Diese Arbeit soll auf die psychische Störung des Traumas in der heutigen Zeit eingehen. Dabei spielen Definitionen, Folgen und Reaktionen traumatischer Ereignisse eine wichtige Rolle. Danach bietet es sich an, Sigmund Freud und seinen psychoanalytischen und tiefenpsychologischen Ansatz mit in Betracht zu ziehen, vor allem, da Freud selbst Hoffmanns „Der Sandmann“ studierte und analysierte. Weiteres möchte ich mit genau diesem Werk fortfahren und es genauer unter die Lupe nehmen. Zu guter Letzt erfolgt eine Analyse des Buches „Das Fräulein von Scuderi“.
E.T.A. Hoffmann – ein Schriftsteller, Jurist, Komponist und Künstler, der sogar noch über 200 Jahre nach seinem Tod Menschen inspiriert. Seine Werke werden immer wieder gelesen, interpretiert und fast jeder kennt seinen Namen. Ein zu seiner Zeit bereits bemerkenswerter Künstler und auch in heutiger Zeit eine große Berühmtheit. E.T.A. Hoffmanns Werke bieten ein unglaublich breites Spektrum an Interpretationsmöglichkeiten, zahlreiche verschiedene Themen werden in den Büchern angesprochen, phantastische, schauerliche und unglaubliche Elemente finden einen großen Platz in seinem Schreiben und die Sammlung an geschriebenen Werken ist faszinierend.
Inwieweit Hoffmanns Erzählungen und Geschichten auf sein Leben anspielen oder erlebte Geschehnisse widerspiegeln, lässt ebenfalls viel Spielraum für Vermutungen und Interpretationen, doch sicher können wir sein, dass seine Werke noch lange nicht in Vergessenheit geraten werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Psychische Störung – Trauma
2.1 Definition
2.2 Folgen von traumatischen Ereignissen
2.3 Traumatische Reaktion
3. Sigmund Freud
4. Kindheit und Trauma bei E.T.A. Hoffmann
4.1 „Der Sandmann“
4.1.1 Konfrontation mit dem Trauma – Nathanael
4.1.2 Motive des Traumas – Nathanael
4.2 „Das Fräulein von Scuderi“
4.2.1 Konfrontation mit dem Trauma – Rene
4.2.2 Motive des Traumas – Rene
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Darstellung und psychologische Auswirkung von Kindheitstraumata in den literarischen Werken von E.T.A. Hoffmann. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie traumatische Kindheitserlebnisse die psychische Entwicklung und den späteren geistigen Verfall der Protagonisten Nathanael aus „Der Sandmann“ und Rene Cardillac aus „Das Fräulein von Scuderi“ prägen.
- Analyse psychologischer Traumadefinitionen und deren Relevanz für die Literatur.
- Untersuchung des tiefenpsychologischen Ansatzes von Sigmund Freud im Kontext von Hoffmanns Erzählungen.
- Detaillierte Analyse der Auslöser und spezifischen Traumamotive in „Der Sandmann“.
- Vergleich der traumatischen Genese und der daraus resultierenden Verhaltensweisen bei Rene Cardillac.
- Synthese der Erkenntnisse zur Verknüpfung von psychologischen Gegebenheiten und literarischer Fantasie.
Auszug aus dem Buch
Augen
Das wichtigste Motiv jedoch ist das der Augen, das sich durch die ganze Geschichte zieht und Nathanael überall verfolgt.
Bereits die Namen Coppelius und Coppola beinhalten die italienische Wurzel „cop-“, auch coppo, und bedeutet „Becher, Schale“, im übertragenen Sinn kann es außerdem auch als Augenhöhle bezeichnet werden, wobei das zentrale Motiv der Augen über die beiden Namen des vermeintlichen Sandmanns fortgesetzt wird. (vgl. Ebd.: 11)
Die optischen Phänomene des Textes prägen Aspekte wie Raub bzw. Verlust des Auges, Kraft und Bedeutung von Blicken, die Rolle von Sehhilfen wie Brille und Perspektiv und stellen das gesamte Bedeutungsgefüge in den literaturgeschichtlichen Kontext der Romantik. Alle bedeutungsvollen Ereignisse in der Lebensgeschichte Nathanaels sind mit optischen Phänomenen verknüpft:
1. der Besuch des Advokaten Coppelius, der unsichtbar bleibt und mit einem regelrechten Sehverbot belegt wird, und seine Erklärung durch Mutter und Amme
2. die Laborszene mit Coppelius und dem Vater
3. der Brief Nathanaels an Clara; die erste Begegnung mit Coppola
4. Nathanaels Dichtung
5. Coppolas zweiter Besuch; Kauf des Perspektivs
6. Nathanaels Liebe zu Olimpia (der zeugende Blick)
7. die beiden Wahnsinnsanfälle.
