Die Verkehrsmärkte Osteuropas befinden sich seit dem Fall der kommunistischen Regime im Umbruch. Der Übergang zu marktwirtschaftlicher Wirtschaftsordnung und der Anschluss der Mittel- und Osteuropäischen Länder an die Europäische Union sorgt für steigende Wirtschaftsleistung, wachsenden Außenhandel und führt im Effekt zu starken Erhöhungen der Güterverkehrsaufkommen. Dabei weckt die zunehmende Dominanz des Straßengüterverkehrs mit seinen nachteiligen Auswirkungen für Umwelt und Gesellschaft den Ruf nach verträglicheren Verkehrsmethoden. Eine dieser Methoden ist der Kombinierte Verkehr Straße-Schiene. Ziel dieser Arbeit ist somit, den Status Quo des bereits vorhandenen Kombinierten Verkehrs Straße-Schiene in Osteuropa zu untersuchen und Perspektiven für seine zukünftige Entwicklung abzuleiten.
Der Kombinierte Verkehr in Osteuropa wird als physisches und operatives System verstanden, welches von verschiedenen Rahmenbedingungen beeinflusst wird. Diese gilt es, um zu einem Verständnis der gegenwärtigen Marktlage des Kombinierten Verkehrs Straße-Schiene zu gelangen, zu Beginn zu untersuchen. Dazu gehören technische Grundlagen ebenso wie politische Einschätzung und die rechtliche Situation des Kombinierten Verkehrs. Anschließend soll der Markt für Kombinierten Verkehr Straße-Schiene in Osteuropa in den Dimensionen von Angebot, Nachfrage und tatsächlicher Leistung betrachtet werden. Es gilt dabei, die Faktoren von Angebot und Nachfrage zu klären und den Schienen-KV in seinem Aufkommen und in seiner Qualität im gesamten Transportmarkt und insbesondere gegenüber dem wichtigsten Konkurrenten Straßengüterverkehr zu verorten. Auf einen Vergleich mit dem Modus Binnenschiff wird verzichtet, da die Wasserstraße im verkehrspolitischen Sinn nicht als konkurrierender Verkehrsträger bezeichnet werden kann. Im Anschluss soll versucht werden, aus den derzeitigen und zu erwartenden zukünftigen Rahmenbedingungen und Besonderheiten Perspektiven des Schienen-KV in Osteuropa aufzuzeigen. Diese sind jedoch aufgrund der schwierigen Ausgangslage im Markt und der schlechten Informationslage von hoher Unsicherheit. Schließlich soll mit dem Länderbeispiel Bulgariens der reale Schienen-KV in seinem Status Quo und Perspektiven illustriert werden. Das Beispiel eignet sich gut, um die Verkehrssituation eines Landes in Randlage zur Europäischen Union darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Rahmenbedingungen des Kombinierten Verkehrs in Osteuropa
1.1 Begriffe und Technik
1.2 Umwelt des Systems „Schienen-KV in Osteuropa“
1.2.1 Grundlagen der Verkehrspolitik
1.2.2 Verkehrspolitische Begründung des Kombinierten Verkehrs
1.2.3 Politische Programme zur Förderung des Schienen-KV in Osteuropa
1.2.4 Legislative zum Kombinieten Verkehr in Osteuropa
1.2.5 Kulturelle Aspekte
1.3 Infrastruktur des Kombinierten Verkehrs in Osteuropa
2 Markt
2.1 Angebotseite: Akteure und Faktoren
2.2 Nachfrageseite: Potenziale und Nachfragefaktoren
2.3 Performance des Kombinierten Verkehrs Straße-Schiene in Osteuropa
2.3.1 KV-Aufkommen
2.3.2 Schienen-KV im Wettbewerb mit unimodalem Straßengüterverkehr
2.3.3 Förderungsmöglichkeiten des Schienen-KV in Osteuropa
2.4 Ausblick
3 Länderbeispiel Bulgarien
3.1 Rahmenbedingungen
3.2 Markt
3.3 Perspektiven und Fazit
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht den aktuellen Status quo des Kombinierten Verkehrs Straße-Schiene in Osteuropa, um dessen Marktposition zu bewerten und fundierte Perspektiven für die zukünftige Entwicklung abzuleiten.
- Analyse der technischen, politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen.
- Betrachtung des Marktes unter den Dimensionen Angebot, Nachfrage und tatsächliche Leistung.
- Vergleich des Kombinierten Verkehrs mit dem dominanten Straßengüterverkehr.
- Illustration der spezifischen Herausforderungen am Länderbeispiel Bulgarien.
- Bewertung der Förderungsnotwendigkeiten und zukünftigen Entwicklungsszenarien.
