Übersetzungsvergleich von Herman Melvilles "Moby Dick"


Hausarbeit, 2008
40 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Einfuhrung in das Original
2.1.1 Aufbau
2.1.2 Erzahlform
2.1.3 Handlung
2.2 Strukturmerkmale der Ubersetzungen
2.2.1 Die Ubersetzung von Rathjen
2.2.2 Die Ubersetzung von Jendis
2.3 Ubersetzungstheoretische Charakterisierung
2.3.1 Die Ubersetzung von Rathjen
2.3.2 Die Ubersetzung von Jendis

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis
4.1 Primarliteratur
4.2 Sekundarliteratur

5. Anhang
5.1 Textausschnitt Original: Herman Melville, Moby Dick
5.2 Textausschnitt Ubersetzung: Friedhelm Rathjen, Moby- Dick
5.3 Textausschnitt Ubersetzung: Matthias Jenids, Moby- Dick

1. Einleitung

Am 18. Oktober 1851 erschien die erste Ausgabe von Herman Melvilles Roman Moby Dick in dreibandiger Ausgabe in London und wenige Wochen spater, in vollstandiger Form und unter dem Titel Moby-Dick; or, The Whale, in New York. Vor allem in den Vereinigten Staaten wurde der Roman stark kritisiert, da Melville den religiosen Anforderungen nicht gerecht wurde. Die religionskritischen Aussagen waren in der britischen Ausgabe zensiert worden, weshalb die Rezensionen in GroBbritannien neutraler ausfielen, auch wenn auch hier nicht von einem Erfolg des Buches gesprochen werden kann. Hermann Melville war zwar als Autor durchaus bekannt, vor allem durch seine autobiografischen Romane aus der Sudsee, doch Moby Dick stieB zunachst auf Verstandnislosigkeit. Erst ab den 1920er Jahren wurde der Roman als Klassiker der Weltliteratur anerkannt.

Seitdem ist Moby Dick zehnmal ins Deutsche ubertragen worden. Die erste deutsche Fassung wurde 1927, ein Vierteljahrhundert spater, herausgegeben, doch dabei handelte es sich lediglich um ein Drittel des ursprunglichen Textes. Die erste vollstandige Ubersetzung erschien weitere 15 Jahre spater in der Schweiz. Anlasslich des 150- jahrigen Veroffentlichungsjubilaums beauftragte der Carl Hanser Verlag Friedhelm Rathjen, der vor allem fur seine Ubersetzungen von James Joyce und Robert Lewis Stevenson bekannt ist, mit der Neuubersetzung. Doch der Herausgeber und der Verlag lehnten seine Fassung ab und beauftragten Matthias Jendis, der die Ubersetzung von Rathjen stark bearbeitete. Da Rathjen die Veroffentlichung unter seinem Namen ablehnte, publizierte man diese Fassung als Ubersetzung von Jendis und gab Rathjen die Rechte an seiner Ur- Fassung zuruck.

Fur meinen Ubersetzungsvergleich von Moby Dick habe ich mich fur diese beiden Ubersetzungen entschieden, da sie gravierende Unterschiede aufweisen und sich sehr gut zur Veranschaulichung von Ubersetzungsproblemen eignen.

2. Hauptteil

2.1 Einfuhrunq in das Original

2.1.1 Aufbau

Der Roman Moby Dick besteht aus insgesamt 135 Kapiteln mit Uberschriften und einem Epilog. Ein Abschnitt uber die Etymologie des Wortes „Wal“ sowie ein Abschnitt mit 81 Zitaten aus unter anderem literarischen, fachwissenschaftlichen und religiosen Werken sind vorangestellt.

2.1.2 Erzahlform

Bei dem Roman handelt es sich um die Ich- Erzahlung des Matrosen Ismael. Diese Erzahlform wird allerdings von verschiedenen Exkursen und dramatischen Szenen unterbrochen, die den facettenreichen Sprachstil Melvilles charakterisieren. So verbindet er verschiedene Fachsprachen, wie beispielsweise die der Seefahrt, des Walfangs oder der Religion, mit unterschiedlichen Dialekten und Soziolekten.

