„In Wirklichkeit sind aber Hunderte, Tausende, ja sogar Millionen anderer Bürger ebenso wahlberechtigt; daher ist der Stimmzettel des Einzelnen nur ein Tropfen in einem Ozean.“ Anthony Downs drückt mit dieser Metapher in seinem 1968 auf Deutsch erschienenen Werk Ökonomische Theorie der Demokratie die extrem geringe Wahrscheinlichkeit aus, in einer Demokratie mit einer großen Anzahl an Wahlberechtigten den Ausgang der Wahl als Individuum entscheidend beeinflussen zu können. Downs folgert daraus, dass ein rationaler Bürger nicht an Wahlen teilnehmen würde, da die Kosten der Wahlbeteiligung den daraus entstehenden Nutzen übersteigen würden. Dies steht jedoch im Widerspruch zu den empirisch beobachtbaren Wahlbeteiligungsraten, weshalb die Wahlbeteiligung als „Achillesferse“ der Rational-Choice(RC)-Theorie gilt. Die Tatsache, dass sich trotzdem regelmäßig die Mehrzahl der Wahlberechtigten an Wahlen beteiligt, wird als Wahlparadox bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Rationales Wahlverhalten
- Grundzüge der Rational-Choice-Theorie
- Der rationale Wähler bei Downs
- Das Wahlparadox
- Wege aus dem Wahlparadox
- Lösungsansätze innerhalb der Rational-Choice-Theorie
- Die Entscheidungswahrscheinlichkeit der Stimme
- Die Kosten der Wahl
- Expressive Wahl als alternativer Lösungsansatz
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Ursachen des Wahlparadoxons, das in der Rational-Choice-Theorie auftritt, zu untersuchen und mögliche Wege aus diesem Paradox zu erforschen. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie die Wahlbeteiligung innerhalb des ökonomischen Ansatzes erklärt werden kann. Die Arbeit konzentriert sich auf die wichtigsten Lösungsansätze für das Wahlparadox, um deren Überzeugungskraft zu überprüfen.
- Die Grundannahmen der Rational-Choice-Theorie
- Das Wahlparadox als Widerspruch zur empirischen Realität
- Lösungsansätze innerhalb der Rational-Choice-Theorie
- Expressive Wahl als alternatives Erklärungsmodell
- Die Grenzen des ökonomischen Ansatzes zur Erklärung von Wahlverhalten
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 2 führt in die Grundzüge der Rational-Choice-Theorie ein und beleuchtet Downs' Modell des rationalen Wählers. Dieses Modell stellt die Grundlage für die Erklärung des Wahlparadoxons dar, welches in Kapitel 3 näher erläutert wird. Kapitel 4 analysiert verschiedene Lösungsansätze für das Wahlparadox. Es werden sowohl Ansätze innerhalb der Rational-Choice-Theorie, wie beispielsweise die Berücksichtigung der Entscheidungswahrscheinlichkeit der Stimme und die Kosten der Wahl, als auch ein alternativer Ansatz, die expressive Wahl, betrachtet.
Schlüsselwörter
Rational-Choice-Theorie, Wahlparadox, Wahlbeteiligung, Kosten der Wahl, Entscheidungswahrscheinlichkeit, expressive Wahl, ökonomischer Ansatz, politisches Verhalten, Nutzenmaximierung, politischer Markt.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter dem "Wahlparadox" in der Rational-Choice-Theorie?
Das Wahlparadox beschreibt den Widerspruch, dass rationale Bürger an Wahlen teilnehmen, obwohl die Kosten (Zeit, Aufwand) den individuellen Nutzen übersteigen, da die Chance, den Wahlausgang allein zu beeinflussen, minimal ist.
Warum gilt die Wahlbeteiligung als "Achillesferse" der RC-Theorie?
Weil die Theorie vorhersagt, dass ein rein rationaler Akteur nicht wählen würde, die empirische Realität jedoch hohe Wahlbeteiligungsraten zeigt.
Welche Rolle spielt Anthony Downs in dieser Debatte?
Downs prägte mit seinem Werk "Ökonomische Theorie der Demokratie" das Modell des rationalen Wählers und die Metapher des Stimmzettels als "Tropfen im Ozean".
Was ist der Ansatz der "expressiven Wahl"?
Dies ist ein alternativer Lösungsansatz, bei dem das Wählen nicht als Mittel zum Zweck (Wahlsieg), sondern als Ausdruck einer politischen Überzeugung oder Identität gesehen wird.
Welche internen Lösungsansätze bietet die Rational-Choice-Theorie?
Dazu gehören die Neubewertung der Entscheidungswahrscheinlichkeit der Stimme und eine differenziertere Betrachtung der Wahlkosten.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2018, Das Wahlparadox in der Rational-Choice-Theorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470180