
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Genua Venedig Schwarzes Meer Schwarzmeerhandel Mittelalter 14. Jahrhundert
Arbeit zitieren
Verena Berens (Autor), 2015, Die Rolle Genuas und Venedigs im Schwarzmeerhandel des 14. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465155

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