Diese komplexe Erzahlweise fordert bei der adaquaten Ubertragung ins Deutsche viel Kreativitat und Sensibilitat, sodass eine intensive Analyse und Beschaftigung mit dem Original unerlasslich ist, da nur so der wesentliche Charakter des Romans erhalten werden kann.

Die beiden von mir ausgewahlten Ubersetzer haben eine unterschiedliche Sensibilitat fur die einzelnen Faktoren, wie z. B. die Atmosphare oder den Stil des Textes entwickelt, was ich im Folgenden detailliert aufzeigen werden.

2.1.3 Handlung

Ismael lernt in Nantucket den Harpunier Queequeg kennen, mit dem er zusammen auf dem Walfanger „Pequod“ anheuert. Erst nach einigen Tagen lasst sich Kapitan Ahab blicken und verkundet der Crew, dass er Moby Dick jagen und erlegen will, da er durch ihn sein linkes Bein verloren hat. Als Belohung fur denjenigen, der den weiBen Wal zuerst sichtet, nagelt er eine Golddublone an den Hauptmast. Mit Ausnahme des ersten Maaten Starbuck, schwort sich die ganze Mannschaft auf den wahnsinnigen Kapitan und dessen Ziel ein. Nachdem das Kap der Guten Hoffnung umrundet ist, werden mehrer Wale gesichtet und gejagt, was detailliert beschrieben wird. Bei Begegnungen mit anderen Schiffen erkundigt sich Ahab nach Moby Dick. Als Queequeg todkrank ist, lasst er sich von dem Schiffszimmermann einen Sarg zimmern. Doch Ismaels Freund uberlebt die Krankheit, sodass der Sarg in eine Boje umgebaut werden kann. Als Moby Dick ostlich von Japan entdeckt wird, beginnt die dreitagige Jagd. Moby Dick greift ihre Ruderboote an und zertrummert eines nach dem anderen. Der sich an den Tauen der Harpunen festklammernde und besessen auf das Tier einstoBende Kapitan wird von dem Wal mit in die Tiefe gerissen. Als er wieder auftaucht, hangt Ahab tot in den Tauen und scheint den Schiffbruchigen zuzuwinken. Moby Dick rammt und versenkt die „Pequod“. Ismael rettet sich auf die Boje und wird am zweiten Tag von dem Walfanger „Rachel“ entdeckt. Er uberlebt als Einziger die Katastrophe.

Fur den Vergleich der beiden Ubersetzungen habe ich drei Textstellen ausgewahlt, die den facettenreichen Sprachstil Melvilles widerspiegeln sollen.

Die erste Textstelle stammt aus dem 36. Kapitel, das mit „The Quarter- Deck" (in beiden Ubersetzungen: „Das Achterdeck") betitelt ist und in dem Ahab die Dublone an den Hauptmast nagelt.

Die zweite Textstelle aus dem 89. Kapitel, das den Titel „Fast- Fish and Loose- Fish" (in beiden Ubersetzungen: „Festfisch und Losfisch") tragt, thematisiert Walfanggesetze und -vorschriften.

Die dritte Textstelle ist dem 96. Kapitel entnommen, das den Titel „The Try- Works" tragt und von Friedhelm Rathjen mit „Die Trankocherei", von Matthias Jendis mit „Die Tranofen" ubersetzt wurde.

2.2 Strukturmerkmale der Ubersetzunaen

2.2.1 Die Ubersetzung von Rathjen

Rathjens Ubersetzung von Melvilles Moby Dick zeichnet sich vor allem durch den Versuch, moglichst nahe am Originaltext zu bleiben und diesen in moglichst allen Einzelheiten nachzubilden, aus. Auf diese Weise vermittelt er einen guten Einblick in das Original, da er dessen Eigentumlichkeiten erhalt und somit unterstreicht.

