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Transitional Justice. Der Umgang mit Conflict-Related Sexual Violence gegen Männer

Title: Transitional Justice. Der Umgang mit Conflict-Related Sexual Violence gegen Männer

Term Paper , 2018 , 25 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Simone Engels (Author)

Law - Criminal process, Criminology, Law Enforcement
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Conflict-Related Sexual (and Gender-Based) Violence (CRS(GB)V) ist seit den 1990er Jahren Gegenstand der Forschung zu Transitional Justice (TJ). Maßgeblich dazu beigetragen haben Frauenrechtsorganisationen, insbesondere in den Post-Konfliktländern Südafrika, Ruanda und Ex-Jugoslawien. Die Verankerung ihrer Forderungen in TJ-Ansätze und Mechanismen ist dabei langwierig und wird - bis heute - von Ignoranz und Widerständen begleitet. Falls CRSGBV überhaupt beachtet wird, ist der Fokus auf Frauen als Opfer vorherrschend. Die vorliegende Arbeit wird über die Art und Weise der Thematisierung von und den Umgang mit CRS(GB)V gegen Männer in TJ-Prozessen, einen Einblick geben.

Möglicherweise mitunter der Tatsache, dass die mit CRS(GB)V gegen Männer häufig verbundene Vorstellung homophober Handlungen und Demütigungen zentrale kulturelle und religiöse Tabus bedienen. Obgleich ihr Geschlecht in einer patriarchalen Gesellschaft als eher privilegiert angesehen wird, wird gewalterfahrenen Männern häufig nicht nur die Anteilnahme an ihrem Schicksal verwehrt, sie werden zudem ihrem Schicksal überlassen und mitunter stigmatisiert.

Lenz begründet diesen Unterschied zwischen den Geschlechtern mit der hegemonial organisierten Gesellschaftskultur, welche auf Herrschaft und Kontrolle beruht. Mit diesem hegemonialen Konzept von Männlichkeit werden Verhaltensweisen der Unterwerfung, der Aneignung, des Sich-Erhebens assoziiert. Schwäche, Ohnmacht, Hilflosigkeit, also Gefühlszustände, die mit einem Opfersein verbunden werden, laufen hingegen konträr zu diesem hegemonialen Männerbild. In dieser Logik stellt der Begriff des männlichen Opfers ein gesellschaftliches Paradoxon dar: Entweder gilt jemand als Opfer oder er ist ein Mann.

Lag der Fokus in den 1990er Jahren zunächst auf der Suche nach Erklärungen für CRS(GB)V, richtet sich seit einigen Jahren das Forschungsinteresse auf Männer, Männlichkeiten sowie die Täterperspektive. Dabei wird immer wieder auch der vorsichtige Versuch unternommen, das dualistische Stereotyp von weiblichen Opfern und männlichen Tätern aufzubrechen, indem zögerlich, Männern ihre Opferschaft zugestanden wird.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. CRS(GB)V, TJ und Genderdimensionen

2.1. Die zeitliche Kontingenz von TJ

2.2. Genderdimensionen in TJ-Prozessen

3. Forschungen zu CRSV gegen Männer (und Jungen)

4. Die UN im Umgang mit und der Thematisierung von CRSV gegen Männer

5. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit analysiert die Thematisierung von und den Umgang mit sexualisierter Gewalt (Conflict-Related Sexual Violence, CRSV) gegen Männer innerhalb von Transitional-Justice-Prozessen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwieweit bisherige Ansätze einen geschlechterspezifischen Bias aufweisen, der männliche Opfer exkludiert, und plädiert für eine humanistische, gendergerechte Perspektive in der internationalen Aufarbeitung.

  • Kritische Analyse des androzentrischen Selektionsrahmens in der Transitional Justice.
  • Untersuchung der theoretischen Grundlagen von CRSV und Gender im Kontext von Konflikten.
  • Darstellung der Forschungslandschaft zu sexualisierter Gewalt gegen Männer und Jungen.
  • Evaluation des normativen Umgangs der Vereinten Nationen (UN) mit dieser Problematik.
  • Diskussion von notwendigen Transformationen für eine inklusive Gerechtigkeitspolitik.

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Conflict-Related Sexual (and Gender-Based) Violence (CRS(GB)V) ist seit den 1990er Jahren Gegenstand der Forschung zu Transitional Justice (TJ). Maßgeblich dazu beigetragen haben Frauenrechtsorganisationen, insbesondere in den Post-Konfliktländern Südafrika, Ruanda und Ex-Jugoslawien. Die Verankerung ihrer Forderungen in TJ-Ansätze und Mechanismen ist dabei langwierig und wird - bis heute - von Ignoranz und Widerständen begleitet. Falls CRSGBV überhaupt beachtet wird, ist der Fokus auf Frauen als Opfer vorherrschend. (Schäfer 2013: 17) Möglicherweise mitunter der Tatsache, dass die mit CRS(GB)V gegen Männer häufig verbundene Vorstellung homophober Handlungen und Demütigungen zentrale kulturelle und religiöse Tabus bedienen (ebd.: 53). Obgleich ihr Geschlecht in einer patriarchalen Gesellschaft als eher privilegiert angesehen wird, wird gewalterfahrenen Männern häufig nicht nur die Anteilnahme an ihrem Schicksal verwehrt, sie werden zudem ihrem Schicksal überlassen und mitunter stigmatisiert.

