Die Rezeption des Arbeiterwiderstandes nach 1945


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

I. Inhalt:

II. Arbeit

1. Einleitung

2. Stationen des Erinnerns
2.1 Der Remer-Prozess
2.2 Der Arbeiteraufstand des 17. Juni 1953
2.3 Widerstandsdefinitionen der Jurisdiktion

3. Problemstellung und Hindernisse in der Frage der Würdigung des linken Widerstandes
3.1 Systemkonkurrenz
3.1.1 SBZ / DDR
3.1.2 BRD
3.2 Das Problem des Exils
3.3 Taktieren der politischen Linken

4. Wem gehört der Widerstand? – Die sechziger Jahre
4.1 Generationenkonflikt
4.2 Notstandsgesetzgebung und Studentenproteste

5. Veränderte Wahrnehmung und „Entdeckung“ des linken Widerstandes
5.1 Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung / Frankfurter Konferenz
5.2 Offizielles Gedenken

6. Schlussbetrachtung

III. Literatur

II. Arbeit

Die Rezeption des Arbeiterwiderstandes nach 1945

1. Einleitung

Die Rezeptionsgeschichte des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus ist eine Geschichte der Politisierung und Instrumentalisierung historischen Gedenkens. Hin und her pendelnd zwischen dem Stigma des Vaterlandsverrats und mystisch verklärter Heldenverehrung, zwischen Missachtung und höchster Medienpräsenz, war die Erinnerung an den Widerstand zahlreichen Deutungs- und Bedeutungswandlungen unterworfen. Wie kaum ein anderes Feld der Zeitgeschichte war die Widerstandsforschung immer wieder politischer Einflussnahme und Vereinahmung durch konkurrierende Interessengruppen ausgesetzt. Nicht zu unrecht spricht Peter Steinbach in diesem Zusammenhang von „Geschichtspolitik“[1]. Die Idee des Widerstandes als solche und in viel größerem Maße die Tatsache der Existenz eines „anderen Deutschland“ in Opposition gegen das NS-Regime boten sowohl Angriffs- als auch Projektionsfläche für einige der großen gesellschaftlichen und politischen Debatten der Nachkriegszeit.

In der vorliegenden Arbeit soll der Fokus vor allem auf Problemstellungen und Auseinandersetzung bei der Frage um die Würdigung des Arbeiterwiderstandes gelegt werden. Dabei wird der Begriff „Arbeiterwiderstand“ als politisch links motivierter Widerstand aus dem Umfeld der Arbeiterparteien SPD und KPD, sowie der Gewerkschaften verstanden.[2]

Es soll untersucht werden, wieso dem Arbeiterwiderstand vergleichsweise lange Zeit eine angemessene Würdigung versagt blieb und welche Ereignisse und Entwicklungen zur publizistischen und historiographischen „Entdeckung“[3] des Arbeiterwiderstandes Ende der sechziger Jahre führten. Einer Übersicht über die Stationen des Erinnerns folgt ein Problematisierungsteil, der sich näher mit den Eigenheiten des Arbeiterwiderstands – wie etwa dem Problem des Exils - und deren Bedeutung für die bundesdeutsche Nachkriegsgesellschaft beschäftigt. Außerdem soll eine gesamtdeutsche Perspektive eröffnet werden, indem der Einfluss der Systemkonkurrenz zwischen den beiden deutschen Staaten auf die Widerstandsrezeption untersucht wird.

Obwohl in den letzten Jahren eine Fülle von Literatur zum Thema Widerstand erschienen ist, so ist die Zahl der Veröffentlichungen zur Rezeptionsgeschichte doch begrenzt geblieben. Speziell zur Rezeptionsgeschichte des Arbeiterwiderstandes ist meist nur in Aufsatzform publiziert worden. Dennoch kann die Literatur ihm Rahmen dieser Arbeit als ausreichend gelten.

2. Stationen des Erinnerns

Die Geschichte des Widerstandsgedenkens war und ist vor allem eine Geschichte der Beschäftigung mit dem 20. Juli 1944. Die Aufarbeitung der Geschichte anderer Gruppen geschah immer sehr stark in Abhängigkeit und im Kontrast zum Gedenken an dieses, in der BRD alles überstrahlende Ereignis.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit und in der noch jungen BRD haftete allem Widerstand das Stigma des Verrats an. Nicht nur von Stammtischrunden wurde insbesondere den Angehörigen des 20. Juli Eidbruch und Landesverrat vorgeworfen. Ganz mit Wiederaufbau und der Konsolidierung der privaten Lebenssituation beschäftigt, entwickelte die eher kleinbürgerliche Nachkriegsgesellschaft schnell „Abwehrmechanismen aus Schuldkomplex und Verdrängungsbedürfnis“[4] gegen jede Art der Vergangenheitsbewältigung und ließ somit eine wirkliche Aufarbeitung des Widerstandes in nur sehr begrenztem Maße zu. Bis in die fünfziger Jahre hinein gab es kein Gedenken von offizieller Seite. Erst im Jahre 1952 fand zum ersten Mal eine Gedenkveranstaltung im Bendlerblock statt, 1954 gedachte mit Theodor Heuss zum ersten Mal ein hoher Repräsentant der Regierung des Widerstands.[5]

Obwohl von der Verdrängungsmentalität geprägt, waren die ersten 20 Jahre nach dem Scheitern des Attentats in der Wolfsschanze doch auch gekennzeichnet vom Aufstieg des 20. Juli im Ansehen der Deutschen.

