Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die wichtigsten Wirkungen von Kinderchorarbeit auf die Persönlichkeitsentwicklung und die soziale Kompetenz der Kinder darzustellen. Unter besonderer Berücksichtigung verschiedener physischer, psychischer und soziologischer Theorien und Konzepte, der Analyse ihrer Wirkungsweisen und der Anwendung daraus resultierender Ansichten auf das konkrete Handlungsfeld sollen Bedeutung und Reichweite der Thematik herausgearbeitet werden.
Bedeutende und schnelle Veränderungen in den gegenwärtigen Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen verlangen eine Innovation der bisherigen Bildungsanforderungen. Die durch viele Faktoren bedingte, ständig sinkende Hemmschwelle zur Gewalt und die Zunahme der Kinder- und Jugendkriminalität zeigen die Notwendigkeit alternativer Erziehungs-konzepte ebenso wie der immer geringer werdende familiäre Einfluss auf die Kinder. Zunehmend zerrüttete Familienverhältnisse zwingen die Kin-der und Jugendlichen auf der Suche nach Alternativen zu einer Fremdori-entierung an den gängigen Medien und Verhaltensmustern ihrer sozialen Milieus. Selbst eine staatliche Förderung der Computernutzung in Schulen, die entsprechend den neuen Anforderungen einer Informationsgesellschaft durchaus notwendig ist, begünstigt wiederum die Isolation des Einzelnen. Die Zielsetzungen der Bildungspolitik, zunehmend qualifiziertes Wissen zu vermitteln, lassen weitere gesellschaftliche Probleme, beispielsweise wachsende Defizite in Bereichen wie Kommunikationsfähigkeit, Selbstständigkeit, Durchsetzungsvermögen und Kooperationsfähigkeit, außer Acht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wirkungen des Singens auf den Menschen
2.1 Physische Auswirkungen des Singens
2.1.1 Atmung als Träger der Lebensenergie
2.1.2 Sinnessysteme im Wahrnehmungsprozess
2.1.2.1 Die unterschiedliche Funktion der Gehirnhälften und die Förderung des interhemisphärischen Zusammenspiels durch das Singen
