Natascha Rostova im Roman "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoj


Seminararbeit, 2013
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bekanntschaft des Lesers mit Natasa

3. Das Erwachsenwerden von Natasa
3.1. Die Charakterentwicklung
3.2. Natasa und die Liebe
3.2.1 Andrej Bolkonskij und Anatol Kuragin
3.2.2. Pierre Besuhow

4. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

““Ни тени зависти, ни умысла худого Ещё не знает это существо. Ей всё на свете так безмерно ново, Так живо всё, что для иных мертво! ”

Н. Заболоцкий (1995) )

Der historische Roman des russischen Schriftstellers Leo Tolstoj „Krieg und Frieden“ wurde in 1860-er Jahren geschrieben, als es in der modernen Welt die Auseinandersetzungen, nicht nur uber die weitere Entwicklung Russlands, sondern auch uber die Rolle der Frauen in der Familie und im sozialen Leben gab. Der Roman „Krieg und Frieden“ erstaunt uns sehr mit der Vielzahl und auch mit der Vielseitigkeit der Figuren. Aber was erstaunlich ist - alle Figuren des Romans sind lebendige Menschen. So lebendig, als ob ihre Stimmen hort, ihre Gesichter sieht, zu ihnen in die Seele eintaucht und ihre geheimen Gedanken erfahrt. Ihnen gegenuber kann man nicht gleichgultig sein, entweder man liebt oder man verachtet sie. Beim Lesen von „Krieg und Frieden“ bemerkt man immer die Beziehung des Autors zu den Menschen und Ereignissen. Das eroffnet sich in den Portrats der handelnden Personen, in den direkten Charaktereinschatzungen und auch in der schriftstellerischen Rezitation. In einem Bericht uber Leo Tolstoj vermerkte N. Tschernyschewski eine typische Charaktereigenschaft vom damals noch jungen Schriftsteller - „Reinheit moralischen Sinnes“. Menschen und Ereignisse des privaten und historischen Lebens werden mit dem Kriterium der moralischen Grundlage, der Gute, Selbstlosigkeit, geistiger Klarheit und Einfachheit, spiritueller Verbindung mit den Menschen und der Gesellschaft eingeschatzt (vgl. Tschernyschewski, 1974: S. 333).

Die wichtigen Rollen in dem Roman spielen die weiblichen Figuren, die sich, wie auch die anderen Gestalten, in statische und in entwickelnde Figuren aufteilen. In Tolstojs Roman „Krieg und Frieden“ ist Natasa Rostowa eine der Hauptfiguren. In Tolstojs Vorstellungen ist Mutterschaft die hochste Berufung und Position der Frau. In seinem historischen Roman „Krieg und Frieden“ wird Natasa Rostowa das Ideal fur Weiblichkeit.

Der Beginn der vorliegenden Arbeit ist der ersten Begegnung des Lesers mit Natasa gewidmet. Es wird aufgezeigt, auf welche aubere und innerliche Eigenschaften Tolstoj uns aufmerksam macht. Im dritten Kapitel geht es darum, wie sich Natasas Charakter entwickelt und um ihre Liebeswelt, in der Tolstoj fur sie mehrere Prufungen vorbereitet hat. Abschliefiend folgt die Schlussfolgerung und es werden die letzten Ausblicke gegeben.

