Es ist unumstritten, dass sprachliche Fehler im Zuge des L2-Erwerbs nicht als Defizite aufgefasst werden sollten. Sie stellen eine grundlegende Zwischenstufe dar, die Aufschluss über den aktuellen Grad der Beherrschung einer Fremdsprache gibt. Es scheint daher von immenser Wichtigkeit Fehler von Fremdsprachenlernern genauer zu analysieren, um auf deren Ursprung aufmerksam zu werden.
Im Fokus dieser Arbeit steht die korpuslinguistische Analyse vier typischer Fehler unterschiedlicher sprachlicher Ebenen, die im Laufe des Spracherwerbs des Deutschen auftreten: das Auslassen von reflexiven Personalpronomen, der falsche Artikelgebrauch, Auseinanderschreiben von Komposita und die falsche Verbflexion des Partizip Perfekt. Dazu werden Lernertexte eines Subkorpus des FALKO-Korpus hinsichtlich dieser Fehler in Zusammenhang mit personenbezogenen Merkmalen analysiert.
Man sollte sich darüber bewusst sein, dass die Fehlerdefinition stets eng mit der jeweilig definierten Norm zusammenhängt. In dieser Arbeit steht allerdings nicht die Definition der jeweiligen Begriffe im Mittelpunkt, da Lernertexte mittels Fehlerannotationen analysiert werden. Die in den Korpora annotierten Fehler werden daher nicht in Frage gestellt.
Diese Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil widmet sich der Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes. Hier werden das Suchtool ANNIS, das FALKO-Korpus und spezifisch der untersuchte Subkorpus vorgestellt. Im zweiten Teil dieser Arbeit werden die genannten Fehlertypen in Hinblick auf Herkunftssprache, Geschlecht und Alter analysiert. Hierfür wird mithilfe von AQL-Abfragen zunächst die absolute Häufigkeit bestimmt, ferner wird hierüber eine Vergleichsmenge gesucht, um die Anzahl an normkonformen Schreibungen bzw. Verwendungen zu finden. Anschließend werden relative Häufigkeit und Konfidenzintervall bestimmt, mithilfe dessen die Differenzen innerhalb der Parameter auf Signifikanz geprüft werden können. Ausgehend dieses Ergebnisses können Schlussfolgerungen und Interpretationen hinsichtlich der potenziellen Fehlerquelle gezogen werden.
Diese Analyse scheint besonders für die Fremdsprachendidaktik interessant zu sein, da Korrelationen zu Strukturen zweier Sprachpaare aufgefangen werden können und im Bereich der Fehlerkorrektur bzw. -prophylaxe behilflich sein können.
Inhalt
1. Einleitung
2. Grundlagen der Untersuchung
2.1. Vorüberlegungen
2.2. ANNIS3
2.3. Das Falko-Korpus
2.3.1. Fehlerannotationen
2.3.2. Versuchspersonen
3. Analyse
3.1. Reflexivpronomen
3.1.1. Herkunftssprache
3.1.2. Geschlecht
3.1.3. Alter
3.2. Artikel
3.2.1. Herkunftssprache
3.2.2. Geschlecht
3.2.3. Alter
3.3. Komposita
3.3.1. Herkunftssprache
3.3.2. Geschlecht
3.3.3. Alter
3.4. Flexion von Verben
3.4.1. Herkunftssprache
3.4.2. Geschlecht
3.4.3. Alter
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, korpuslinguistisch zu untersuchen, wie bestimmte personenbezogene Faktoren wie die Herkunftssprache, das Geschlecht und das Alter von DaF-Lernenden das Auftreten spezifischer sprachlicher Fehler beeinflussen. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob sich Korrelationen zwischen diesen Faktoren und der Fehleranfälligkeit in Bereichen wie Reflexivpronomen, Artikelgebrauch, Komposita-Schreibung und Verbflexion nachweisen lassen.
- Korpuslinguistische Analyse von vier zentralen Fehlertypen bei DaF-Lernenden.
- Einsatz des FALKO-Korpus und des Suchtools ANNIS zur Datenabfrage.
- Statistische Auswertung mittels relativer Häufigkeiten, Konfidenzintervallen und Chi-Quadrat-Tests.
- Untersuchung des Einflusses der Herkunftssprache (L1) auf Fehlerstrukturen.