2.1.3 Wahrnehmung als Grundlage der Intelligenz und Persönlichkeitsentwicklung
2.1.3.1 Konzentrationsschwäche, Fantasie- und Kreativitätsmangel durch Wahrnehmungsstörungen
2.1.4 Singen als körperliche Energetisierungsstrategie
2.2 Psychische Auswirkungen des Singens
2.2.1 Zur Bedeutung des Singens für den Menschen am Beispiel anderer Kulturen
2.2.1.1 Zur Regulation von Emotionen
2.2.1.2 Emotionale Zustände
2.2.1.3 Kognition
2.2.1.4 Verhalten
2.2.2 Singen als Bewältigungsstrategie
2.2.2.1 Singen als seelische Energetisierungsstrategie
2.2.2.2 Singen als Medium der Selbstbegegnung und Selbstreflexion
2.3 Wirkungen von Gruppenaktivität auf Kinder
2.3.1 Einführung
2.3.2 Sozialverhalten als Leitidee pädagogischer Arbeit
2.3.3 Die Gruppe als Sozialform
2.3.3.1 Die peer-group der Kinder und Jugendlichen
2.3.4 Interaktion in Kleingruppen als soziale Fähigkeit
2.3.5 Motivation
2.3.6 Lernen durch Imitation und Beobachtung
2.3.7 Sympathie und Antipathie
2.3.7.1 Die Ursachen
2.3.7.2 Die Wirkungen
2.3.8 Führer in der Gruppe
3. Interaktion der physiologischen, psychologischen und soziologischen Wirkungen des Singens im Kinderchor
3.1 Warum im Chor singen?
3.2 Auszüge aus Ergebnissen empirischer Studien
3.2.1 Schulversuche mit erweitertem Musikunterricht in der Schweiz
3.2.1.1 Die Versuchsbedingungen
3.2.1.2 Die Ergebnisse der Schweizer Studie
3.2.2 Die Langzeitstudie Hans Günther Bastians an Berliner Grundschulen
3.2.2.1 Die Versuchsbedingungen
3.2.2.2 Die Ergebnisse der Berliner Studie
4. Anregungen zur Realisierung der unterschiedlichen Zielsetzungen der Kinderchorarbeit
4.1 Die pädagogischen Ziele
4.2 Die musikalischen Ziele
4.2.1 Kriterien für eine systematische Literaturauswahl
4.2.2 Die Probengestaltung
4.2.2.1 Die Struktur der Probe
4.2.2.2 Der Liederwerb in der Chorprobe
4.3 Stimmbildung mit Kindern
4.3.1 Besonderheiten der Kinderstimme
4.3.1.1 Umfang der Kinderstimme
4.3.2 Stimmfehler
4.3.2.1 Analyse von Stimmfehlern
a) Fehler im Atmungssystem
b) Fehler im Tonerzeugungssystem
c) Fehler im Tonverstärkungssystem
d) Schwierigkeiten bei der Koordination von Gehör und Stimme/ „Brummer“
4.3.3 Das Einsingen als unverzichtbares Element jeder Chorprobe
4.4 Disziplin und Autorität
5. Einschätzung der Wirkung von Kinderchorarbeit am Beispiel des Musiktreck Essel
5.1 Der Chor
5.2 Erfolge der Chorarbeit
5.2.1 Der Umgang der Chormitglieder untereinander und die Wirkung des Chores nach außen
5.2.2 Ergebnisse aus der Befragung von Eltern und Chorkindern
5.2.2.1 Die Chorkinder
5.2.2.2 Die Eltern
6. Nachwort
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Kinderchorarbeit auf die Persönlichkeitsentwicklung und soziale Kompetenz. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie durch gezielte musikalische Förderung in der Gruppe körperliche, psychische und soziologische Effekte erzielt werden können, die den Kindern in ihrem Alltag als Bewältigungsstrategien dienen.
- Physische Auswirkungen durch Atemführung und Stimmbildung
- Psychische Regulation von Emotionen und Stressbewältigung
- Soziologische Effekte durch Gruppeninteraktion und soziale Kompetenz
- Empirische Untersuchung der Wirksamkeit am Beispiel des "Musiktreck Essel"
- Pädagogische Empfehlungen zur Probengestaltung und Literaturauswahl
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Zur Bedeutung des Singens für den Menschen am Beispiel anderer Kulturen
Der Mensch scheint das Singen gezielt als Hilfe einsetzen zu können, um in bestimmten Situationen sein psychisches Gleichgewicht aufrecht zu erhalten oder wieder herzustellen und damit einhergehend körperliche Anregung oder im Gegenteil auch Entspannung zu erfahren. Durch das Singen scheinen veränderte Bewusstseinszustände erreicht werden zu können, welche auch als Tor zu spirituellen Erfahrungen nutzbar gemacht werden.
Singen hat in vielen Kulturen die Funktion, Arbeitsvorgänge zu erleichtern. Besonders im Orient und in Afrika ist es eine überlieferte Tradition, bei der Arbeit zu singen und sich so zu ermuntern. Die hohe körperliche Anstrengung scheint oft nur durch das stetig begleitenden Singen vollbracht werden zu können. Es ist erstaunlich, welche Kraft viele Frauen aus anderen, ärmeren Kulturkreisen aufbringen können, um den harten Anforderungen des täglichen Lebens gewachsen zu sein.