2. Bekanntschaft des Lesers mit Natasa

Es gibt wahrscheinlich kein Mãdchen oder keine Frau auf der Erde, die nach dem Lesen von „Krieg und Frieden" sich nicht wiinschte, zumindest nur ein bisschen, so wie Natasa Rostowa zu sein. „Вот она, тринадцатилетняя, захлебываясь от смеха, стремительно вбегает в гостиную, нарушая чопорный разговор матери с гостьей, «черноглазая, с большим ртом, некрасивая, но живая девочка, со своими детскими открытыми плечиками, выскочившими из корсажа от быстрого бега, со своими сбившимися назад черными кудрями, тоненькими оголенными руками и маленькими ножками в кружевных панталончиках и открытых башмачках..." (L. Tolstoj, 1996: Band I, Teil I, Kapitel VIII). So erscheint Natasa auf den Seiten des Romans, eine Gestalt der Lebendigkeit und Lebensfreude, das Streben zum Gliick, zur Giite, Treue und Liebe. Von dieser Minute an beginnen wir sie zu lieben. Wir nehmen ihre Freude und Sorgen wie eigene wahr. Natasa ist Tolstojs Lieblingsheldin. Sie glaubt an sich, ist Wunderlich, sie schafft alles und wird von alien geliebt. Ihr Charakter ist von Anfang an dem Autor nah: „Verliebtheit, leichte Entflammbarkeit, das leidenschaftliche Bediirfnis nach Familie", „kann die Musik nachempfinden". Gleich von der ersten Bekanntschaft mit ihr fallt uns ihre kindliche Naivitat, Einfachheit und ihre starke Empfmdsamkeit auf. Dies alles unterscheidet Natasa von den anderen Charakteren. Mit dieser detaillierter Beschreibung des erstens Erscheinens/Auftretens von ihr, hebt Tolstoj Natasa von den anderen Rostow-Kindern hervor. Über andere wird nur kurz etwas gesagt: „В дверях в ту же минуту показались студент с малиновым воротником (Boris), гвардейский офицер (Nikolaj), пятнадцатилетняя девочка (Sonja) и толстый румяный мальчик в детской курточке (Petja)“ (L. Tolstoj, 1996: Band I, Teil I, Kapitel VIII). Natasa wird aber gleich ein ganzer, oben genannter Abschnitt gewidmet. In dieser kleinen Szene eröffnet uns Tolstoj ihre hauptsãchlichen Charakterziige -Unbefangenheit und Feinfuhligkeit. Sie spiirt sofort die Heuchelei der Besucherin, die mit ihr wie mit einem kleinen Mãdchen über die Puppe Mimi gesprochen hat. Natasa erwidert nichts, sondern beobachtet sie nur aufmerksam.

Ihre auberliche Reizlosigkeit betonend, behauptet Tolstoj, dass die Schonheit der Seele, geistiges Potential, Begabtheit, Zartgefuhl und feine Intuition viel wichtiger sind. Natasas Einfachheit, Naturlichkeit und Vergeistigung besiegen den Verstand und gute Manieren (vgl. Saburov, 1981).

Zunachst mochte ich auf Natasas Weg zum Erwachsensein eingehen, der in zwei Unterthemen unterteilt ist. Im ersten der beiden geht es um die Charakterentwicklung der Protagonistin.

3. Das Erwachsenwerden von Natasa

Natasa wird alter und die Eigenschaften ihres Charakters, auf die vom Autor in mehreren Szenen hingewiesen wurde, entwickeln und vertiefen sich. Das nachste Mal treffen wir Natasa 1806, fast anderthalb Jahre spater, wenn Nikolaj Rostow fur einen Urlaub von der Armee nach Hause kommt. Sie hat sich sehr verandert, doch ihre fruheren Besonderheiten, wie Verliebtheit, Frohsinn und Lebensfreude, hat sie sich bewahrt.

3.1. Die Charakterentwicklung

Da sie in einer sich liebevollen Familie aufgewachsen ist, hat sich Natasa an gegenseitige Achtung und an aufrichtigen Gefuhlsausdruck gewohnt, sodass sie ihre Gefuhle nicht zuruck halten kann, sondern die nahen Verwandten/ Bekannten damit uberschuttet. Das war ein naturliches Leben, auch wenn kein aristokratisches, doch voller seelischer Atmosphare.

Doch genau das macht die Schonheit dieses Madchens aus, ihre Naturlichkeit: sie trauert und lacht bis die Tranen kommen, sie ist bereit die ganze Welt zu lieben, ohne auch nur ein Hauch Schlechtes in den Menschen zu sehen, nimmt sie unmittelbar alles Geschehene mit reinem und offenem Herzen wahr. In diesem Alter keimt in Natasa der Wunsch auf, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu sein und die allgemeine Begeisterung zu wecken. Natasa liebt sich und ist der Auffassung, dass auch andere sie so lieben mussen, obwohl der Protagonistin ihr inharenter Egoismus, noch ein naturlich-kindlicher Egoismus - ein Merkmal der unreifen Personlichkeit ist.

