Diese Arbeit wird versuchen herauszuarbeiten, wie Alzheimer erlebt wird, vom Kranken selbst und von seiner Umgebung, also den Angehörigen und dem Pflegepersonal. Zu diesem Zweck werde ich zunächst einige Fakten und Zahlen um die Alzheimer Krankheit vorstellen, um die Verbreitung und das Ausmaß klar ersichtlich zu machen. Daraufhin sollen die Symptome, die Ursachen und der Verlauf der Krankheit kurz erläutert werden. Dies ist unbedingt notwendig, um sich ein Bild zu machen und auch nur annähernd verstehen zu können, was dadurch in den Betroffenen ausgelöst werden kann. Im Hauptteil der Arbeit steht das Erleben des Dementen und seiner Angehörigen in den verschiedenen Stadien der Demenz im Mittelpunkt. Der Leser soll einen Einblick in die Empfindungen und die Gedankenwelt eines Erkrankten bekommen, den man sonst, bedingt durch die Eigenheiten der Demenz, in dieser Form nicht erlangen kann. Ein weiterer wichtiger Punkt dieses Teils ist die Position der Angehörigen, hier werden die Belastungen und Schwierigkeiten der Menschen erläutert, die mit der betroffenen Person umgehen lernen müssen. Ebenso soll die Situation des Pflegepersonals dargestellt werden. Abschließend soll ein Ausblick gegeben werden, welche Möglichkeiten es für den Umgang mit diesen Menschen, sowohl für den Einzelnen, wie auch für die Gesellschaft.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1.1. Zahlen und Fakten zur Alzheimer Demenz
1.2. Ursachen, Symptome und Verlauf der Krankheit
2. Erleben der Krankheit durch den Dementen
2.1. Das Vorstadium
2.2. Die begleitungsbedürftige Phase
2.3. Die versorgungsbedürftige Phase
2.4. Die pflegebedürftige Phase
3. Das Erleben der Krankheit durch die Angehörigen
3.1. Das Leben mit dem Dementen
3.2. Die Bedeutung für das Leben der Angehörigen
3.3. Das Trauermodell nach Kübler - Ross
4. Befragung einer Angehörigen
5. Das Erleben durch das Pflegepersonal
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das subjektive Erleben der Alzheimer-Demenz aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, um ein tieferes Verständnis für die Gefühlswelt der Betroffenen, ihrer Angehörigen und des Pflegepersonals zu entwickeln.
- Phasenmodell der Alzheimer-Demenz und ihre Auswirkungen auf das Erleben.
- Psychische und soziale Belastungssituationen pflegender Angehöriger.
- Anwendung des Trauermodells nach Kübler-Ross auf den fortschreitenden Identitätsverlust bei Alzheimer.
- Die Rolle des Pflegepersonals und die emotionale Beanspruchung in der professionellen Pflege.
- Gesellschaftlicher Umgang mit der Krankheit und die Notwendigkeit öffentlicher Aufklärung.
Auszug aus dem Buch
2.1. Das Vorstadium
In dieser Phase der Demenz nimmt der Betroffene sich anfangs nicht wesentlich anders wahr, als sonst. Er bemerkt jedoch seine eingeschränkte Denkfähigkeit, es wird schwieriger für ihn, über viele Dinge nachzudenken oder Unterhaltungen zu verfolgen, beziehungsweise an ihnen teilzunehmen. Manchmal fallen ihm die richtigen Worte nicht ein, er kann sich nicht an Namen erinnern und Dinge in der jüngsten Vergangenheit verschwinden immer schneller aus seinem Erinnerungsvermögen. Diese Symptome werden von dem Erkrankten sehr wohl bemerkt, anfänglich aber oft als normale Alterserscheinungen abgetan. Kommen solche Ausfälle öfter vor, verursachen sie oft Erschrecken, Unsicherheit und Angst beim Betroffenen. Es kommt die Sorge auf, das Leben nicht mehr alleine zu bewältigen, auf Hilfe angewiesen zu sein. Planungen von neuen Aktivitäten oder der Zukunft wirken abschreckend, bedingt durch die verminderte Denk- und Merkfähigkeit und vor allem durch die Furcht, die dadurch hervorgerufen wird.
Er empfindet sein Unvermögen als Schande und versucht deshalb die Symptome zu überspielen. Oft dienen hier Müdigkeit, Schwindel oder Unwohlsein als Ausrede. Die Frustration, die die Person beim Bemerken seiner Ausfälle überkommt, kann sich von Situation zu Situation unterschiedlich äußern. Einmal schlägt sie um in Irritation, so dass der Demente überfordert ist, sich nicht mehr zurecht findet. Ein andermal ist er deprimiert angesichts der Tatsache, dass er nicht mehr alle Herausforderungen ohne Weiteres meistern kann. Genauso bemerkt der Demente, dass sein Zustand sich nicht wesentlich verbessert, dass die Ausfälle schwerwiegender und häufiger werden und damit auch die Konstellationen, in denen er sich bloßgestellt und unsicher fühlt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Das Kapitel definiert den Begriff Demenz, beleuchtet die medizinische Ausgangslage der Alzheimer-Erkrankung und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, das Erleben der Krankheit ganzheitlich zu betrachten.
Zahlen und Fakten zur Alzheimer Demenz: Hier werden statistische Daten zur Prävalenz und Inzidenz dargelegt sowie Prognosen zur zukünftigen Entwicklung der Erkrankungszahlen in der Bundesrepublik Deutschland erörtert.