Eine dieser Eigentumlichkeiten ist der Bruch in der Figurenrede, was vor allem in den Szenen, in denen Ahab spricht, geschieht.

In der zitierten Stelle erkundigt sich der Steuermann Starbuck, ob der Kapitan sein Bein nicht durch Moby Dick verloren habe, woraufhin dieser in einer altertumlich wirkenden Sprache die Mannschaft auf die Jagd nach dem Wal einschwort. Er tont:

Aye, aye! And I’ll chase him round good Hope, and round the Horn, and round the Norway Maelstrom, and round perdition’s flames before I give him up. And this Is what ye have shipped for, men! to chase that white whale on both sides of land, and over all sides of earth, till he spouts black blood and rolls fin out. What say ye, men, will ye splice hands on it, now? I think ye do look brave.

Die Mannschaft bricht in jubelnde Zustimmung aus und Ahab befiehlt Starbuck in einer kurz angebundenen Sprache:

Steward! go draw the great measure of grog.

Als er jedoch bemerkt, dass sein Steuermann skeptisch ist, wechselt er erneut in die altertumliche Anredeform. Statt mit ,you’ spricht er ihn mit „thou“ an, ,will’ wird zu „wilt“ und ,are’ zu „art“:

But what’s this long face about, Mr. Starbuck; wilt thou not chase the white whale? art not game for Moby Dick?

In diesen altertumlichen Wendungen kommt die Quaker -Herkunft des rauen Seebaren Ahab zum Ausdruck. Der Name dieser im 17. Jahrhundert von G. Fox begrundeten christlichen Gemeinschaft ist von ,to quake’ abzuleiten, was mit ,(er)beben, (er)zittern’ ubersetzt werden kann. Der ursprungliche Spottname

„Quaker“ wurde spater zur Selbstbezeichnung ubernommen, da das auGere Zittern und Beben der Mitglieder Zeichen ihrer inneren Ergriffenheit war1.

Die ausdrucksstarke Redensart symbolisiert somit Ahabs starke Erregung und seine Besessenheit, den Wal zu toten.

Der harte Wechsel von der der feierlichen und inbrunstigen Sprache der Quaker in die kurze und knappe Befehlssprache und wieder in die ausdrucksstarken altertumlichen Wendungen zuruck, ist auch in Rathjens Ubersetzung deutlich zu spuren. So wird I think ye do look brave. mit Ich denk, ihr schaut tapfer aus. und But what’s this long face about, Mr. Starbuck; wilt thou not chase the white whale? art not game for Moby Dick? mit Aber was ziehst du fur ein langes Gesicht, Mr. Starbuck; wollest den weiBen Wal nicht jagen ? keinen Mumm fur Moby Dick? direkt wiedergegeben.

Neben dem Bruch in der Figurenrede ubernimmt Rathjen auch die Syntax und die Lexik des Originals, was dazu fuhrt, dass er sich auch klanglich an Melville annahert.

Vor allem in den erzahlerischen und essayistischen Abschnitten benutzt Melville lange, verschachtelte Satzperioden (wie die zitierte Stelle aus dem 96. Kapitel noch beweisen wird). Diese hypotaktische Struktur wird in der Ubersetzung ubernommen. Besonders auffallig ist dabei die, fur das Deutsche doch recht ungewohnliche, Verwendung des Semikolons, das laut Duden „zwischen gleichrangigen Satzen oder Wortgruppen, wo der Punkt zu stark, das Komma zu schwach trennen wurde"2 stehen kann. Rathjen ubernimmt nahezu jedes Semikolon, wie zum Beispiel folgendes Zitat beweist: „Wer hat dir das erzahlt?“ rief Ahab; dann innehaltend, ,,Aye, Starbuck; aye, meine Herzchen rundrum; es war Moby Dick, der mich entmastet hat; Moby Dick, der mich auf diesen toten Stumpf gebracht, wo ich nun drauf steh.

