Wie oft hat man als Lehrer das Gefühl, dass das, was so gut laufen könnte, von dem Fehlverhalten einiger Schüler zerstört wird? Aber selbst, wenn man bereit ist, zusammen mit den Schülern gewisse Problematiken anzusprechen, steht man als Lehrer nicht selten vor der Frage nach geeigneten Methoden oder Handlungsansätzen, um den richtigen Zugang zu den Schülern, und besonders zu den „Störenfrieden“, zu finden. Wie können wir als Lehrer mit Schülerkonflikten richtig umgehen, und was können wir tun, um einen konstruktiven Beitrag zu einem besseren Lernklima zu leisten und den Schülern zu helfen, im Umgang mit anderen bessere soziale Kompetenzen zu entwickeln?
Auf diese und andere Fragen möchte ich, ausgehend von einer konkreten Konfliktsituation in einer Berufsschulklasse, versuchen, Antworten und Lösungsansätze zu finden, die in unterschiedlichen Situationen anwendbar und schülerorientiert ausgerichtet sind. Ich möchte dabei sowohl Möglichkeiten aufzeichnen, wie sich die Lehrperson auf Schülerkonflikte einlassen kann, als auch auf präventive Maßnahmen zu sprechen kommen. Am Ende soll es aber nicht allein um Methoden gehen, sondern um uns Menschen im Schulalltag: um uns Lehrer und um die Schüler, denen wir durch unser Vorbild dazu verhelfen möchten, sich im Klassenverband und später im Leben als reife und beziehungsfähige Personen verhalten zu können. Mir ist bewusst, dass sich die hier aufgeführten Ratschläge und Tipps nicht als Patentrezepte einsetzen lassen, wünsche mir aber, dass sie dem ein oder anderen als Denkanstöße und Ermutigung dienen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Schilderung einer handgreiflichen Auseinandersetzung unter Schülern und der ergriffenen Maßnahme zur Bewältigung des Konflikts
2.1 Ein Lösungsansatz: Die Dialogrunde
2.2 Analyse der Lösungsstrategie und Reflexion
2.3 Systemische Sichtweisen im Umgang mit Herausforderungen
3 Der Lehrer als Coach
3.1 Förderliches Gesprächsverhalten des Lehrers
3.2 Ich-Botschaften
3.3 Die win–win–Methode (DREW, 2000)
4 Präventives Handeln zur Vorbeugung von Konflikten
4.1 Eine klare Haltung finden
4.2 Die „soziale Fantasie" der Schüler fördern
4.3 Gestaltung des sozialen Klimas und der Lernatmosphäre
5 Konfliktbewältigung im DaF-/DaZ-Unterricht
5.1 Interkulturelle Kompetenzen entwickeln
6 Schlussfolgerungen
7 Literaturnachweis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, handlungsorientierte Lösungsansätze für Konfliktsituationen im schulischen Alltag der Berufsschule aufzuzeigen, um ein konstruktives Lernklima zu fördern und die soziale Kompetenz der Jugendlichen zu stärken.
- Analyse konkreter Konfliktsituationen und ihrer Bewältigung
- Methoden lösungsorientierter Gesprächsführung (z. B. Dialogrunde, Ich-Botschaften)
- Präventive Maßnahmen zur Förderung einer positiven Klassengemeinschaft
- Systemische Betrachtungsweise des Lehrer-Rollenverständnisses
- Konfliktmanagement im Kontext von DaF-/DaZ-Unterricht
Auszug aus dem Buch
2.1 Ein Lösungsansatz: Die Dialogrunde
In der sogenannten „Dialogrunde“ werden die Schulbänke beiseite geräumt, und die Schüler sitzen in einem großen Kreis. In der Mitte des Kreises liegt ein kleiner Ball, den sich die Schüler nehmen können, um zu reden und ihn danach wieder in die Mitte zurückzurollen (nicht zu werfen). Der Grund dafür ist, dass alles langsam verlaufen soll, damit man in der Zwischenzeit überlegen und reflektieren kann, d.h. nicht emotionsgeladen und vorschnell antwortet. Außerdem besteht die Regel, dass immer nur eine Person reden darf, immer nur die, die den Ball hat.
Bevor die Runde startet, teilt die Lehrperson jedem Schüler ein blaues, ein gelbes und ein grünes Blatt aus. Auf das blaue Blatt soll jeder Schüler schreiben, was seines Erachtens schlecht in der Klassengemeinschaft läuft, auf das gelbe die positiven Aspekte (den Ist-Zustand aus der Sicht eines jeden Schülers) und erst später (am Ende der Diskussion) auf das grüne Blatt, was er selbst bereit ist zu tun, um die Situation im Klassenverband zu verbessern, ohne zu bewerten oder zu verurteilen.