Die Beispiele des die Arbeit erleichternden Singens tauchen fast immer in agrarischen oder handwerklichen Zusammenhängen auf, im Alltag unserer Industriegesellschaft ist das Singen bei der Arbeit kaum noch anzutreffen. Wie seelische Schmerzen, zum Beispiel die Trauer, mit Hilfe des Gesangs bewältigt werden, zeigt die Arbeit der „Klageweiber“. In Griechenland, Sizilien, Südfrankreich und der Türkei gibt es noch heute in manchen Regionen Frauen, die beim Tod eines Angehörigen hinzugezogen werden, um ihn laut zu beweinen. Oft werden auch die Trauernden mit in diese Gesänge einbezogen, damit sie Erleichterung erfahren können. Ebenso wird in vielen Autobiografien von Häftlingen in deutschen Konzentrationslagern erwähnt, dass das Singen - ob leise vor sich hin oder nur in Gedanken - auch für sie eine große Bedeutung hatte; ein Versuch, die sowohl seelisch als auch körperlich unerträgliche Situation zu ertragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, die Wirkungen von Kinderchorarbeit auf die Persönlichkeit und soziale Kompetenz unter Berücksichtigung verschiedener Theorien aufzuzeigen.
2. Wirkungen des Singens auf den Menschen: Analysiert die physischen, psychischen und sozialen Grundlagen des Singens, inklusive der Bedeutung für andere Kulturen und der Bewältigungsstrategien.
3. Interaktion der physiologischen, psychologischen und soziologischen Wirkungen des Singens im Kinderchor: Überträgt die gewonnenen theoretischen Erkenntnisse auf den Kontext des Kinderchores und präsentiert empirische Studien.
4. Anregungen zur Realisierung der unterschiedlichen Zielsetzungen der Kinderchorarbeit: Bietet praktische Empfehlungen für Chorleiter hinsichtlich pädagogischer Ziele, Probenplanung, Literaturwahl und Stimmbildung.
5. Einschätzung der Wirkung von Kinderchorarbeit am Beispiel des Musiktreck Essel: Dokumentiert und evaluiert die praktische Umsetzung der Chorarbeit anhand einer Fallstudie und einer Befragung von Kindern und Eltern.
6. Nachwort: Reflektiert die Notwendigkeit und den Stellenwert musikalischer Bildung in der Gesellschaft und fordert eine intensivere Förderung.
Schlüsselwörter
Kinderchorarbeit, Persönlichkeitsentwicklung, Soziale Kompetenz, Musikerziehung, Stimmbildung, Bewältigungsstrategie, Gruppendynamik, Wahrnehmungsförderung, Psychische Gesundheit, Chorprobe, Singen, Emotionale Regulation, Musiktreck, Empirische Studie, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Wirkungen der Kinderchorarbeit, insbesondere wie Singen in der Gemeinschaft zur Persönlichkeitsentwicklung und zur Förderung sozialer Kompetenzen beiträgt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt physiologische Aspekte (Atmung, Wahrnehmung), psychologische Dimensionen (Emotionen, Bewältigung) und soziologische Faktoren (Gruppeninteraktion, Führung) ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Nutzen von außerschulischem Musizieren durch die Analyse theoretischer Konzepte und empirischer Daten zu belegen und daraus Empfehlungen für die praktische Chorarbeit abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit verbindet eine tiefgehende Literatur- und Theorieanalyse mit einer eigenen empirischen Untersuchung durch Fragebögen, die an Kinder und Eltern des "Musiktreck Essel" gerichtet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Wirkungsweisen des Singens auf den Einzelnen, die Bedeutung von Gruppenaktivitäten, die Ergebnisse von Schulversuchen und bietet konkrete Anleitungen für Chorleiter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen Kinderchorarbeit, Persönlichkeitsentwicklung, soziale Kompetenz, Stimmbildung, Gruppendynamik und Bewältigungsstrategien durch Musik.
Welche Rolle spielt die Gruppendynamik im Kinderchor?
Die Gruppe fungiert als soziales Übungsfeld, in dem Kinder Rollen übernehmen, Verantwortung lernen und durch Imitation sowie gegenseitige Unterstützung soziale Fertigkeiten entwickeln.
Was sind die Hauptergebnisse der Befragung im Musiktreck Essel?
Die Ergebnisse zeigen, dass Singen im Chor das Selbstbewusstsein und die soziale Integration der Kinder signifikant fördert und von den Kindern als eine wichtige Form der psychischen Entspannung erlebt wird.
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- Julia Scholz (Autor), 2001, Wirkung von Kinderchorarbeit auf Persönlichkeitsentwicklung und soziale Kompetenz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4677