Insurance 4.0. Chancen und Herausforderungen für die Versicherungswirtschaft durch die Digitalisierung


Bachelorarbeit, 2018
45 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

1 Inhaltsverzeichnis

I.Abbildungsverzeichnis

2 Einleitung

3 Die Versicherungswirtschaft im digitalen Wandel
3.1 Historische Entwicklung der Informationstechnologie
3.2 Evolution der Kundenerwartungen
3.3 Internalisierungsgrad der Digitalisierung

4 „Key Driver“ der Digitalisierung
4.1 „Artificial Intelligence“
4.2 „Internet of Things“ und „Machine learning“
4.3 „Robotics“
4.4 „Blockchain“ und die „Blockchain Insurance Industry Initiative – B3i“

5 Digitale Anwendungsfelder in der Versicherungswirtschaft
5.1 Schadenbearbeitung
5.2 Blockchain-Versicherungstechnologie
5.3 „InsurTech“ „ONE Versicherung AG“

6 Fazit und Handlungsempfehlungen

II. Anhang

III.Literaturverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kundenerwartungen im Zuge der Digitalisierung (Gothaer)

Abbildung 2: Kundenerwartungen im Zuge der Digitalisierung, Einkommensabhängig (Gothaer)

Abbildung 3: Standortbestimmung der Versicherungswirtschaft (KPMG)

Abbildung 4: Messung der Digitalisierung im VU (PAC-Studie)

Abbildung 5: Vergleich Entscheidungsfindung Mensch vs. „AI“ (Roland Berger)

Abbildung 6: „Internet of Things“-Darstellung (AccentureStrategy)

Abbildung 7: „Internet of Things“-Plattform (IBM)

Abbildung 8: Entwicklung der digitalen Workforce (Matouschek, PwC/Strategy&)

Abbildung 9: Arbeitsprozess von Blockchains, Erzielung von Einigungen (Laurence)

Abbildung 10: Zeitplan zur Blockchain Implementierung (PwC)

Abbildung 11: „hybrid distribution model“ (ONE Versicherung AG)

2 Einleitung

Neun von zehn Deutschen sind online. Dies entspricht ca. 62,4 Millionen Menschen der deutschsprachigen Bevölkerung. Dieser Wert ist eine Steigerung von 4,4 Millionen zum Vorjahr. Insgesamt wurde die tägliche onlinebezogene Nutzungsdauer, um etwaige mediale Inhalte zu lesen, sehen oder zu hören, auf circa 2,5 Stunden bemessen.1Betrachtet man weiterführend die Entwicklung des Umsatzes durch E-Commerce („Business to Consumer“) in Deutschland in den Jahren 1999 bis 2017, so zeigt sich ein Anstieg um 52,5 Milliarden Euro.2Nicht nur die zunehmenden Teilnehmer sind ein Indikator für die Bedeutung der „neuen“ online basierten Welt, sondern auch der zunehmende Anteil der Online-Käufer. Seit 2000 hat die Anzahl der Online-Käufer im Rahmen der deutschsprachigen Bevölkerung um 57,9 % zugenommen.3Im Speziellen lässt sich dies auch in der Versicherungswirtschaft beobachten. Die Anzahl der onlinebasierten Vertragsabschlüsse über das Internet stieg von 2,59 Millionen auf 4,53 Millionen an.4

Diese oben genannten Statistiken unterstreichen, dass die Digitalisierung eine der bedeutsamsten und größten Veränderungen unserer Zeit ist. Zugleich sind unzählige Lebensbereiche des Menschen von diesem digitalen Wandel betroffen – und das in einer kaum zu erörternden Geschwindigkeit. Die Informationsbeschaffung und die Wege der Kommunikation bewegen sich zunehmend auf neuen Wegen. So wurden früher Telefonbücher genutzt, um notwendige Nummern in Erfahrung zu bringen. Es wurden Anrufe getätigt, um geschäftliche Öffnungszeiten zu erfragen. Heutzutage ist der Einsatz von Smartphones, Google und Wikipedia ein selbstverständliches Mittel, um unzählige Informationen zu erhalten und zu verarbeiten. Nachrichten können in Sekundenschnelle von einem Device zum anderen übermittelt werden – fast gänzlich unabhängig vom aktuellen Standort des jeweiligen Senders oder Empfängers. Eine immense Vereinfachung der Abläufe ist die Folge. Jedoch sind nicht nur in den Bereichen der Informationsbeschaffung und Kommunikation Veränderungen zu beobachten, sondern gleichwohl auch im alltäglichen Berufsleben.

