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Das Theater und das Politische

Title: Das Theater und das Politische

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 36 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Matthias Zimmermann (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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„Dennoch sei gesagt: wenn die unterhaltende und nachahmende Dichtkunst nachweisen könnte, dass sie in einem wohlgeordneten Staat unentbehrlich sei, dann würden wir sie gerne aufnehmen, da wir offen unser Entzücken über sie gestehen.“3 Dieses abschließend über die Dichtung und ihre verwandten kulturellen Bereiche gesprochene Urteil Platons begründet eine bisher unbeendete Debatte der Kulturkritik, die trotz ihrer inzwischen mindestens 2300-jährigen Geschichte ungebrochen anhält; mehr noch: selten war sie brisanter als gegenwärtig. Das scheint vor allem daran zu liegen, dass, auch wenn Platon sich bemüht hat, nur ganz eingeschränkte Bereiche der Kultur im Feld der politischen Theorie zuzulassen, Kultur in zunehmendem Maße politisiert und damit umkämpft wird.
Dennoch hatte das Theater bereits vor Platon eine zentrale Stellung im politischen Selbstverständnis der griechischen Gesellschaft, allen voran in der athenischen Demokratie. Diese wird kurz im ersten Teil skizziert. Platons dreigestaltiger Einwand gegen die Dichtung – der als wichtiger Referenzpunkt für alle nachfolgende Kulturkritik gilt – soll dagegen im zweiten Teil rekonstruiert werden.
Die Figur der Authentizität – welche stets jenseits des falschen Scheins verortet wird – zieht sich durch alle (mehr oder weniger direkt) an Platon anknüpfenden kulturkritischen Texte. Sie halten an einem authentischen Strukturprinzip menschlicher Gesellschaft fest und grenzen es gegen Tendenzen ab, die vor allem im 20. Jahrhundert unter dem Begriff der Theatralisierung oder Ästhetisierung der Gesellschaft zusammengefasst werden können.
Und wo ist das Theater? Theater, das bereits mit Platon zum Platzhalter des Inauthentischen, des Scheinhaften und Unwahrhaften wird, das sich auf der Kehrseite der Wahrheitsmünze befindet. Das Theater selbst versuchte sich zu (re)politisieren, sprich: sich einen Platz in der Gesellschaft zu sichern; seine Gegner hingegen auf und hinter seinem Rücken das Idealbild einer authentischen Repräsentation der Versöhnung von Individuum und Staat zu entwerfen. Der Verlauf dieser Diskussion wird kurz an einigen Schnittstellen im dritten Teil angerissen werden. Unter dem Einfluss neuer Medien ist Theater zu einem weiteren Stellungswechsel gezwungen, der ihm jedoch möglicherweise ungeahnte, wenn auch nicht (ganz) neue Pfade gleichermaßen aufzwingt wie eröffnet. Dies soll abschließend in Ergänzung zu den kulturkritischen Einwänden betrachtet werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Platons Tragödien

II. Das athenische Theater

III. Der lange Weg

IV. Die Verantwortung der Wahrnehmung

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und theoretische Verortung des Theaters im Kontext der Gesellschaftstheorie und Kulturkritik, mit einem besonderen Fokus auf die wechselvolle Beziehung zwischen Theater, politischer Legitimation und dem Konzept der Authentizität.

  • Platons Dichtungskritik als kulturtheoretisches Fundament
  • Die Funktion des griechischen Theaters als bürgerliche Identitätsstiftung
  • Authentizität als zentraler politischer Legitimationsbegriff
  • Das Theater als Experimentierfeld der gesellschaftlichen Wahrnehmung
  • Die mediale Transformation des Theaters und postdramatische Ansätze

Auszug aus dem Buch

II. Der lange Weg

Natürtlich gibt es zwischen der platonischen „Politeia“ und der Gegenwart eine große Anzahl Selbstverständigungen des Theaters und eine noch größere Menge von kulturkritischen Texten. Deshalb kann diese Darstellung nicht einmal im Ansatz Vollständigkeit für sich verbuchen. Das jedoch ist ohnehin nicht das Vorhaben dieser Arbeit; vielmehr geht es darum, die Funktionsweise einer Kulturkritik darzulegen, die nur zu oft eine Wahrnehmungskritik ist (wie auch umgekehrt), weil sie auf die Authentizität des konstruierten Ideals bestehen muss, um wirksam zu sein.

Deshalb werden in diesem Abschnitt im „Schweinsgalopp“ einige Autoren und Texte zitiert, andere nur gestreift; alles im Namen des Theaters, das unverändert durch die Jahrhunderte das größte Streitpotential bereithält – weil es, so die These, von den darstellenden Künsten der menschlichen Substanz am nächsten steht.