Sie mag es, uber sich in der dritten Person zu denken und merkt an: Was fur eine Schonheit doch Natasa ist. Und es sind wirklich alle begeistert von ihr und lieben sie. Natasa bestimmt mit nur einem Eindruck das Verhalten der Allgemeinheit, sie bewegt andere, die Dinge neu zu betrachten. Natasa gehort zu den Personlichkeiten, die mit der Klugheit des Herzens leben. Uber ihr Verstand lasst sich nur schwer ein Urteil bilden. Pierre, ein guter Freund der Protagonistin, sagt, dass Natasa es nicht verdient klug zu sein. Ihre Bestimmung ist eine andere: Sie nimmt Einfluss auf das moralische Leben der anderen Protagonisten, indem sie sie emeuert und zum Leben erweckt. Mit diesem Einwirken entreiBt Natasa die Leute von dem Falschen, welches sie umgibt. Fragen, die die Leute qualen, die schweren Fragen uber den Sinn des Lebens, existieren fur sie nicht. Sie beantwortet keine Fragen, es ist ihre ganze Existenz, jede Tat, jede Reaktion, jedes Wort, mit denen sie diese tiefgrundigen, entscheidenden Fragen lost - nur weil sie lebt und wie sie lebt (vgl. Ermilov, 1979). Sie ist sozusagen, das Allheilmittel fur jedes Problem, dessen Dasein eine Berechtigung hat. Im Gegensatz zu all ihren weltlichen Bekannten, ist sie ganzlich frei von dem „allgemeinen weltlichen Stempel“. Uber diesen Kern ihres Charakters wird in einer der grofiartigsten Szenen “friedliches Leben“ erzahlt - Natasas Vorbereitung zu ihrem ersten Ball, welcher am 31. Dezember 1810 stattfand. Wahrend der Vorbereitung macht sie sich in erster Linie uber die Kleider von ihrer Mutter und Sonja Sorgen - sie ist von dem Gefuhl des Neids vollkommen befreit, obwohl sie sich von Schonen, Glucklichen und Gutgekleideten sieht. Das aufiergewohnliche an dieser Frau ist, dass sie ihr Gluck von dem vollen Leben, welches uber den Rand der Energie schlagt, nicht verstecken kann und will. Ihre Offenheit begeistert den Fursten Andrej, da er schon lange, vielleicht auch noch nie zuvor, so einer naturlichen, von jeder Falschheit befreiten Frau begegnet ist. Nicht umsonst erwahnt Tolstoj, dass Natasa „ hervorragend tanzt“, denn im Tanz offnet sich die Seele des Menschen, sein Konnen sich unbefangen zu halten, sein Herz auf die Menschen zugehend zu offnen.

Die Ballbeschreibung spielt eine grofie Rolle und ist von grofier Bedeutung in der Charakterisierung der Figur von Natasa. Wir sehen sie noch mal den russischen Volkstanz tanzen. Nur reine, helle, kunstlose Natur kann sich so der Musik und Bewegung hingeben, die Umstehenden so frohlich wahrnehmen und die Emotionen in ihr Herz hineinlassen. Fur Leo Tolstoj war es sehr wichtig, den Charakter von Natasa darzustellen, und der Ball hat fur diesen Zweck sehr gut gepasst.

Vielleicht bedeutet der russische nationale Charakter das gleiche wie Natasas Liebe zu Volkstanzen. In der Szene nach der Jagd hort sie mit Vergnugen ihren Onkel spielen und singen, der so gesungen hat, wie es das Volk macht. Alle bewundern ihre Fahigkeit, alles zu verstehen, was in jedem russischen Menschen ist.

Tolstojs Protagonistin ist auch Mitleid eigen. Als Sonja weinte, hat Natasa auch wie ein Kind geweint, ohne den Grund ihrer Tranen zu wissen. Tolstoj teilt seine Heldin seltene seelische Eigenschaften zu: Zartgefuhl und Intuition.

Der Autor erwãhnt auch die Poetizitat von Natasa. Wenn sie in Otradnoe ist, schaut sie den Sternenhimmel an und bewundert aufrichtig die Landschaft bei Nacht: Ведь этакой прелестной ночи никогда не бывало, - sagt sie (L. Tolstoj, 1996: Band II, Teil 111, Kapitel II). So zeigt sich die Nãhe der Protagonistin zur Natur.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Natascha Rostova im Roman "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoj
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V476852
ISBN (eBook)
9783668957268
Sprache
Deutsch
Schlagworte
natascha, rostova, roman, krieg, frieden, tolstoj
Arbeit zitieren
Dariya Smirnova (Autor), 2013, Natascha Rostova im Roman "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoj, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476852

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Natascha Rostova im Roman "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoj


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden