Das sprachliche Relativitätsprinzip


Referat (Handout), 2018
2 Seiten, Note: 1,0
Verena Binder (Autor)

Leseprobe

Universität Augsburg

Philologisch-Historische Fakultät

Lehrstuhl: Deutsche Sprachwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung des Neuhochdeutschen

Hauptseminar Theorien der Sprachwissenschaft

WS 2018/19

Das sprachliche Relativitätsprinzip

1. Edward Sapir (1884-1939)

- US-amerikanischer Ethologe und Linguist
- Hauptinteresse: Zusammenhang zwischen Sprache, Sprechern und Umweltbedingungen
- Untersuchungen mehrerer Sprachen, darunter amerikanische Indianersprachen
- Feststellungen:
- Beeinflussung des Lexikons einer Sprache durch Umwelt, Kultur und Interessen der Sprecher
- Unterschiedliche Möglichkeiten zur Beschreibung von Vorgängen in der Umwelt in verschiedenen Sprachen („Relativität der Konzepte / der Form des Denkens“)
- Aber: kein direkter Zusammenhang zwischen Umwelt und Sprache
- Keine klar ausformulierte Theorie

2. Benjamin Lee Whorf (1897-1941)

- Ursprünglich Chemieingenieur
- Anderes Konzept von Zeit bei Hopi-Indianern als in westlichen Kulturen
- Adverbien zur Zeitangabe vs. Nomen
- Zyklisch vs. linear
- Vermutlich aufgrund unterschiedlicher Umweltbedingungen
- Frage: Erst sprachliche Wendungen oder gesellschaftliche Normen? è Wohl gegenseitige Wechselwirkung
- Sprachliches Relativitätsprinzip nach Whorf (noch keine eigene Theorie)
- Gleiche Wahrnehmung der Umwelt nur bei ähnlichem linguistischen Hintergrund
- Beeinflussung der Wahrnehmung, aber nicht Determinierung des Denkens durch Sprache

3. Sapir-Whorf-Hypothese

- Boas:
- Beeinflussung von Sprache durch Kultur
- Ausfilterung unnötiger Konzepte, z.B. Inuit: Zahlen nur bis zehn
- Konzepte erweiterbar è Gedankliche Freiheit nicht gefährdet
- Sapir:
- Sprache einziger Zugang zum Denken
- Repräsentation unterschiedlicher sozialer Wirklichkeiten durch Sprache
- Beeinflussung der Wahrnehmung durch Sprache (Bevorzugung bestimmter Interpretationen der Umwelt)
- Bezug auf Einstein: Keine objektiven, sondern nur relative Aussagen möglich
- Kritik an der Idee der sprachlichen Relativität:
- Fehlinterpretation Determinismus (keine geistige Freiheit) statt Relativismus (Beeinflussung)
- Ziel: Verteidigung generativer Grundannahmen (z.B. Universalgrammatik) durch konstruierte Kritik
- Konzept der sprachlichen Relativität nicht mit Bezug auf Wahrnehmung, sondern auf Begriffsbildung, aber: Möglichkeit des vorsprachlichen, allen Menschen gemeinsames Denkens auch bei Whorf

4. Anwendungsbeispiele

4.1 Farben

- Erste Studien (Brown und Lenneberg):
- These: Beeinflussung der Erkennung und Benennung von Farben durch Sprache
- Zusammenhang in frühen Studien erkennbar, spätere Ergebnisse uneindeutig
- Studien von Berlin/Kay und Kay/McDaniel:
- Grundannahme: universelles Farbkategorisierungssystem in allen Sprachen
- Grundfarben des Englischen als Grundlage
- Vergleich der Grundfarbwörter in 98 Sprachen
- Ergebnis: maximal elf Grundfarbwörter, scheinbar universelles Verteilungsmuster (z.B. schwarz und weiß in allen Sprachen) è Widerspruch zum sprachlichen Relativitätsprinzip
- Kritik an Studie: fehlende Objektivität (Einfluss durch Englisch), Fehler bei der Durchführung der Studie (u.a. Befragte nicht repräsentativ für Sprachgemeinschaft)
- Gleiche Farbwahrnehmung bei allen Menschen, aber unterschiedliche grammatische und lexikalische Kategorien/Wörter, bedingt durch Umwelt und Kultur

4.2 Feministische Sprachkritik

- Sprachliches Relativitätsprinzip als implizite Voraussetzung feministischer Linguistik
- Relativitätsprinzip häufig als Argument für Notwendigkeit einer gendergerechten Sprache

5 Aufgabe

Findet/Finden Sie Beispiele für unterschiedliche Ausdrucksweisen in verschiedenen Sprachen, „Wortschatzlücken“ und Ähnliches. Inwiefern beeinflussen diese Unterschiede Eurer/Ihrer Meinung nach die Wahrnehmung der Sprecher?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Literatur:

Berésin, F. M. (1980): Geschichte der sprachwissenschaftlichen Theorien. Leipzig.

Elsen, Hilke (2014): Linguistische Theorien. Tübingen.

Kusterle, Karin (2011): Die Macht von Sprachformen. Der Zusammenhang von Sprache, Denken und Genderwahrnehmung. Frankfurt am Main.

Trabant, Jürgen (2003): Europäisches Sprachdenken. Von Platon bis Wittgenstein. München.

[...]

Ende der Leseprobe aus 2 Seiten

Details

Titel
Das sprachliche Relativitätsprinzip
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
2
Katalognummer
V471500
ISBN (eBook)
9783668956070
Sprache
Deutsch
Schlagworte
relativitätsprinzip
Arbeit zitieren
Verena Binder (Autor), 2018, Das sprachliche Relativitätsprinzip, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471500

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