Die Tragödie erlebte nach den langen Jahren der Abstinenz erst in der Renaissance im Drama der Neuzeit ihre Wiederbelebung. Ihr Charakteristikum ist das dialogische Strukturprinzip, der Dialog ist der „alleinige Bestandteil des dramatischen Gewebes“. Ursache dafür ist – und dadurch erklärt sich auch im Wesentlichen die Datierung – der Beginn einer Suche nach einem neuen Werthorizont nach dem Wegfall gültiger Ordnungsprinzipien, der Beginn der Moderne. Nach dem Verlust der (absoluten) göttlichen Schöpfungsursprünglichkeit, ist jede Gesellschaft genötigt, den Geltungsanspruch der politischen Strukturen über eine Authentifizierung durch das teilhabende Individuum herzustellen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einleitung führt in die Debatte der Kulturkritik ein, die das Theater seit Platon als inauthentisch betrachtet, und stellt die These auf, dass Theater und Politik in einem Spannungsfeld um Authentizität und Wahrnehmung stehen.

I. Platons Tragödien: Das Kapitel analysiert Platons dreifache Kritik an der Dichtung (inhaltlich, formell, erkenntnistheoretisch) und zeigt auf, wie diese die Basis für den abendländischen Diskurs über die Inauthentizität künstlerischer Nachahmung legt.

II. Das athenische Theater: Dieser Abschnitt beleuchtet das Theater der Polis als einen Ort, an dem die Bürger durch kollektive Praxis eine Identität jenseits von Privatinteressen bildeten, bevor eine schleichende Entpolitisierung einsetzte.

III. Der lange Weg: Hier wird der historische Bogen von der Renaissance bis zur Moderne geschlagen, wobei Autoren wie Rousseau, Nietzsche und Hegel hinsichtlich ihrer Theaterkritik und ihres Verständnisses von gesellschaftlicher Authentizität betrachtet werden.

IV. Die Verantwortung der Wahrnehmung: Das abschließende Kapitel diskutiert die Auswirkungen moderner Massenmedien auf das Theater und plädiert mit Hans-Thies Lehmann für eine „Wahrnehmungspolitik“, die das Theater zur kritischen Reflexion der eigenen Wahrnehmung befähigt.

Schlüsselwörter

Theater, Politische Theorie, Kulturkritik, Authentizität, Platon, Nachahmung, Wahrnehmungskritik, Polis, Identität, Postdramatisches Theater, Moderne, Warenästhetik, Gesellschaftsvertrag, Wahrnehmungspolitik, Massenmedien

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Auseinandersetzung mit dem Theater als politischem Instrument und beleuchtet, warum das Theater seit der Antike als „inauthentisch“ kritisiert wurde und welche Rolle es für die Legitimation politischer Ordnungen spielt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Philosophie Platons, die Entwicklung des antiken Bürgertheaters, die Wirkungsgeschichte des Dramas in der Neuzeit sowie die Auswirkungen moderner Medien auf unsere Wahrnehmung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Funktionsweise einer Kulturkritik aufzudecken, die das Theater ständig an einem Ideal der Authentizität misst, und dabei aufzuzeigen, wie das Theater heute zu einer kritischen „Wahrnehmungspolitik“ beitragen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine diskursanalytische Untersuchung kulturkritischer und theaterwissenschaftlicher Texte, wobei philosophische Konzepte (z.B. von Platon, Rousseau, Hegel) auf ihre theaterrelevanten Implikationen hin befragt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung vom athenischen Theater über die barocke Tradition bis hin zur Warenästhetik des Kapitalismus und dem postdramatischen Theater der Gegenwart.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Authentizität, Nachahmung, Identität, Wahrnehmungspolitik und Gesellschaftskritik charakterisiert.

Warum spielt Platon in dieser Arbeit eine so zentrale Rolle?

Platon gilt als Urvater der Kulturkritik; seine philosophische Ablehnung der Nachahmung (Mimesis) bildet den Ausgangspunkt für fast alle späteren Debatten über den „Scheincharakter“ des Theaters.

Wie unterscheidet sich das „postdramatische Theater“ von klassischen Formen?

Laut Hans-Thies Lehmann zeichnet sich das postdramatische Theater dadurch aus, dass es die Theatersituation selbst reflektiert und keine Illusion einer heilen Welt vorgaukelt, sondern die Zuschauer zur bewussten Auseinandersetzung mit ihrer Wahrnehmung zwingt.

In welchem Zusammenhang steht die Warenästhetik mit dem Theater?

Die Arbeit zeigt, dass Teile der Kapitalismuskritik – insbesondere bei Wolfgang Haug – das Konsumverhalten als eine Art „Theatralisierung der Gesellschaft“ deuten, wobei das Theater hier als kritisches Gegenmodell zu einer Fassadenwelt dienen kann.

Excerpt out of 36 pages  - scroll top

Details

Title
Das Theater und das Politische
College
University of Potsdam  (Philosophisches Institut)
Course
Kultur & Kritik
Grade
1,7
Author
Matthias Zimmermann (Author)
Publication Year
2003
Pages
36
Catalog Number
V47791
ISBN (eBook)
9783638446587
Language
German
Tags
Theater Politische Kultur Kritik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Zimmermann (Author), 2003, Das Theater und das Politische, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47791
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