Ursachen, Symptome und Verlauf der Krankheit: Es erfolgt ein Überblick über mögliche Erklärungsmodelle zur Entstehung von Alzheimer sowie eine Einteilung des Krankheitsverlaufs in vier spezifische Stadien.
Erleben der Krankheit durch den Dementen: Dieses Kapitel widmet sich der psychologischen Innenwelt der Erkrankten in den verschiedenen Stadien, von der ersten Bewusstwerdung des Abbaus bis hin zur pflegebedürftigen Phase.
Das Vorstadium: Eine detaillierte Betrachtung der anfänglichen Phase, in der Betroffene ihre kognitiven Defizite zunehmend bemerken, dies jedoch häufig mit Ängsten, Scham und Kompensationsversuchen kaschieren.
Die begleitungsbedürftige Phase: Das Kapitel beschreibt den Verlust der Selbstständigkeit im Alltag, die zunehmende Orientierungslosigkeit und den emotionalen Rückzug der Erkrankten in ihre Vergangenheit.
Die versorgungsbedürftige Phase: Hier wird der Zustand beschrieben, in dem die Trennung zwischen Gegenwart und Vergangenheit verschwimmt und der Kranke stark von intuitiven Bedürfnissen nach Nähe und Sicherheit geleitet wird.
Die pflegebedürftige Phase: Das letzte Stadium zeichnet sich durch den fast vollständigen Verlust der verbalen Kommunikationsfähigkeit und die Abhängigkeit von vollumfänglicher Pflege aus, wobei das emotionale Empfinden jedoch grundlegend bestehen bleibt.
Das Erleben der Krankheit durch den Angehörigen: Dieses Kapitel analysiert die psychosozialen Auswirkungen der Erkrankung auf das familiäre Umfeld, inklusive der emotionalen Belastungen und der oft notwendigen Rollenverschiebungen innerhalb der Familie.
Das Leben mit dem Dementen: Betrachtet werden die Schockreaktionen nach der Diagnose, das Aufkommen von Schuldgefühlen und die Schwierigkeit, im Umgang mit der veränderten Persönlichkeit des Erkrankten weiterhin eine respektvolle Beziehung zu wahren.
Die Bedeutung für das Leben der Angehörigen: Hier werden die lebensverändernden Konsequenzen für pflegende Angehörige beleuchtet, wie etwa die Gefahr der sozialen Vereinsamung und die physischen sowie psychischen Belastungsgrenzen.
Das Trauermodell nach Kübler - Ross: Das Kapitel diskutiert die Anwendbarkeit des Trauerphasenmodells (Verleugnung, Wut, Verzweiflung, Akzeptanz) auf den schleichenden Abschiedsprozess bei einer Alzheimer-Erkrankung.
Befragung einer Angehörigen: Anhand einer Einzelfallstudie wird die Lebensrealität einer Familie mit einer an Alzheimer erkrankten Großmutter illustriert und mit theoretischen Erkenntnissen verknüpft.
Das Erleben durch das Pflegepersonal: Das Kapitel thematisiert die berufsspezifische Belastung des Pflegepersonals in Heimen, das zwischen professioneller Distanz und emotionaler Bindung zu den Patienten steht.
Zusammenfassung: Den Abschluss bildet eine Synthese der Erkenntnisse, wobei die Notwendigkeit einer verbesserten öffentlichen Aufklärung und einer stärkeren Unterstützung für pflegende Angehörige betont wird.
Schlüsselwörter
Alzheimer, Demenz, Krankheitsverlauf, Angehörigenbelastung, Trauerprozess, Pflegebedürftigkeit, kognitiver Abbau, Identitätsverlust, Rollenverschiebung, Pflegepersonal, psychische Gesundheit, soziale Isolation, Lebensqualität, Angehörigenbetreuung, Öffentlichkeitsarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem subjektiven Erleben der Alzheimer-Demenz. Dabei werden die verschiedenen Phasen der Erkrankung aus der Sicht der Betroffenen, ihrer Angehörigen sowie des Pflegepersonals analysiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die psychologische Dynamik des kognitiven Abbaus, die familiären Rollenveränderungen durch die Pflege sowie die spezifische emotionale Belastung im professionellen und privaten Pflegekontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Gedanken- und Gefühlswelt von Alzheimer-Patienten und deren direktem Umfeld zu schaffen, um so eine Grundlage für einen angemesseneren und empathischeren Umgang mit der Krankheit zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung der psychologischen Fachliteratur sowie einer qualitativen Einzelfallbefragung, um theoretische Konzepte in der gelebten Realität zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der schrittweise Verlauf der Demenz in vier Stadien, die psychischen Folgen für Angehörige unter Einbeziehung des Trauermodells nach Kübler-Ross sowie die Situation des Pflegepersonals in Heimen detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Alzheimer-Demenz, Identitätsverlust, pflegende Angehörige, Trauerphasen nach Kübler-Ross und psychosoziale Belastung definiert.
Warum spielt das Trauermodell nach Kübler-Ross eine Rolle für Alzheimer-Angehörige?
Das Modell hilft Angehörigen, ihre eigenen, oft als belastend empfundenen Reaktionen wie Verleugnung oder Wut in den Prozess des schleichenden Verlusts eines geliebten Menschen einzuordnen und besser zu verstehen.
Welche Herausforderungen bei der Pflege in Heimen hebt die Autorin hervor?
Die Autorin betont die hohe körperliche und emotionale Beanspruchung des Personals durch einen hohen Patienten-Personal-Schlüssel sowie die Gefahr der emotionalen Übertragung von Sorgen aus dem Berufsleben in das Privatleben.
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- Janine Keller (Author), 2004, Das Erleben von Alzheimer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46949