(Bönnighausen 1999: 58)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung E.T.A. Hoffmanns als Schriftsteller und führt die Motivation ein, psychologische Traumata in seinem Werk zu untersuchen.
2. Psychische Störung – Trauma: Dieses Kapitel definiert den Begriff Trauma wissenschaftlich, erläutert die Folgen traumatischer Erlebnisse und beschreibt die typischen traumatischen Reaktionen wie Flashbacks und Vermeidung.
3. Sigmund Freud: Es wird Freuds psychoanalytischer Ansatz dargestellt und seine Relevanz für das Verständnis von Hoffmanns Erzählungen, insbesondere in Bezug auf unbewusste Kindheitskonflikte, dargelegt.
4. Kindheit und Trauma bei E.T.A. Hoffmann: Dieses Hauptkapitel analysiert das Trauma in „Der Sandmann“ und „Das Fräulein von Scuderi“, wobei besonders die Konfrontation mit dem Trauma und die wiederkehrenden Motive bei den Protagonisten Nathanael und Rene Cardillac untersucht werden.
5. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und betont Hoffmanns Fähigkeit, psychologische Realitäten mit literarischer Fantasie meisterhaft zu verknüpfen.
Schlüsselwörter
E.T.A. Hoffmann, Trauma, Kindheitstrauma, Psychologie, Der Sandmann, Das Fräulein von Scuderi, Psychoanalyse, Wahnsinn, Nathanael, Rene Cardillac, Augenmotiv, Schwarze Romantik, Unbewusstes, Literaturanalyse, Automaten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die psychologische Dimension von Kindheitstraumata in zwei zentralen Erzählungen von E.T.A. Hoffmann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf psychologischen Traumadefinitionen, dem tiefenpsychologischen Ansatz Freuds sowie der literarischen Ausgestaltung von Wahnsinn und Zwang bei Hoffmann.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie traumatische Kindheitserlebnisse die Persönlichkeit und den weiteren Lebensweg der Protagonisten Nathanael und Rene Cardillac maßgeblich beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung psychologischer Fachliteratur und psychoanalytischer Theorien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zum Trauma-Begriff und eine tiefgehende Analyse der Werke „Der Sandmann“ und „Das Fräulein von Scuderi“ hinsichtlich ihrer Motivik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Trauma, Wahnsinn, E.T.A. Hoffmann, Psychoanalyse sowie spezifische Motive wie das Augenmotiv oder die Gier.
Inwiefern unterscheidet sich das Trauma bei Nathanael von dem bei Rene Cardillac?
Nathanaels Trauma ist durch ein akutes Kindheitserlebnis geprägt, das zu Wahrnehmungsstörungen führt, während bei Cardillac ein vorgeburtliches Trauma eine Gier auslöst, die ihn zu Morden treibt.
Welche Rolle spielt Sigmund Freud für die vorliegende Arbeit?
Freud dient als theoretischer Rahmen, um insbesondere die „Urszene“ und die symbolische Bedeutung von Nathanaels Kastrationsangst im „Sandmann“ besser zu verstehen.
Warum ist das Augenmotiv für Nathanael von so entscheidender Bedeutung?
Durch das frühe Sehverbot und die Androhung, ihm die Augen zu rauben, wird die Angst vor dem Sandmann/Coppelius zentral in seine Wahrnehmung der Realität integriert.
Was bedeutet der „böse Stern“ bei Rene Cardillac?
Es ist eine Metapher für den unkontrollierbaren Zwang und die Gier, die Cardillac nach einem vorgeburtlichen Trauma empfindet und die ihn schließlich in seine Mörderrolle drängt.
- Citation du texte
- Marlene Untersteiner (Auteur), 2018, Die Kindheit als Trauma, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471362