Da Melville nach den Interpunktionszeichen klein schreibt, halt sich auch Rathjen nicht an die fur das Deutsche, wie auch fur das Englische, ubliche GroBschreibung des folgenden Anfangsbuchstaben. Diese Kleinschreibung erinnert mich an die fur einen Chat ublichen Konventionen, die wohl aus praktischen Grunden entstanden sind. Wie auch im Chat, handelt es sich bei der zitierten Textstelle um ein verschriftlichtes Gesprach, wobei die Kleinschreibung nach den Interpunktionszeichen den Gesprachscharakter unterstreicht. Aus diesem Grund halte ich die Entscheidung fur die Ubernahme dieser Kleinschreibung auch in der Ubersetzung fur gerechtfertigt.

In diesen Zeilen fallt vor allem der letzte Teilsatz auf, der im hochsprachlich korrekten Original I stand on now lautet. Die im Original grammatikalisch unauffallige Konstruktion, steht in der Ubertragung in einem deutlich niedrigeren Register, da nur im umgangssprachlichen Deutsch mit der Konjunktion ,wo’ angeschlossen wird. Deshalb halte ich es fur angemessener, die Ubersetzung „auf dem ich nun stehe" zu wahlen.

Doch Rathjen ubertragt nicht nur die oftmals eigenwillige Interpunktion genauestens ins Deutsche. Auch im lexikalischen Bereich fallt auf, dass er sich kaum vom Original weg bewegt und vielmals mit Eindeutschungen arbeitet. Wie beispielsweise bei over all sides of earth

“klebt” Rathjen regelrecht am Original, wenn er daraus uber alle Seiten der Erde macht.

Dass diese Nahe zum Original auch zu Fehlern fuhren kann, macht folgender Satz deutlich. Im Original heiBt es:

Aye, my hearties all around was bei Rathjen zu

Aye, meine Herzchen rundum wird. Hier ist ihm offenbar entgangen, dass das englische Wort .hearty’ auch .Matrose’ heiBen kann, was besser in den Kontext passt als das Kosewort „Herzchen“. Es handelt sich also um die falsche Zuordnung vom Ausdruck der Ausgangs- und Zielsprache und deutet auf eine unzureichende Informationssuche hin. Das Problem ist dabei die Polysemie des englischen Wortes .heartiy’, wobei die Verwendung von .hearty’ als .Matrose’ ungewohnlicher und weniger frequent ist. Deshalb konnte man Rathjen mangelndes Wissen der nautischen Begriffe vorwerfen, was man in diesem Kontext voraussetzen muss.

An anderen Stellen aber zeigt sich, dass sich der Ubersetzer nicht durchgangig an den Ausgangstext halt.

Aus dem poor pegging lubber macht Rathjen in seiner Ubersetzung einen armen stampfenden Tolpel.

Das englische Wort ,peg’ bedeutet umgangssprachlich allerdings .Bein’ Oder .Stelze’ und fur .lubber’ lasst sich bei Meriam Webster ,,a clumsy seaman"3 finden. Daraus ergibt sich also das Bild eines sich nur schwerfallig oder ungeschickt bewegenden ..seaman", der nicht durch einen „stampfenden Tolpel" beschrieben werden kann.

Die Ubersetzung von But what’s this long face about, Mr. Starbuck; wilt thou not chase the white whale? art not game for Moby Dick? wird von Rathjen mit

Aber was ziehst du fur ein langes Gesicht, Mr. Starbuck; wollest den weiBen Wal nicht jagen ? keinen Mumm fur Moby Dick?

ubersetzt. Im Original scheint die Annahme des Gesichtsausdrucks bereits abgeschlossen zu sein, weshalb „Was soil das lange Gesicht" originaltreuer ware. Wurde man Rathjens Satz adaquat ins Englische ubertragen wollen, so musste man ,to pull a long face’ Oder ,to make a long face’ verwenden. Durch den Gebrauch des Wortes ,ziehen’ erhalt der zielsprachige Text einen aktiver wirkenden Charakter, den das Original nicht hat.

