In den letzten Jahren hat Deutschland wichtige Schritte in Richtung Inklusion gemacht. Vor allem in bildungspolitischen Debatten spielt die Inklusion auch weiterhin eine zentrale Rolle. Denn sie erfordert eine grundlegende Umstrukturierung des Schulsystems.
Wie weit ist die Inklusion an deutschen Schulen bereits fortgeschritten? Welche Herausforderungen stehen noch bevor? Linda Waldrich betrachtet den gesamten Prozess der Umsetzung und identifiziert Faktoren, die diesen beeinflussen.
Sie setzt sich dabei vor allem mit den Problemen auseinander, die bei der Umsetzung von Inklusion aufkommen. Außerdem beschäftigt sie sich kritisch mit den Auswirkungen und Herausforderungen von Inklusion. Ihre Untersuchung liefert so eine wichtige Grundlage für Lösungsansätze.
Aus dem Inhalt:
- Bildungssystem;
- Schule;
- Integration;
- Gleichberechtigung;
- Diskriminierung
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen:
2.1 Der Begriff Inklusion
2.2 Historische Entwicklung im Umgang von Menschen mit Behinderung
3 Inklusion
3.1 Die Salamanca Erklärung
3.2 Die Rolle der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen für die Betrachtung von Inklusion in Schulen
4 Umsetzung pädagogischer Inklusion in Deutschland auf bildungspolitischer Ebene
4.1 Datenauswertung: Stand der Umsetzung von Inklusion in Deutschland
4.2 Herausforderungen
5 Umsetzung auf Ebene der Institution Schule – Aspekte qualitativer pädagogischer Inklusion
5.1 Inklusive Schulstruktur: Schulkonzept und Schulleitung
5.2 Differenzierter Unterricht
5.3 Pädagogische Inklusion und die Problematik der Sekundarstufe
5.4 Die Rolle der Lehrkräfte bei der Umsetzung pädagogischer Inklusion
5.5 Kooperationen
5.6 Aus -und Weiterbildung der Lehrkräfte
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den komplexen Prozess der pädagogischen Inklusion an deutschen Schulen mit einem spezifischen Fokus auf Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen. Ziel ist es, den aktuellen Stand der Umsetzung sowie die bestehenden Herausforderungen auf bildungspolitischer Ebene und innerhalb der Institution Schule kritisch zu analysieren und Handlungsoptionen aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung der Inklusion und Begriffsbestimmung
- Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) für das Bildungssystem
- Datengestützte Analyse der Inklusions- und Exklusionsquoten in Deutschland
- Qualitative Aspekte der Schulentwicklung, Unterrichtsdifferenzierung und Lehrkräftebildung
- Kritische Reflexion der Rolle des Föderalismus und der bundesweiten Bildungsunterschiede
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Begriff Inklusion
Seit der Salamanca Erklärung (1994) und der Verabschiedung der UN Behindertenrechtskonvention (2009) hat eine Entwicklung in der Begrifflichkeit der Sonderpädagogik stattgefunden (vgl. Böttinger, 2016, S.18; Saalfrank/Zierer, 2017, S.31; Sander, 2006, S.2). Die Kenntnis über Begrifflichkeiten ist wichtig, wenn es später genauer um die Umsetzung gehen soll. Der Begriff ,inclusion’ ist seit über 20 Jahren in der angloamerikanischen Pädagogik anzutreffen und hat erst nach und nach Einzug in die Pädagogik der deutschen Diskussionen diesbezüglich gefunden (vgl. Sander 2001, o.S.). Das in Deutschland vorherrschende Konzept zu der Inklusionsthematik war, vor Veränderung der Begrifflichkeit, durch den Begriff der Integration geprägt (vgl. Sander, 2006, S.2). Inklusion ist insgesamt ein mehrdimensionaler Begriff (vgl. Böttinger, 2016, S.18). Es soll in Anbetracht des Schwerpunktes der Arbeit darum gehen, die pädagogische Dimension von Inklusion darzulegen. Diese konzentriert sich vorrangig auf eine lückenlose Gleichstellung aller Menschen, die es hauptsächlich in Bildungs- und Erziehungsinstitutionen umzusetzen gilt (vgl. ebd., S.20). So wird so schon angedeutet, was Inklusion inhaltlich meint.