- Evaluation der Rolle von Geschlecht und Alter als potenzielle Fehlerquellen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Reflexivpronomen
Die erste Fehlerart, die an dieser Stelle Einzug finden soll, ist morpholexikalischer Art. Es wird analysiert, wie oft Reflexivpronomina fälschlicherweise ausgelassen werden. Dazu wird eine Suchanfrage gestellt, die sich auf Ebene der ZH1, also der minimalen Zielhypothese befindet.
ZH1pos="PRF" & ZH1Diff="INS" & #1_=_#2
Der Variablen ZH1pos wird der Wert PRF zugewiesen. Im Klartext bedeutet das, dass auf der Ebene des POS nach reflexiven Personalpronomen gesucht wird. Diese Suche wird durch „&“ mit einer zweiten Variable verknüpft. Auf Ebene des ZH1Diff, auf der die Unterschiede zwischen Lerneräußerungen und Zielhypothese kenntlich gemacht werden wird nach „INS“ gesucht. Der Überlappungsoperator „_=_“ kennzeichnet, dass es sich bei dem zweiten Element, dem eingefügten Objekt in der Zielhypothese, („#2“) um ein fehlendes reflexives Personalpronomen, dem ersten Element („#1“) handelt. Letztendlich wird also nach allen reflexiven Personalpronomen gesucht, die in der minimalen Zielhypothese eingefügt worden sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert sprachliche Fehler als wichtige Zwischenstufe beim L2-Erwerb und erläutert die korpuslinguistische Zielsetzung, vier spezifische Fehlertypen anhand personenbezogener Merkmale zu untersuchen.
2. Grundlagen der Untersuchung: Dieses Kapitel stellt das Suchtool ANNIS sowie das FALKO-Korpus vor und erläutert die methodische Vorgehensweise bei der Selektion und Analyse der Lernertexte.
3. Analyse: Im Hauptteil werden die Fehlertypen Reflexivpronomen, Artikel, Komposita und Flexion von Verben in Bezug auf Herkunftssprache, Geschlecht und Alter detailliert statistisch untersucht und interpretiert.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass die Herkunftssprache einen stärkeren Einfluss auf das Fehlerverhalten ausübt als Alter oder Geschlecht, und weist auf die Grenzen der Korpusgröße sowie Annotationsqualität hin.
Schlüsselwörter
DaF-Lerner, Korpuslinguistik, FALKO-Korpus, ANNIS, Fehleranalyse, Reflexivpronomen, Artikelgebrauch, Komposita, Verbflexion, L1-Interferenz, Konfidenzintervall, Chi-Quadrat-Test, Sprachlehrforschung, Lernertexte, Sprachfehler.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Häufigkeit und Ursachen von vier typischen Fehlern von Deutsch-als-Fremdsprache-Lernenden (DaF) mithilfe einer korpuslinguistischen Analyse.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die Analyse von Reflexivpronomen, Artikelgebrauch, Komposita-Schreibung und der Partizipflexion von Verben im Deutschen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob und inwieweit die Herkunftssprache, das Geschlecht und das Alter von Lernenden das Fehlerverhalten in den gewählten Bereichen beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine korpuslinguistische Methode angewandt, die auf dem FALKO-Korpus basiert. Zur Analyse werden AQL-Suchabfragen genutzt, gefolgt von statistischen Tests wie der Chi-Quadrat-Analyse zur Bestimmung der Signifikanz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der vier genannten Fehlertypen, wobei jeder Fehlertyp systematisch hinsichtlich der Faktoren Herkunftssprache, Geschlecht und Alter auf statistische Signifikanz geprüft wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie DaF-Lernen, Korpuslinguistik, Fehleranalyse, L1-Interferenz und statistische Korpusauswertung charakterisieren.
Welche Rolle spielt die Herkunftssprache (L1) bei der Artikelverwendung?
Die Analyse zeigt, dass insbesondere englische Muttersprachler im Vergleich zu russischen Lernenden häufiger Fehler bei der Artikelverwendung machen, was auf Unterschiede in den jeweiligen Sprachsystemen zurückgeführt wird.
Welchen Einfluss haben Geschlecht und Alter auf die untersuchten Fehler?
Die statistischen Auswertungen der vorliegenden Daten ergaben in keinem der untersuchten Fälle einen signifikanten Einfluss von Geschlecht oder Alter auf das Fehlerverhalten.
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- Anonym (Autor), 2019, Fehleranalyse von DaF-Lernertexten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476889