Im Rahmen von arbeitszeitlichen Gleitzeitmodellen fungiert heute keine altertümliche Stempelkarte zur Zeiterfassung. Neue digitale Zeiterfassungssysteme sind längst implementiert und vereinfachen durch onlinebasierte Übermittlung die Arbeit der zuständigen Abteilungen. Dezentrale Verarbeitung von Informationen, weltweite Videokonferenzen und sekundenschnelle Dokumentenaustausche sind durchweg positive Ergebnisse der digitalen Transformation.

Berufsbilder verändern sich simultan zum Voranschreiten der Digitalisierung. Maschinen übernehmen Herstellungsprozesse, welche vorher durch körperliche, menschliche Arbeit absolviert wurden. Des weiteren ändern sich die beruflichen Bedarfe seitens der Unternehmen. Der Fokus wird oftmals auf informationstechnologisches5Know-How gelegt. Im Generellen ist in Deutschland eine Mischung zwischen Digitalisierungsskeptikern- und Befürwortern zu beobachten. Sieben von zehn Deutschen begrüßen die Chancen der Digitalisierung, verbinden diese mit positiven Attributen und schätzen die sich daraus ergebenen neuen technologischen Anwendungsmöglichkeiten. Gleichwohl fühlen sich ein Viertel der Menschen gegenüber dieser neuen Herausforderung überfordert. Oftmals ist hier zu beobachten, dass sich jüngere Menschen offener gegenüber innovativen Technologien zeigen, als Ältere.

Nicht zuletzt hat die Digitalisierung auch die Versicherungswirtschaft und ihre Produkte erreicht. Besonders der Bedarf zum Schutz vor Cyberrisiken ist groß, obwohl die notwendigen Versicherungsprodukte und Angebote weitestgehend unbekannt sind. Die Nachfrage nach nutzbaren Apps ihrer Versicherungsunternehmen6ist groß, sind jedoch für viele ungeschulte Nutzer eine Überwindung. Lediglich im Segment der Beratung und des abzuschließenden Vertrages setzt die Mehrheit auf den persönlichen Versicherungsvermittler vor Ort (Birkner, 2017, S. 4).

Diese Abschlussarbeit zielt darauf ab, einen komprimierten Einblick über die anhaltenden und bevorstehenden Veränderungen der Versicherungswirtschaft durch die Digitalisierung zu geben. Im Besonderen, wie sich der Einsatz der IT in selbiger historisch verändert hat. Der Schwerpunkt liegt auf den theoretischen Grundlagen und den besonderen Chancen und Herausforderungen neuer IT-Trends und digitaler Anwendungsfelder, welche sich sowohl für die Unternehmen, als auch für den einzelnen Kunden ergeben.

Bei effizienter Umsetzung können diese innovativen Prozesse großen Einfluss auf die zukünftigen Ausgestaltungsmöglichkeiten der Versicherungsbranche haben. Aus dieser Vorgehensweise leiten sich folgende Forschungsfragen ab:

F1: Wie ist die Informationstechnologie im Rahmen der Historie erwachsen?

F2: Welche signifikanten Veränderungen der Kundenerwartungen lassen sich feststellen?

F3: Welche „key driver“ lassen sich im Rahmen der Digitalisierung bestimmen?

F4: Welche Implikationen und digitale Anwendungsfelder lassen sich für die Unternehmenspraxis ableiten?

