Im Jahr 1851 erschien die erste Ausgabe von Herman Melvilles Roman "Moby Dick" in London und kurz darauf auch in New York. In den Vereinigten Staaten wurde der Roman stark kritisiert, da Melville den religiösen Anforderungen nicht gerecht wurde. Die religionskritischen Aussagen waren in der britischen Ausgabe zensiert worden, weshalb die Rezensionen in Großbritannien neutraler ausfielen, dennoch stieß "Moby Dick" auch hier zunächst auf Verständnislosigkeit. Erst ab den 1920er Jahren wurde der Roman als Klassiker der Weltliteratur anerkannt. Seitdem ist "Moby Dick" zehnmal ins Deutsche übertragen worden. Die erste deutsche Fassung wurde 1927 herausgegeben, doch dabei handelte es sich lediglich um ein Drittel des ursprünglichen Textes. In dieser Arbeit werden zwei deutsche Übersetzungen dieses Werkes verglichen.
Anlässlich des 150-jährigen Veröffentlichungsjubiläums beauftragte der Carl Hanser Verlag Friedhelm Rathjen, der vor allem für seine Übersetzungen von James Joyce und Robert Lewis Stevenson bekannt ist, mit der Neuübersetzung. Doch der Herausgeber und der Verlag lehnten seine Fassung ab und beauftragten Matthias Jendis, der die Übersetzung von Rathjen stark bearbeitete. Da Rathjen die Veröffentlichung unter seinem Namen ablehnte, publizierte man diese Fassung als Übersetzung von Jendis und gab Rathjen die Rechte an seiner Ur-Fassung zurück.
Für meinen Übersetzungsvergleich von "Moby Dick" habe ich mich für diese beiden Übersetzungen entschieden, da sie gravierende Unterschiede aufweisen und sich sehr gut zur Veranschaulichung von Übersetzungsproblemen eignen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Hauptteil
- 2.1 Einführung in das Original
- 2.1.1 Aufbau
- 2.1.2 Erzählform
- 2.1.3 Handlung
- 2.2 Strukturmerkmale der Übersetzungen
- 2.2.1 Die Übersetzung von Rathjen
- 2.2.2 Die Übersetzung von Jendis
- 2.3 Übersetzungstheoretische Charakterisierung
- 2.3.1 Die Übersetzung von Rathjen
- 2.3.2 Die Übersetzung von Jendis
- 2.1 Einführung in das Original
- 3. Zusammenfassung
- 4. Literaturverzeichnis
- 4.1 Primärliteratur
- 4.2 Sekundärliteratur
- 5. Anhang
- 5.1 Textausschnitt Original: Herman Melville, Moby Dick
- 5.2 Textausschnitt Übersetzung: Friedhelm Rathjen, Moby-Dick
- 5.3 Textausschnitt Übersetzung: Matthias Jendis, Moby-Dick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit setzt sich zum Ziel, einen Übersetzungsvergleich der beiden deutschen Übersetzungen von Herman Melvilles „Moby Dick“ von Friedhelm Rathjen und Matthias Jendis durchzuführen. Der Fokus liegt auf der Analyse der Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Übersetzungen im Hinblick auf den Sprachstil, die Atmosphäre und die Einhaltung der sprachlichen Besonderheiten des Originals.
- Die Herausforderungen der Übersetzung von Melvilles vielschichtigem Sprachstil, der verschiedene Fachsprachen und Dialekte verbindet.
- Die Unterschiede in der Übersetzungsstrategie von Rathjen und Jendis hinsichtlich der Wiedergabe von Melvilles sprachlicher Kreativität und Originalität.
- Die Auswirkungen der Übersetzung auf die Atmosphäre und die Stimmung des Romans.
- Die Frage, welche Übersetzung dem Original am nächsten kommt und welche sich am besten für den deutschen Leser eignet.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einleitung, die den historischen Kontext der Entstehung und Rezeption von Herman Melvilles „Moby Dick“ beleuchtet. Im Hauptteil werden zunächst das Originalwerk und seine wichtigsten Strukturmerkmale vorgestellt, darunter der Aufbau, die Erzählform und die Handlung. Anschließend wird ein detaillierter Vergleich der beiden Übersetzungen von Rathjen und Jendis durchgeführt, wobei auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Sprachgestaltung, die Wiedergabe von Melvilles stilistischen Besonderheiten und die Übersetzungsstrategien der beiden Übersetzer eingegangen wird.
Die Zusammenfassung der Kapitel beinhaltet außerdem eine Analyse der Übersetzungstheoretischen Charakterisierung der beiden Übersetzungen, wobei die unterschiedlichen Ansätze der beiden Übersetzer im Hinblick auf die Übersetzung von Sprache, Stil und Atmosphäre des Originals beleuchtet werden.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Schlüsselbegriffen Übersetzungstheorie, Übersetzungsvergleich, Herman Melville, „Moby Dick“, Sprachstil, Atmosphäre, Übersetzungstrategie, Friedhelm Rathjen, Matthias Jendis.
Häufig gestellte Fragen
Warum wurde „Moby Dick“ bei seinem Erscheinen 1851 kritisiert?
In den USA stießen Melvilles religionskritische Aussagen auf Ablehnung. In Großbritannien war der Text zensiert, was zu neutraleren, aber dennoch verständnislosen Rezensionen führte.
Welche zwei deutschen Übersetzungen werden verglichen?
Verglichen werden die Übersetzungen von Friedhelm Rathjen und Matthias Jendis, die beide im Kontext des 150-jährigen Jubiläums entstanden sind.
Was war das Problem zwischen Rathjen und dem Hanser Verlag?
Der Verlag lehnte Rathjens sehr eigenwillige und originaltreue Fassung ab. Matthias Jendis bearbeitete diese stark, woraufhin Rathjen verbot, seinen Namen für die veröffentlichte Version zu verwenden.
Wie unterscheidet sich der Sprachstil der beiden Übersetzungen?
Rathjen versucht, Melvilles sperrigen und vielschichtigen Stil sehr nah am Original wiederzugeben, während Jendis eher eine glattere, für den deutschen Leser flüssigere Sprache wählt.
Seit wann gilt „Moby Dick“ als Klassiker der Weltliteratur?
Erst ab den 1920er Jahren erfuhr der Roman eine späte Anerkennung und wurde fortan als eines der bedeutendsten Werke der Literaturgeschichte geschätzt.
Wie viele deutsche Übertragungen von „Moby Dick“ gibt es insgesamt?
Der Roman ist insgesamt zehnmal ins Deutsche übertragen worden, wobei die erste Fassung von 1927 nur ein Drittel des Originaltextes enthielt.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2008, Übersetzungsvergleich von Herman Melvilles "Moby Dick", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468466