Die Ubersetzung von

before I give him up mit

eh ich ihn fahren lasse

finde ich ebenfalls nicht gelungen, da Rathjen die Betonung verschiebt. Wahrend im Original hervorgehoben wird, dass Ahab den Wal aufgibt, scheint der Wal in der Ubersetzung den aktiveren Part zu ubernehmen. Deshalb finde ich es angemessener, wenn man dies mit „bevor ich ihn aufgebe" Oder „bevor ich von ihm ablasse" ubertragen wurde.

Auch bei der Ubersetzung von old man

trifft Rathjen nicht den Originalton, wenn er „Alter“ schreibt, da dies eine negative Konnotation mit sich bringt, wahrend es sich im Original um eine wesentlich neutralere Beschreibung des Kapitans handelt.

Im letzten Teilsatz

art not game for Moby Dick

unterschlagt Rathjen das Verb, wenn er ihn mit

keinen Mumm fur Moby Dick?

ubersetzt. Wahrend sich Ahab im Original direkt an Starbuck wendet, fehlt in der Ubertragung diese Ansprache, was dazu fuhrt, dass die Struktur des Originals, die sich in dem letzten Satz durch die dreifache Wendung an den Steuermann auszeichnet, nicht vollstandig ubernommen wird.

Besonders bezeichnend fur Melvilles „Moby Dick" ist der Wechsel zwischen verschiedenen Sprachstilen. Die zweite zitierte Textstelle befasst sich mit Walfanggesetzen und -vorschriften. Sie ist durch ihren informativen Charakter gekennzeichnet und erklart die Unterscheidung zuwischen einem „Fast- Fish" und und einem „Loose- Fish". Auch bei Rathjens Ubersetzung ist dieser Stilwechsel deutlich spurbar, da er die streckenweise juristisch klingende Sprache Melvilles gut nachbildet. So schreibt er beispielsweise, genauso knapp wie das Original,

I. Ein Festfisch gehort der Partei, die darin fest.

Diese sachliche Sprache wird von Kommentaren begleitet, wie beispielsweise Jawohl, die Gesetze mochten in einen Queen- Anne- Heller oder den Widerhaken einer Harpune eingraviert und um den Hals getragen werden, so kurz sind sie.

oder

einen Mast, einen Riemen, ein neunzolliges Kabel, einen Telegraphendraht oder einen Spinnwebfaden, das bleibt sich ganz gleich.

Durch diese Kommentare werden Zustimmung und Erlauterungen zu den Gesetzen gegeben, die dadurch deren Wichtigkeit zum Ausdruck bringen.

Bei dem letzten zitierten Satz fallt auf, dass Rathjen aus

it is all the same

das eher zukunftsgerichtete

das bleibt sich ganz gleich

macht, wahrend man das Original im Sinne von „ganz gleich womit“ zu verstehen hat.

Auch bei der Ubersetzung von was that of Holland

weicht er etwas vom Original ab. Anstelle des Substantivs „Holland“ benutzt er das Adjektive „hollandische“. Dies finde ich aber gerechtfertigt (auch wenn es im Original nicht „was the Dutch" heiGt), da dies formeller als „war der von Holland" wirkt und somit den Ausgangstext gut nachbildet.

Demgegenuber stark zu kritisieren ist die Tatsache, dass Rathjen

Queen Anne’s farthing mit Queen-Anne-Heller ubersetzt.