Im nächsten Schritt fragt die Lehrperson die Schüler, mit welchen Aspekten sie die Diskussion beginnen möchten, mit den positiven oder mit den negativen. Dabei sollen sie nacheinander den Ball nehmen, ihre Wahl nennen und auch begründen. Nach einigen Wortmeldungen fällt die Wahl auf die negativen Aspekte.
Nun weist die Lehrperson darauf hin, dass diejenigen Schüler, die nicht gleich den Ball zum Sprechen nehmen, sich kommentarlos das Gesagte anhören und erst danach aufstehen, um sich den Ball zu holen und ihren Beitrag zu leisten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen von Lehrkräften im Umgang mit Disziplinkonflikten und betont die Notwendigkeit, Konflikte nicht nur zu verdrängen, sondern beziehungsorientiert zu lösen.
2 Schilderung einer handgreiflichen Auseinandersetzung unter Schülern und der ergriffenen Maßnahme zur Bewältigung des Konflikts: Basierend auf einem konkreten Fall aus einer Berufsschule wird die Methode der „Dialogrunde“ eingeführt, um den Konflikt ursachenorientiert und wertschätzend aufzuarbeiten.
3 Der Lehrer als Coach: Dieses Kapitel erläutert, wie Lehrpersonen durch gezieltes Gesprächsverhalten, Ich-Botschaften und lösungsorientierte Methoden wie die Win-win-Methode erfolgreich als Mediatoren fungieren können.
4 Präventives Handeln zur Vorbeugung von Konflikten: Hier werden Strategien zur Etablierung klarer Regeln, zur Förderung sozialer Fantasie und zur Gestaltung eines positiven sozialen Lernklimas diskutiert.
5 Konfliktbewältigung im DaF-/DaZ-Unterricht: Dieses Kapitel betrachtet die besonderen Anforderungen bei der Arbeit mit Migrantenjugendlichen und unterstreicht die Bedeutung der Entwicklung interkultureller Kompetenzen zur Gewaltprävention.
6 Schlussfolgerungen: Die Autorin fasst zusammen, dass pädagogisches Handeln in Konflikten stets von einer Haltung des „Verstehen-wollens“ geprägt sein sollte, um langfristig ein besseres Miteinander zu ermöglichen.
7 Literaturnachweis: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Fachliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Konfliktbewältigung, Lehrerrolle, Berufsschule, Dialogrunde, Klassengemeinschaft, Disziplinkonflikte, Ich-Botschaften, Mediation, Prävention, Soziale Kompetenzen, Lernatmosphäre, Win-win-Methode, DaF, DaZ, Interkulturelle Kompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Lehrkräfte durch ressourcenorientierte Ansätze und konstruktive Kommunikation Schülerkonflikte bewältigen und ein respektvolles Arbeitsklima in der Klasse schaffen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Konfliktanalyse, Gesprächsführung, Prävention durch soziale Regeln, der Aufbau von Vertrauen sowie der Umgang mit kultureller Vielfalt im DaF-/DaZ-Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lehrpersonen praktische Methoden und Denkanstöße an die Hand zu geben, um bei Disziplinproblemen professionell, schülerorientiert und langfristig wirksam zu intervenieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Reflexion einer Fallstudie (Aktionsforschung) in Kombination mit einer fundierten Auswertung pädagogischer Literatur und lösungsorientierter Konzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Techniken wie die „Dialogrunde“, „Ich-Botschaften“ und verschiedene Aggressionsabbau-Übungen detailliert beschrieben und in einen sozial-pädagogischen Kontext eingeordnet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Konfliktmanagement, Lehrer-Schüler-Beziehung, soziale Kompetenz, Respekt und Gewaltprävention beschreiben.
Wie geht die Autorin mit dem Thema Migrationshintergrund um?
Die Autorin plädiert dafür, den Fokus nicht auf den Migrationshintergrund als Problem zu legen, sondern die Schüler durch Partizipation und Würdigung individueller Potenziale zu stärken.
Welche Rolle spielt die „Dialogrunde“ in diesem Konzept?
Die Dialogrunde fungiert als strukturierte Methode, um in festgefahrenen Konfliktsituationen eine Atmosphäre zu schaffen, in der jeder Schüler gehört wird und ein gemeinsames Verständnis für Bedürfnisse entwickelt wird.
Was zeichnet eine gelungene „Ich-Botschaft“ aus?
Eine gelungene Ich-Botschaft nach Rosenberg besteht aus der wertfreien Wahrnehmung, der Benennung des Gefühls, der Herleitung aus einem Bedürfnis und einer konkreten Bitte an das Gegenüber.
- Citation du texte
- Dagmar Astrid Stehn (Auteur), 2017, Störungsfreies Arbeiten und respektvoller Umgang im Klassenzimmer. Konfliktbewältigung mit jugendlichen Lernern in der Berufsschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471044