Im Rahmen des zweiten Kapitels wird die historische Entwicklung des IT-Einsatzes innerhalb der Versicherungswirtschaft beschrieben. Darüber hinaus wird ein Überblick über die evolutionär bedingten Veränderungen der Kundenerwartungen gegeben. Versicherungsnehmer sind zum großen Teil daran interessiert, dass sich VU mit den aktuellen digitalen Trends entwickeln und unter anderem etwaige „self-services“ anbieten. Abschließen wird das zweite Kapitel der aktuelle Internalisierungsgrad der Digitalisierung innerhalb der Assekuranz. Alles in allem wird in diesem Kapitel die Historie bis zum heutigen „status quo“ beleuchtet. Im dritten Abschnitt ist der Handlungsbedarf der IT ein zentraler Bestandteil der Abschlussarbeit. Beginnend mit den aktuell vorherrschenden Technologien wie sparteneigene Host Systeme bis hin zu den „key drivern“ der Digitalisierung. Detailliert werden die Trends der Blockchain Technologie, der „Artificial Intelligence“ und der „BIG DATA“ Verarbeitung beschrieben. Der vierte Abschnitt hat die Aufgabe, die praktischen Anwendungsfelder innerhalb eines VU zu erörtern. Insbesondere soll zum einen der Bereich der Schadenbearbeitung, beispielsweise die effizientere Regulierung von Schäden betrachtet werden. Zum anderen wird ein Überblick über die Möglichkeiten im Marketing und Sales Bereich gegeben. Unter anderem wird in diesem Abschnitt auf die Multikanalkommunikation durch das Mobile Business und Social Media eingegangen. Zuletzt wird das digitale Versicherungsunternehmen „ONE Versicherung AG“ vorgestellt, welches in dieser Abschlussarbeit als praxisnahes Unternehmensbeispiel dient. Im fünften Kapitel wird die Rolle des Wettbewerbs im Zusammenhang mit der voranschreitenden Digitalisierung betrachtet und ob es für VU ratsam ist diesem Trend zu folgen. Den Abschluss dieser Arbeit bilden ein Fazit der wichtigsten Befunde und zukünftige Handlungsempfehlungen für VU.

3 Die Versicherungswirtschaft im digitalen Wandel

3.1 Historische Entwicklung der Informationstechnologie

Unabhängig von der Branche ist nichts stetiger als der Wandel selbst. Dieser nimmt in der Industrie, dem Finanz- und Versicherungssektor oder beispielsweise im Einzelhandel eine immense Geschwindigkeit auf. Im Generellen sind strategische und technologische Umbrüche die Folge und leiten somit eine neue Epoche ein. Um die historische Entwicklung der IT optimal darstellen zu können, ist es von Vorteil, die einzelnen Entwicklungsstufen bis hin zur Industrie 4.0 zu betrachten. Insgesamt lässt sich der industrielle Wandel in vier Phasen untergliedern.

Auslöser der Entwicklung zur Industrie 1.0 sind die ersten Produktionen durch Maschinen, welche um das 18. Jahrhundert begannen. Definiert wird eine Maschine in diesem Jahrhundert beispielsweise als Webstuhl, welcher durch menschliche Arbeitskraft betrieben wurde. Gleichwohl sind mechanische Produktionsanlagen, angetrieben durch Wasser- und Dampfkraft, errichtet worden. Als Primärenergie galt zu dieser Zeit die Wasserkraft, welche anschließend durch Dampfmaschinen ersetzt wurde. Der Kohleabbau, die ersten Eisenbahnen, die Schwerindustrie sind nur einige Indikatoren der frühen Industrialisierung. Durch diese neu entwickelten Branchen erkannten die Menschen früh, dass unzählige neue Arbeitsplätze geschaffen werden konnten. Das 19. Jahrhundert enthielt die ersten Grundlagen für die später folgende Industrie 3.0, allerdings auf mechanischer Ebene. Die aus Großbritannien stammende Ada Lovelace gilt als erste Programmiererin überhaupt. Dies lässt sich auf ihr erstelltes Programm für die Analytical Engine von Charles Babbage7zurückführen. Letztendlich gelten ihre nie fertig gestellten mechanischen Computer als Vorreiter der späteren Programmiersprache (Frick, 2014, S.2). Fortgeführt wird der Weg zur Industrialisierung durch die Akkord- und Fließbandarbeit. Des Weiteren wurde in diesem Zusammenhang eine neue Antriebskraft implementiert – die Elektrizität. Sie gilt als Treiber der zweiten industriellen Revolution, der Industrie 2.0. Die ersten Automobile komplettierten ab dem frühen 20. Jahrhundert diese anhaltende Revolution. Die Arbeit in den Produktionshallen wurde stetig automatisiert und durch die neu entwickelte Fließbandfertigung konnten in Rekordzeit unzählige Produkte gefertigt werden.