Dennoch ist die Begrifflichkeit nicht immer eindeutig. In der Literatur wird häufig von einer Ablösung des Begriffs Integration gesprochen, teilweise indem er lediglich durch den Begriff aus dem Englischen ersetzt wird. Somit sieht beispielsweise Speck (2011, S. 59) keinen Paradigmenwechsel beim Wechsel der Begrifflichkeiten, da sich die Ziele und Inhalte nahezu gleichen. Er bezieht sich darauf, dass der Begriff einfach übernommen wird, wenn sich auf die englischsprachigen Texte bezogen wird. Somit grenzen sich die Begriffe nach Speck (vgl. ebd.) nicht voneinander ab. Auf der anderen Seite stehen diverse Vertreter/innen der Pädagogik, welche eine Veränderung sehen, die mit der Begrifflichkeit einhergeht (vgl. Bürli, 1997 & Böttinger, 2016, S.25; Saalfrank/Zierer, 2017; Sander, 2009; Degener, 2017; Klemm 2015; Kiel, 2015; Schöler,2013; Lebenshilfe e.V. 2009; Biewer, 2015).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Erläutert die Relevanz der Inklusion in der heutigen heterogenen Gesellschaft und definiert den Fokus der Arbeit auf Menschen mit Behinderungen sowie die Zielsetzung der Analyse.
2 Theoretische Grundlagen: Schafft eine Basis durch die Definition des Inklusionsbegriffs und die historische Aufarbeitung der verschiedenen Phasen des Umgangs mit Menschen mit Behinderungen.
3 Inklusion: Analysiert die Salamanca Erklärung sowie die UN-Behindertenrechtskonvention als zentrale volkerrechtliche Marksteine für das inklusive Bildungssystem.
4 Umsetzung pädagogischer Inklusion in Deutschland auf bildungspolitischer Ebene: Untersucht anhand quantitativer Daten den Stand der Umsetzung, die Rolle der Bundesländer und die Problematik der Exklusionsquoten.
5 Umsetzung auf Ebene der Institution Schule – Aspekte qualitativer pädagogischer Inklusion: Beleuchtet die Anforderungen an Schulen, die Bedeutung des differenzierten Unterrichts, die Kooperation der Lehrkräfte sowie die Notwendigkeit einer qualifizierten Ausbildung.
6 Fazit: Führt die Analyseergebnisse zusammen, betont die notwendige Dynamik des Inklusionsprozesses und formuliert abschließende Herausforderungen für die Zukunft.
Schlüsselwörter
Inklusion, Integration, UN-Behindertenrechtskonvention, Pädagogische Inklusion, Sonderpädagogik, Schulsystem, Exklusionsquote, Heterogenität, Bildungspolitik, Differenzierung, Lehrkräftebildung, Kooperation, Schulentwicklung, Barrierefreiheit, Menschenrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation befasst sich mit dem Prozess der pädagogischen Inklusion an deutschen Schulen, insbesondere mit der Inklusion von Menschen mit Behinderungen, und untersucht die dabei auftretenden Faktoren und Herausforderungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung der Inklusion, die Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention, die bildungspolitische Umsetzung in Deutschland, die Situation innerhalb der Institution Schule sowie die Rolle der Lehrkräfte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, den aktuellen Stand der Inklusionsumsetzung darzustellen, bestehende Herausforderungen kritisch zu beleuchten und Ursachen zu präzisieren, die den Umsetzungsprozess in deutschen Schulen beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, der Auswertung quantitativer Daten zu Inklusions- und Exklusionsquoten sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit bildungspolitischen Vorgaben und empirischen Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Ebene, auf der die UN-BRK und die Umsetzung in den Bundesländern analysiert werden, und die Schulebene, auf der Aspekte wie Unterrichtsdifferenzierung, Kooperationsmodelle und die Aus- sowie Weiterbildung der Lehrkräfte behandelt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Inklusion, UN-BRK, Exklusionsquote, heterogene Lerngruppen, Schulsystem, Lehrkräftebildung und professionelle Kooperation charakterisieren.
Warum wird die deutsche Übersetzung der UN-BRK kritisiert?
Die Arbeit stellt heraus, dass in der offiziellen deutschen Übersetzung der Terminus „Integration“ statt „Inklusion“ verwendet wird, was von Fachverbänden als Gefahr für die inhaltliche Reichweite der Konvention kritisiert wird.
Wie unterscheidet sich die Situation in den Bundesländern?
Aufgrund der föderalen Struktur existieren erhebliche Unterschiede in den Schulgesetzen und Konzepten zur Inklusion, was zu einem „Flickenteppich“ an Bildungsangeboten und ungleichen Teilhabechancen für Schüler führt.
- Citar trabajo
- Linda Waldrich (Autor), 2019, Pädagogische Inklusion an deutschen Schulen. Faktoren und Herausforderungen im Prozess der Umsetzung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/469301