Lenz (2002: 36) begründet diesen Unterschied zwischen den Geschlechtern mit der hegemonial organisierten Gesellschaftskultur, welche auf Herrschaft und Kontrolle beruht. Mit diesem hegemonialen Konzept von Männlichkeit werden Verhaltensweisen der Unterwerfung, der Aneignung, des Sich-Erhebens assoziiert. Schwäche, Ohnmacht, Hilflosigkeit, also Gefühlszustände, die mit einem Opfersein verbunden werden, laufen hingegen konträr zu diesem hegemonialen Männerbild (Walter 2002: 7). In dieser Logik stellt der Begriff des männlichen Opfers ein gesellschaftliches Paradoxon dar: Entweder gilt jemand als Opfer oder er ist ein Mann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass die Forschung zu Transitional Justice lange Zeit Männer als Opfer sexualisierter Gewalt ausblendete und das hegemoniale Männlichkeitsbild die Anerkennung ihrer Opferschaft erschwert.

2. CRS(GB)V, TJ und Genderdimensionen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe und arbeitet heraus, dass TJ-Prozesse bisher primär eindimensional und androzentrisch konzipiert sind.

2.1. Die zeitliche Kontingenz von TJ: Hier wird der klassische "Toolkit"-Ansatz von Transitional Justice hinterfragt und die Notwendigkeit für eine Erweiterung hin zu strukturellen, präventiven Reformen diskutiert.

2.2. Genderdimensionen in TJ-Prozessen: Die Autorin analysiert die liberale Institutionenpolitik und zeigt auf, dass der Fokus auf Frauen als Opfer zwar Fortschritte brachte, aber gleichzeitig männliche Betroffene systematisch exkludierte.

3. Forschungen zu CRSV gegen Männer (und Jungen): Ein Überblick über die Forschungslage zeigt, dass trotz Datenlücken die Existenz und systematische Verbreitung sexualisierter Gewalt gegen Männer in Konfliktgebieten empirisch belegt ist.

4. Die UN im Umgang mit und der Thematisierung von CRSV gegen Männer: Dieses Kapitel kritisiert, dass UN-Resolutionen zwar die Thematik aufgreifen, jedoch oft bei einer einseitigen Opfer-Täter-Dichotomie verharren und Schutzlücken bestehen bleiben.

5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fordert ein Umdenken in der internationalen Politik und Rechtsprechung, um durch einen humanistischen Ansatz Gerechtigkeit für alle Opfergruppen, unabhängig von ihrem Geschlecht, zu erreichen.

Schlüsselwörter

Transitional Justice, sexualisierte Gewalt, CRSV, Männlichkeit, Gender Mainstreaming, UN-Resolutionen, Menschenrechte, Viktimisierung, Post-Konflikt, Opferschutz, Hegemoniale Männlichkeit, Konfliktfolgen, Gerechtigkeit, Menschenhandel, Internationale Strafgerichtsbarkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie in der Transitional Justice (TJ) mit Fällen sexualisierter Gewalt gegen Männer umgegangen wird und warum diese Opfergruppe bisher nur unzureichend berücksichtigt wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die kritische Geschlechterforschung, die Theorie der Transitional Justice, die Erforschung von Männlichkeitsbildern im Konflikt sowie die Bewertung internationaler UN-Normen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, den androzentrischen Bias in der internationalen Rechtsprechung aufzuzeigen und Strategien für eine inklusivere, humanistische Gerechtigkeitspolitik zu entwickeln.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturrecherche und der kritischen Analyse bestehender internationaler Dokumente, Berichte und Rechtsnormen basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung von TJ und Gender, einen Forschungsüberblick zur Gewalt gegen Männer sowie eine detaillierte Analyse des UN-Umgangs mit Resolutionen wie 1325 und 1820.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Besonders prägend sind die Begriffe Transitional Justice, CRSV (Conflict-Related Sexual Violence), Androzentrismus und die kritische Analyse hegemonialer Männlichkeitsbilder.

Wie unterscheidet sich CRSV gegen Männer von Gewalt gegen Frauen laut der Autorin?

Die Autorin hebt hervor, dass sexualisierte Gewalt gegen Männer häufig weniger als rein sexuell, sondern vielmehr als entmenschlichender Angriff auf die soziale Identität und Biologie im Kontext von Macht und Kontrolle verstanden werden muss.

Welche Bedeutung haben die UN-Resolutionen in diesem Kontext?

Die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates dienen zwar als wichtige normative Instrumente gegen Straflosigkeit, werden aber aufgrund ihrer häufigen Fixierung auf Frauen als alleinige Opfer und Männer als Täter kritisiert.

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Details

Title
Transitional Justice. Der Umgang mit Conflict-Related Sexual Violence gegen Männer
College
University of Hamburg  (Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Course
Alternative Re-Aktionen
Grade
1,0
Author
Simone Engels (Author)
Publication Year
2018
Pages
25
Catalog Number
V468437
ISBN (eBook)
9783668942011
ISBN (Book)
9783668942028
Language
German
Tags
transitional justice umgang conflict-related sexual violence männer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Simone Engels (Author), 2018, Transitional Justice. Der Umgang mit Conflict-Related Sexual Violence gegen Männer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468437
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