Zeitgleich zu dieser Entwicklungsphase ist die bürobezogene Arbeit um den wichtigen Aspekt der Kommunikation erweitert worden. Telegramme und Telefonate optimierten die Arbeitsprozesse signifikant.

Die Erfolgsfaktoren der zweiten Revolution waren die ersten Schritte zur Globalisierung. Interkontinentaler Handel von Waren wie Gewürzen, Kleidung und Rohstoffen konnte durch Fortschritt im Verkehr, beispielsweise durch die Luftfahrt und per Schiff realisiert werden.

Kernelemente der dritten Revolution, lassen sich erneut auf Charles Babbage und Ada Lovelace zurückführen. Ihre bereits erwähnten Entwicklungsarbeiten wurden durch den deutschen Bauingenieur Konrad Ernst Otto Zuse8fortgeführt, weshalb es ihm im Jahre 1941 gelang den ersten, vollautomatischen und funktionsfähigen Computer (Modell Z3) der Welt zu entwickeln. Im Jahre 1950 vermietete die Zuse KG das Modell Z4 an die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich. Darauffolgend begann eine rasante Entwicklung mit immer kürzer werdenden Entwicklungszyklen. Personal-Computer für das Büro oder den privaten Haushalt führten zu neuen Industriezweigen und folglich zu neuen Absatzmärkten (Frick, 2014, S.3). Der Wandel der Fabriken, die zunehmende Digitalisierung früherer analoger Techniken und die Integration von cyber-physischen Systeme bilden den Kern der vierten industriellen Revolution. An die Bedürfnisse des Kunden angepasste Lagersysteme wie beispielsweise Just-in-time Strategien sind durch stetige Weiterentwicklung in der IT-Technik zu realisieren. Optimale Fertigungen unter gleichzeitiger Berücksichtigung von Umwelt- und Arbeitsschutz sind die Folge. Die Industrie 4.0 beschreibt nicht nur die industrielle Entwicklung weiterer Technologien, sondern auch die optimierte Produktions- und Arbeitswelt im globalisierten Zeitalter. Klassische Branchen werden sowohl um neue Kommunikationsformen, als auch um digitalisierte Prozesse ergänzt. Die vierte industrielle Revolution, welche im Wesentlichen durch die IT ausgelöst wurde, lässt sich im Einzelnen noch gesondert durch vier signifikante Merkmale charakterisieren. Zum einen soll ein hohes Maß an Produktindividualisierung umzusetzen sein, zum anderen eine hoch flexibilisierte und zugleich effiziente Produktion ermöglicht werden. Kunden und Geschäftspartner sollen in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse integriert werden. Abschließend sollen die Produktionsabläufe und hochwertige Dienstleistungen verbunden werden (Roth, 2016, S. 5).

Zusammenfassend besteht durch die Digitalisierung die Möglichkeit, sich auf Trends und Bedürfnisse des Absatzmarktes schneller und optimierter einzustellen und auf die Entwicklungen des Marktes ad hoc zu reagieren (Frick, 2014, S.4).

Nicht nur die Industrie, die Finanzmärkte oder die IT-Technik haben sich evolutionär verändert, sondern auch die damit einhergehenden Kundenbedürfnisse. Speziell im Bereich der Versicherungen sind signifikante Unterschiede zu manifestieren, welche im folgenden Kapitel näher betrachtet werden.