Anhand dreier Beispiele soll nun exemplarisch geklärt werden, wie durch die langsame Rehabilitation des 20. Juli im Laufe der fünfziger und sechziger Jahre Widerstandsgedenken in das Blickfeld öffentlicher Debatten gerückt und so der Weg für eine breitere und tiefer gehende Beschäftigung mit dem Thema bereitet wurde.

2.1 Der Remer-Prozess

Eine erste grundsätzliche Auseinandersetzung mit Problemen und Eigenschaften von Widerständigkeit im Allgemeinen und denen des 20. Juli im Speziellen vollzog sich im Verlauf des „Remer-Prozesses“, der im März 1952 in Braunschweig stattfand. Dem maßgeblich am Scheitern der Operation Walküre beteiligten Major Otto Ernst Remer, nun Wortführer der Sozialistischen Reichspartei (SRP), einer Sammlungsbewegung der extremen Rechten und Alt-Nationalsozialisten, wurde wegen „übler Nachrede und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener“[6] der Prozess gemacht. Er hatte die Angehörigen des 20. Juli mehrfach als Landesverräter beschimpft und den Überlebenden Konsequenzen angedroht, sollte seine Partei an die Macht kommen. Oberstaatsanwalt Fritz Bauer war bei diesem Prozess aber weniger an der Person Major Remers und dessen Verbrechen, sondern vielmehr an einer generellen „Klärung des Verhältnisses zwischen Nachkriegsdemokratie und Widerstand“[7] und einem öffentlichen Bekenntnis zum W. gelegen. Im Laufe des Prozesses gelang es Bauer den Vorwurf des Landesverrats zu entkräften. Laut Bauer war auf den Fall des 20. Juli der Paragraf der „Nothilfe“ anwendbar. Aus juristischer Sicht bedeutete dies die Rehabilitierung der Mitverschworenen des 20. Juli, keinesfalls jedoch die vollständige Wiederherstellung ihres Ansehens in der deutschen Öffentlichkeit.[8]

2.2 Der Arbeiteraufstand des 17. Juni 1953

Ein Jahr später führte die gewaltsame Niederschlagung des Arbeiteraufstandes vom 17. Juni 1953 Deutschen in Ost und West die Realität immer noch bestehender totalitärer Systeme vor Augen und machte deutlich, dass der Begriff des Widerstandes keineswegs nur auf die NS-Zeit zu beziehen war, sondern sogar Tagesaktualität besaß. Hier wurde für die Bürger der Bundesrepublik ein Aufstand berechtigter Interessen gegen ein totalitäres Regime erfahrbar, der nicht als Landesverrat gewertet werden konnte, sondern im Gegenteil sogar Anlass zum Gedenken gab. „Die Aufstände in der DDR […] wirkten sich auf die Einschätzung des Widerstandes aus und verhalfen ihm zu neuer Annerkennung.“[9] Das unter anderem durch diese Ereignisse verstärkte Empfinden der DDR als totalitärem Systemkonkurrenten erweiterte jedoch auch die Problematisierung des Widerstandes. um eine weltanschauliche Dimension. Hinzu kam die von weiten Teilen der Öffentlichkeit geteilte Meinung, ein vorzeitiger Friedensschluss in Folge eines erfolgreichen Attentates auf Hitler hätte die deutsche Teilung vielleicht verhindern können.[10]

[...]


[1] Steinbach, Peter: Widerstand im Dritten Reich – die Keimzelle der Nachkriegsdemokratie? Die Auseinandersetzung mit dem Widerstand in der historischen politischen Bildungsarbeit, in den Medien und in der öffentlichen Meinung nach 1945. In: Ueberschär, Gerd R.(Hrsg.): Der 20. Juli 1944. Bewertung und Rezeption des deutschen Widerstandes gegen das NS-Regime. Köln 1994. S. 82.

[2] Vgl. Miller, Susanne: Widerstand und Exil. Bedeutung und Stellung des Arbeiterwiderstandes nach 1945. In: Ueberschär Gerd R. (Hrsg.): Der 20. Juli. 1944. Bewertung und Rezeption des deutschen Widerstandes gegen das NS-Regime. Köln 1994. S. 235.

[3] Vgl. Holler, Regina: 20. Juli 1944. Vermächtnis oder Alibi? München, New Providence, London, Paris 1994. S. 189-199.

[4] Fest, Joachim: Das tragische Vermächtnis - Der 20. Juli 1944. Heidelberg 1994. (Heidelberger Universitätsreden; Bd. 8) S. 1.

[5] Steinbach: Widerstand im Dritten Reich. S. 90.

[6] IDGR – Lexikon Rechtsextremismus. http://lexikon.idgr.de/r/re/remer-otto-ernst/remer-otto.ernst.php (07.03.2005).

[7] Steinbach: Widerstandsdiskussionen im politischen Wandel der Bundesrepublik Deutschland nach 1945. In: Steinbach, Peter (Hrsg.):Widerstand. Ein Problem zwischen Theorie und Geschichte. Köln 1987. S. 316.

[8] Ebd.

[9] Ebd. S. 319.

[10] Vgl. Ebd. S. 321f.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Rezeption des Arbeiterwiderstandes nach 1945
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
HS Widerstand aus der Arbeiterschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V47264
ISBN (eBook)
9783638442527
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rezeption, Arbeiterwiderstandes, Widerstand, Arbeiterschaft
Arbeit zitieren
Till Uhrig (Autor), 2005, Die Rezeption des Arbeiterwiderstandes nach 1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47264

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