Eine kreative Übersetzung entsteht laut Kußmaul „[...] aufgrund einer obligatorischen Veränderung des Ausgangstexts, und sie stellt etwas mehr oder weniger Neues dar, das zu einer bestimmten Zeit und in einer (Sub-)Kultur von Experten (=von Vertretern eines Paradigmas) im Hinblick auf einen bestimmten Verwendungszweck als mehr oder weniger angemessen akzeptiert wird.“ Kreativität wurde bisher selten mit Übersetzen in Verbindung gebracht. Aber auch eine Übersetzung kann in gewissem Maße eine kreative Leistung sein, denn während des Übersetzungsvorgangs laufen Denkprozesse ab, die zu kreativen Lösungen führen. Um kreative Denkprozesse besser aufzeigen zu können, wird ein Dialogprotokoll erstellt. Dafür werden zwei Testpersonen beim Übersetzen auf Tonband aufgenommen und das auf diese Weise entstehende Gesprächsprotokoll analysiert. Die Analyse des Protokolls wird im Folgenden ausführlich dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Experiment
2.1. Vorbereitung der Verfasser
2.1.1. Vorbereitung der Testpersonen
3. Problemstellen
3.1 Problemstelle 1
3.2 Problemstelle 2
3.3 Problemstelle 3
3.4 Problemstelle 4
3.5 Problemstelle 5
4. Bewertung und Vergleich der Übersetzung
5. Schluss
6. Literaturverzeichnis
7. Anhang
7.1 Originaltext
7.2 Übersetzung der Testpersonen
7.3 Deutsche Originalübersetzung
8. LD-Protokoll
Zielsetzung und Forschungsgegenstand
Die vorliegende Arbeit untersucht den Übersetzungsprozess unter besonderer Berücksichtigung kreativer Denkprozesse bei der Übertragung eines Werbetextes ins Deutsche. Ziel ist es, mittels eines Protokolls des lauten Denkens (LD-Protokoll) nachzuvollziehen, wie Testpersonen mit sprachlichen und kulturellen Barrieren umgehen und welche Strategien zur kreativen Lösungsfindung angewandt werden.
- Analyse kreativer Übersetzungsprozesse
- Einsatz der Methode des lauten Denkens (LD-Protokoll)
- Untersuchung von Denkblockaden und Lösungsstrategien
- Vergleich zwischen Fachwissen und intuitivem Übersetzen
- Evaluierung der Übersetzungsqualität anhand eines konkreten Werbetextes
Auszug aus dem Buch
3.1 Problemstelle 1
Die ersten Schwierigkeiten treten schon in Zeile 3/4 an der Stelle „[...] clothes for their bodies [...]” auf.
Große Probleme bereitet das Wort „clothes“, da die Übersetzung „Kleidung“ die ganze Zeit über als nicht passend für Autos empfunden wird. Auch Begriffe wie „Klamotten“, „Dress“ oder „Schmuck fürs Auto“ führen nicht zu einer zufriedenstellenden Übersetzung. Es folgt eine lange Diskussion, aus der der Vorschlag „Karosserie-Kleidung“ hervorgeht. Durch die Alliteration macht Kandidat B den Vorschlag „Mobil-Make-Up“, der zunächst als Übersetzung akzeptiert wird. Die Testpersonen widmen sich daraufhin dem nächsten Satz, kommen aber schon nach kurzer Zeit auf die Problemstelle „clothes“ zurück.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert den Begriff der kreativen Übersetzung nach Kußmaul und erläutert die Methodik der Erstellung und Analyse eines Dialogprotokolls.
2. Experiment: Beschreibt das methodische Vorgehen, die Auswahl des Ausgangstextes sowie die Zusammensetzung der Testgruppe.
2.1. Vorbereitung der Verfasser: Erläutert die Kriterien der Textauswahl für das Experiment.
2.1.1. Vorbereitung der Testpersonen: Detailliert den Ablauf der Übersetzungsaufgabe, die genutzten Hilfsmittel und die Rahmenbedingungen.