Wahrend „farthing“ die alte britische Wahrungseinheit fur einen Viertelpenny4 ist, bezeichnet man mit „Heller“ eine historische deutsche oder osterreichische Munze5. Rathjen macht also aus der britischen eine deutsche (bzw. osterreichische) Munze. Es stellt sich nun die Frage, warum die englische „Queen“ nicht zu einer deutschen „Konigin“ wird. Rathjen wollte sicherlich das Fremde in die deutsche Sprache transportieren. Doch leider hat er dies nicht konsequent genug getan. Beide Begriffe stehen in direktem Zusammenhang mit England und sollten daher auch so (oder zumindest als „Queen- Anne- Penny") in die Ubersetzung ubernommen werden. Einem zielsprachigen Leser durfte das keine allzu groBen Probleme bereiten, da er weiB, was eine „Queen“ ist und sich sicherlich vorstellen kann, dass von Geld die Rede ist.

Wie bereits erwahnt, zeichnet sich die Syntax des Originals durch Hypotaxen aus. Besonderns auffallig ist dies in den essayistischen und erzahlerischen Abschnitten, wie beispielsweise in der zitierten Stelle. Ismael steht bei Nacht am Ruder und beschreibt seine Beobachtungen und Eindrucke, wahrend die anderen Harpuniere mit dem Trankochen beschaftigt sind. Hierbei wird deutlich, dass sich Melville in seinem Roman auch auf die neue amerikanische Industrie bezieht, da jedes der Schiffe eine kleine Fabrik zur Verarbeitung der Wale darstellt.

Die zitierte Textstelle besteht, im Original und auch in der Ubersetzung von Rathjen, insgesamt aus 15 Zeilen, die sich wiederum aus 4 Satzen zusammensetzen, wobei der erste Satz den ersten Absatz komplett einnimmt. Rathjen hat auch hier wieder die Semikola ubernommen. Auch wenn das Semikolon im Deutschen nicht ganz so gelaufig ist, wie es im Englisch der Fall ist, halte ich es hier fur angemessen. Die Strukturen des Originals werden sichtbar und horbar erhalten, ohne dass es zu Verwirrungen kommt. Der Text wird dadurch zwar holprig und widerspenstig, doch das ist er im Original auch.

Ebenso wird nach jedem Semikolon die Anapher „as“ aufgenommen, was auch in

der Ubersetzung die Gleichzeitigkeit der Handlungen in den einzelnen Teilsatzen

unterstutzt. Allerdings ist es ihm nicht gelungen, die Alliteration their tales of terror (told in words of mirth) nachzubilden, wenn er dies mit ihre Schreckensgeschichten (in frohliche Worte gefasst) ubersetzt. Auch bei the redness, the madness, the ghastliness geht die Wirkung verloren, wenn Rathjen die Rotglut, die Tobsinnswut, die Totenblasse schreibt. Doch ist ihm dies zu verzeihen, da man im Deutschen nicht einfach durch das Anhangen der gleichen Silbe die Wortart andern kann. Deshalb ist es wohl unmoglich, dieses Stilmittel in die deutsche Sprache zu ubertragen, wenn der Inhalt erhalten bleiben soll.

[...]


1 http://lexikon.meyers.de/meyers/Qu%C3%A4ker (30. 11.2007) http://www.quaeker.org/geschichte.html (30.11.2007)

2 Duden, Die deutsche Rechtschreibung: Mannheim, Leipzig, Wien, Zurich 242007 (S. 94)

3 http://www.m-w.com/dictionary/lubber (30.11.2007)

4 http://www.anumis.de/lexikon/f/pf021.html (30.11.2007)

5 http://www.anumis.de/lexikon/h/ph088.html (30.11.2007)

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Übersetzungsvergleich von Herman Melvilles "Moby Dick"
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
2,0
Jahr
2008
Seiten
40
Katalognummer
V468466
ISBN (eBook)
9783668938878
Sprache
Deutsch
Schlagworte
übersetzungsvergleich, herman, melvilles, moby, dick
Arbeit zitieren
Anonym, 2008, Übersetzungsvergleich von Herman Melvilles "Moby Dick", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468466

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