3.2 Evolution der Kundenerwartungen

Im Zuge der Industrialisierung ist zu beobachten, dass nicht nur die Industrie oder der Handel einer Dynamik unterlag, sondern auch die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunde revolutioniert wurde. Dieser Umstand ist im Großen und Ganzen dafür verantwortlich, dass sich die Erwartungen des Kunden hinsichtlich der Beratung über Versicherungsprodukte, des Kontaktes zum VU oder die Schadenbearbeitung reformiert haben. Messbar ist dieser Umstand im signifikanten Unterschied innerhalb der Kundeninteraktion zwischen VU und Versicherungsnehmer9. Altertümlich bestand die Funktion des VU als eine Art Risikomanagers. Im Detail bedeutet dies, dass der Kunde erst im Rahmen einer Notlage, beispielsweise eines Schadenfalles oder einer einfachen Adressänderung auf das VU zukam. Folglich ist die Kundeninteraktion (1%) lediglich bei dem persönlichen Verkaufs- oder Beratungsgespräch und im Notfall zu verzeichnen. Insgesamt sind 99% der vorhandenen Zeit während der Vertragslaufzeiten ohne Interaktion mit dem Kunden. Gleichwohl findet im Rahmen des digitalen Zeitalters eine Transformation statt. Die Versicherungen entwickeln sich zu einem täglichen Lebenspartner der VN, gefördert durch tägliche Berührungspunkte und die Einbettung der Dienstleistungen mit einem Mehrwehrt in den Kundenalltag. Somit verschiebt sich die Zeit der VN, in der sie die Möglichkeit besitzen die Produkte und Leistungen der VU zu nutzen auf 90%. Lediglich 10% der Zeit ist zukünftig ohne Interaktion mit dem Kunden. Der Vorteil, welcher sich hier aufzeigt ist, dass das VU den Nutzen ihrer Produkte täglich demonstrieren kann (Baete, 2017, S. 11). Digitalisierung bedeutet, dass sich Kundenerwartungen daran anpassen. Dabei ist hervorzuheben, dass 83% Kunden (Allianz) einen einfachen und bequemen Kaufprozess erwarten, da sie an nahtlose Nutzererfahrungen wie beispielweise Smartphones gewöhnt sind.

Weiterhin ist es von Nöten, dass Produkte und besonders Dienstleistungen im Versicherungssektor individuell und passgenau zugeschnitten sind.

Allgemein möchten Kunden selbst entscheiden, wann und besonders bei welcher Gesellschaft sie einen Kauf tätigen.

Neue Schnittstellen der Kundeninteraktion sind die Folge, denn Kunden erwägen es, sich bei durchschnittlich sechs verschiedenen Portalen Informationen über Preise und Qualität einzuholen. Fortführend haben Kunden besonders hohe Erwartungen an den vorherrschenden Datenschutz bei Online-Geschäften (Baete, 2017, S. 4).

An Aktualität gewinnt die Datenschutzthematik, nachdem am 25.05.2018 die EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO)10in Kraft getreten ist. Ziel des EU-DSGVO ist es zum einen eine Vereinheitlichung geltenden EU-Rechts herzustellen und zum anderen dem EU-Bürger eine Hoheit über seine Daten zurückzugeben, beispielsweise durch Herausgabe der gespeicherten Kundendaten. Durch hohe Bußgelder soll die Befolgung der Richtlinien seitens der EU sichergestellt werden. Durch diese gesetzliche Anpassung besteht die Aussicht auf eine nachhaltige Schmälerung der Unsicherheiten hinsichtlich des Datenschutzes in Bezug auf Online-Geschäfte.