3. Problemstellen: Analysiert die Herausforderungen, die während des Übersetzungsprozesses aufgetreten sind, und untersucht die zugrunde liegenden kognitiven Prozesse.
3.1 Problemstelle 1: Dokumentiert die Lösungsfindung für den Begriff "clothes" durch kreative Wortschöpfungen und Alliterationen.
3.2 Problemstelle 2: Behandelt die Übersetzung des Begriffs "finical design aficionados" und die damit verbundenen Top-Down-Prozesse.
3.3 Problemstelle 3: Untersucht die Denkblockaden bei der Übertragung des Begriffs "walk the Paris catwalk" und die resultierende Umstellung des Satzgefüges.
3.4 Problemstelle 4: Beschreibt die Schwierigkeiten mit dem Rahmen "clothes" und die Bedeutung von Analogiebildung zur Blockadenüberwindung.
3.5 Problemstelle 5: Analysiert die Strategien zur Beibehaltung von Reim und Alliteration in der Überschrift.
4. Bewertung und Vergleich der Übersetzung: Reflektiert die Qualität der angefertigten Übersetzung und vergleicht sie mit der Originalübersetzung.
5. Schluss: Fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Erlernbarkeit kreativer Übersetzungstechniken.
6. Literaturverzeichnis: Listet die verwendeten Quellen für das Experiment auf.
7. Anhang: Enthält den Originaltext, die Testübersetzung sowie die deutsche Originalübersetzung.
8. LD-Protokoll: Dokumentiert die vollständige Transkription des Übersetzungsprozesses.
Schlüsselwörter
Kreatives Übersetzen, Lautes Denken, LD-Protokoll, Übersetzungsprozess, Denkblockaden, Top-Down-Prozesse, Alliteration, Werbetext, Sprachliche Kreativität, Lösungsstrategien, Vierphasenmodell, Terminologie, Metamorphose, Wortspiel, Sprachmittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Prozess der kreativen Übersetzung und dokumentiert, wie Übersetzer durch lautes Denken Problemlösungsstrategien entwickeln, um sprachliche Hürden in Werbetexten zu überwinden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Kognitionspsychologie des Übersetzens, der Einsatz von Szenenmarkern bei der Begriffsbildung und der Einfluss von kreativen Denkmustern auf das Endergebnis einer Übersetzung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass kreatives Übersetzen kein zufälliger Prozess ist, sondern auf systematisch ablaufenden kognitiven Strategien basiert, die auch Nicht-Fachleute nutzen können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Verfasser nutzen die Methode des Protokolls des lauten Denkens (LD-Protokoll), wobei zwei Testpersonen beim Übersetzen aufgenommen wurden, um deren Denkprozesse direkt zu erfassen.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf spezifische Problemstellen des Textes, an denen detailliert analysiert wird, wie durch Brainstorming, Analogien und Pausen neue Lösungen für schwierige Wörter gefunden wurden.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie kreatives Übersetzen, Denkprozesse, Lösungsstrategien, Wortspiel, Alliteration und kognitive Blockaden beschreiben.
Wie wirken sich Pausen im Übersetzungsprozess aus?
Pausen dienen als Teil der Inkubationsphase, in der das Unterbewusstsein arbeitet. Oftmals führen sie nach einer Ablenkung (z.B. eine Pause) zur "Illumination", also dem plötzlichen Einfall der kreativen Lösung.
Warum wurde für das Experiment ein Werbetext gewählt?
Werbetexte sind besonders reich an kulturellen Referenzen und rhetorischen Figuren wie Alliterationen und Wortspielen, die den Übersetzer zur Kreativität zwingen, da eine wörtliche Übersetzung oft nicht ausreicht.
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- Andishe Gottlieb (Author), Tina Hollstein (Author), 2004, Kreatives Übersetzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47247