Auszug aus dem Buch
1.1 Begriffe und Technik
Der Kombinierte Verkehr Straße-Schiene ist eine umweltfreundliche Substitutions-Möglichkeit des Straßengüterverkehrs durch eine Verknüpfung der Verkehrsmodi Straße und Schiene. Grundgedanke ist, die Stärken der einzelnen Verkehrsträger zu verbinden, um gemeinsam die heutigen Verkehrsbedingten Probleme zu bewältigen. Als Arbeitsgrundlage dieser Ausführung soll eine Definition der Europäischen Verkehrsministerkonferenz (ECTM) von 1993 dienen.
Den Oberbegriff in der Definitionsfolge bildet der „multimodale Transport“. Dabei handelt es sich um den „Transport von Gütern mit mindestens zwei verschiedenen Verkehrsträgern“, was ihn vom unimodalen Transport unterscheidet. Intermodaler Transport ist als Teilmenge des multimodalen Transports zu verstehen. Der Transport von Gütern geschieht dabei „in ein und derselben Ladeeinheit mit verschiedenen Verkehrsträgern, wobei ein Wechsel der Ladeeinheit aber kein Umschlag der transportierten Güter selber erfolgt. Die Ladeeinheit kann entweder ein Kraftfahrzeug oder eine intermodale Transporteinheit sein.“
Der „Kombinierte Verkehr“ wiederum ist der „intermodale Transport in Europa, bei dem der überwiegende Teil der zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, mit dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt wird und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.“ Bei dem in dieser Arbeit untersuchten „kontinentalen Schienen-KV in Osteuropa“ handelt es sich folglich um Kombinierten Verkehr, bei dem der Vor- und/oder der Nachlauf durch den Lastkraftwagen und der Hauptlauf auf der Schiene bewältigt wird und der innerhalb Osteuropas, nach Osteuropa oder aus Osteuropa heraus stattfindet.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Umreißt die aktuelle Umbruchphase der Verkehrsmärkte Osteuropas und definiert das Ziel, den Status quo sowie zukünftige Entwicklungsperspektiven des Kombinierten Verkehrs zu analysieren.
1 Rahmenbedingungen des Kombinierten Verkehrs in Osteuropa: Untersucht die technischen Grundlagen, das komplexe politische und rechtliche Umfeld sowie die infrastrukturellen Voraussetzungen als Basis für die Marktanalyse.
2 Markt: Analysiert die Akteure, das Nachfragepotenzial und die tatsächliche Performance des Kombinierten Verkehrs im Vergleich zum Straßengüterverkehr und diskutiert Förderungsmöglichkeiten.
3 Länderbeispiel Bulgarien: Veranschaulicht die theoretischen Erkenntnisse anhand der spezifischen Marktsituation und Rahmenbedingungen in Bulgarien.
4 Fazit: Fasst zusammen, dass der Kombinierte Verkehr in Osteuropa derzeit aufgrund hoher Kosten und mangelnder Qualität nur eine geringe Bedeutung hat und hohe Investitionen sowie politische Unterstützung erfordert.
Schlüsselwörter
Kombinierter Verkehr, Schienen-KV, Osteuropa, Straßengüterverkehr, Transportlogistik, Intermodalität, Infrastruktur, Verkehrspolitik, EU-Osterweiterung, Bulgarien, Modal Split, Rollende Landstraße, Gütertransport, Marktregulierung, Transeuropäische Netze.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Situation und die Entwicklungschancen des Kombinierten Verkehrs (Straße-Schiene) in Osteuropa nach dem Fall der kommunistischen Regime und im Kontext der EU-Osterweiterung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die technischen, politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die Marktsituation (Angebot und Nachfrage), die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Straßengüterverkehr sowie infrastrukturelle Herausforderungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Status quo des Kombinierten Verkehrs in Osteuropa zu bestimmen, um daraus fundierte Perspektiven für eine zukünftige, effizientere Entwicklung abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Marktanalyse und Umfeldbetrachtung, die auf einer umfassenden Literaturrecherche und der Auswertung bestehender Verkehrsdaten basiert, ergänzt durch ein spezifisches Länderbeispiel.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Rahmenbedingungen (Technik, Politik, Recht, Kultur), eine detaillierte Marktanalyse inklusive eines Leistungsvergleichs zum Lkw-Verkehr sowie eine Fallstudie zum bulgarischen Markt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kombinierter Verkehr, Intermodalität, Osteuropa-Verkehr, Schienen-KV und infrastrukturelle Engpässe geprägt.
Welche Rolle spielt Bulgarien in dieser Analyse?
Bulgarien dient als konkretes Länderbeispiel, um die Verkehrssituation eines Landes in Randlage zur Europäischen Union und die spezifischen Probleme bei der Umsetzung intermodaler Konzepte zu illustrieren.
Zu welchem Fazit kommt der Autor bezüglich der Wettbewerbsfähigkeit?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Kombinierte Verkehr in Osteuropa derzeit gegenüber dem Straßengüterverkehr deutlich unterlegen ist, was primär auf zu hohe Kosten und mangelnde Qualität zurückzuführen ist.
- Citation du texte
- Thorsten Lampe (Auteur), 2005, Kombinierter Verkehr in Osteuropa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47390