Die Evolution der Kundenerwartungen wird lässt manifestiert sich durch eine im Jahr 2017 durchgeführte Studie der Gothaer Versicherungsbank VVaG11. Im Speziellen sind 1.011, deutschsprachige in privaten Haushalten lebende Bürger im Alter von 18-65 Jahren, befragt worden. Die Befragten sind gemäß vier Kategorien selektiert worden: Nach Geschlecht, Alter, Erwerbstätigkeit und nach dem jeweiligen Haushaltseinkommen. Die Wahl der Erhebungsmethode fiel auf ein computergestütztes Telefoninterview in Verbindung mit einem strukturierten Fragebogen gemäß der Methode des Computer Aided Telephone Interviewing (CATI) (Birkner, 2017, S.7). Statuiert man ein Exempel an den oben angegebenen befragten deutschsprachigen Personen, so erwarten 75%, dass eine umfassende digitale Transformation der Wirtschaftswelt, im Speziellen in der Versicherungswirtschaft unumgänglich ist und stattfinden wird. Die Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft weckt Kundenerwartungen an neuen Kommunikations- und Assistance-Leistungen. Jüngere VN besitzen großes Interesse an innovativen digitalen Anwendungen rund um die Thematik der Versicherungen.

Versicherungsapplikationen12, sprich kleine Anwendungsprogramme für Smartphones, um bestimmte Funktionen wie das Einholen von Informationen über Vertragsdetails sicherzustellen, finden eine marktliche Nachfrage.

In der nachfolgenden Abbildung 1 ist die prozentuale Verteilung aller befragten Personen, hinsichtlich der im Rahmen der Digitalisierung geforderten Services vom VU, dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kundenerwartungen im Zuge der Digitalisierung (Gothaer)

Abbildung 1 zeigt, dass Menschen klare Vorstellungen haben, welche digitalen Möglichkeiten Versicherer zukünftig anbieten sollen. Vorreiter der Kundenerwartungen ist die Multikanalkommunikation. Definitorisch ist die Multikanalkommunikation eine Verknüpfung von stationären und Onlinevertriebs- und Kommunikationskanälen innerhalb der Versicherung. Insgesamt knapp 9 von 10 Menschen wünschen über verschiedene Kanäle mit dem VU kommunizieren zu können. Im Detail ist hier die Kommunikation über Telefonservices, online über Personal-Computer oder mobile Endgeräte gewünscht. Fortführend erwarten 8 von 10 der Befragten zusätzliche Hilfsangebote im Schadensfall.

Im Speziellen sind dies Assistance-Leistungen, zusätzliche Dienstleistungen, die rechtlicher, medizinischer oder technischer Natur sind und für den VN im Schadensfall entlastend wirken. Die digitale Schadensabwicklung (57%), den Zugang zu Online- beziehungsweise Videochats mit Beratern (44%) und die Nutzung von Versicherungs-Apps via Smartphones (34%) treffen auf weniger Nachfrage seitens der Befragten.

Weiterhin zeigen sich lediglich 22% an einer schnelleren Schadensbearbeitung gegen Aufpreis interessiert.

Abschließend wünschen insgesamt 15% Präsenz des VU in den sozialen Medien (Birkner, 2017, S.20). Die Nachfrage nach digitalen Services, angeboten durch das VU, lässt sich differenzierter im Rahmen der Einkommensgruppen betrachten. Die Studie unterteilt die Befragten in drei unterschiedliche Haushaltseinkommen.

Personen mit einem Haushaltseinkommen kleiner als 2.500 €, zwischen 2.500 € und 4.000 € und abschließend größer als 4.000 €.

Das Einkommen der Befragten hat einen signifikanten Einfluss auf deren Erwartungen beziehungsweise der Nachfrage nach digitalen Services. Je höher das Haushaltseinkommen, desto größer ist das Interesse an digitaler Schadensbearbeitung, Versicherungs-Apps und Multikanalkommunikation. In Abbildung 2 ist die Nachfrage der VN nach digitalen Leistungen des VU in Abhängigkeit zum Haushaltseinkommen dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Kundenerwartungen im Zuge der Digitalisierung, Einkommensabhängig (Gothaer)

