Die Strafform des „Säckens“, aus dem römischen Recht übernommene Hinrichtungsart, die 1532 in die „Carolina“ übernommen worden ist und meistens an Frauen praktiziert wurde, die – ja zumeist in der persönlichen Not – ihre Kinder getötet haben, lässt heute viele Fragen offen. Das Hinzunehmen einer Menagerie von Tieren (Hund, Hahn, Schlange und Affe) in den mit der Delinquentin unterzutauchenden Sack stößt heute auf Unverständnis. Es war aber gesetzlich verankert, und die Gerichte hatten sich – mit wenig Spielraum – daran zu halten.
Die hier beschriebene Strafform ist die am wenigsten studierte oder ergründete Art und Weise, Angeklagte in früheren Zeiten vom Leben zum Tode zu bringen. Die Hintergründe sind heute fast ausschließlich nicht mehr nachvollziehbar, sie bleiben im Dunkeln. Die Zahl der überlieferten Fälle ist übersichtlich. Weshalb die Mütter ihre Kinder getötet haben – ungewünschte Schwangerschaften, Vergewaltigungen durch Haus- und Hofherren, Behinderung beim Beibringen des Lebensunterhaltes – wird nirgends deutlich. Gnade war selten, die Richter waren dem Buchstaben des Gesetzes verpflichtet.
Inhaltsverzeichnis
Zum Geleit
Einleitung
Historisch belegte Einzelfälle
Zielsetzung und Themen
Das vorliegende Werk dokumentiert die historische Strafform des „Säckens“, eine Hinrichtungsart, die insbesondere bei Kindsmörderinnen Anwendung fand. Ziel der Arbeit ist es, die wenigen überlieferten Einzelfälle dieser im Dunkeln gebliebenen Strafpraxis zusammenzutragen und die Hintergründe sowie die rechtliche Einordnung anhand zeitgenössischer Quellen zu beleuchten.
- Die historische Herleitung der Strafform des Säckens aus dem römischen Recht und der „Carolina“.
- Analyse der rituellen Aspekte, einschließlich der Beigabe von Tieren in den Sack.
- Dokumentation einer Vielzahl historischer Einzelfälle zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert.
- Untersuchung der regionalen Unterschiede in der Anwendung und Ausführung der Todesstrafe.
- Die Rolle der Gnade und des Todes durch das Schwert als alternative Strafformen.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die Strafform des „Säckens“ wirkt auf die Menschen in unserer Zeit befremdlich, ja altertümlich. Und in der Tat lassen sich nicht allzu viele Beispiele in der Vergangenheit ermitteln. Alte deutsche Städtechroniken nennen solche Ereignisse am Rande und im Zuge von Aufzählungen von Leibesstrafen in früheren Zeiten. Die Hintergründe und Schicksale bleiben häufig im Dunkeln.
Das Säcken (lateinisch: poena cullei), auch Säckung, kam nach römischem Recht regelmäßig bei Verwandtenmord (lateinisch: parricidium) zur Anwendung. Es wurde als Art der Hinrichtung angewandt. Dabei wurde der Verurteilte zusammen mit einer Schlange und einem Skorpion in einen Sack gesteckt und ins Wasser geworfen. Zum Begriff des „Säckens“ heißt es im „Wörterbuch der Deutschen Sprache“ von 1810: „In engerer Bedeutung: von einer Art der Todesstrafe, einen Verbrecher in einen Sack einbinden und ersäufen.“
Zusammenfassung der Kapitel
Zum Geleit: Der Autor führt in die dunkle Thematik der historischen Justizpraxis ein und erläutert die Beweggründe für die Spurensuche zu dieser kaum erforschten Hinrichtungsart.
Einleitung: Dieses Kapitel verortet das Säcken in der Rechtsgeschichte, von den römischen Ursprüngen bis zur Aufnahme in die „Carolina“ und das spätere deutsche Strafrecht.
Historisch belegte Einzelfälle: Hier werden zahlreiche dokumentierte Fälle von Säckungen zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert chronologisch und regional aufgearbeitet, inklusive detaillierter Schilderungen der Umstände und Urteilsbegründungen.
Schlüsselwörter
Säcken, Säckung, Hinrichtung, Kindsmord, Carolina, Peinliche Gerichtsordnung, Rechtsgeschichte, Todesstrafe, Kriminaljustiz, Ertränken, Rechtsaltertümer, Strafvollzug, Historische Quellen, Mittelalter, Frühe Neuzeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Hinrichtungsstrafe des Säckens, einer im deutschen Rechtsraum praktizierten Methode, bei der Delinquenten in einen Sack eingenäht und anschließend ertränkt wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die rechtliche Grundlage durch die „Carolina“, die rituellen Komponenten bei der Hinrichtung und die Dokumentation von konkreten Einzelfällen in verschiedenen deutschen Regionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die systematische Zusammenstellung und Analyse der historisch überlieferten Einzelfälle, um Licht in die wenig erforschte Praxis dieser grausamen Strafe zu bringen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor arbeitet primär quellennah und wertet Sekundärliteratur, zeitgenössische Chroniken, Gerichtsprotokolle und juristische Kommentare aus, um eine fundierte Spurensuche zu ermöglichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zahlreiche spezifische Kriminalfälle aus dem 16. bis 18. Jahrhundert detailliert dokumentiert, wobei auch der Wandel der Strafvollstreckung und die Rolle der Gnade diskutiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Säcken“, „Kindsmord“, „Peinliche Gerichtsordnung“ und „Rechtsgeschichte“ definiert.
Welche Bedeutung hatten die im Sack mitgeführten Tiere?
Die Beigabe von Tieren wie Hund, Hahn, Schlange oder Affe war gesetzlich verankert, wird jedoch historisch unterschiedlich interpretiert – etwa als symbolische Darstellung von Geilheit oder als bewusste Demütigung des Täters.
Warum wurde die Strafe des Säckens in der späteren Neuzeit seltener?
Durch den Einfluss des aufgeklärten Rechtsdenkens und die Zunahme von Begnadigungen wurde das Säcken zunehmend durch humanere oder "standardisierte" Hinrichtungsarten wie das Schwert ersetzt, bis es schließlich gänzlich abgeschafft wurde.
- Citation du texte
- Matthias Blazek (Auteur), 2019, Über die Strafform des Säckens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470651