Sechs von zehn Befragten mit höherem Haushaltseinkommen als 4.000 € wünschen, dass Schäden digital gemeldet und anschließend bearbeitet werden. Bei Geringverdienern sind es mit fünf von zehn Befragten ein etwas geringerer Anteil. Simultanes ist bei der Multikanalkommunikation beobachtbar. Auffällig ist der Tatbestand, dass Geringverdiener mehr Interesse daran zeigen, dass gemeldete Schäden gegen Aufpreis schneller reguliert werden (Birkner, 2017, S.21). Fortführend bieten VU ihren Kunden zunehmend Apps zur Smartphone Benutzung an. Letztendlich ist jeder dritte Befragte bereit diese Software im täglichen Gebrauch zu nutzen. Dabei sind unterschiedliche Funktionen, welche die Befragten für besonders wichtig erachten. Zum einen möchten rund 56% Apps nutzen, um Produkte und Tarife nach den jeweiligen Kosten und Nutzen zu vergleichen. Zum anderen hält eine Mehrheit (53%) der Befragten die Möglichkeit, Schäden mittels App bei Sachversicherungen wie die Haftpflicht-, Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung zu melden, für wichtig.

Simultan dazu wünscht die Hälfte der Befragten, dass Arztrechnungen und Rezepte im Rahmen der ärztlichen Behandlung per Smartphone eingereicht werden können (Birkner, 2017, S.23). Zusammenfassend ist zu deuten, dass das Interesse am Online-Abschluss, der Benutzung von Versicherungs-Apps und die neuen Möglichkeiten der Kommunikation auf stetig steigt. Bevor eine Versicherung abgeschlossen wird erwartet der Großteil der Befragten allerdings weiterhin ein persönlich geführtes Gespräch. Dieser Tatbestand lässt sich über alle Sparten der VU beobachten. Eine umfassende Transformation der Wirtschaftswelt wird erwartet, weshalb auch die Erwartungen an die VU wachsen. Besonders die jüngere Generation wächst mit den innovativen und technologischen Möglichkeiten auf und setzt in künftigen Jahren auf eine digitalisierte Umsetzung von Prozessen.

Das nachfolgende Kapitel befasst sich mit der Frage, inwieweit Anwendungsfelder der Digitalisierung bereits implementiert wurden, welche Arten der Implementierung es gibt und inwieweit Investitionen seitens der VU geplant sind.

[...]


1http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/ardzdf-onlinestudie-2017/ (13.05.2018)

2https://de.statista.com/statistik/daten/studie/3979/umfrage/e-commerce-umsatz-in-deutschland-seit-1999/ (13.05.2018)

3https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2054/umfrage/anteil-der-online-kaeufer-in-deutschland/ (13.05.2018)

4https://de.statista.com/statistik/daten/studie/287180/umfrage/abschluss-von-versicherungen-ueber-das-internet/ (21.05.2018)

5Im Folgenden wird aus Gründen der Lesbarkeit die Abkürzung „IT“ gewählt.

6Im Folgenden wird aus Gründen der Lesbarkeit die Abkürzung „VU“ gewählt.

7C. B. war ein britischer Mathematiker, er gilt als der Pionier des Computers. http://www.bbc.co.uk/history/historic_figures/babbage_charles.shtml (25.05.18, 13:28)

8Gilt als Schöpfer des ersten frei programmierbaren Rechners in binärer Schalttechnik. http://www.konrad-zuse.de (25.05.18, 13:49)

9Im Folgenden wird aus Gründen der Lesbarkeit die Abkürzung „VN“ gewählt.

10https://www.datenschutz-grundverordnung.eu (27.05.2018).

11Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit.

12Im Folgenden wird aus Gründen der Lesbarkeit die Abkürzung „App“ gewählt.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Insurance 4.0. Chancen und Herausforderungen für die Versicherungswirtschaft durch die Digitalisierung
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Versicherungswirtschaft
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
45
Katalognummer
V475262
ISBN (eBook)
9783668956728
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Versicherungswirtschaft, Robots, Versicherung, Digitalisierung
Arbeit zitieren
Timo Fricke (Autor), 2018, Insurance 4.0. Chancen und Herausforderungen für die Versicherungswirtschaft durch die Digitalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/475262

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Insurance 4.0. Chancen und Herausforderungen für die Versicherungswirtschaft durch die Digitalisierung


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden